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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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I1U-^WLU— Seite 630 Oestrrreützrfchr Es gab Monate, in welchen Schaselbauer's Umsatz in antisemitischen Tiraden den Werth von drei bis vier Hundert Gulden rcpräsentirte. Die Abrechnung zwischen Schaselbauer und seinem Gönner, einem hohen Aristokraten, dessen Stammbaum bereits 38 Früchtcln gezeitigt hatte, pstegte vierteljährig stattzusinden. Der letzte Ouartalsausweis, den Schaselbaucr seinem Gönner eingesandt hatte, lautete: NoLa. Stück Gegenstand Betrag fl. kr- Pauschale.. 200 — 4 Reden über das jüdische Capital (ohne alles) . . 20 — 6 Reden über das jüdische Capital lmit Hinweis auf die steigende Massenarmuth rc.). 60 1 Liberale Wählerversammlung gesprengt .... 15 — 3 Blutmärchen. 55 — Schmerzensgeld für fünf im Parteidienst erhaltene Obrieiaen.. 10 1 Schmerzensgeld für eine Rißquetschwunde. . . . 5 — Aerztliches Honorar. 2 — 1 Bruchband. 1 20 1 Jüdischem Hausirer ins Gesicht gespuckt. 1 — Jüdischem Geschäftsmann das Äuslagcfcnstcr zertrümmert . 10 125 .Exemplare „Deutsches Vollsblait" zur Agitation 7 50 Porto für Drohbriefe. 50 03 436 73 Zur Zeit der Gemeinderaths- und Reichsrathswahlen erzählte Ingomar Lchaselbauer, um die Niedertracht und Verworfenheit der Juden in das beste Licht zu stellen, in den vor den Linien befindlichen Branntweinschänken seinen daselbst zechenden unverfälscht arischen Brüdern und Schwestern Episoden aus dem Leben des Schulchen Baruch.*) „Cchulchen Baruch", erklärte Schaselbaucr seinen benebelten Genossen und Genossinnen, „genießt bei den Juden Galiziens das Ansehen eines Königs Er ist 6 Schuh hoch, Bart und Kopfhaar sind tiefschwarz, die Augen eingesunken und die Ringellocken an den Schläfen messen gegen vier Zoll." „An hohen jüdischen Festtagen trägt Schulchen Baruch einen mit blitzenden Edelsteinen übersäeten Kaftan aus kostbarer Seide und eine massive Gold kette um den Hals." „Jahraus, jahrein bereisen seine Agerrten die Balkanhalbländer um (Christenkruder zu mäßigen Preisen zusammenzukaufcn." „Schulchen läßt dieselben auf seine Besitzung treiben, mästet sie in dem großen Stalle seines Palastes bis sie dick nnd fett werden, um sie beim Herannahen des Passahfestes abzuschlachterr." „Mit dem Blute der arischen Würmer werden die Osterflecken beilrichen urrd Schulchen Baruch verkauft die also zubereiteten Mazzcs an die Juden aller Herren Länder." „Das Exportgeschäft wirst ihm jährlich fabelhafte Summen ab." Zum Schlüsse seiner Ausführungen zahlte Schaselbaucr seinen Zuhörer» mehrere „Umblachte" und schrie, indem er mit der Faust aus den Schanktisch schlug, daß die Schnapsgläser zu tanzen begannen: „Nieder mit den Juden!" Die Gesellschaft heulte: „Nieder mit den Juden!" Er betheilte seine arischen Brüder mit Virginier Cigarren und sie gröhlte» abermals: „wieder mit den Juden!" Den arischen Schwestern zahlte er noch einen „Umblachten" und das schwache Geschlecht brüllte: „Nieder mit den Juden!" Dann versah er jedes männliche Glied mit einem autographirten Zettel: „Arisches Folk! Stimm vieh ein Mann fir teil sereinikten geistliche» Gautitaden! tas arische gomithcc", und beauftragte sic die Straßen der Stadt zu durchziehen und die Zettel an die Passanten zu vertheilen. -i- * * . *) Schaselbauer hatte öfters vom Schulchen Aruch reden gehört und glaubte, dies sei eia ganz besonders schlechter Jude. Er brachte ihn in Zusammenhang mildem Blntmärchen nnd nannte ihn Schulchen Baruch, da er meinte Aruch wäre ein verzärtelte» Diminutiv wie etwa Mitzi oder Pep i. E. L. Wochenschrift. Nr. 34 Cchasclbauer's Ruf als gewiegter Socialpolitikcr stieg nur ein Bedeutendes, als cs bekannt winde, daß ihn sein Gönner, der hohe Aristokrat, eingeladen, in seiner Privatwohnung an einer socialpolitischen Enquete theilzunehmen. Bis nun hatte Schaselbauer mit dem hohen Aristokraten immer nur durch einen Mittelsmann, einen unverfälscht arischen Fälscher, verkehrt. Da sich Schaselbauer persönlich vorstellen sollte, traf er umfangreiche Vorbereitungen. Vor allem ging er, ohne daß ihn jemand darauf aufmerksam gemacht hätte, aus eigenem Antriebe in ein Dampfbad. Dann ließ er sich die Haare „Fiesco" schneiden, den Bart stutzen und den Schnurbart aufwichsen. Schaselbauer hatte einmal gehört, daß vornehme Leute sich Gesicht und Hände mit Parfüm zu waschen pflegen, damit ihre Haut wohlriechend werde. Er leistete daher eine Nachzahlung von zehn Kreuzern und ließ sich dafür Kölnerwasser in die Hosen träufeln. Dann kaufte er sich eilten Kragen, eilt Paar Glacehandschuhe, einen Zwicker — mit einem Wort: der Mensch war in der Bestie erwacht. Der hohe Aristokrat lag auf dem Divan und schlief als Schaselbauer zaghaft in das Zimmer trat. Schaselbauer räusperte sich mehrmals und da dies nichts nützte, ließ er seinen Zwicker zu Boden fallen. Der hohe Aristokrat richtete sich halb auf, rieb sich schlaftrunken die Augen und gähnte. Sch.iselbaucr legte die Hand auf den Magen und verbeugte sich ununterbrochen. Als der hohe Aristokrat endlich ganz munter geworden, zog er rasch ein Paar Handschuhe, die neben ihm auf dem Divan lagen, an, ging Schaselbauer auf halben Wege entgegen und reichte ihm lächelnd die Rechte. Schaselbauer wollte dieselbe inbrünstig an die Lippen führen, der hohe Aristokrat aber meinte wohlwollend: „Lassen Sie nur!" Schaselbauer geschah, er wußte nicht wie. Dieser Augenblick war einer der schönsten in seinem an seltsamen Ereignissen so reichen Leben. Mit einer legeren Handbewegung forderte der hohe Aristokrat Schaselberger auf, sich auf den Divan zu setzen und frug ihn ohne Weiteres, ob er geneigt wäre unter den Arbeitern Propaganda für das christlichsociale Programm zu machen. Es sei leider, wie der hohe Aristokrat meinte, dabei wohl schwer zu vermeiden, daß das Blut israelitischer Geschäftsleute stieße, aber cs geschehe dies, wie er lächelnd hinzufügte, schließlich ja doch nur für das Wohl des kleinen Mannes. Wie von ungefähr zog der hohe Aristokrat bei diesen.Worten eine Hundertguldennote aus der Westentasche, ließ sie auf die Erde gleiten und drückte, indem er den Kopf seitwärts wandte, seine umfangreiche Nase in das Taschentuch, wobei er das Niesen marquirte. Als er das Tuch wieder in die Tasche schob, war die Banknote verschwttnden. Die socialpolitischen Anschauungen der Beiden deckten sich im Wesentlichen und mithin währte die Besprechung kaum eine Viertelstunde. Schaselbaucr erhob sich von dem Divan und bat den hohen Aristokraten, an die Frau Gemalin — unbekannterweise, wie er sich ausdeücktc — einen Handkuß auszurichten. Der hohe Aristokrat forderte Schaselbauer eindringlich auf, so rasch als möglich an die Arbeit ju gehen, da er als Mitglied der in einigen Monaten zusammen tretenden Enquete über die Erfolge seiner Thätigkeit werde Bericht erstatten müssen. Der hohe Aristokrat verabschiedete Schaselbauer, nicht ohne einen vielsagenden Blick auf die neben dem Schreibtische stehende große eiserne Casse zu werfen und Ingomar Schaselbauer verließ endlich die Hand aus dem Magen, nach rücklvärts schreitend, unter unzähligen Verbeugungen die heiligen Räume seines durch tauchten Gönners. * * * Nach einigen Wochen erhielt der hohe Aristokrat folgenden Brief: Stein, den 17. Juni 1890. Herr Brinz man had mich eingehsberd was nur tie breßjudcn sein schult an ahlem weil sic haben mir in ti zeitung gegeben rechen sie mir ir ungliglicher fremd unt andisehmid auch in der gehfangenschafd. Mit achtung Schaselbauer.

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