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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 664 Oestrrrrrchische Wochenschrift. Nr. 36 „zur schönen Sclavin", welches das Stammwirthshaus vieler israelitischer Geschäftsleute des 1., 2. und 3. Bezirkes ist. Trotzdem 95% der Gäste Juden stud, ist obenbenannter Gastwirth ein Antisemit. Diese Entdeckung wurde von den jüdischen Gästen erst jüngst gemacht. Am 18. August, am Geburtstage seiner Majestät des Kaisers, unterhielt sich Abends eine Gesellschaft jüdischer Gäste mit Tarokspiel. Doch kaum hatte das Spiel begonnen, wurde vom Zählkellner das Gas mit dem Bemerken abgedreht: „Hier wird nicht Karten gespielt". Diese Frechheit erlaubte sich derselbe einer alten Stauungesellschaft die 12 — 13 Jahre dort Gäste sind und oft 5 — 6 fl. Zeche bezahlten. Die Gesellschaft, üver dieses Vorgehen empört, beschwerte sich beim Wirth. Doch waren sie der Meinung gewesen von diesem Genugthuung zu erlangen, so waren sie auf dem Holzwege. Der Wirth beschimpfte sie noch obendrein und wies sie mit dem Bemerken, daß ihm dies nichts angehe, ab. Hierzu muß noch bemerkt werden, daß der Wirth bei einem änderest Tische einer christlichen Gesellschaft ungestört Kartenspielen zusah. Emen zweiten Fall antisemitischer Rohheit jüdischen Gästen gegenüber hat Schreiber dieses in demselben Gasthause selbst beigewohnt. Ein Gast besä werte sich über den Kellner, der ihn „Saujud" schimpfte, beim Wirth. Da erwiderte dieser: „Wem es nicht recht ist, soll ausblciben. Ich bin und bleibe Antisemit und werde meine Gesinnung nicht Ludern." Und ein solches Gasthaus sollen noch ferner Juden besuchen? Es ist vielmehr zu erwarten, daß unsere jüdischen Glaubensgenossen dieses antisemitische Gasthaus meiden und daß sie nicht so tief gesunken und noch soviel Selbstgefühl besitzen, um nicht ferner diese antisemitische Spelunke zu besuchen. Die Zeit wiro rs schon zeigen, ob der antisemitische Gastwirth Degen von seinen Anüsemilen allein leben kann. Floridsdorf. Mach fünfjähriger Rabbinervakanz in unserer Gemeinde, fand am 1. September jdie feierliche Installation unseres neugewählten Rabbiners Sr. Ehrw. Herrn H. L. Reich, bisherigen Bezirksrabbiners in Boskowitz statt. Bei dessen Ankunft am hiesigen Bahnhofe wurde derselbe vom Gesammtvorstände unter Führung des Präses-Stellvertreters Herrn Ei sing er und vom Festkomitö, unter" Führung seines Obmannes Herrn G. Dukes empfangen, sowie dessen Familie von einer Deputation des israelitischen Frauenvereines, der Prasesstelloertreterin Frau/Anna Grünwald und des Vorstandmitgliedes Frau Kath. Herzog sin bereitstehenden Equipagen in die Wohnung getestet. Um fünf Uhr fand ^programmgemäß der Festgottesdienst im Tempel statt, der prachtvoll dekorirt, bereits von-Festgästen aus Nah' und Fern gefüllt war. Am Eingänge in den Tempelhos bildete die Schuljugend Spalier; der Religionslehrer Herr Löw hielt im Namen seiner Kollegen aus Floridsdorf und dem Bezirke eine herzliche Begrüßungs-Ansprache, welche in gleich herzlicher Weise von dem neuen Seelsorger beantwortet wurde. Bei der inneren Tempelpforte wurde dieser — in Abwesenheit des Präses Herrn I. Buchwald, der sich derzest in Karlsbad zur Kur befindet — vom Herrn Kultusvorsteher Wimmer feierlich begrüßt, zu seinem Sitze geleitet, wo Sr. Ehrwürden durch den Schüler Gustav Ehrenfest, und die Schülerin Jda Grünwald bewillkommt wurde. Nachdem Herr Oberkantor Roman mit dem gesammten Tempelchore den Gottesdienst mit der Absingung des Mah-Tomi und des Ps. 115 stimmungsvoll.eingeleitet, bestieg der neuinstallstte Bezirksrabbiner die Kanzel, und hielt die spannungsvoll erwartete Festrede. Zn meisterhafter Eloquenz und mst sonorer Stimme wurde in derselben das Dörre Bild eines modernen und I zugleich ftommen Seelsorgers nufgerbllt, fand Betont Baß fmir durch vereintes Zusammenwirken aller maßgebenden Faktoren, jenes herrliche Ziel erreicht werden kann, welches, besonders' in dieser von Kämpfen durchwühlten Zeit, in welcher das öffentlche Seelforgeramt an den jüdischen Seelenhirten die größten Anforderungen stellt, diesem sowie der Gemeinde als Ideal vorschweben soll. Sichtlich begeistert folgte die andächtige Zuhörerschaft den wahrhaft erhebenden in poesievoller Blumensprache gebotenen Ausführungen des redegewandten, gelehrten Predigers, welcher dieselben mit einem innigen Gebete für Se. Majestät, höchst dessen erlauchtem Herrscherhause, für die hohe Regierung, die Landes- und Bezirksbehörden, sowie die Vorstände der Stadt- und Kultusgemeinde, und deren geistlichen Fahrern in weihevoller Weise schloß. Unter den Anwesenden wurden besonders bemerkt die Herren: Bezirksh-uptmann Gras Kh uenburg, Kommissär Dr. Kaiser, Bürgerschuldirector Smytal, Schaloircctor Tip pmann, eine Deputation des Lehrkörpers in Ddnaufelo, Bürgermeister Planken buchet, Gemeinderath Dr. König, Gemeinderäthe von Douaujeld und Groß- Jedlersdorf, mehrere Osfiziere und zahlreiche Honoratioren. Von fremden Gästen die Herren: Reichsrathsabgeordneter kDr. Bloch, Rabbiner W. Reich, Baden, Dr. Hofs, Proßnitz, Dr. Brüll, Döbling, M. Marton, Steinamanger, als Deputationen der Kultusgemeinde Baden die Herren: Bizepräses A. Schneider, Kantor Schäfer, als solche der Kultusgemeinde Boskowitz: Vorsteher Herr G. Ticho und Kantor Hatschek. Abends 7 Uhr fand unter zahlreicher Betheiliguug in dem, entsprechend dekorirteu Prachtsaale Bartsch das Festbanket statt. Den Reigen der Toaste erösfnete Herr Gemeinderath Dr. König aus Se. Majestät, welcher stehend angehört, stürmisch akklamirt wurde. Hierauf erhob Herr Pr.-St. Eisinger das Glas um in herzlichen Worten das Wohl des neuen Seelsorgers auszubringen. Dieser dankte und feierte seinen berühmten Vorgänger, gegenwärtigen Reichsrachsabgeordneten, dessen hervorragende Veroicnste um das Gejammtjuventhum auch der Gemeinde Floridsdorf zur besonderen Ehre gereichen. In geistvoller von Humor sprühender Rede, erwiederte Herr Dr. Bloch die glänzende Acquisition hervorhebend, welche die Gemeinde an seinem Nachfolger machte, der nicht nur durch stch selbst, sondern auch durch seine in der Judenheit berühmte Rabbinerfamilie eine hervorragende Stellung in der Gelehrtenwelt einnehme, und schloß mit einem Hoch aus die glücklich zu schätzende Gemeinde Floridsdorf. Aus diesen Trinkspruch reslectireud brachte^der Rabbiner von Baden in, von tressend gelungenen Nuancen erfüllter Darstellung ein Hoch aus die neugewonnenen Tochtergemeinden, Korneuburg, Gr.-Enzersdors, Stockerau und Gänserndorf aus, die so würdig und zahlreich bei dieser Feier vertreten sind. Herr Religionslehrer Zelinka aus Korneubnrg erwiederte dankend dem Vorredner im Namen der Filialen. Herr Dr. König gab seinem Bedauern über die durch Krankheit verursachte Abwesenheit des Präses Herrn Buchwald Ausdruck, hob dessen Verdienste um die Gemeinde hervor, brachte ein Hoch auf denselben aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Der Herr Bezirtsrabbiuer feierte in schwungvollen Worten die Verdienste des Gemeinderathes Dr. König hervochebend, wie derselbe eine hervorragende Stellung im sozialen Leben einnehmend, ein warmes Herz für seinen Glauben bewahrte, und demselben allezeit exemplarischen Ausdruck gegeben. Der Vorsteher der Chewra-Kadischa Herr Mar Neumann leerte sein Glas in schöngesetzter Rede auf das Wohl des um den heiligen Verein hochverdienten Dr. Bloch, Herr Religionslehrer Löw sprach im Austrage des abwesenden Präses, gab eine interessante Skizze der (nttwicklungsgeschichte unserer Gemeinde, irnd sowohl er, als auch der folgende Redner Herr Religionslehrer Teltscher in Stockerau gab der Hoffnung Ausdruck, daß unter der bewährten Leitung des neuen Rabbiners, die Jugend in wahrhafter Gottesfurcht und Vaterlandsliebe heranwachsen werde. Den würdigen Abschluß bildete der an packenden Pointen reiche Toast des Dr. Bloch auf die jüdischen Frauen, dem die Vorlesung der, von Rabbinern, Gemeinden, Korporationen und Privaten eingelaufenen Glückwunschdepeschen folgte. In animirtester Stimmung blieb die Gesellschaft bis lange nach Mitternacht und wird dieser heutige Tag Allen lange in angenehmster Erinnerung bleiben. Stuhlweißeuburg, 31. August. Ein hiesiger jüdischer Gewerbetreibender verliebte sich in ein jüdisches Mädchen; da aber der Mann kein genügendes Einkommen hatte, konnten sie sich nicht ehelichen, sondern lebten ohne priesterlichen Segen mit einander. Der Vereinigung entstammte ein Kind und der Mann sah nun ein, daß er das Kind durch die Heikät legitimiren

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