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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Orstrrrrichischr Wochrnschrifk. Sette 659 Kaum aber fjattc man Blut und Haupt unseres Heiligen an jener Stelle des Vesuv gezeigt, da heiterte die Lust sich auf, die Sonne lächelte vom Himmel, der Aschenregen hörte auf, der Lavastrom hielt an und das dankbare Volk errichtete auf der Magdalenenbrücke das bekannte Denkmal." Der Schluß seiner Rede lautet: „Salve, Vater des Vaterlandes, berühinter Schutzherr und Mitbürger! Wenn das drachenartige Ungeheuer der Ketzerei mit höllischem Gistathem dies von dir geliebte Volk zu verderben droht, dann treibe es in die Flucht und hilf, daß wir den Glauben, welchen du mit dem Tode besiegelt hast, unverfälscht bewahren. Halte fern von uns Krieg, Hunger, Sturm durch dein Blut! Bändige den Vesuv, wenn er uns mit Feuer und Asche überschüttet. Und heute, o St. Gennaro, wo die Cholera unsere Auen verwüstet und so viel unsägliches Unheil bringt, heute zeige dem erzürnten Ewigen Dein Blut, dann wird die Züchtigung aushören, dann wird das dankbare Baterland dich segnen, dein Blut preisen, welches mit klaren Thatsachen die in demselben befindliche Macht, welche du anwendest zum Schutz, zum Heil, zur Ehre des mit. Recht beneideten neapolitanischen Volkes. Das Blut wird euch zum Zeichen sein." Andere Blutwunder. Bis zum Mai des Jahres 1888 lebten die Neapolitaner des frohen Glaubens, das dies Blutwunder ihres hochverehrten Patronus völlig einzig auf Erden dastehe und in diesem Sinne äußerte sich damals ein Zeitungsartikel, mit patriotischen Stolz. Da veröffentlichte zum Staunen aller die Wochenschrift 1a Lega mehrere Briefe, welche berichteten, daß man auch anderswo sich eines solchen Wunderblutes rühmen könne. Hoch oben bei Amalsi auf den Bergen liegt Ravello, einst eine Stadt des Reichthums und der Paläste, jetzt aber: „Ihre Dächer sind zerfallen und der Wind streicht durch die Hallen". Diese verkommene Stadt verehrt St. Pantaleon als ihren Schutzpatron und ein von der Lega publizirter Brief meldete, daß dort alljährlich am 27. Juli das Blut des genannten Heiligen flüssig werde. In Campanien, etwa 3 Stunden von Neapel entfernt, liegt die fleißige Stadt St. Antimo. Ihr Name ist zugleich derjenige ihres Schutzheiligen, dessen Jahresfest weit und breit berÄhmt ist und viele Tausende von Pilgern anlockt, zumal, da bei dieser Gelegenheit Leben und Thaten des Heiligen auf dem Markte öffentlich in einem Schauspiel von Ortseinwohnern dargestellt werden. Großartig ist dort die Prozession. Ein Brief aus St. Antimo meldete, daß jährlich im Mai, am Todestage des Heiligen, das Blut desselben flüssig werde. Endlich erhielt die Lega einen Brief aus Neapel, daß das K l o st e r S t. G r e g o r i o Armeno das Blut Johannes des Täufers besitze, welches im sechzehnten Jahrhundert durch Nonnen dahin gebracht worden sei. Auch dasselbe wird am 29. August jeden Jahres flüssig. In der That: Die Sache hat ihre volle Richtigkeit. Die Nachforschung in den Werken neapolitanischer Chronisten, eines Celano Eugenio, Cappaccio hat zu weiteren Entdeckungen geführt und gezeigt, daß bis in's vorige Jahrhundert Neapel viele Blutheilige hatte. Da besaß man das Blut St. Stefani, welches von Afrika hieher kam, indem der von den Vandalen vertriebene Bischof Gaudiosuö dasselbe mitbrachte. Im Jahre 1561 wurde es wieder entdeckt, und als ein Priester Lueianus den Namen des St. Stefanus anrief, ward es flüssig und wiederholte dies jedesmal am Todestage des Märtyrers. Als Papst Gregor den Kalender veränderte, fügte sich das Blut in die neue Ordnung. Das Blut ist noch vorhanden, aber es fließt nicht mehr. Eine malte Heilige ist die heute vergessene St. Patricia, deren Blut alljährlich flüssig wurde, so oft man dasselbe mit ihrem Zahn in Berührung brachte. In chrer Kirche war ein Kreuzesnagel Christi, welcher an jedem Charfreitag Blut schwitzte. Man besaß das Blut des St. Bartolomäus, sowie ein Stück von seiner Haut. Kam beides miteinander in Berührung, so stoß das erstere. Man besaß endlich das Fett des bekanntlich als Märtyrer gerösteten St. Lorenzo, welches jährlich an seinem Geburtstage flüssig würde. Ein großer Heiliger in Neapel ist auch Andrea von Avellino, von allem Volk angerufen, obgleich er nie kanonisirt wurde. Als er 1603 starb, stoß ihm Blut aus den Ohren und dasselbe kam in kochende Wallung, als die Umstehenden ihn lobten. Alle diese Reliquien sind heute noch vorhanden, werden gezeigt, aber das Fließen hat (zeitweilig?) aufgehört. Eine gute Stunde vom Vesuv entfernt finden wir das berühmte Kloster Rater Domini und in demselben ein Palladium, welches ebenso mächtig ist, als die Blutfläschchen des genannten. Jenes Palladium ist eine Flasche, aber in derselben befindet sich kein Blut, sondern Milch der Madonna! Eines Tages wehte der Wind bei einer Vesuveruption die Asche nach jenem Kloster, aber kaum hatte man jene Flasche diesem Aschenregen entgegen gehalten, als sofort die Asche eine andere Richtung nahm. Von dieser Reliquie sagt eine zu Neapel 1834 gedruckte Chronik des erwähnten Klosters: „Da Maria die Mutter und Miterlöserin der Kirche ist, sollte sie nicht eben dieser Kirche einige Tropfen chrer kostbaren Milch als Gabe hinterlassen haben, ebenso, wie wir noch jetzt etwas vom Blute Christi besitzen? In mehreren Kirchen findet sich etwas von ihrer Milch, durch welche viele Gnaden und Wohlthaten erlangt werden. Wir finden jene Reliquien z. B. in der Kirche St. Luigi in Neapel nämlich zwei Flaschen voll Milch der seligen Jungftau und dieselbe wird an Festtagen der Madonna flüssig, wie jeder sehen kann. Auch im Kloster Rater Domini wird die Milch bisweilen flüssig." Seite 44 genannter Chronik wird berichtet, daß besagte Wunderflasche bei einer feierlichen Prozession die erwähnte Vesuvgefahr sofort beseitigte. Als Jahr wird 1707 angegeben. * * * In seinem Werke: „Der Aberglaube des Mittelalters", Basel 1884, S. 194, schreibt Professor Karl Meyer von den Vorstellungen, welche man sich noch jederzeit von dm Juden gemacht hatte: „Man übertrug aber den Haß und die Verachtung, welche man selber den Juden gegenüber empfand auch auf sie und nahm an, sie seien von denselben Gefühlen wie die Christen beherrscht." Tranken Juden und Christen gemeinschaftlich, so glaubte man, jene pflegten in die Kanne zu speien, damit diese ihren Speichel mit in den Mund bekämen. (Markus Lombardus, „Gründlicher Bericht und Erklärungen von der Juden Handlungen und Ceremonien", Basel 1574, Fol. XX.) Als im Jahre 1066 Erzbischof Eberhard von Trier plötzlich während der Osterfeier starb, hieß es, hie Juden hätten ein von einem abtrünnigen Priester gewechtes Wachsbild, das den Prälaten vorstellte, während des Festgottesdienstes angezündet und durch dessen Dahm

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