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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-11 · 36 (11.9.1891) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
36 (11.9.1891)
Date
1891-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 658 Oesterreichische Wochenschrift. Nr. 36 russen gerreth, das ihr Verhängniß ward. Ihr Geliebter hatte die revolutionäre Proclamation geschrieben, welche das einzige Anklagematerial gegen sie bildete. Sophie weigerte sich, den Manu anzugeben, und aus Furcht, daß die beständigen Quälereien sie in einen nervösen Zustand und zur Angabe des Namens verleiten könnten, gab sie sich den Tod. Es begegnet nur selten, daß eine Verleumdung so gründlich widerlegt werden kann. Von der erwähnten Verläumdung ist es glücklicherweise gelungen, aus russischen Aktenstücken zu beweisen, daß sie einfach eine russische Lüge sei. Das Blukrttual des St. Gennaro M Neapel.*) u. Vor uns liegt eine Predigt, betitelt: „Das Blut des St. Gennaro, Bischofs und Märtyrers, Patrons der Stadt Neapel. — Panegyrikus, gesprochen von F. di Domenico, Priester in Neapel." Die Rede stammt aus der Zeit der Cholera 1884. Sie machte aus die zahlreichen Zuhörer einen mächtigen Eindruck und wurde mit Erlaubniß der kirchlichen Obern publizirt. Als Text benutzte Redner 2. Mos. 12, 13: „D a s B l u t soll auch zum Zeichen sein." Nach vielen Seiten merkwürdig, verdient sie zur Beleuchtung unseres Gegenstandes wörtlich excerpirt zu werden. Redner beginnt: „Das auserwählte Volk seufzte unter Pharaos Tyrannei und wußte in seiner Trübsal keinen anderen Trost als den, seine Gelübde, Gebete und Seufzer an den barucherzigen Gott zu richten. Der Herr, eingedenk seines mit den Vätern gestifteten Bundes, versprach, Israel zu befreien und befahl durch seinen Knecht Moses das Opfer und Mahl des Passahlammes. Er sprach: Das Blut des Lammes wird für euch ein Zeichen des Heiles sein, wenn ihr dasselbe an eure Thürpfosten streicht, der Würgeengel wird an euren Häusern vorbeigeh:n. So geschah es, das Volk ward durch jenes Blut vom Verderbm errettet. „Zuhörer! Warum habe ich so ernste Worte der heiligen Schrift citirt? Ohne Zweifel, begreift ihr, daß ich beabfichttge, auf ein anderes Blut hinzudeuten, welches unserer Vaterstadt so überaus theuer ist, ich meine das Blut unseres Mitbürgers St. Gennaro. Nachdem dies Blut für den Glauben an Christus von diesem großen Märtyrer der Liebe vergossen ward, hat der Ewige gewollt, daß dasselbe ein Typus und ein Gleichniß des vom gekreuzigten Gottmenschen vergossenen Blutes sei, indem es wie Christiblut die Kraft besitzt, dasjenige Volk zu schützen und zu befteien, welches so glücklich ist, dasselbe zu besitzen." „Ja glücklich bist du, Neapel, du von Gott geliebte Flur, denn in Beziehung auf dich kann ich jene schicksalsbedeutenden Worte wiederholen, indem ich dir das Blut deines Gennaro zeige. — „Durch dieses Blut wirst du leben," gesichert vor den entsetzlichen Schlägen der göttlichen Strafen, du wirst ftet§ deine Berge voll Grün, deine Hügel voll Früchte, deine Thaler voll Blumen sehen. Glaube und Liebe werden dir nicht fehlen. Der Ewige wollte die Tugend des St. Gennaro belohnen, darum bewirkte er jenes unerhörte Wunder, daß dies Blut beständig unter uns lebendig vorhanden bleibt. Es wird euch zum Zeichm sein." *) Vergliche Nr. 34 und 35 der,L)esterr. Wochenschrift" Nachdem Redner auf Voltairianer, Calvinisten und Lutheraner hingewiesen, welche nach seiner Behauptung durch das Gennarowunder bekehrt seien, fährt er fort: „Alle Dinge auf Erden werden vom Zahn der Zeit zerstört. Wo ist Niniveh, wo Theben, das stolze Babel? verschwunden sind die Paläste, die Tempel und Altäre, Schlangen Hausen in den Ruinen, Panther und Löwen weilen dort, wo Semiramis Schätze aufhäufte. Wo ist Karthago, das alte Athen und Sparta? Wo sind die Triumphbögen, die Amphietheater der Cäsaren? Die Zeit hat alles zerstört! Nur das Blut des St. Gennaro trotzt dem Zahn der Zeit." „Als Gott die Natur ordnete und Gesetze gab, da befahl er ihr, an einer Stelle von ihrem Gange abzuweichen. Er sprach: Vernichte, verschlinge alles, was du willst, nur laß dies Blut unversehrt, denn es ist ein Zeichen meiner Liebe gegen St. Gennaro, sowie von der Liebe des letzteren gegen sein Volk und meine Kirche. Wenn also dies Blul siegreiche Macht besitzt und deshalb jeder Zersetzung Wiederstand leistet, so überragt es die Kraft eines Moses und diejenige anderer Wunderthäter. Seht nur das Wunder, welches geschieht, wenn dies Blut dem Haupt des Märtyrers nahe kommt. Die kalte harte Masse wird flüssig, hebt sich, wallt, schäumt, nimmt Rosenfarbe an, ein heilvolles Augurium für uns; bald zeigt sie bleiche Farbe, ein trauriges Vorzeichen von Strafe und Tod. Dies Blut wird euch zum Zeichen sein! Johannes Chrysostomos jauchzte vor Freude, wenn er an die Zeit dachte, als den Adern der Märtyrer das rothe Blut entströmte, und verglich diese Blutströme mit den Strahlen der Morgenröthe. Wie würde derselbe sich freuen, wenn er das Blutwunder des St. Gennaro sähe, wenn er mit eigenen Augen wahrnähme, wie dieses Blut sich fünfzehnhundert Jahre hindurch seines Lebens freut." „Dies ist ganz allein das Wunderwerk Gottes. Er wollte das Leben des Blutes unseres Heiligen erneuern, damit es beständig die Göttlichkeit seiner Religion bezeuge Erst vor wenigen Jahren hat ein Mann der Wissenschaft gesagt, daß wir bei dem jetzigen Stande unseres Erkennens nicht fähig sind, das geheimnißvolle Räthsel dieses Blutes zu lösen. Wundert euch nicht, meine hochgeehrten Zuhörer, wenn der Franzose, der Deutsche, der Engländer, der Slave, der Russe, der Amerikaner sich vor dem Wunderblute beugt. Wundert euch nicht, wenn jene uns Neapolitaner in Hinsicht dieses Schatzes beneiden und zu uns sagen: „O, ihr Glücklichen, die ihr solchen Schatz besitzt, welcher w.issagt und die Zukunft enthüllt." Der Redner schildert nun verschiedene Belagerungen Neapels und behauptet, daß St. Gennaro stets durch sein Blut. Rettung gebracht habe. Dann schildert er in ergreifender Weise Scenen der Hungersnoth und sagt, daß dieses Blut wie ein zweiter Moses beut Volke Speise gebracht habe, indem holländische Schiffe mit Korn anlangten. Nun folgt eine Schilderung der Pest und aller damit verbundenen Schrecken. „Das Blut des St. Gennaro schrie zum Himmel für uns, es flehte von dem Ewigen Vergebung und die Pest wich." Meisterhaft ist die nun folgende Schilderung eines Vesuvausbruchs, sowie einer Bußprocession bei dieser Gelegenheit. Redner fährt fort: „Mit Asche bestreut, mit groben Säcken bekleidet, gingen Hohe und Niedrige einher und feierlich trug man Blut und Haupt unseres Heiligen bis zur Mündung des Sebeto. Der Vesuv toste, Dampf und Asche verfinsterten den Himmel, alle schrieen und heulten.

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