Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020885--00705-3024708
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 37 Orsterretchtschr Wochenschrift. Seite 679 der Juden lindern würde. Viele mögen ihre Lage verbessern, die große Masse der Bevölkerung aber würde verarmen durch den Verlust der Blüthe ihrer Race. Endlich liegen die Gefahren vor, welche alle in großem Maßstabe unternommenen Operationen in sich bergen. Gerade ihre Größe setzt sie unendlich vielem.Risico aus. Es ist daher jedenfalls die äußerste Vorsicht nöthig." Zum hundertsten Geburtstage des Comxonisten Giaromo Mryerbeer. Vom Oberkantor Josef Singer in Wien. Trotz der unqualifizirbaren Angriffe Richard Wagner's gegen Meyer beer und sein musikalisches Streben ward der hundertste Geburtstag des weltberühmten Tonsetzers auf den größten Opernbühnen des In- und Auslandes durch glanzende Aufführungen seiner Bühnenwerke festlich begangen. Diese Thatsache allein macht alle Verhetzungen und Angriffe zu Schanden; seit der ersten Aufführung der Hugenotten am 21. Februar 1836 sind nahezu 56 Jahre verflossen und dieselben ziehen noch heute entgegen der Ansicht Richard Wagners und seiner Nachtreter jngendfrisch wie im Triumphe über die größten Opernbühnen der Welt. Dieser, die musikalische Eignung Meyerbeer's erschöpfend kennzeichnende Erfolg enthebt uns an dieser Stelle der in den Fachorganen belhätigten Specialisirung des Meisters wie wir es auch nicht nöthig erachten, Geburt, Erziehung, Weiterentwickelung und Lebensereignisse gleich den Tagesblättern, eingehend zu behandeln. Nur für Mindereingeweihte wollen wir in Kürze erwähnen, daß Giacomo Meyerbeer, eigentlich Jacob Meyer Beer am 5. September 1791 zu Berlin von jüdischen Ettern geboren wurde. Als ältester Sohn der reichen und angesehenen Familie Beer mußte dem Vermächtnisse eines Onkels zufolge dem Vornamen des erstgebornen Sohnes auch noch der Name Meyer hinzugesügt werden, daher die spätere Bezeichnung Jacob Meyer Beer. — Den Musikunterricht des frühzeitig musikalischen Knaben besorgten vom ersten Anbeginn bis zur Kunstvollendung Männer von überaus hoher Bedeutung: denn Franz Lausta, Muzio Elementi Zelter B. A. Weber und später Abt Vogler in Darmstadt waren seine Lehrer und bei dem Letzteren waren Domkapellmeister Gänsbacher und E. M. von Weber seine Mitschüler. In diese Zeit der eifrigen Kunststudien fällt der erste Versuch einer selbstständigen Composiüon und zwar der Cantate: „Gott und die Natur", welche, wie auch eine spätere musikalische Bearbeitung des 98 Psalmes im Jahre 1811 von der Singakademie zu Berlin mit solch entschiedenem Erfolge aufgeführt wurden, daß sein einstiger Lehrer Weber die Cantate als ständige Nummer für sein alljährlich in Aussicht genomenes Benefiz- Concert bestimmte. .Von da ab sprießen Pflänzchen und Pflanzen, je nach der momentanen Inspiration, in den musikalischen Heimgarten Meyerbeers empor. Eine ernste Oper Jephta's Gelübde, mehrere Kirchengesänge und die komische Oper „Alimelek" erstanden um das Jahr 1813 — und bis zum Jahre 1824 erblickten nicht weniger als 10 große Opern M eyerb eer's das Licht der Welt: die letzte dieser Opern u. z. „II Crociato in Egitto“ wurde in Venedig mit durchgreifendem Erfolge aufgeführt. — Der Tod seines Vaters und die Verheiratung des Meisters (1827) bildeten eingreifende Momente im Leben Meyrr beer's und zwangen ihn, nach der durch den ehrgeizigen Einfluß Spontini's ihm etwas abholden Vaterstadt auf kurze Zeit zurückzukehren, worauf wir ihm bereits 1831 als gefeiertem Mann in Paris begegnen. Die Aufführung der beiden Opern „Robert" und „Hugenotten" trugen den Namen Mey er beer's rasch hinaus in die weite weite Welt und diesem mächtigen Erfolge verdankte er es, daß er bereits 1842 vom König von Preußen zum Generalmusikdirektor berufen wurde. Wie bereits oben erwähnt, wollen wir darauf verzichten, gleich den Fachorganen und Tagesblättern, Meyerbeer auf seinen weiteren Siegeszügen durch die Hallen seiner erhabenen Kunst zu begleiten. An dieser Stelle wollen wir es lediglich versuchen, die Kunstbestrebung Meyer beer's vom Standpunkte des Judenthums zu betrachten; nicht jener von Richard Wagner vindicirten, allgemein als berechnend und spekulirend geltenden Raceneigenthümlichkeit sondern vom Gesichtspunkte einer von Wagner und allen Antisemiten in Abrede gestellten wirklich specifisch-jüdischen Musikgestaltung, wie dieselbe in den Werken jüdischer und nicht jüdischer Mustkheroen, zielbewußt verwerthet erscheint. — Der Ramn dieses Blattes gestattet keine weithergeholten Erörterungen über den Gesang in Zions Tempel, auch keinen weiteren Hinweis auf die Musikbestrebungen der Griechen, allein auf den Umstand muffen wir hindenten. daß es Jahrhunderte der erbittertsten Kämpfe getoster, l is der Läuterungsproceß der heutigen modernen Musikskala mit ihren beiden. Halbtönen von der 3. — 4. und 7. — 8. Stufe und mit den Ganztönen auf den 6 übrigen Tonstufen durchgeführt erschien, indem das Charakteristische der mannigfachen griechischen Tonmalereien von der jeweiligen Lage der Halbtöne abhing. So lagen z. B. bei der griechischen Skala D. E. F G. A. H. C. O. Die Halbtöne von 3. — 3. und 7. — 8. Stufe, während bei der Skala E. F. G. A. H. G. D. E. die Halb töne von der 1. — 2. und von der 5. — 6. Stufe lagen daher musikalische Arbeiten auf der Basis dieser oder jener Skala auch ein verschiedenartiges Tongepräge aufwiesen: Bei all der rühmlichst anerkannten Bedeutung der altgriechischen Tonartm, dmen auch die späteren Kirchentonarten und auch die heutigen modemen Tonarten entstammten, verfügten dieselben jedoch nur über Halb- und' Gänztöne. Wie verhält es sich nun, wenn in den traditionellen Synagogenweisen auch übermäßigen (also aus 3 Halbwnen bestehenden) Intervallen begegnet wird, bei deren Anwendung eine ganz eigenthümliche, weder mit der alten noch modernen Musik in irgend welchem Zusammenhänge stehende Tonsärbung erreicht wird?') Sicherlich können solche Tonsolgen, die Lei keiner anderen Musik als nur beim traditionellen Synagogengesange beobachtet werden, nicht anders denn als spezifisch jüdische Tonsolgen bezeichnet werden. — Die Wirkung dieser spezifisch jüdischen Intervalle begegnen wir nun auf Schritt und Tritt in den Mey e rbeer'schen Opern. „Der Musik von St. Bris Aufforderung zum Kampfe. „Ruhig ohne Geräusch" in der Oper Hugenotten könnte ohne große Schwierigketten der Text von Wsehomrn bne jiaroel es haschabbos und den Tönen des Nachtwächters in derselben Oper könnte gleichfalls der Text von „Wajechullu haschomajim“ einverleibt werden. Dem Zauber dieser Tonwirkung konnte sich Gold mark in der Königin von Saba wie auch Ru Lin stein in seiner Oper „die Makkabäer" nicht entziehen i) Tie theoretische Erörterung dieser Erscheinung fand' in der Brochüre „Synagogentonarten rc. uom Qberkantor Josef Singer eingehende Würdigung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.