Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 35 (4.9.1891)
- Date
- 1891-09-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 648 Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 35 Pjräfekten V. Poenaru als Wohlthätigkeits-Eomitö zu dem Zweck constittlirt, um die nöthigen Mittel zu sammeln mtt welchen sie ihren bedürftigen Glaubensgenossen zu Hilse komnien sollen, damit sic in's Ausland gehen tonnen. Der Präfekt berichtete darüber an's Ministerium des Inneren, hervorhebend, daß das Comite sich verpflichtet hat, ein Haus zu kaufen ^n welchem es die von anderwärts Ausgewicsenen von ihrer Ankunft an bis zum Abgang des nächsten Oricntdampfers beherbergen wolle. Das Comit« hat schon eine Anzahl .Israeliten, theils ortsangesessene, die freiwillig auswandern wollten, theils von anderswo gekommene auf seinen Kosten nach Alexandrien (Egypten) verschifft. — Aus dem letzten Jahresbericht der „Ehewra Kadischa'' in Bukarest entnehme ich: Einnahmen 21.049 20, Ausgaben 16.799 93, Saldo 4.049 87 Frs., Sterblichkeit 514 (d. h. 50 weniger als im Vorjahr); dem (israelit.) Verein „Cultura" (die Bildung) ist die Erlaubnis; ercheilt, auf dem Platze des Ohel im alten, nicht mehr benützten, Fuedhos eine israelitisch-rumänische Knabenschule zu errichten. Jaffa. Im Verlause der jüngsten Monate sind von nlssi'chen Glaub,'nsgenossen durch Vermittelung des hiesigen Ausführungscomites folgende Landstriche in Palästina a>igekauft worden. 1. Ewn e k-I isreel, und zwar der nördliche Theil der durch ihre Fruchtbarkeit berühmten Ebene, 12< ),0U(» Duna m 20 Francs per Duna m. 2. Djidra, 53,000 Dun am, welche die ganze Küste am G o l f zwischen A k k o ,md K a i f a bilden. Der Boden ist hier theilweise sumpfig, die Käufer beabsichtigen daher, ihn sofort zu drainiren. Kaufpreis 15 Francs per Dunam. 3 Chedera, 27,632 Du am, 8 Stunden von Jaffa, am Meere, zwischen dem Nahar (Bach) et-Akhdar Nahar-Zerka, 18 Francs per Dunam. 4. Sedjra, im inneren Galiläa, unweit des Berges Tabor, 15,000 D u n a m, 13 Francs per D u n a m. 5. K e p h a r - M a ch a n a i m , bei S a f e d, ungefähr 10.000 D u n a m a 11 Francs, von Herrn Ac a s e für einige Moskauer Familien gekauft. Wegen eines Grundstückes von ungefähr 30,000 Dunam zwischen A s k a l o n und Gaza im südlichen Palästina steht man gegenwärtig in Unterhandlung. An Käufern von Boden mangelt es jetzt überhaupt in Palästina nicht. So haben sich auf das oben erwähnte Grundstück in Emek-Iisreel, das, wie gesagt, 120,000 Dunam umfaßt, beim Iaffacr-Eomite verschiedene Käufer mit Bestellungen von zusammen 250,000 D u n a m schon längst angemeldet. Es giebt in Jaffa Kauflustige non Rußland, welche dort seit 8 und 10 Monaten weilen und noch immer nicht zum Kaufe gekommen sind. Die Leistungsfähigkeit des I affa e r -E o m ite s ist gegenüber der gegenwärtigen Maffenimmigration zu schwach. Herr T e m k i n, der Vorstand und die Seele des Eomites, ist unermüdlich, kann aber als Einzelner nicht alle Arbeiten bewältigen. Auch steigen die Araber täglich mit den Bodenpreisen, je mehr Käufer sie ankcmmen sehen. Der Kolonisation fache wäre daher ein großer Dienst geleistet, wenn alle unsere Glaubensgenossen, welche in Palästina Land zu kaufen beabsichtigen, von nun an nicht persönlich hinfahren und auch Niemand hinschicken möchten, sondern ihre Aufträge schriftlich dem Eomite in I a s s a ertheilen wollten, welches dieselben bestmöglich besorgen wird, — jedenfalls unter günstigeren Bedingungen, als wenn die Käufer oder ihre Bevollmächtigten selbst nach Palästina reisen. Gravesend. Am Sonntag, den 26. Juli, fand die feierliche Grabsteiusetzung zur Erinnerung an den verstorbenen Friedensrichter Rcv. Henry Berte vitz in Gegenwart zahl reicher Verwandten und Freunde des Heimgegangenen statt. Der Earl von Darnley und Lord Rothschild legten prachtvolle Blumenkränze auf dem Grabe nieder. Das Denkmal trägt folgende Inschrist: „Dem ehrwürdigen Henry Berkovitz aus Gravesend. Kcnt, gestorben am 5. April 1891 im Alter von 72 Jahren, In Anerkennung seiner hochherzige» Handlungen und menschenfreundlichen Werke, sowie seiner Weisheit in der öffentlichen Verwaltung und Hebung dieser Stadt, erwählten seine dankbaren christlichen Brüder ihn zum Mayor, Alderman, Friedensrichter und höchster Rath für die Grafschaft Kennt. Als letzten Beweis ihrer Hochachtung veranstalteten sic ihm ein öffcnrliches Begräbnis;. Seine Menschenliebe, sein reiches Wissen und seine 50jührige unermüdliche, iheiluchmeude Sorge für die Armen, sowie seine fortgesetzte, erfolgreiche Vertretung des Judenthums werden uns in ewiger Erinnerung bleibeu." Wir fügen noch hinzu, daß die Einwohner von Gravesend Vorkehrungen getroffen haben, in Anerkennung der Verdienste des Verstorbenen um das Wohl der Stadt, sein Bildnis; im Rathhausc anfzustellen. Wien. Der Gemeinderath der StadtT v b i t s ch a u hat den Tempelvorstaud und Architekten Herrn Max Fleischer, einen Schüler des Erbauers des Wiener Rathhauses, Frei Herrn v. Schmidt, in Würdigung der großen Verdienste, welche sich der Genannte um die Stadtgcmeindc erworben hat, zum Ehrenbürger von Tobitschau ernannt. Wien. Herr Dr. Heinrich Schreiber, Secretär der internationalen Elektricitäts-Gesellschaft, der sich um das Zustandekommen der österreichischen Abthcilung auf der „Juteruaiioualcn Ausstellung in Barcelona" hervorragende Verdienste erworben hat, wurde vom Muuicipium dieser Stadt durch das Ehreudiplom ausgezeichnet. Wien. (Jüdische Gelehrte im Auslande.) In der Juli-Sitzung der philosophischhistorischcn Elasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien legte der Secretär zwei zur Theorie der biquadraiischen Reste verfaste Abhandlungen von unserem Landsmanne Dr. Max Mandl vor. Dr. Mandl ist einer der größten lebenden Specialistcn auf mathematischem Gebiete und konnte es leider als Juden trotz seiner hohen wissenschaftlichen Begabung, von welcher er in vielen Fachwerken rühmliches Zengniß ablegte, zu keiner Stellung bringen und weilt gegenwärtig in Berlin, wo dessen großes Talent allgemeine Anerkennung findet. Und so bewährt sich wieder das Spichwort: nemo Proplieta in patria. Budapest, 20. August. Hcn- M. Katz, bisher Rabbiner in Nag -Magyar, ist zum Oberrabbiner von Tokay, Heer Dr. M. Eisler zum Rabbiner in Klausenburg erwählt worden. Budapest, 21. August. Der Unterrichtsminister ernannte den Esurgver Bezirksrabbiner Dr. Martin Schreiner zum Professor der hebräischen Lehrgegenstände au der israelitischen Landes-Präparandie. Triest, 2. August. Zum Studium der „Dermoglea lini'h ivelche augenblicklich an der Küste der Adria zum ersteumale wieder seit dem Jahre 1872 beobachtet wird, ist von der Regierung neben Carlo Scaary auch Dr. Levi Morenos betraut worden. Bochnia. Am 28. Unsere hiesige Judenschaft hat einen schweren Vertust erlitten. Herr Dr. Schöngut, der nahezu an 40 Jahre in unserer Gemeinde als Arzt gewirkt hat und in allen Kreisen der christlichen und jüdischen Bevölkerung die