Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 36 (11.9.1891)
- Date
- 1891-09-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 36 Oesterreichischr Wochenschrift. Seite 669 Dasselbe kann ich auch von den dorten vertreten gewesne andersgläubigen Curgasten sagen und ist mir kein einziger Fall bekannt, wie ihm ihre Berichterstatter in dem betreffendes Artikel anführt. MadNö, 2. September. (Friedhossweihe.) Am Rüsttage zum Neumondsfeste fand die feierliche Einweihung des israelitischen Friedhofes statt. Derselbe besteht aus einem bescheiden sich erhebenden Doppelgebäude, und zwar rechte aus einem Ceremoniensaale, Leichenhalle, und Remise für den sehr geschmackvoll gebauten Leichenwagen und Versenkungsmaschine. Links sind die Wohnräume für den Friedhofs -Jnspector. Den an einem Bergesrücken sich hinziehenden Gottesacker umgibt eine Umfassungsmauer und die mit Traüerbäumen geschmückte Hauptallee, sowie die ganze Anlage ist geeignet, den düsteren Charakter zu mildern. Um 10 Uhr bestieg Herr Bezirksrabbiner Schwarz 'die Friedhosskanzel und sprach in einer nahezu einstündigen Nede über das wahre Leben und die Vergeltung nach dem Leben, unter Beibehaltung der in der Volkssprache des Judentums für den Friedhof gebräuchlichen Benennung: „Der gute Ort." — Ein erhebendes Weihegebet schloß diese ernste und würdige Feier, die eine tiefgehende Wirkung auf die Anwesenden übte. Butschowih, 1. September, (ß ch u lerösfuuug .) Dienstag wurde die deutsche Volksschule mit einem feierlichen Gottesdienste, den Herr Religionslehrer Landau celebrirte, eröffnet. Zum Schluffe des Gottesdienstes sang die Schuljugend die Volkshymne, in welche die ganze versammelten Gemeinde einstimmte. Nach der Rückkehr ins Schulgebäude hielt Herr Schulleiter G a n s l eine Ansprache und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Budapest, 12. August. Unter großer Betheiligung fand gestern in Neupest die Bestattung des allgemein beliebten Kaufmannes Gustav N a d l statt. Der Verblichene hat noch in seinen letzten Lebenstagen eine Stiftung von 5000 fl. zu Gunsten der israelitischen Gemeinde gemacht. Stein a. d. Donau, 27. August. Herr Josef W e i ßm a n n wurde heute zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt. Temesvar. (Trauung.) Der Fabriker Rabbiner Dr- Berthold Kohlbach reichte am 3. August dem anmuthigen Fräulein Ilona Käcser die Hand zum ewigen Bunde. Der Trauakt fand im Fabriker israelitischen Tempel statt, wo sich ein zahlreiches distinguirtes Publikum eingefunden hatte.' Einen ungemein tiefen Eindruck machte auf alle Anwesenden die eloquente Rede des den Trauakt vollziehenden Arader Rabbiners Herrn Dr. Rosenb erg. Als Trauzeugen fungirten die Herren Bernhard Deutsch, Präses, und Max Steiner, Vizepräses der Fabriker isr. Religionsgemeinde. Das Brautpaar erhielt anläßlich seiner Vermählung von der Fabriker isr. Gemeinde und der Chewra Kadischa ein werthvolles Ehrengeschenk. Raab. In der hiesigen Gemeinde spielte sich dieser Tage eine erhebende Feier ab. Anlaß hiezu bot der Umstand, daß der sich auch außerhalb der eigenen konfessionellen Kreise großer Beliebtheit erstellende Rabbiner Dr. Julius Fischer, der von der Gemeinde Pilsen zum Rabbiner gewählt wurde, diesen glänzenden Posten auf dringendes Bitten der hiesigen Gemeinde refusirte. Die Jugend überreichte dem verehrten Seelsorger einen künstlerisch ausgestatteten Ehrenbecher und lud den Rabbiner in den Tempel, wo sich trotz der tropischen Hitze eine alle Räume füllende Schaar von Gemeindemttgliedern und Gästen versammelt hatte. Nach dem Abendgebet hielt Dr. Fis ch er eine tief wirkende Predigt. Abends fand ein animirtes Banke 1t zu Ehren des Rabbiners statt. Groß-Mkmda. (Ungesetzliche Vornahme ciner Taufe.) Die Witwe nach dem hier verstorbenen Advokaten Jakob Böhm, Frau Friederike Böhm, ist mit ihren beiden Kindern Zoll an und Margit in T.-Kanizsa vom israelitischen zum katholischen Glauben übertreten. Der Glaubenswechsel von Kindern, welche im 10. resp. 8. Lebensjahre stehen, ist nach unseren Gesetzen ein ungesetzlicher. Und doch hat ein katholischer Priester die Taufe vorge nommen. MahrischEsträü. (Äon der Cultusgemeinde.) Da der Fassungsraum des israelitischen Tempels ttotz des in der Kirchengasse errichteten Filialbethauses langst nicht mehr ausreichte, um alle Tempelbesucher aufnehmen zu können, hat der Ausschuß der israelitischen Cultusgemeinde in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, den Tempel im nächsten Frühjahr zu erweitern. Inzwischen haben sich die in der Nachbargemeinde Zabreh domicilirenden Judenfamilien zusammengethan und bauen dortselbst auf eigene Kosten ein Bethaus, welches noch Heuer fertiggestellt werden soll. Brüx. (Ueb ertritt zum Iuden thum.) Di, Arstens lochter Fräulein Jda Salus aus Krippen bei Schanden» ist kürzlich zum Judenthum übergetreten und fand deren Einführung im hiesigen israelitischen Tempel vor Kurzem statt. Am 8 d. wurde die Dame mit dem Herrn Md.-U.-Dr. Adolf Feig aus Brür, derzeit praktizirendcr Arzt in Krippen, getraut. Preßüurg. Der berühmte Talmudgelehrte Rabbi Schlesinger ist im Alter von 78 Jahren nach kurzem Leiden verschieden. Breslau. Am Todestage Lass -7kl es war der Andrang zum Grabe des hier auf dem jüdischen Friedhof ruhenden Begründers der Socialdemokratie ein sehr st^ ker. Reden bürsten nicht gehalten werden; dagegen gestattete die Pr. ^cl' TOct^C _ durch einen Lieutenant und einen Wachmann vertt ctcn TOaV' Niederlegen von Kränzen mit rothen Schleifen, r. net^e *Um Theil aus weiter Ferne gesandt waren. Düsseldorf, 3. September. Dr. Abraham seit 17 Jahren Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeind^, ist gestern nach längerem Kranksein an einem Herzschlage' g e st o r b e n. Der Verstorbene genoß wegen seines menschenfreundlichen Charakters allgemein Achtung und Ansehen und machte sich insbesondere durch seine erfolgreichen Bestrebungen die Arbeitsamkeit der israelitischen Kinder durch Einführung in das Handwerk zu befördern, sehr verdient. Seine zur 600 jährigen Jubelfeier der Stadt erschienene Geschichte der israelitischen Gemeinde in Düsseldorf ist ein werthvoller Beitraa zur Stadtgeschichte. ö Matz. Dieser Tage traf ein jüdischer Kaufmann, welcher «i Be,,tze eines türkischen Passe-Z war, von Bulgarien im hie'lgen Hafen em, wurde aber von der Hrseupolizei an AuZsteigen verhindert- Trotz der Intervention d-Z türkischen CvnsulS wurde der jüdische Kaufmann nach Bulgarien, woher er gekommen war, zurückgeschickt.