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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 668 LqwüÄchkschr WochrnstWfk. Rr. S« wurde, hat sich an die Spitze der BewegUiiK grillt. Es ist feriier den Antisemiten gelungen, die n'it)ige falsche Zeugin anfzütreiben; es ist dies ein bulgarisches Weib, welches bei der Polizei aussagiö, daß Vel Jbde Jo-Chanan Benbassat und dessen Mutter zu ihr gekommen wären und sie gebeten hätten, das todt ausgefunde'ste Mädchen gegen gute Bezahlung zu verbergen. Beide Personen wurden deshalb' verhaftet. Zwei Tage später wurde infolge weiterer Denunziationen im Hause des Juden Mordochai Lewi eine Nachgrabung vorgenommen und dabei der Strik gefunden, mit welchem das Kind angeblich erwürgt sein soll. Eine weitere Haussuch rng soll ergeben haben, daß in dem Wäscheschrank beim Juden Baruch David ein blutiger Leinwandlappen gefunden wurde, welcher vom Hemde des unglücklichen Opfers herrühre. So weit ist die Angelegenheit gediehen. Sonst ist zu dieser Sache ,t lr zu sagen, daß die antisemitischen Rädelsführer in Wratza sämmtlich Zankovisten sind, welche der Regierung um jeden Preis Ungelegenheiten bcrciten möchten. Ürenc. Bukarest, 4. September. Aus einer Reihe von Städten und Orten liegen ntir wieder Nachrichten von Chikanen und Arretirungen rumänischer Israeliten vor, die nicht einmal mit der Furcht, „es könnten russische sein", sich rechtfertigen lassen, weil sie ortsbekannte Personen betreffen. In Stefaneschti, Plojeschti, Piteschti, wo Leute auch in Ketten gelegt werden, in Ramnic-Szarat und faßt besonders in den Dörfern der Bezirke Botoschani und Dorohoj wird darin fortgefahren. Man wird dahin zurückgeschickt, wo man geboren ist, und dies hat in Rumänien gar keine gesetzliche Unterlage, oder man hat überhaupt zu gehen, gleichgültig wohin und ob man auch am Orte selbst geboren ist und eine angesehene Lebensstellung hat, wie z. B. der alte Einwohner von Mileanca, Schafe Bar atz. Der Grund dieser Willkürlichketten ist treffend in den Wortendes Costa- Foru enthalten, der als Redakteur des „Bukarest" die Jrrgänge einiger israelitischer Militärs, die sie unter Eskorte machen mußten, schilderte: „Es giebt schon genug Korruption in der Schichte unserer kleinen Beamten, man sollte ihr nicht noch neue Nahrung geben." Es werden indeß vom offiziösen „Nationakul" in Polemik mit dem oppositionellen „Timpul" für die Wiederherstellung der Kammern im Herbst „neue Restnktiv-Maßregeln gegen die Israeliten im Allgemeinen" m Aussicht gestellt, die eben die Korruption befördern; und Aßlan, das Proponent der „Kommission" läßt austrommeln, daß er dann die namentliche Abstimmung über sein durchgefallenes antisemitisches Projekt fordern wird, welch Letzteres als eben in Folge seiner eigenen Konuption ausgeheckt hat. Ein „schlagendes" Beispiel davon ist der Steuererheber Frumuschanu, der vom Krämer Israel Katz in Hangu einige Kilo Zucker und Kaffee als Geschenk verlangte und, da er sie nicht erhielt, über den Katz mit drei WütLsche'i (Dorfpolizisten) herfiel und nach derben Schlägen, ihm mit Ausweisung aus der Gemeinde drohte. Ein ganzer Mord läuft blos so nebenher. Er wurde verübt an Majer Nachmann Bers, der im Dorf Berte sch t i Geschäfte abzn- Zickeln hatte und, nach Peatra zurückkehrend, auf der Land- ""ordet und in gräßlicher Weise verstümmelt wurde, 'hm auch eine Baarschaft von 800 Frcs. stmße n„. ®er rhLt«, de, '""bt-, ist (i„ " «owhw' ©rßwrff^ fiTmifcta. ^"n Ungureanu, Großbauer und Berleschti, also ebenfalls Mett. (Meyerbeer über die Orgelfrage.) Im einem Feuilleton der „Neuen Freien Presse" von Dienstag, den 8. September d. I., erzählt der Dichter Ludwig August Frankl „Erinnerungen an Meyerbeer": „Ich kam mit Meyerbcer nur noch einmal in persönlichem Verkehr, und zwar in Berlin, wohin mich literarische Angelegenheiten führten; zugleich übernahm ich es auf den Wunsch des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, Meyerbeer zu bitten, einen Psalm für die Eröffnungsfeier des eben vollendeten Tempels zu componiren. Meyerberr, eben im Begriffe, eine Badereise anzutreten, entschuldigte sich, dem ihm „hoch ehrenden Wunsche"" nicht entgegmkommen zu können, doch übergab er mir einem früher componirten, im Stich erschienenen Psalm zu allfAkiger Benützung. Bei diesem Anlasse überraschte er mich durch folgende Aeußerung: „Sie werden doch keine Orgel in der Synagoge einführen? Das ist ein ch r i st l i ch e s Instrument. Ich rechne es mir als ein großes V.rd'enst an, daß ich in Ueberemstimnung mit Mendelssohn-Bartholdy im protestantischen Dom: in Berlin einen singenden Chor ohne O gelbegle tung eiuführte. Der betend: Mensch soll ohne jede Vermittlang;u Gott sprechen. Nun halten das so die Juden, seit Zerstörung ihres Tempels in Jerusalem. Es ist eingebürgert durch zwei Jahrtausende. Wenn aber durchaus Instrumental-Musik verlangt w'rd, so müßte es eine althistorisch geheiligte von Posaunen, Harfen und Flöten sein, wie sie im salomonischen Tempel erscholl. Und ist doch auch iu der größten katholischen Krche, bei St. Peter in Rom, keine Orgel Die Mensch mstimme ist das Erschütternste." Ans den Gesang im Tempel zu Wien übergehend, äußerte Meyerbeer: „Der treffliche Sänger Salomon Sulzer hat, von seiner genialen Kraft verleitet, die altheäräischrn Metod'en veropert und dem originellen sogenannten „polnischen" und „sephardischen" Synagogen-Gesange bedeutenden Schaden zugefügt." Im Verlause des Gespräches erzähl:e Meyerbeer, was bisher kaum bekannt geworden ist, daß es seine Sehnsucht gewesen sei, Moses zum Helden einer Oper zu machen. Er habe leider gezögert und gezögert, bis Rossini ihm zuvorgekommen sei, mit dem er nicht rivalisiren wollte. „Die Gesänge in der Wüste und das herrliche biblische Triumphlied der Schwester des Propheten haben meine Phantasie zumeist erregt und sogar schon begeisterte Töne in mir wachgerufen." Wien. An der ersten, mit dem OeffentlichkeitSrechte aasgestatteten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, finden die AufnahmsPrüfungen für den 24. Jahrescurs am 15. und 16. September statt. Profsmh, den 1. September 189 i. Aus Anlaß des Berichtes in der letzt erschienenen Nummer vom 28. August, über Roznau, erlaube ich mir zur Steuer der Wahrheit zu constatiren: Ich habe im h. I. in Roznau nahezu während der ganzen Saison geweilt, und die freudige Wahrnehmung gemacht, daß die dortigen Bewohner allen Curgästen gleich, die größte Zuvorkommenheit, Aufmerksamkeit und liebevollste Behandlung zu Theil werden ließen, und die größte Nachsicht übten auch gegen solche jüdische Curgäste, die durch ihren Benehmen, dem Judenthume nur Unehre macht n.

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