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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 680 Oestrrrrichische Wochenschrift. Nr. 37 und als der Schreiber dieses Aufsatzes gelegentlich des letzten Aufenchaltes Nub instein's in Wien auf eine einzige unrichtige Jntervallenfolge im Tanzliede Lea's aufmerksam machte, antwortete der Meister: Sie haben Recht, allein ich hörte den Gesang wirklich so von einem reisenden Juden." Dem Zauber dieser von Meyerbeer zuerst aufgestellten spezifisch jüdischen Melodie konnte sich auch Meister Verdi gelegentlich des Gesanges der Priesterin in der Tempelszene der Oper Aida nicht erwehren und so scheu wir in den großen Opern unseres Jahrhundertes eine musikalische Kunstrichtung verpflanzt, die als eine spezifisch Mische bezeichnet werden muß, weil das charakteristische Jntervallengepräge nirgends früher, als im traditionellen Synagogengesang anzutreffen ist. Das Verdienst dieser für Nichtjuden neuen Kunstgestaltung muß entschieden Meyerbeer zuerkannt werden und wenn er auch kein Doktrinen für die Vertretung dieses Stiles aufstellte, so gebührt ihm schon für die That allein der Tankeszoll des Judenthums. Meyerbeer schrieb auch ausschließlich für die Synagoge einen Vumuellau jomar mit hebräischem Text und wenn diese Piece auch nur die einzige für die Synagoge von ihm componirte Nummer blieb, so bewies er durch dieselbe doch seine Zugehörigkeit zn großer Gemeinschaft seiner Glaubensbrüder. Wir vermeinen nun, erhärtet zu haben, daß Richard Wagner Recht hatte, wenn er Meyer beer ein gutes Theilchen jüdischer Kunst zuerkannte, daß er aber entschieden Unrecht hatte, einen jüdisch-musikalischen Stil in Abrede zu stellen, wie er leider auch daran vergaß, was Meyerbeer in Paris für ihn gethan. Beide deckt sie nun die Mutier Erde; doch können wir zum Schluffe die Anschauung nicht zurückdrängen, daß der Künstler Meyerbeer auch ohne Vorgänger Richard Wagner möglich geworden; daß der Zweifel jedoch ein berechtigter sein dürfte, ob Richard Wagner zu jener Bedeutung gelangt wäre, wenn er nicht gestützt und gekrästigt worden wäre von der Meisterhand desjenigen, der da Im Leben hieß Giacomo Meyerbeer. Wien. Wir lesen in der Arbeiter-Zeitung: Die Gebrüder Klinkosch, Silberwarenfabrikanten und k. k. Hof- und Kammerlieferanten scheinen dem Beamtenpersonale die Weisung gegebm zu haben, nur christliche Arbeiter aufzunehmen. Merkwürdigerweise inserirte die Finna Klinkosch im „Neuen Wiener Tagblatt" also in einem sogenannten Judenblatt. „Treib-Ziseleure werden ausgenommen". Ich ging, nachdem ich beschäftigungslos bin, zu dieser Firma in der Hoffnung, Arbeit zu finden. Als der Beamte mein Arbeitsbuch besichtigte, stellte er wir selbes mit dm kurzen Worten zurück: „Juden dürfen wir nicht aufnehmen." Also Juden will man hier nicht ausbeuten. Der antisemitische Geist sträubt sich dagegen und in echt christlicher Nächstenliebe werden hier nur Christen ausgebeutet. Ich theile dies jenen Fachgenoffen mit, welche nebst dun, daß sie Arbeiter sind noch das Unglück haben Juden zu sein, damtt sie den Weg zu den Gebrüdern Klinkosch ersparen. Durch ein solches Vorgehen wird auch die Behauptung es Dr. Lueger zu Schanden, welcher sagt: man kämpfe nur gegen die reichen, nicht aber gegen die armen Juden. Nun die Antisemiten, diese Kämpfer gegen das jüdische Ausbeuterthum sprechen so wie sie es brauchen und wenn sie gerade einen armen Juden ihren Haß fühlen lassen können, werden sie es um so eher thun als sie ja vor den Neichen sehr gezähmte Antisemiten, meist lammfromm werden. Die Arbeiter aber wissen, daß die christlichen ebenso wie die jüdischen Capitalistm das arbeitende Volk ausbeuten, wissen, daß die christlichen Brüder Klinkosch aus den christlichen Bruder Arbeiter ebenso christlich ihr Prositchen, genannt „Unternehmergewinn", herauszubringen suchen, wie dies der jüdische Unternehmer thut. Und deshalb kämpfen die Arbeiter gegen das gesammte internationale, interconfessionclle Ausbeuterthum. Ein Judenproletarier. Eine weitere reproducirenswerthe Notiz bringt die „Arbeirer- Ztg." unter dem Schlagwort: „Christliche Nächstenliebe." Sie weiß, was sie ihren Nächsten zu thun schuldig ist, die Hausfrau Pischofsky in Hernals, Stiftgasse 79 wohnhaft. Als am 24. August, die seit 10 Jahren in ihrem Hause bedienstete Hausbesorgerin, die Witwe Barbara Sprinzl starb und die älteste Tochter derselben fragte, ob die Hausfrau die Todte vor ihrer Uebersührung in die Todter.kammer ncchmals sehen wolle, antwortete diese barsch: „Ich brauch sie nicht zu sehen; schaut daß sie fortkommt und auch ihr (die Kinder der Verstorbenen) müßt bis 9 Uhr abends die Wohnung räumen". Spruchs, und dabei blieb es. Die armen Kinder waren genöthigt, ihre wenigen Habseligkciten bei mitleidigen Nachbarsleuten unterzubringen und für sich selbst anderswo Unterkunft zu suchen. Ein selbst nicht glanzend situirter Schuhmacher beschenkte die armen Kinder mit fünf Gulden, damit sie nicht dem äußersten Elende der Obdachslosigkeit preisgegeben waren. Die zehnjährige Dienstzeit der Tobten war also damit belohnt, daß sie gleich einem Aase schleunigst aus - dem Hause entfernt werden mußte, die zurückbleibenden Kinder aber unbekümmert darum, daß sie der Noth, dem Verderben anheimfallen, wurden sofort als Bettler auf die Straße gesetzt. So sieht die christliche Nächstenliebe aus in dem Zeitalter der Humanität. Wien. Ein antisemitischer Wahlcand i da t.) Am 22. Juni fanden in Sechshaus die engeren Wahlen für den Bezirksausschuß und Gemeinderath statt. Der Jalonsien-Fabrikant Ludwig Barta, Candidat der antisemitischen Partei, stand mitten in einer kleinen Gruppe und war bemüht, jeden ankomm enden Wähler für seine Partei zu gewinnen. Ueberall theilte er Grüße und Händedrücke aus. Auch dem Bäckermeister Georg Röhrt, der von der liberalen Partei als Candidat für den Gemeinderath ausgestellt und auch gewählt worden war, hatte Herr Barta die Ehre eines Händedruckes zugedacht Herr R ö h r l war dafür aber nickt sehr empfänglich, er wies die dargebotene Hand mit den Worten zurück: „Ihnen gele ich keine Hand! Zahlen Sie vorerst Ihre Schulden, mit denen Sie den Kellnern abgefahren sind!" Herr B a r t a strengte wegen dieser Aeußerung die Ehren-Beleidigungs-Klage gegen den Gemeinderath R ö h r l an und über dieselbe fand gestern vor dem Bezirksgerichte Sechshaus die Verhandlung statt. Gemeinderath R ö h r l gestand die incriminirte Aeußerung vollinhaltlich zn und erbot sich zur Erbringung des Wahrheitsbeweises. Zeuge I. Tischl, ehemals Cafetier, sagte aus, daß zu jener Zeit, als er noch ein Kaffeehaus besaß, Herr vgBsamas8-

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