Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 37 (18.9.1891)
- Date
- 1891-09-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Orstrrrrichische Wochrnschrist. Seüe 685 Nr. 37 bürgt worden wären, würden wir diese Vorkommnisse kaum für glaublich gehalten haben, obgleich Radcgast und Umgebung den Beinamen „die schwarze Ecke in Anhalt" sich schon längst erworben hat. Memel. Das Comite zur Unterstützung und Beförderung russisch-jüdischer Auswanderer an unserem Orte hat I'is vor Kurzem mit ungeschwächten Sh’itteht und Kräften weitergearbeitet und hat bis zur Stunde nahezu 7000 Personen die nöthigen Mittet zur Auswanderung nach überseeischen rändern durch örtliche Unterstützung und Ueoerweisung an die ausführenden Comite's in Stettin und Hamburg geboten. Alle Geldmittel bezieht das hiesige Comite gegenwärtig vom Deutschen Central Comite zu Berlin. Seit kurzer Zeit ist nun ern gewisser Stillstand in die Angelegenheit gekommen. Zurück! zuruck! heißt die Losung. Die Hafenorte, die Auswanderungsziele sind überfüllt von Ausgewanderten, welche von allen Punkten der russisch-preußischen und russisch-österreichischen Grenze denselben zugeströmt sind und kein Unterkommen mehr -finden können. Von allen Seiten sucht man jetzt den Strom zurückzudämmen, was freilich viel leichter angeordnet als vollsührt, viel leichter gesagt als gethan ist. Die Delegirten des Deutschen Central-Comite's bereisen die Grenze, um den Unterstützungs- und Sichtungs-Comite's in dem überaus schwierigen Werke der Zurückbeförderung beizustehen. Der Herr Rentier Simmel aus Berlin, welcher zu dieser» Zwecke hierhergekommen war, hatte kaum unseren Ort verlassen, da war auch schon ein anderer Mann, von Eydtkuhnen kommend. hier eingelangt, um sich an dem Werke zu betheiligen und dem hiesigen Counts die Richtung und Ordnung anzugeben, wonach gegenwärtig verfahren werden müsse. Herr Rabbiner Dr. Block aus Jarotschm, so ist der Name des Mannes, weilt nun schon seit Dienstag Abend an unserem Orte und hat in Gemeinschaft mit dem hiesigen Comite fern Möglichstes gethan, um die hilfesuchenden Auswanderer mit Gewährung angemessener Unterstützungen zur Rückkehr zu bewegen. Das Verfahren des genannten Mannes verdient alle Beachtung und Hochachtung. Ä) it größter Geduld, Milde und Beredtsamkeit sucht er einen Jeden zu überzeugen, daß die Rückkehr zur russischen Heimat vorläufig für ihn das beste sei, daß, wie die Dinge gegenwärtig liegen, der Auswanderer nur in's Verderben renne, da er nirgends Beschäftigung, Unterstützung und dauernden Aufenthalt finden werde; in den allermeisten Fällen gelingt es auch, den Auswanderer zu bestimmen, die Vorschläge des Comite's anzunehmen. Herr Dr. Bloch hat während seines Hierseins durch freundliches, rücksichtsvolles Wesen, durch Mildherzigkeit und Unermüdlichkeit in der Behandlung und Berathung seiner hilfesuchenden Glaubensgenossen sich die Achtung und Zuneigung der hiesigen Comitemitglieder in hohem Grade zu erwerben gewußt. London. Der 80jährige Führer der Liberalen von Neuseeland und frühere Gouverneur der Colonie, S'.r George G r e y, will sich durch die üblen Erfahrungen des Londoner Lord Mayors nicht abschreckcn lassen. Er hat im Parlament von Neuseeland angrkündigt, daß er den Antrag stellen wolle, dem Zaren eine Denkschrift zu übersenden, worin derselbe aufgefordert wird, den Juden seines Reiches die gleichen Rechte wie den übrigen Unterthanen zu gewähren. Constantinopel. Dr. Cyrus Adler schreibt von Constantinopel an den „American Hebrew“ über die Art und Weise, wie sich der hiesige Gesandte der Vereinigten Staaten, Mr. Salomon Hirsch, mit der Sache seiner Glaubensgenossen identificirt. Er sagt u. A.: „Es wäre nicht schicklich von mir, wollte ich das Vertrauen selbst um des Lobes willen mißbrauchen, deswegen kann ich hier nur darauf verweisen, daß all die großen, das Judenthum bewegenden Fragen — und wir machen eben jetzt sehr schnell Geschichte — das Interesse und die Sympathie Mr. Hirsch's besitzen, sowie, daß er zu wiederholten Malen schon mit seinen Collegen in diplomatischen Kreisen, als auch mit den höchsten Staatswürdenträgern das Wohl und Wehe des Judenthums betreffende Angelegenheiten besprach. Ein Vorfall, von dem ich soeben hörte, ist in dieser Beziehung sehr bezeichnend. Während der Unruhen auf Corfu äußerte sich ein bekannter griechischer Bankier in Gegenwart mehrerer Personen, er glaube, daß die Juden Christenblut verwenden u. s. w. Der Bankier ist eine der einflußreichsten Persönlichkeiten in dieser Stadt und in der besten Gesellschaft gern gesehen. Als Mr. Hirsch von dieser Aeußerung hörte, unterrichtete er seine Freunde und Collegen über den wahren Sachverhalt der corfiotischen Begebenheiten zugleich mit der Bekanntgabe, daß er in Hinkunft es vermeiden wolle, mit dem Manne zu sprechen, geschweige überhaupt mit ihm zusammenzutreffen oder an einem Tische zu sitzen. Dieser Entschluß wurde, wie ich mit Vergnügen bemerke, von einigen Amtsgenossen Mr. Hirsch's, natürlich Christen, mit groß m Beifall ausgenommen." Petersburg. Eine offfcielle Depesche aus Petersburg meldet: Die Hungersnoth in den nothleidcnden Gouvernements nimmt erschreckende Dimensionen an. Wie furchtbar miissen die Zustände im Innern Rußlands sein, wenn mit der Verschwcigungstaktik gebrochen wird! Dieses Telegramm ist von. lakonischer Kürze, es läßt der- Phantasie den weitesten Spielraum, sich die erschreckende Dimension der herrschenden Hungersnoth auszumalen: fühlt man in Petersburg einzig und allein Mitleid mit den Qualen der hungernden Bevölkerung oder entspringt der Schrecken, den man in Petersburg empfindet aus der Befürchtung, daß die Verzweiflung der von Hungersnoth heimgesuchten Bevölkerung Anlaß zu ernsten Ruhestörungen geben könnte? — Wie der „Köln. Ztg." berichtet wird, protestiren im Gouvernement Nischnei-Nowgorod verschiedene Landschaften gegen den Bau von Chausseen, welchen die Regierung angeordnet hat, um den Nothleidcnden Verdienst zu schaffen. Die Bauern erklären, sie hätten für Chausseen weder geeignete Wagen noch Pferde, auch sei Steinmangl vorhanden. ... VmmMes. Wie«. (Auszeichnung.) Auf der internationalen mikroftopischen Ausstellung in Antwerpen hat das chemisch-mikroskopische Laboratorium von Dr. M. und Dr. Ad. I oll es in Wien die höchste Auszeichnung — die goldene Medaille — für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Mikroftopie irnd Bakteriologie zuerkannt erhalten. Wien. (Personalnachrichten.) Sonntag, am 20. Sept. 2 Uhr Nachmittags findet im israel. Tempel der Leopoldstadt die Trauung des Fräuleins Hedwig Süd selb, Tochter des Herrn Hermann Südseld mit Herrn Heinrich Tandler statt. — Dienstag am 22. September 3 Uhr Nachmittags findet im israel. Tempel zu Floridsdorf die Trauung des Fräuleins Rosa Buchwald, einer Tochter des Cultusvorstehers Herrn Josef B u ch w a l d mit Herrn Med. Dr. M o r i tz N e u w i r t h aus SiUein statt. Wien. 15. September. (Leichenbegängnis) Vorgestern ist hier Herr Hermann E. Taussig, Vater des Direktors der Bodencredit-Anstalt, Theodor Ritter v. T a u s s i g im Alter von 78 Jahren gestorben. Heute Vormittags fand vom Trauerhause, Peregringafse Nr. 4, aus das Leichenbegangniß unter zahlreicher Theilnahme der finanziellen und commerziellen Kreise statt. Man bemerkte unter Anderen: Baron Ban Hans, den Präsidenten der Südbahn Baron Hopfen, General- Secretär Hoftath Raspi, die General-Jnspectoren Microys und Klima, den General - Jnspector der Staatsbahnen Regierungsrath Rubricius, Präsidenten Mitscha der Nordwestbahn, General-Secretär Regierungsrath Dr. Cg e r, Central- Jnspector Wilhelm, Director Lang von der Nordbahn, die Beamten der Bodencredit-Anstalt, Präsident Ritter v. Weiß von der Creditanstalt, die Direktoren Miller v. Aichholz (Oesterreichisch-ungarische Bank), Ritter v. Borken au (Escompte- Gesellschaft) und W i d m a n n (Unionbank), Chefredacteur Ritter v. Klarwill, Landesschulrath Baumgarten, Gememderath Simon, Blindeninstituts-Director Heller und Andere. Ober- Cantor Singer hatte die rituelle Function im Trauerhause, woraus der Sarg nach dem Centratsrichhofe gebracht und dasÄbst