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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Oestrrrrichifche Wochenschrift. Seite 665 müsse. Er brachte die Angelegenheit in Ordnung, die Verkündigung erfolgte, der Tag der Trauung wurde festgesetzt und die Dokumente dem Herrn Rabbiner Dr. Steinherz zugeschickt. Dieser erklärte jedoch, der Ordnung gemäß, er könne die Trauung nicht vollziehen, da der Bräutigam ein Cohen sei, ein solcher aber ein Mädchen, das bereits ein Kind habe, nicht ehelichen dürfe. Das hierüber entsetzte Paar eilte zum Bürgermeister mit der Bitte, er möge helfen. Der Bürgermeister brachte in Erfahrung, daß eine solche Ehe giltig sei, wenn das Paar das Ehegelöbniß vor Zeugen ablegt. Der Priester muß wohl seinerseits die Vornahme der religionsgefetzlichen Trauung ablehnen, trägt aber die gesetzliche Verheiratung ins Matrikel ein, wenn ihn die politische Behörde dazu zwingt. Der Bürgermeister empfahl nun dem Paare, das Gelöbniß vor Zeugen abzulegen, und sagte ihm, um es vollständig zu beruhigen, es möge sich auch nach den Satzungen seiner Religion als Gatte und Gattin betrachten. Er werde dem Kultusminister über die Sache Bericht erstatten und es sei zweifellos, daß die zwangsweise Jmmatrikutisirung angeordnet werde. Ganz glücklich über den Bescheid entfernte -sich das Paar. Es erwartet jetzt mit Sehnsucht den Erlaß des Kultusministers, dem beide Seiten mit Spannung entgegensehen. Trieft. (Der Handel mit „Esrogim.") Dem „P. L." wird aus Triest geschrieben: Es wurde heuer vielfach ^bemerkt, daß die jüdischen Händler aus Galizien, Ungarn und Russisch-Polen, welche im August eines jeden Jahres in bedeutender Anzahl nach Triest kamen, um sdie für die Feier des Laubhüttenfestes in jenen Gegenden zahlreich benöthigten rituellen Cedernfrüchte (Esrogim) zu kaufen, Heuer bis auf wenige Ausnahmen ausgeblieben sind. Man sieht Heuer hier nur eine geringe Anzahl jener charakteristischen Gestalten im Kaftan und mit Seitenlöckchen, lund selbst in ihrem Lieblingslocale, dem Cafe „zur alten Börse", will 'ich keine lebhafte „Esrogim"-Börse entwickeln, so daß die hiesigen und die zahlreich erschienenen griechischen und albanesischen Cedernverkäufer äußerst enttäuscht sind. Als Grund dieses Fernbleibens wird der Umstand geltend gemacht, daß die Händler mit der Qualität der vorjährigen Früchte äußerst unzufrieden gewesen sind ärnd sich deshalb heuer nach Genua gewandt hätten. Einige Stimmen machen die Judenhetzen in Corfu dafür verantwortlich; die jüdischen Händler hätten es vorgezogen, mit den Corsioten, welche das Hauptcontingent zu den Cedernverkäufern stellen, nicht in Handelsoerbindung zu treten. Der „Piccolo" schätzt den dem Triefter Platze durch diese Abstinenz der Esrogim-Käufer erwachsenden Schaden auf einige hunderttausend Gulden. Lerpnik. (Ehrungen.) Bei der jüngst in der hiesigen israelitischen Gemeinde stattgehabten Ausschußsitzung wurde einhellig beschlossen, nachstehend benannten Herren für ihre besonderen Verdienste um das hiesige Gemeindewesen und um die Schule das Ehrenbürgerrecht zu verleihen; es sind dies unser Bürgermeister und Ortsschulrath Hermann Beck, der durch 30 Jahre Mitglied des Gemeindevorstandes und durch 36 Jahre als Ortsschulausseher und Qrtsschulrath wirkte, ferner Herr Cultusoorsteher Abraham Kulka, der ebenfalls durch viele Jahre Gemeinderath und Mitglied des Qrtsschulrathes war, und sich um das hiesige Armeninftitut, das er durch Umsicht zu heben verstand, besondere Verdienste erwarb. Am darauf folgenden Tage begab sich der ganze Ausschuß in die Wohnung des erwähnten Bürgermeisters, und Gemeinderath Moriz Ritter hielt an denselben eine Ansprache, in welcher er den Dank für die außerordentliche Thätigkeit aussprach, welche der Genannte der Schule zugewendet habe. Der Gefeierte dankte für die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung und erklärte, mit gewohnter Pünktlichkeit, Liebe und Sorge auch fürderhin sein Amt zu pflegen, und die Interessen der Schule zu wahren. Hierauf begaben sich die Genannten zum Cultusoorsteher Abraham Kulka, dem Bürgermeister Beck Namens des Ausschusses für seine um'ichtsvolle Leitung der Cultusgemeinde und Hebung des Armeninstitutes den Dank ausdrückce. Herr Kulka äußerte den Wunsch, daß die Gemeinde blühen und gedeihen möge. Myslowttz. (Russisch-jüdische Auswanderer.) Vorige Woche langte ein Eisenbahnzug aus Oswiecim mit 950 jüdischen Auswanderern hier an, welche aus Rußland ausgewiesen, über Galizien ihren Weg hieher nahlnen, um sich über Breslau, Berlin und Hamburg nach Amerika weiter befördern zu lassen. Sie wurden in der Zwischenzeit auf dem hiesigen Bahnhofe durch das hiesige Lokal-Hilfs-Eomitö, dessen Mitglieder, Herren wie Damm, in der aufopferndsten Weise ihre Kräfte und Zeit diesem Werke der Mmschen- und Nächstenliebe widmen, mit Bier, Kaffee, Brot und Semmeln, die zahlreichen Kinder mit etwa 80 — 90 Liter Milch erquikt und außerdem vielfach mit Kleidern und Wäsche aus den 'von dem Central - Hilfs - Comitö hierher gesandten Dorräthen versehen. Die Dankbarkeit der größtentheils in tiefster Armuth sich befinoenoen Leute war überschwänglich und rührend. Der Ober- Rabbiner aus Oswiecim hatte den Zug selbst hieher begleitet, um für seine Glaubensgenossen hier nach Kräften zu sorgen. Man nimmt an, daß der jetzt in Mähren weilende Baron Hirsch in der nächsten Woche selbst hieher kommen wird, um Anordnungen für die noch zu erwartenden Auswandererzüge zu treffen. Vor einigen Tagen langte ein solcher Ausgewanderter mit seinem jungen Weibe aus Amerika hier wieder an, da letztere durch Aufregungen und durch die Reisebeschwerden wahnsinnig geworden war, und er glaubte, nur durch Rückkehr in ihre altgewohnten Verhältnisse und Umgebung wieder der Heilung zu führen zu können. In der Hoffnung die Erlaubniß zu einem wenigstens vorübergehenden Aufenthalt ur Rußland zu erlangen, wollte er zunächst nach Krakau mit der Unglücklichen zurückkehren. Berlin. Auf dem jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee ruht Giacomo M e v e r b e e r, dessen hundertjähriger Geburtstag am 5. September begangen wurde. Das mit Epheu bepflanzte Grab befindet sich in dem Erbbegräbniß der Familie Meyer beer, welches das neunzehnte in der langen Reihe der Familiengräber auf dem linken Seitenflügel dieses Friedhofes ist. Auf dem Grabe des Componisten erhebt sich ein grauer Granit, auf dem eine Marmortafel ruht mit der Inschrift: „Hier ruht Giacomo Meyerbeer, geb. am 5. September 1791, gest. am 3. Mai 1864." Darunter sieht mit hebräischen Buchstaben noch einmal der Name des Verewigten. Ein ganz gleicher Denkstein ziert auch das gegenüberliegende Grab der Gattin Meyerbeer's. Hier ist noch der kurze Spruch beigefügt: „Die Liebe höret nimmer auf". — Neben Meyerbeer liegt sein Bruder der Astronom Wilhelm Beer, geboren am 4. Januar 1797, gestorben am 37. März 1850. Wilhelm Beer, der 1813 zum Lieutnant in einem Dragoner-

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