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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 670 Oefirrreichisch Wochenschrrst. Nr. 36 KiMitz. Anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers wurde Dienstag, den 18. d. M. im hiesigen isracl. festlich decorirten und vollständig beleuchteten Tempel ein solenner Gottesdienst mit F-estpredigt abgehalten. Das Gotteshaus war in allen seinen Rämnen von einem zahlreichen distinguirten Publikum dicht gefüllt. Die Feier begann mit Absingung des Nab tüvu, Psalm 21. und ein patriotisches Festli.'d welches von unserem verehrten Cantor Herrn A. Ko hn mit seinem Chorpersonale wirkungsvoll und exakt aufgeführt wurde. Besonders verdient machten sich die bei dieser Feier mitwirkenden Damen, als Frl. Jetti Jellinek, Karoline Heißfeld, Karol. I uhn, Frl. Ernestine Apfl und Herren Brüder Kohn welchen hiermit der beste Dank ausgesprochen wird. Sodann bestieg unser ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Frei mann die Kanzel, um n einer von Begeisterung und Patriotismus durchwehten Rede die Feier zu würdigen, welche auf alle Anwesenden eine mächtige Wirkung übte- Bor offener Bundes lade sprach er hierauf ein zu Herzen dringendes Gebet für den erhabenen Landesvater das geliebte Kaiserhaus und das gesammte Vaterland. Nun folgte abermals ein patriotisches Lied und Psalm 61. die Absingung der Volkshymne bildete einen würdigen Abschluß der erhebenden Feier. Mailand, Ende Juli. Fräulein Florence Menck- Meyer, die berühmte australische Componistin und Pianistin hatte sich bei ihrem hiesigen Auftreten im Scalatheater eines außerordentlich glänzenden Erfolges zu rühmen. Ihre eigenen Eompositionen erregten die höchste Bewunderung und wurden durch Lu eaxo-Rufe von Seiten der hervorragendsten musikalischen Capacitäten unserer Stadt geehrt. Die Künstlerin hat für längere Zeit mit den Hauptstädten Italiens und der Schweiz ein sehr ehrendes Engagement abgeschlossen. London, 1. September. Der IX. internationale Orientalistencongreß wurde heute durch Dr. Taylor aus Cambridge eröffnet. Unter den Theilnehmern befindet sich auch der Professor O p p e r t. Paris. Dem Präsidenten der französischen Republik, Earnot, wurde jüngst ein originelles Geschenk überreicht. Es war sein Bild in Federzeichnung. Bei näherer Besichtigung entdeckte man jedoch, daß die einzelnen Linien aus mikroscopisch kleinen Buchstaben bestehen, welche die hauptsächlichsten Reden und die Biographie Earnots enthalten. Das Kunstwerk entstammt der Feder des Schreibers Sofer. Derartige Kunstleistungen in hebräischer Schrift sind nichts Seltenes. Paris, 23. August. Vorgestern vollendete Josef Derenbourg sein 80. Lebensjahr. (D. ist ein geborener Deutscher, wanderte, wie Julius Oppert, nach Paris, und wurde, wie dieser, wegen seiner reichen umfassenden wissenschaftlichen Thätigkeit zum Professor und Mitglied des „Institut de France" ernannt. Der greise Orientalist ist gegenwärtig mit der Herausgäbe der arabischen Werke des Gaon Saadja zu dessen Millenarium (im nächsten Jahre) beschäftigt; möge es dem rastlos Thütige» beschieden sein, sein eigenes Centenarium zu erleben! Odessa. Die Auswanderung nach der Türkei hat G. s. D. erheblich abgenommen. Die wenigen Juden, welche sich noch von hier in die Türkei begeben, sind bemittelte Leute, denen es leicht ist, sich irgendwo anzusiedeln. Headersou (Kentucky). Am Sonntag, den 19. Juli wurde Hierselbst der Grundstein zu der ersten Synagoge der am 31. Mai 1887 gegründeten Gemeinde „Adas Israel" unter entsprechenden Feierlichkeiteu gelegt. Der Baugrund ist ein Geschenk der Gebrüder Moritz und Henry B a l d a u f. Kopenhagen, 4. September. Der Agent des Baron H i r s ch, Sir Arnold White, hatte gestern eine Audienz \ beim Zaren auf Schloß Fredensborg. Anscheinend ist diese Audienz für Mr. White von Erfolg gewesen, denn in einigen Tagen soll derselbe wiederum eine Audienz haben. Kopenhagen, 3. September. Ein hiesiger Bürger Namens Samuel Cohen ist dieser Tage zum russischen Vicekonsul ernannt worden. Diese Ernennung hat großes Aufsehen erregt, denn Herr Cohen ist — ein eingewanderter russischer Jude! Wie soll man sich erklären, daß der Zar, der die Juden verfolgen und aus seinem Reiche vertreiben läßt, einem Juden hier ein Ehrenamt übertrügt? Cohen ist vor ungefähr 20 Jahren mit seinem Bruder aus Rußland hiehergekommen und hat damals ein ganz kleines Geschäft für Seeleute eröffnet. Die Brüder waren arm, es gelang ihnen jedoch nach einigen Jahren ihr Geschäft zu erweitern. Sie verproviantirten alle russischen Schiffe, die hier ankamen, und als der ältere Bruder kürzlich starb, hinterließ er ein sehr großes Vermögen. Jetzt hat der jüngere Bruder das Amt eines russischen Vicekonsuls erhalten. Familienblatt. Wochenkalender. Wochen- September 1891 El ul 5651 Kalender Freitag 11 8 Samstag 12 9 NLN '2 Sonntag 13 10 Montag 14 11 Dienstag 15 12 Mittwoch 16 13 Donnerstag 17 14 Freitag 18 15 Feuilleton. Der Herr Hofprediger hat gesagt oder Wie dir Alten sungrn. (Eine höhere Töchter-Schulgeschichte aus dem Berliner Leben der Jüngstvergangenheit von C. Berg.) (Fortsetzung und Schluß.) „Sieh mal die Backfischlein," sagte ein Student zu seinem Commilitonen und deutete dabei auf eine Schaar sonntäglich geputzter junger Damen, welche die Friedrichstraße entlang schritt dem Bahnhof zu. — „Ä noch lauter Gründlinge — ist nichts für uns," sprach der Andere geringschätzig und ließ das in's Auge gerutschte Stückchen Glas wieder sinken.

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