Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 35 (4.9.1891)
- Date
- 1891-09-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Säte 646 Orstrrrrichtsrtzr Wochenschrift. Nr. 35 Tr. K n o l l, welchen der Norm von Geras, Tr. Leopold Eubert vertheidigte, erklärte jedoch, er habe die Aeußerung absichtlich gethan, er bedauere dieselbe nicht und eher lasse er sich einsperren, bevor er Kießling die Hand reiche. Hierauf wurde die Verhandlung vertagt, weil Tr. K n o l l den Wahrheitsbeweis anzutreten erklärte. Bei der zu diesem Behufe angeordneien neuen Verhandlung trat Herr Kießling vor Durchführung des Wahrheitsbeweises von seiner Anklage zurück und Tr. K n o l l wurde vom Richter f r e i g esprochen. Horazdiowitz. In der verflossenen Woche weilte ein angesehener Gast, der seine Verwandten, die hiesigen Herren Brüder Münz, besuchte, in den Mauern unserer Stadt. Es war dies Herr Eduard Rosenwater (Rosenwasser), der im Aufträge der nordamerikanischen Regierung alle größeren europäischen Residenzstädte bereist, um das Telegraphenwesen zu stndiren. In der Union ist das Tclegraphenweseu nämlich Privachänden anvertraut und soll verstaatlicht werde». Die amerikanische Regierung konnte keinen besseren Delegirten allsersehen. Herr Rosenwater, unser Glaubensgenosse und Landsmann, verließ als zwölfjähriger Knabe Böhmen und siedelte sich in Omaha an. Nachdem er die Schulen seines neuen Aufenthaltsortes mit ausgezeichnetem Erfolge absolvirt, widinete er sich der Telegraphie und Journalistik. Im Aufträge der Union nahm er als Ober-Telegraphenbeamte an dem Befreiungskriege theil, gründete nach Beendigung desselben eine Druckerei und redigirt gegenwärtig ein vielgelesenes englisches Journal, das circa 100.000 Abonnenten zählt. Bemerkenswerth ist, daß Herr Rosenwater auch der böhmischen Sprache vollkommen mächtig ist, und daß er von den böhmischen Blättern als der einzige unparteiische Berichterstatter über die Landesausstellung mit Ungeduld erwartet wurde. Was sagt Herr Basaty dazu? Auch sein Organ freut sich der Rosenwater'schen Berichte über Böhmen, damit man endlich in Amerika ein treues Bild vom Wirken und Schaffen des böhmischen Volkes erhalte. Freilich kennt Herr VaZaty die Confession seines Landsmannes nicht- Bcrlin. Tie „Post" veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern auf die Autorität der „Kreuzzeitung" hin, einen Artikel, welcher von den „ehrgeizigen Plänen des Baron H i r s ch" ganz außerordentliche Tinge berichtet. (Un „türkischer Staatsmann" hat diese Pläne durchschaut. Besagter Türke will nämlich wissen, das Agenten des Baron H i r s ch in Palästina, in Syrien, in Kleinasien und sogar am Euphrar Ländereien zu dem Zwecke ankaufen, um dieselben mit den aus Rußland auswandernden Juden zu besiedeln. Tie dringeuste Pflicht der Pforte sei es, schon den Anfängern der Ausführung des ehrgeizigen Planes des Baron Hirsch den rücksichtslosesten Wiederstand entgegenzusctzen, denn sonst wäre die Türkei verloren. Für uns ist der Blödsinn deswegen blos interessant, weil er wieder einmal die innerste Gesinnung unserer lieben Arier offenba rt. „Ihr gehört nach Palästina" rufen sie den Juden stets zu, und machen diese den Versuch, sich in Palästina niederzulassen, dann schreit der arische Bildungspöbel „ein Reich Israel ist in Sicht". Münster. Dr. B ö ck e l hatte am vorigen Sonntag hier eine anüsemitische Versammlung einberufen, zu welcher er auch den Vertreter des Wahlkreises im Reichstag, Herrn Münch der bekanntlich der deutschfreisinnigen Partei angehört, eütgeladen hatte. Herr Münch, sowie eine große Zahl Anhänger der deuffchfreisinnigen Partei, besonders aus dem nahen Villmar, waren am Platze erschienen und hatten schon frühzeitig den Saal, in welchem die Versammlung abgehalten werden sollte, dicht besetzt. Böckel, der spät ankam, zog es daher vor, die Versammlung im Hose abzuhalten, wo er, umgeben von seiner Leibwache, von einem Leiterwagen aus, seine Rede hielt. Es dauerte lange, bis er überhaupt zum Wort kommen konnte, und erst nach Hinausschaffung der lautesten Ruhestörer, an welcher Arbeit sich namentlich der Orts dien er sehr betheiligte, konnte Böckel sein „Programm entwickeln". Unterdessen entspannen sich in eil,er Ecke des Hofes fortwährend Kämpfe zwischen den Antisemiten und ihren Gegnern, die fast regelmäßig mit der Hinaul besörderung des Einen oder Anderen endeten, nachdem es vorher mindestens blaue Mäler oder gar blutige Köpfe gegeben hatte. Herr Reichstagsabgeordneter Münch wurde, als er nach Böckel die improvisirte Rednerttibüne des Leiterwagens bestieg, mit großem Beifall empfangen. Er wies unter Andern, nach, daß Vieles, was Dr. Böckel als neue Forderung aufstelle, von den freisinnigen Parteien schon seit langen Jahren gefordert werde, und wandte sich dann gegen die persönlichen Angriffe, die Böckel gegen ihn in seinem „Reichsherold" gerichtet hat, indem er ihn, Münch, wegen der Mittheilungen über Liebermann von Sonnenberg im Reichstag u. a. als einen „Ehrabschneider" bezeichnet habe. Redner legte die von Liebermann ausgestellten, aber nicht eingelösten Wechsel i m O r i g i n a l v o r. Die Polemik zwischen Böckel und Münch nahm dann einen sehr erregten Charakter an, so daß der Bürgermeister, den die Prügelscenen nicht dazu veranlassen konnten, angesichts der fortwährenden Unterbrechungen die sich Böckel erlaubte, endlich sich entschloß, die Versammlung aufzulösen. Herrn Böckel wird es gestern klar geworden sein, daß hier sein Weizen nicht blüht. J. 8. Paris, 15. August. Die letzte Nummer der „Revue Internationale“ enthält einen sehr interessanten Artikel über die Belagerung Jerusalems durch Titus. Der heutige „Soir“ knüpft an diesen Artikel folgende Bemerkungen: „Die Zeit naht, wo Jerusalem zu neuem, verjüngteur Leben erwachen wird, wo seine jetzt verödeten Wohnungen sich wieder bevölkern werden, wo man in seinen bisher engen und und schmutzigen Sttaßen etwas Anderem, als langen Schaaren Aussätziger begegnen wird, welche einem Heilande ihre Wunden hinreichen. Dieses Wunder der Auferstehung wird man dem modernen Fortschritte, der industriellen Initiative zu verdanken ' haben, derer, Bemühungen selten vergeblich sind. Schon erhebt sich eine neue Stadt auf den Ruinen der alten; nach den Lateinern und Russen kamen die Deutschen und Engländer und erbauten Häuser, Spitäler und Schulen; die Juden selbst kommen diesen Bemühungen der Fremden zu Hilfe und beschränken sich nicht mehr aus die Klagelieder, die sie vor dem Jaffathore zum Andenken an die gefallene Zionsburg alljährlich erheben: Im gegenwärtigen Augenblicke arbeitet auf der von Jerusalem, nach Jaffa führenden Sttaße ein Heer von im Dienste einer französischen Gesellschaft stehenden europäischen Arbeitern. Wo vor 18 Jahrhunderten die römischen Legionen im Staube der Landstraße daherzogen, wird bald eine Eisenbahn eröffnet werden, um auch in dieses uralte, heilige Land den Culttlrfortschritt zu ttagen. Und so wird die alte, jüdische Stadt, bald in ihren Mauern Schaaren von europäischen Arbeitern und Kaufleuten begrüßen können, die ihr künftiges Gedeihen besiegeln werden." Paris. Die Baroneß Salomon de Rothschild machte dem Museum Carnavalet in Paris ein Album zum Geschenk, welches 35 photographische Ansichten ihres Palais, Rue Ber-