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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Orsterrrichifche Wochenschrift. Seite 667 empfinden es umsomehr, als jene Motive den Anschauungen von Gesittungen widersprechen, welche durch Jahrhunderte gefestigt und gesichert zu sein schienen. Bei uns hier in dem Lande, wo die jüdischen Bürger niemals eine Schwierigkeit im öffentlichen, noch nie — eingebildetes oder wirkliches — liebet im gesellschaftlichen, privaten Leben bedeuteten, mußten die grausamen Bedrückungen, denen sie anderwärts jetzt ausgesetzt sind, nothwendigerweise Interesse und Mitleid erwecken. Um jenen unter ihnen, die zur Stunde verfolgt werden und darunter leiden, zu Hilfe zu kommen, haben die Unterzeichneten beschlossen, ein Comits zu gründen, welches in jeder Weise das Mitgefühl und Erbarmeir seiner Mitbürger erregen und gewinnen rvill, um recht wirksam vor Europa und vor sich selbst das Gefühl zu bekunden, welches sie alle beseelt. Rom den 13. Juli 1891. Präsident: Professor Ruggero Bonghi, Parlamentsmitglied; Bicepräsidenten: Onorato Herzog von Eaetani; Sindaceo von Rom Com.; Antonio Alliewi, Senator; Mitglieder: Marco Alatti; Prof. Mose Ascoli; Graf Pietro Antonelli, Parlamentsmitglied; Franquillo Ascarelli; Prof. Guido Bacelli, Parlamentsmitglied; Adv. Salvatore Barzilai, Parlamentsmitglied; Prof. Pietro Blaserna, Senator; Adv. Guiseppo Costa; Cav. Sabatius di Capua; Prof. Mose Ehrenreich, Ober- Rabbiner von Rom; Adv. Allesandro Fortis, Parlament - Mitglied; Geit. Menotti Garibaldi, Parlatnelttsmitglied, Coinrn.; Giuseppe Giacumelli, Comm.; Adriano Lemmie; Dr. S. H. Margulies, Ober-Rabbiner von Florenz: Prof. Jacopo Moleschott, Senator; Comm. Angelo Mortara; Ernesto Nathan; Francesco Pais-Serra, Parlamentsmitglied; Adv. Eesaro Parenzo, Senator; Prof. Augusto Pierantoni, Senator; Prof. Setlimio Piperno, Gemeinderath; Cav. Bittore Rova Conun.; Bernardo Taglongs, Director der römischen Bank; Prof. Francesco Todaro, S.nator; Leopoldo Herzog von Torlonia Gemeinderath; Ing. Domenieo Baleri; Dr. Arturo Wolyn ki; Schriftführer: Adolfo de Bosis; Cav. Mose Ezeckiel, Bildhauer. Adresse des Comitees: Cav. Mose Ezeckiel, Rom, Piazza Termini 18. London, 2. September. Arnold White, welcher die schwierige Aufgabe übernommen hat, in Petersburg die Wege für die humanen Pläne des Baron Hirsch zu bahnen, warnt in einem Schreiben an di? „Times" die englischen Judenfreunde vor Uebereifer: „Rücksichtslose Schmähung Rußlands, die Verbreitung und Wiederholung unbegründeter Erzählung?n über russische Barbarei ist nicht nur natürlich, sondern entschuldbar seitens der englischen Juden. Wenn aber G ladstone, der doch Aussicht hat, wieder an die Spitze der Regierung zu kommen, mit „aufrichtiger Befriedigung" ein Exemplar des „Darkest Russia" entgegennimmt und das Gewicht seines Namens für die Zeitschrift einsetzt, so ist es Zeit, an Gladstone'o Mitleid unb gesunden Menschenverstand zu appelliren, damit er nicht alle practischen Bemühungen, welche in Rußland selbst zur Abhilfe der Noth der Juden und zur russischen Auswanderung gemacht werden, vernichtet. . . Jedenfalls wird der englische Botschafter an der New:, falls Homerule siegt um eine Erklärung ersucht werden. Was ist der Zweck einer solchen Zeitschrift wie „Darkest Russia" überhaupt? Soll sie auf die gebildeten Russen einwirken, so ist sie überflüssig. Die Gebildeten haben schon ihre Ansicht. Soll sie die Regierung beeinflussen, so muß ich leider sagen daß sie alles Gewicht verliert, wenn sie jüdisch?n Duellen entstammende Enten in die Welt setzt, als ob es sich um Berathungen eines Oberhausausschusses handelte. Soll die Zeitschrift auf die öffentliche Meinung des Continents wirken, so ist der Stoff besser gt* eignet, die Leidenschaften Europas gegen die Unterthanen des Zaren zu entflammen, als Sympathie für das jüdische Volk zu erwirken oder dessen Leiden zu lindern. Jeder, welcher den Juden wirklich helfen will, hat zwei Wege offen: reinen Mund über Rußland zu halten und seine Hand in die Tasche zu stecken und einer armen Familie die Reise nach Südafrika oder Amerika zu verschaffen. Ich darf nicht offen reden. Dürfte ich es, so könnte ich leicht beweisen, welchen Schaden das Guildhall-Meeting angerichtet hat. E; ist nicht unwahrscheinlich, das Gladstone's Pathenschaft des „Darkest Russia" sich ebenso schädlich erweisen wird, wenn nicht die Wähler zu der Entscheidung kommen, daß der ehrwürdige Philantrop nicht der Mann ist, den man die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten anvertrarren kann." Sophia, Die bulgarische Stadt Wratza war unlängst der Schauplatz antisemitischer Erzesse, über welche uns von unserem Korrespondenten iu^ Sofia folgender Bericht zugegangen ist: In der Kreisstadt Wratza, in welcher etwa 200 Juden wohnen, kam am 17. Juni d. I. ein sechsjähriges taubstitmmes bulgarisches Mädchen abhanden, nachdem es Morgens das Elternhaus, welches weit entsernt vom Judenviertel liegt, verlassen batte. Da die po izeilichen Nachforschungen nicht zur Auffindung des Kindes führten, so sprengten einige böswillige Leute, an deren Spitze sich der Pope Vasco befand, das Gerücht aus, die Juden hätten das Mädchen geüohlen und ermordet, um dessen Blut zu rituellen Zwecken zu gebrauchen. Es in natürlich, daß daraufhin in dem Städtchen eine große Aufregung entstand und die Juden bedroht wurden. Dank dem Einschreiten der Regierung, welche ihre Organe anwies, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und sofort eine Untersuchung einzuleiten, wurde das Volk beruhigt, und obschon die Juden eine strenge Durchsuchung ihies Tempels, ihrer Häuser und Läden erdulden mußten, so kamen sie diesmal doch mit dem Schrecken davon. Am vorigen Sonnabend wurde nun unweit Wratza am Baläangebirge das seit zwei Monaten vermißte Mädchen todt aufgefunden: die Aerzte stellten fest, daß dasselbe erst vor einigen Tagen gestorben sein konnte und daß die an dem Halse befindlichen Schnitte erst nach dem Tode dem Körper Leigebracht seien. Trotzdem wurde die alte Geschichte vom rituellen Morde wieder aufgetischt, und circa 2000 Personen begaben sich ins Judenviertel und bedrohten die dort wohnenden 50 Judensamilien, indem sie ihnen ohne Weiteres die Fenster einschlugen. Die Juden wandten sich im ersten Schrecken telegraphisch an den bulgarischen Großrabbiner Dr. Dankovitz in Sofia, welcher bei der Regierung die geeigneten Schritte that. worauf der augenblickliche Leiter des Ministeriums des Innern, Generalsekretär Guranow, an den Präsekten nach Wratza die telegrafische Weisung ergehen ließ, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln jede wie immer geartete Ausschreitung zu verhindern und eventuell aus dem bei Wratza befindlichen Lager militärische Hilfe zu verlangen. Diese energischen Maßregeln der Regierung haben ihre Wirkung nicht verfehlt, denn zur Zeit soll wieder Ordnung in Wratza herrschen. Es sei hier betont, daß die dortigen antisemitischen Rädelsführer Mitglieder der Opposition sind und die Judenhetze nur darum inscenirten, um zugleich der Regierung Unanueh-nlichkeiten zu bereiten. Zum Lobe der Regierung sei gesagt, daß dieselbe bei diesem Anlässe das Interesse hrer jüdischen Staatsangehörigen energisch wahrte und sofort jene Organe, die sich bei der Assaire als unzuverlässig erwiesen hatten, des Dienstes enthob. Es ist gleichzeitig gegen die Tumultanten eine strenge Untersuchung eingeleitet worden; die Regierung wird die Schuldigen streng bestrafen, um einer Wiederholung derartiger Ausschreitungen wirksam vorzubeugen. — In einer späteren Zuschrift theilt unser Sofiater Korrespondent uns zu derselben Angelegenheit noch Folgendes mit: Trotz der energischen Maßregeln der Regierung haben sch die Erzesse in Wratza wiederholt. Ein Pristaw, welcher wegen seines parteilicheit Vorgehens bei der Judenverfolgung seines Amtes enthoben

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