Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 34 (28.8.1891)
- Date
- 1891-08-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020882--00651-3024651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 638 Orsterreichifche Wochenschrift. Nr. 34 Liesing. Mittwoch Vormittags erschien eine Deputation der hiesigen jüdischen Bevölkerung beim Landtags-Abgeordneten Herrn M a r e s ch, ihn zur glücklichen Wiederwahl als Bürgermeister zu beglückwünschen. Landlags-Abge.rdueter und Bürgermeister Mare sch dankte herzlich für die dargebrachte Gratulation und schloß seine, Erklärung: Ich verschaffe nur dadurch dem Gesetze das Recht, wenn ich zwischen Confessionen keinen Unterschied mache; Mensch ist Mensch. Dies ist meine Ueberzeugung, die Norm unseres Staatsgesetzes, wie auch der redliche Wille unserer Stadtbevölkerung. BMnu. Gegenüber der Einsendung ausZwittau in Nr. 33. ersuche ich zu constatireit, daß der Cultusverein in Ung.-Hradisch schon seit sechs Jahren einen Rabbiner hat, es fungict Herr Dr. Hahn, der zugleich das Rabbinat der Gemeinde Wessely versah und diesen Posten jcht verläßt. Der 0-Correspondent drückte blos sein Erstaunen über die großen Lasten aus, welche die Cultusvereine, die sich durchaus zu Gemeinden constituiren wollen, auf chre Schultern nehmen. Freilich gibt es in Mähren e nen solchen eben avancirten V.rein, der es an Sabbaten nicht zu einem Minjan beim Musaf-Gottesdienste und zur T ra- Borlesung bringt, weil a:n Samstag der Wochenmarkt abgehalten wird und die Gemeindemitglieder dadurch in Ansp uch genommen sind. Nur in den Ferialmonaten wird Dank der auf Ferien anwesenden Studenten nothdürflig das Minjan zusammen gebracht. Hätte ein solcher Verein solche Eile gehabt, Gemeinde zu werden? Brnnn. (Trauung.) Am Sonntag, den 30. August findet hier die Trauung des Herrn Robert S a m e k, Procurist der hiesigen Fabriksfirma Brüder Samek & Sohn des Inhabers derselben, Herrn Jacob Samek, mit Fräulein Helene Popper, Tochter des Herrn Jules Popper, Exporteur und Consul der argentinischen Republik, statt. Ung.-Brod, 18. August 1891. Herr Gcrsou Samek, Obercantor in Schüttenhofen ist als Obercantor und Secrelär in der isr. Gemeinde Ung.-Brod acceptirt worden. Pest. Der nach längerer Krankheit in einen! Wiener, Sanatorium verstorbene Herr Moritz Deutsch war der Inhaber einer der größten hiesigen Buchdruckereien und Kunstanstalten. Der Verewigte hatte sich nicht nur um die Fortschritte im Buchdruckerwesen in Ungarn, sondern auch um den ungarischen Journalisinus große Verdienste erworben, da er in den Sechziger-Jahren, als das nur mit großen Opfern möglich war, eine ganze Reihe redact onell und artistisch prächtig ausgestattetcr ungarischer Blätter und illustrirter Zeitungen gründete, von welchen ein ge noch heute fioriren. Der Verewigte, der sich allgemeiner Achtung erfreute, hinteiläßt eine hochbttagte Mutter und eine Witwe, die in Folge ihres liebenswürdigen Wesens und ihrer Wohlthätigkeit in der hiesigen Gesellschaft stets eine symphatische Erscheinung war. Budapest. (Gegen die Sonntagsruhe.) Die von den orth.-israel. Kaufleuten geg:n die Sonntagsruhe initiirte Bewegung hat im Lande zahlreiche Anhänger gefunden. Die behufs Besprechung der Angelegenheit durch das Executivcomite einberufene Landesversammlung findet am 25. August Vormittags 10 Uhr, im großen Saale des „Hotel Europe" stall. Bisher sind an die Landes-Central-Kanzlei mehr als hundert Meldungen über in dieser Angelegenheit in der Provinz abgehalteue Berathungen, sowie etwa zwanzigtausend Zustimmungs- Unterschriften von orthodoxen israelitischen Kaufleuten und Industriellen eingeschickt worden. Gödöllö, 20. d. (Tem p e l einw eih u n g). In Gegenwart des Stuhlrichters, Bezirksrichters und Gemcinderichters, zahlreicher Gäste aus der Hauptstadt, sowie der hiesigen Bürger aller Confessionen wurde heute Nachmittags hier das neuerbaute israelitische Gotteshaus feierlich eingeweiht. Der Erbauer des Tempels, Richter Karl Lizits, übergab das Gebäude mit einer Ansprache der Gemeinde, in deren Namen der Vorsteher Herczeg dasselbe übernahm. Nach Absingung eines Chorals hielt Rabbiner Schwelb aus Leva eine Predigt, worauf der Direktor des Budapests- Rabbinerseminars, Rabbiner Dr. Bloch, die eigentliche Einweihung vornahm, indem er das ewige Licht entzündete und in einer geistvollen Rede die Bedeutung desselben kennzeichnete Nach einem Rundgange hielt noch Rabbiner H a l a s aus Ercsi eine Predigt, wonach unter Absingung des Kölcscy- Hymnus die Festlichkeit ihr Ende nahm. — Unmittelbar nach der Feierlichkeit wurde im neuen Gotteshause die erste Trauung vorgenommen. Bielitz-Biala. (Vermählung.) In Brody hat am 25. d. die Vermählung des Rabbiners der Bielitzer Cultusgenieinde, Herrn Dr. H o r o w i tz, mit Fräulein Rosa Bloch stattgefunden. Amstetten, am 24. August 1891. Am 18. August fand auch in 3)bbs, dem Sitze der Cultusgemeinde Amstetten, Sche bbs und Waidhofen a. d. Mbs, aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers, ein feierlicher Festgottesdienst statt. Das Bethaus war von zahlreichen Besuchern, aus Nah und Fern, dicht besetzt. Nachdem Herr- Simon Deutsch -mit seiner klangvollen Stimme, die üblichen Gebete und die programmäßig, für das Kaiserfest, bestimmten Psalmen,. vorgetragen hatte, bestieg Herr Bezirksrabbiner Adolf Löwy die Kanzel, und hielt eine gediegene, formvollendete Festrede, in welcher der Redner aus den Quellen des jüdischen Schriftthums, zur Genüge bewies, daß der oft bewährte Patriotismus des Israeliten religiösen Ursprunges sei. Die mit patriotischer Begeisterung vorgctragene Fcstpredigt schloß mit dein Absingen der Volkshymne und mit einem Schlußworte als Mahnung zur Einigkeit. RoLnau. Es ist eine betrübende Thatsachc, daß selbst in den Curplätzen, wo doch das gemeinschaftliche Le den die Spaltung nach Confessionen aufhebcn sollte, eine Trennung zwischen den jüdischen und christlichen Curgästen wahrznnehmcn ist. Selbst die hiesigen Ortsbewohner verhalten sich gegenüber den crsteren anders wie gegen die letzteren. So wurde jüngst ein Galizianer selbst von einem Mitglied der Musikkapelle gröblich beleidigt. Fast alle jüdischen Curgäste unterschrieben eine Erklärung an die Curcommission, daß falls dem Beleidigten nicht Genugthnng verschafft werden, würden sie künftig den hiesigen Curplatz meiden Wir sind begierig zu wissen, ob dieser Schritt Erfolg haben wird. Bor vielen Jahren wurde hier zumeist aus dem Gelde jüdischer Curgäste das Rudolfo-Stcfauium gegründet. Doch werden jüdische Bewerbe: um Aufnahme in dasselbe unter allerlei Vorwänden abgewiescn; ja cs wird ohnehin nicht einmal die Curtaxe erlassen. Prag. Eine durch ihre Wohlthätigkeit und wahrhafte Bescheidenheit schon lange Zeit bekannte, leutselige Dame, Frau Betty Lasch, an der sich gar manche reiche Dame ein Bespiel nehmen könnte, hat neuerdings eine werthvolle Errungenschaft auf dem Gebiete der Humanität, speciell der jüdischen Wohlthätigkcitspflege zu verzeichnen. Durch lange Zeit und unter den schwierigsten Verhältnissen mit großen Eifer fortgesetzte Sammlungen ist es ihr gelungen, einen ansehnlichen Betrag aufzubringen, mit dessen Hilfe armen, tranken Kindern jüdischer Familien während der Ferien ein Landaufenthalt bei ihren Glaubensgenossen möglich gemacht werden soll, was bisher nicht der Fall war. So ist also das Institut der jüdischen Ferial-Colonien ins Leben getreten, indem gleich im ersten Jahre achtzig Kinder in sorgsamer Aufsicht aufs Land gesendet wurden. Es steht zu erwarten, daß dieses eminent humanitäre Institut im Laufe der Jahre einen großen Aufschwung nimmt. Das Verdienst aber, diese Gründung ins Leben gerufen zu haben, gebührt einzig und allein Frau Betty Lasch und ihr sei auch von dieser Stelle aus der innigste Dank für ihre Bemühungen abgestattet. London. Die letzte Nummer der rührig strebenden Wochenschrift „Forum" ist fast ganz der jüdischen Frage gewidmet. Professor Dr. Geffcken erörtert den Stand der russischen Finanzen, der jüdisch-russische Advokat Hourwitch schreibt über „Die Verfolgung", und Baron Hirsch legt seine Pläne in den