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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Orsterrrichifche Wochenschrift. Seüe 663 meinem Aufrufe habe ich nur eine Pflicht erfüllt, habe ich nur die Eingebung eines menschlich fühlenden Herzens befolgt. Es ist bedauerlich, daß wir gerade in unserem Zeitalter, da der Fortschritt in allen Zweigen der Wissenschaften ein so großer ist, die Schrecken des Mittelalters zu neuem Leben erstehen sehen in jenen Atrozitätcn, welche Menschen gegen ihre menschlichen Geschwister nur darum verüben, weil ihre Glaubensprinzipien verschieden sind und sie nicht nach einem unb demselben Ceremoniel den einzigen Gott anbeten, der unser aller liebender, himmlischer, süßer Vater ist, der nicht darauf sieht, von wem und mit welchem Ceremoniel er angebetet wird, sondern der die menschlichen edlen Gefühle des Herzens und die diesen Gefühlen entstammenden guten Handlungen gnädig aufnimmt und belohnt, der Bw mherzigkeit will und kein Opfer. Ich habe den festen Glauben an die bessere Zukunft, an den die Unmenschlichkeiten vernichtenden Geist des fortschreitenden Zeitalters, an den Sieg der Aufklärung. Jener Rückfall, der sich in den russischen Atrozitätcn, in den an mehreren Orten sich zeigenden retrograden Richtungen, in der Verherrlichung des Zeitalters der, Schrecken: des finsteren Mitt lalters, zeigt, ist nur scheinbar und dient als Mittel dazu, daß der wirtliche Humanismus einen umso glänzenderen, einen umso vollständigeren Sieg erringe. Nach den Worten des großen Dichters : „Die Zeit ist gerecht, sie stürzt um, was nicht gerecht ist"... „Die Zeit ist der Führer der guten Seelen, sie stellt sich zu deren Ve.theidigung." Die russische Verfolgung ist keine That des Ehristenthums, die wahren Christen schrecken zurück davor. Jeder christliche Priester müßte sich dagegen verwahren, damit er durch diese Verwahrung und mit der Solidarität der ganzen Christenheit diese unmenschlichen Verfolger zurückweise, die sich wohl Christen nennen, die aber mit unmenschlichem Vorgehen das Hauptgesetz des Christenthums verletzen: die Nächstenliebe. Den Segen des gütigen Gottes für ihren menschenfreundlichen Verein erbittend, verbleibe ich mit ausgezeichneter Achtung ihr dienstbereiter Gabriel Pap, transdanubischer evag.-ref. Bischof. Revkomärom, 1. September." Preßburg. (Die „Jessode Hatorah" - Schule.) Eine Lebensfrage des modernen Judenthums ist: Wie erhält man das Talmudstudium und ein streng religiöses Leben einem Theile der Jugend, um wenigstens einen der Tradition treuen Nachwrichs an Rabbiner und Cultusbeamten zu erziehen? Es soll zwar im Judenthume keinen Unterschied zwischen Seelsorger und Laien geben; aber wer kann sich der Erkenntniß verschließen, daß Staat und Gesellschaft nun einmal nach der Religion der Mehrheit eingerichtet sind und der Jude im praktischen Leben seiner Religion große Opfer bringen muß, für welche die Meisten zu schwach sich fühlen, wenn sie auch mit schwerem Herzen die ersten Schritte der Untreue begehen. So lange jedoch die Rabbiner und Religionsweisen noch mit dem alten jüdischen Wissen ausgestattet sind und dem traditionellen Leben anhängen, ist durch sie der Bestand des alten Judenthums gesichert, mag jeder Einzelne in der Gemeinde sich noch so weit davon entfernt haben. Fromme Rabbiner werden häufig durch ihr Beispiel Viele wieder zurückführen, die indie Jahre kommen, wo das praktische Leben keinen Reiz mehr für sie hat. Gott sei Dank fordern auch noch die meisten Gemeinden, selbst die indifferentesten, talmudisch gelehrte und religiöslebende Rabbiner und Beamte und wenden die bekannte Anekdote an, die sich in der Moral zuspitzt, daß der Insasse im Wagen berauscht sein darf, aber nicht der Kutscher. Wie erhält man aber diesen gesunden Stamm dem alten Judenthum? Wohl gibt es fast in jeder größeren Gemeinde eine Tälmud-Thora-Schule und auch einige Rabbiner-Schulen und Seininare sind vorhanden; aber zwischen dem Austritt aus der ersten und dem Eintritt in die andere liegen lange Jahre, während deren der Knabe und Jüngling das jüdische Wissen nicht gepflegt und vom jüdischen Leben entfremdet worden ist. daß er sich dann jenes nur zur Erlangung des Diplomes eingepaukt und dieses ihm zur Fessel wird. Es ist daher eine Institution nothwendig, welche die Talmud-Thora-Schule mit der Rabbinerschule verbindet und ununterbrochen von der einen in die andere leitet. In Preß bürg, dem alten Sitze talmudischer Gelehrsamkeit, wo heute noch eine große Jeschibah besteht, haben einige für das Judenthum begeisterte Männer eine solche Institution unter dem Namen „Chebrath Jessode Hatorah“ auch wirklich geschaffen und sie entfaltet ein segensreiches Wirken. Die Frequentanten dieser Jaszodeh Hatorah- Anstalt werden bis zur Reife für die Jeschibah ausgebildet und im jüdischen Leben so befestigt, daß es ihnen Stab und Stützen wird. Vier tüchtige Lehrkr'üfte leiten den Unterricht und die Erziehung an derselben und am Sabbath eraminirt der berühmte Talmudist und Rosch-Beth-din Se. Ehrwürden Rabbi David Neumann die Schüler über das Pensum der Woche, während der Oberrabbiner, der an der Spitze der Verwaltung des Institutes steht, die Eursexamen vornimmt. Die Anstalt wurde einmal auch schon von einem Ministerialrath inspizirt, der seine vollste Zufriedenheit über den guten Geist, welcher in derselben waltet, ausdrückte. Vor uns liegt der gedruckte Ausweis dieser Anstalt für das Jahr 1889/90. Wir entnehmen demselben, daß im genannten Jahre 78 Schüler die Anstalt frequentnten, darunter — ein tröstlicher Beweis hi Io alman Israel — Knaben aus Wien, Budapest, Antwerpen, Berlin, Breslau mrd selbst Birmingham in England. Die Anstalt wird erhalten erstens von der Subvention der Preßburger Cultusgemeinde, die für die Erhaltung der Jeschibah und andere Unterrichtsanstatt schon so bedeutende Opfer bringt, dann von den Einzahlungen der Mitglieder eines Vereines, die sich aus aller Herren Länder rekrutiren, und Spenden, und endlich von Legaten. Allein das Einkommen reicht nicht hin, die Kosten der Anstalt zu bestreiten und es muß jährlich an die WohUhätigkeit der Pereinsmitglieder besonders appelirt werden, um das Defizit zu decken. Das Gedeihen dieser Anstalt erfordert, daß die Juden aller Orten sich an der Unterstützung derselben betheiligen. Es ist dies eine enlinent jüdische Angelegenheit, Sache der Allgemeinheit. So lange Preßburg allein eine solche Anstalt besitzt, ist der Fortbestand des traditionellen Judenthums von Preßburg aus bedingt und hat es berechtigten Anspruch auf allseitige Unterstützung zur Erhaltung dieser wichtigen, segensreichen und trefflichen Institution. Breslau. 11. September. Unter überaus großer Theilnahme fand gestern Donnerstag, Vormittag 10'/, Uhr die Beerdigung des Professors Dr. Graetz von der Leichenhalle des hiesigen israelittschen Friedhofes aus statt. Die weite, mit exotischen Blattpflanzen und mit Blumen - Arrangements reich deeorirte Halle konnte die große Zahl der zur Trauerfeierlichkeit Erschienenen kaum fassen. Es hatten sich eingefunden die Lehrer und Zuhörer dcs Fränkel'schen Rabbiner-Seminars, sowie das Curatorium dieser Anstalt, Mitglieder des Lehrkörpers der hiesigen Universität, Vorstand und Repräsentanten - Versammlung der Synagogen-Gemeinde, sowie Deputirte vieler Wohlhätigkeitsanstalten, fast sämmtliche Rabbiner der schlesischen Gemeinden, sowie eine große Zahl von Seelsorgern israelitischer Gemeinden außerhalb Schlesiens. Viele dieser früheren Schüler des Verstorbenen, welche theilweise aus weiter Ferne hieher gekommen waren, erschienen im Ornat. Nachdem ein Sängerchor unter Leitung des Obercantors Deutsch einen Trauergesang intonirt hatte, hielt der Gemeinde-Rabbiner Dr. Rosenthal die Trauerrede. Es trat hierauf Seminarlehrer Dr. Rosin an dm Sarg, und sprach im 'Namen des Lehrercollegiums des Seminars

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