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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-04 · 35 (4.9.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
35 (4.9.1891)
Date
1891-09-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 35 Orsterrrichifchr Wochenschrift. Seite 649 größte Verehrung sich erivorben, ist in ein besseres Jenseits abberufen worden. Welche Verehrung der Heimgegangene genossen hat, zeigte die Beerdigung an welcher Vertreter des Adels, der Beamtenschaft, sämmtliche Vereine theilgenommen. Man sah den Bezirkshauptmann Dr. v. Kleeberg, Bezirks' Marschall Wlodek, Bergrath und mehrere Salinenbeamten, Steuerinspector, Bürgermeister Dr. Serafinski und Magistrats- Beamten, Reichsraths-Abgeordneten o. Struszkicwicz, Graf Dembicki, v. Götz Okotim, sämmtliche Aerzte und Advokaten, Familie Mühnik, Gutsbesitzer Bondy w. rc. Am Grabe sprach Herr Dr. Gorski herrliche, tief empfundene Worte der Trauer, er zeichnete die Verdienste des Heimgegangenen, welcher Ehrenbürger unserer Stadt war und bemerkte, daß nicht die Abstammung und die Religion, sondern das Wirken für die Gesammlheit den Werch des Menschen bilde. Teltsch, am 31. August. Letzten Samstag schied von uns unser allgemein beliebter Cantor und Lehrer Herr Leopold Kol lisch, der volle 14 Jahre selbstlos in unserer Gemeinde für Schule und Synagoge wirkte und sich gerechte Sympathien erworben. Bei seinem Scheiden rrhielt er von allen Seiten Beweise der Theilnahme und Verehrung Sein Scheiden von hier wird allgemein tief bedauert. L)bbs, 25. August. Wie überall fand auch hier anläßlich des Geburtsfcstes Sr. Majestät des Kaisers ein Festgottesdienst unter zahlreicher Betheiligung der Honoratioren statt. Der Rabbiner Adolf Lövy hielt eine patriotische Festrede, die einen tiefen Eindruck aus die Zuhörer machte. Päpa, 24. August. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat den reformirtcn Bischof Gabriel P a p zum Ehrenmitglied gewählt. Eine Deputation der Gemeinde hat dem ausgezeichneten Priester am Dienstag in Komorn das Diplom überreicht. Magdeburg. Wie der „Magdeb. Ztg." aus Königstein (Sachsen) berichtet wird, hat der Gefreite Israel vom Infanterie-Regiment Nr. 102 bei einer in der Kaserne aus" gebrochenen Feuersbrunst das Söhnchen des Oberstabsarztes mit eigener Lebensgefahr vom Erstickungötode gerettet und trug dabei sehr schwere Verwundungen davon. Er hatte eben den Kleinen aus der qualmenden Stube geholt und wollte aus der dargereichten Rettung'Leiter heruntersteigen, als dieselbe unter ihm zusammenbrach. Er hielt dabei den Knaben mit beiden Armen hoch empor und bewahrte ihn vor jedem Unfall; er selbst aber muß nun seinen Opfermuth mit längerer, schwerer Krankheit büßen. Rybnik, 23. August. Fabrikbesitzer Prager, der verdienstvolle Vorsteher der hiesigen Gemeinde, ist zum Rathsherrn erwählt und in dieser Würde von der Regierung bestätigt worden. Haag, 25. August. Als ein sehr nachahmenswerthes Beispiel religiöser Duldung sei erwähnt, daß sich in Delft ein Ausschuß zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden gebildet hat, welcher Geistliche aller Eonsessionen unter seinen Mitgliedern zählt. Letztere haben auch beschlossen, ihre Gemeinden von der Kanzel herab zur Bethei" ligung an dem humanen Werke aufzufordern. Leenwarden (Holland). Herr A. Duparc, Präsident des städtischen Schulvorstandes, ist wiederholt zum Stadtrath gewählt worden. Er ist der einzige Jude, welcher in beiden" Körperschaft Sitz und Summe bat und hat bei der Stadt rathswahl von allen, welche in dieses Collegium berufen wurden und zu welchen christliche Candidaten aas den ersten und angesehensten Familien gehörten, die meisten Stimmen auf sich vereinigt. _ Paris. Der Rabbiner Aron Gerson in Dijon wurde vom Präsidenten Carnot zum Ritter der Ehrenlegion ernannt Paris. In Folge eines Concurs - Ausschreibens der hiesigen medizinischen Facultät wurden von den Bewerbern zwei Juden zu wichtigen Posten ernannt, und zwarDr. Lyon als Leiter der Klinik am Hotel Dieu und Dr. L ion als solcher am Necker Hospital. Eine junge russische Jüdin, Frl. Dobrouskinc, hat an der hiesigen Universität als Acrztin promooirt. Dieselbe, erst 24 Jahre alt, absolvirte ihre Borbereitungsstudien in Tschernigoff (Rußland), wo sie mit der Berdienftmedaillc ausgezeichnet wurde. In unserer Hauptstadt praktiziren zur Zeit 6 jüdische Acrztiunen, alle in Rußland geboren. Ronen. Auf Verlangen des Industriellen B l i n aus Elbcuf wurde der Redacteur Olivier wegen antisemitischer Hetzereien zu 500 Frcs. und zur llrtyeitsinfertion vcrurtheilt. Bordeaux. Hier starb der Präsident des Consistoriums, Alexandre Leon, ein um die Stadt und die Provinz hochverdienter Mann, der namentlich auf dem Gebiete der städtischen Wohlthätigkeitsoerwaltung sich große Verdienste erworben. Alles, was hier auf dem Gebiete des Handels, der Finanz-, der Militär- und Civilverwaltung einen Namen hat, war bei der Beerdigung vertreten. Außer dem Rabbiner sprach der Präfeet und der Maire von hier, ferner verschiedene Rotabeln der hiesigen Stadt und Gemeinde an seinem Grabe. Rom, 25. August. Bong hi veröffentlicht in der „Nuova Antologia" einen Artikel über die russischen Judenverfolgungen, in dem es heißt, Christen und Juden müssen sich gegenseitig ihre Fehler verzeihen. Brüssel. Bei der Feier der silbernen Hochzeit des Senators Montefiore hat der königliche Hof sich betheiligt. Der König ließ dem verdienten Jubelpaare durch seinen Adjutanten seinen Glückwunsch übermitteln. Der Bürgermeister Buls hat im Namen des Gemeinderathcs eine Adresse verlesen und namentlich die Verdienste des Jubelpaares um den Unterricht und das Armenwescn hervorgehoben. London, 23. August. Der „Record" veröffentlicht als interessanten Beitrag zur Lösung der Judcnfrage zum ersten Male ein Schreiben, welches der große englische Philanthrop Lord Shaftesbury 1840 an Lord Palmerston richtete, um Palästina für die Juden zu erwerben. Shaftesbury war damals noch nur Lord Ashley. Die syrische Frage war 1840 gerade den vier Eentralmächten zur Entscheidung vorgelegt worden. Mit warmer Beredtsamkeit drang Lord Ashley in den britischen Premierminister, eine so herrliche Gelegenheit, Palästina der Gesittung zurückzugeben und die Juden in das gelobte Land zu führen, nicht unbenutzt vorübergehcn zu lassen. Der ungeheuer kühl geschäftsmäßig veranlagte Lord Palmerston warf den Brief wahrscheinlich als Erzeugniß eines menschenfreundlichen Träumers bei Secke. Wie erwähnt wird er jetzt zum ersten Male veröffentlicht. Heute würde man Lord Shaftesbury und feinen Plan wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen.

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