Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 35 (4.9.1891)
- Date
- 1891-09-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020883--00671-3024672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 35 Oesterrrichifche Wochenschrift. Seite 647 ryer Nr. 11, enthält. Das Album reproducirt die architeetonischen und decorativen Schönheiten dieser prachtvollen Besitzung, woran sich historische und literarische Curiositäten von höchstem .Interesse schließen. Es ist bekannt, daß das dereinst von dem berühmten Romancier Balzac bewohnte Halls und dessen Annexe von der Baroneß de Rothschild erworben wurde, um den Grund, auf welchem ihr „Hotel" stand, zu erweitern. Obgleich Balzac's Haus an und für sich kein Interesse bietet, ließ doch die Baroitin vor dessen Demolirung die Innenräume und die äußere Facade photographiren. Diese Photographien sind nun denen ihres eigenen Palais beigegeben. Außer dem Album schenkte die Baroneß dem Museum eine Thür mit eingelegten Arbeiten, welche zu dem Schlafzimmer Balzac's gehörte. — Die Stadt Belfort hat einen jüdischen General" zahlineister, einen jüdischen Steuereinnehmer, einen jüdischen Stabsarzt, einen jüdischen Regimentsarzt, beide im Garnisonsspitale, einen jüdischen Oberst bei der Artillerie, eine jüdische Zeitung und einen jüdischen Herausgeber, einen jüdischen Präsidenten des Bicycleclubs, einen jüdischen Schatzmeister und einen jüdischen Professor. Der frühere Präfect des Departements, M. Ardisson, war ein Jude. Ein Jude Namens Levy ist zuul Nachfolger des Gouverneurs von Belfort designirt uild der Polizeicommissär Gerschell ist ein Iudr. Pisa. (Italien.) Am 4. Allgust starb der berühmte Gelehrte Salvatore Debenedetti im Alter von 71 Jahren. Salvatore Debenedetti, dein wir diese Zeilen widmen, war 40 Jahre Professor der hebräischen Sprache und Literatur an der köuiglichcll Universität in Pisa, wurde hoch geschätzt, durch die Verleihullg des Ritterordens der italienischer Krone, welche der Minister Eoppiilv mit einem schmeichelhaften Schreiben begleitete, ausgezeichnet und von der Regierung zuln königlichen Prüfuugs-Eommissär jedes Jahr ernannt. Er erwarb sich in seinem wissenschaftlichen Fache dadurch große Berdienste, daß der seinen italienischen Landsleuten die hebräische Literatur durch sprachlich ausgezeichnete Uebertragunen zugänglich machte. Den Divan des Eastiliers Juda ha-Levi übersetzte und commcntirte er italienisch, eine sehr schwierige und gelungene Arbeit, die ihm die Anerkennung der berühmtesten italienischen Literaten erwarb. Moskau, 28. August. Die Hungersnoth in Rußland. Die Verwaltung des Gouvernements Saratow hat in einer vorgestern abgehaltenen Sitzung, an welcher nebst dem Gouverneur, das gesummte Munizipium und alle Landbürgermeister theilnahmen, den Beschluß gefaßt, alle im Gouvernement befindlichen Landstraßen in Chausseen umwandeln zu lassen, um auf diese Weise der hungernden Bevölkerung eine länger andauernde Beschäftigung und Verdienst zu geben. Ferner wurde der Betrag von 1,700,000 Rubel behufs Allkaufes von Getreide und Samen zur theilweise unentgeltlichen und theilweise rückzahlbaren Vertheilung an die Rothleidenden votirt. An den Grenzen mehrerer Gouvernements kam es zwischen der Bevölkerung zu blutigen Zusammenstößen. Die Schlägereien entstanden dadurch, weildas Landvolk den Durchtrieb des größte nt Heils vom Milz b ran d an ge steckten Viehes nicht gestatten wollte. lieber die am 19. August in Witebok wegen der Roggen- Ausfuhr ftattgefundenen Unruhen erfährt die „Times" aus Petersburg, die zusammengerottete Volksmenge habe das Militär angegriffen und dasselbe zum Rückzugs genöthigt. Nachdem Verstärkungen eingetrosten waren, habe das Militär auf die Menge gefeuert, um dieselbe zum Verlassen des Bahnhofes zu zwingen, wobei zwei Tumultuanten getödtet wurden. Auch Eisenbahnbedienstete seien von der erregten Volksmenge angegriffen, Getreide- Händler mißhandelt und deren Häuser geplündert worden. Die Ruhe wurde nur mit großer Mühe hergestellt. Ein Korrespondent der „Rußkja Shisnj" vom Mittellauf der Wolga schildert in lebhaften Farben die in jenem Gebiete wachsende Not. Bei jedem Schritte begegne man ganzen Schaaren von Bettlern, und zwar befänden sich unter ihnen in nicht geringer Anzahl auch deutsche Wolga-Colonisten die ehemals wohlhabend waren, aber jetzt durch eine Reihe aufeinanderfolgender Mißernten ruinirt sind. „Der Anblick der zerlumpten, erschöpften Gestalten bringt selbst inmitten des allgemeinen Elends im Wolgagebiet einen höchst peinlichen Eindruck hervor. Ganze Familien, Vater, Mutter, Kind er, gehen so von Thür zu Thür, von Fenster zu Fenster. Mit entblößten Häuptern bleiben sie stehen und singen irgendt einen Psalm, bis eine mitleidige Hand ihnen ein Stück Brot oder eine kleine Münze darreicht." Die „Nowoje Wremja" läßt sich aus Charkow telegraphiren: „im dortigen Gouvernement sei eine Art Epidemie ausgebrochen; dies sei jedoch nicht die Tschuma, sondern ein ganz gewöhnlicher — „sibirischer Milzbrand." Diese Meldung bedarf sicherlich keines Commentars. vreue. Bukarest 21. August. Der Drang der rumänischen Israeliten ihre Heimat zu verlassen und nach Ländern zu gehen wo sie mindestens das ihnen so sehr bestrittene und beschnittene Stückchen Brot für sich und ihre Familien, wenn auch mit schwerer Anstrengung erwerben können, ohne dabei von Behörden und Privaten gehetzt, beunruhigt und ausgesogen zu werden — dieser Drang ist, 1884 durch das drakomische, für die rumänischen Kleinleben - Verhältnisse durchaus unpassende Hausier-Verbotgesetz hervorgerufen, seitdem nicht mehr erloschen- Während aber nach der Massenauswanderung von 1884—1886 inclusive in den folgenden Jahren mehr oder weniger rumänische Israeliten den Wanderstab ergriffen, ist die Auswanderung in Massen jetzt bei den Vexationen wegen des Phantoms einer Invasion russischer Israeliten wieder lebhaft in Fluß gekommen, und man hört aus den verschiedensten Städten davon, daß man nach Palästina oder Amerika geht oder Vorbereitungen dazu wisst. So heißt es u. A., daß in Crafowa sich 20 Familien mit 120 Seelen), sämmtlich Handwerker zur Auswanderung rüsten, wegen der Chikanen, die sie von den christlichen Meistern und den Behörden, ganz besonders seit der „Motion Aßlan" auszustehen haben, wobei das neue national-„liberale" (antisemitische) Blatt „Bocea Elteniei" kräftig den Blasebalg der Zwiet rächt bläst. Die beliebte Art den israelitischen Gesellen den Lohn für ihre schwere Arbeit — schuldig zu bleiben, ist jeys bei den christlichen Meistern der Zuruf: „nach Palästina, Jude Der Bestimmungsort aber, den sich die Auswanderer gewählt, ist Amerika. In Gal atz haben sich eine größere Anzahl der angesehensten Israeliten im Einverständniß mit dem