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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 34 O österreichische Wochenschrift Seite 639 „Methoden und Asyle" betittelten Aufsatz dar. Baron Hirsch sagt u. A.: „Man wirft den Juden vor, das; sie nicht prodnziren, sondern durch Handel schnell reich werden wollen. Angenommen, dem wäre so, kann es anders sein, nachdem man ihnen Jahrhunderte lang die Bebauung des Bodens untersagt hat? Wo Juden haben Grundbesitz erwerben dürfen, haben sie sich als ausgezeichnete Landwirthe bewährt. In Ungarn bilden sie einen bedeutenden Prozentsatz d.'s Bauernstandes. Die dortige hohe katholische Geistlichkeit hat fast nur Juden zu Pächtern und ebenso geben alle Großgrundbesitzer den Juden den Vorzug. Die jüdischen landwirthschaftlichen Kolonien in der Türkei blühen und die Nachrichten aus Argentinien melden Aehnliches." London. Se. k. Hoheit der Herzog von Westminster schreibt in einem Briefe an ein Mitglied, des russisch-jüdischen Eomitäs: Die Angelegenheiten in Rußland nehmen eine immer schlechtere Wendung und die Unmenschlichkeit der Behörden ist staunenerregend und fast unglaublich. Der Ezar selbst ist daran Schuld, wenn man ihn in die Eategorie jener Herrscher einreiht, die, gleich Philipp II. von Spanien im Besitze einer unumschränkten Macht, dieselbe nicht zum Wohle und zum Heile von Millionen ihrer Unterthanen verwendet haben, sondern zu ihrem Unglück und ihrem Verderben, und sie verdienen die Verachtung und den Abscheu aller Gutgesinnten der eivilisiertcn Welt. London, 19. August. Wie „Daily News" aus Odessa meldet, betrage die Zahl der ausländischen Juden, denen Ausweisungsbefehle zugegangen seien, 8000; die Mehrzahl derselben seien Grundbesitzer. Algier, 7. August. (Ein Toast ans den Baron Hirsch.) Am 6. d. M. Abends traf hier die auf der Fahrt nach Alexandrien begriffene, in (Glasgow von Herrn Ludwig v. Ptak für die Kolonisationszwecke des Baron. Hirsch angekaufte Dampf-Pacht „Israel" ein. Der Eap tän des Fahrzeuges Herr Sbu tega, stellte sich dem im Seebade Tivoli bei Algier weilenden öslerr.-ungar. Generalkonsul Grafen Wimpffen vor, der eben in großer Gesellschaft beim Abendessen saß. Gras Wimpffen empfieng den Eapitän auf das herzlichste und brachte zum Schlüsse des Mahles folgenden Toast aus: „Während wir uns hier am frohem Scherze vergnügen, ist der Ernst des Lebens an mich herangetreten, indem ich den Besuch des Führers eines Schiffes erhielt, das sich zur Ehre der österreichischen Flagge in den Dienst der Humanität gestellt hat. Es steht in dem Dienste des Baron Hirsch in Paris für dessen großes Werk zum Schutze der bedrängten Angehörigen des israelitischen (Glaubensbekenntnisses. Ich erhebe mein Glas auf den energischen und klugen Menschenfreund Baron Hirsch!" Alexandrien. Seine Hoheit der Khedive hat den Herrn P. Towreft, Ober-Steuerinspector in Alexandrien, zum Range eines Bey erhoben. Eine Deputation hochangesehener und einflußreicher Männer machte Herrn Towrest ihre Aufwartung und verehrte ihm zum Beweise" ihrer Hochachtung einen kostbaren Degen. Unser Glaubensgenosse Toivrest ist cgyptischer Regierungsbeamter, der sich hohe und anerkannte Verdienste um das Reich erworben hat. Bei der Unterdrückung des Aufruhrs und der Wiederherstellung der Ordnung zur Zeit des Bombardements spielte er eine hervorragende Rolle und wurde ihm hi rsür der besondere Dank der britischen Admiralität zu Theil. Feuilleton. Nus der antisemitischen Steinzeit. Skizze von Ernst Lemberger. Jene Antisemiten, welche bereits in Stein waren, werden sich wahrscheinlich noch des Gesinnungsgetto sen Josef Schaselbauer entsinnen. War doch Schaselbauer das Prototyp eines strammen unverfälschten Ariers! Das lichtblonde Haar, die blauen Augen, der kühne Adlerblick und die carminrothe Knollennase — sie ließen bereits von Weitem den gesinnungstüchiigen Germanen erkennen. Josef Schaselbauer stand im besten Mannesalter als er nach Stein übersiedelte und führte daselbst Fahre hindurch ein sehr eingezogenes Leben. Bei seiner plötzlichen Abreise von Wien harte Schaselbauer nicht mehr Zeit gefunden, seiner Eoncubine die nationale Erziehung seines Sohnes eindringlichst nahe zu legen und dies kränkte ihn, denn Schaselbaner war ein Antisemit voll Schönerer's Gnaden. Als strammer Dcunchnationaler hatte er seinen Sohn nach dem germanischen Kalender der „Unverfälschten" ans den Namen Jngomar getauft. Schaselbauer's Leben in Stein verfloß in trübem Einerlei. Flüchtige Lichtblicke bildeten nur die Besuche seines nunmehr erwachsenen Sohnes Ingomar, der gleich seinem Vater die politische Laufbahn betreten hatte rrnd der wegen seiner kräftig entwickelten Muskulatur von den arischen Brüdern und noch mehr von den arischen Schwestern geschätzt wurde. So oft Ingonrar seinen Vater besuchte, brachte er ihm, in ein antisemitisches Zeitungsblatt eingewickclr ein Päckchen Tabak, ein Stückchen Wurst oder ein Fläschchen Slibowiiz, und diese Beweise kindlicher Liebe rührten den von Natur ans rohen Gennanenvarer derart, daß er Ingomar bei jedem Besuche versprach, ihn in seinem Testamente zum Universalerben einzusetzen. Ingomar hatte einmal seinen Vater längere Zeit hindurch nicht besucht und als er eines Tages wieder in Stein vorsprach, erfuhr er, daß sein Vater vor wenigen Stunden verschieden sei. Dieser Umstand weckte in Ingomar's Brust die kühnsten Hoffnungen. War er doch der Universalerbe! Unter der Strohmatrave, auf welcher Schaselbauer zu ruhen pflegte, fand man das Testament. Es war in antisemitischem Sinne, beziehungsweise Unfinne abgefaßt, liebst seiner Ueberzeugung vermachte er seinem Sohne: einen schwarzen Salonrock, ein Barchenl-Nachlcorset aus weißem Schnürlbarchent mit Plifsöbesatz und geflickter Halskrause, 34 silberne Löffel mit den Monogrammen verschiedener Kaffeehäuser, 5 goldene Damennhren, eine einbruchsichere Easseice zum Anschrauben in marmorirlcr Lackirung, sehr reich vergoldet, und eine byzantinische Reliquienlafcl mit getriebener und Filigranarbeit; Rand und Deckel mit byzantinischer Malerei. Als Depütstellc der Gegenstände war die Vogeltenwiese am Galizynberg (Steinbruck), 3. Baum, rechts) bezeichnet. Wochenkalender. Wochen- August- September 1891 Ab El ul 5651 Kalender Freitag 28 24 Samstag 29 25 ron Sonntag 30 26 Montag 31 27 Dienstag 1 28 Mittwoch 2 29 Donnerstag Freitag 3 30 1 Rosch chodesch 4 1 2 Alts die Frage, was ist Werth, antwortet der Nationalökonom I. B. S ay: Werih ist dasjenige, was eine Sache in Geld ausdrückt. Ist diese Definition des Werthbegrifscs eine richtige, dann hatte die solialpolitische Thätigkeir Ingomar Schaselbauer's einen großen Werth. Ingomar Schaselbauer arbeitete nämlich nach einem Tarif. Nach demselben kostete: Eine Rede über das jüdische Capital (ohne alles') . . . .fl. 5.— Eine Rede über das jüdische Capital, mit Hinweis auf die steigende Massenarmuth und die wachsende Verelendung immer breiterer Volksschichten...fl. 10.— Die einfache Erzählung des Blurmärchens.st- 1®-— i Die Erzählung des Blntmärchens mit Troppen- und Redefiguren fl. 20.—

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