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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 626 Orstrrreichrfche Wochenschrift. 34 Nun hielt Rev. Dr. A. R. Levy aus Chicago in deutscher Sprache eine Rede. In gelungener Weise charakrerisirte er den neuen Tempel als ein Gotteshaus, ein Haus der Gebete, als ein Haus für religiöse Erbauung und nicht der Wissenschaft; eine Stätte, von der die Botschaft des Friedens ausgeht. Die nachfolgende Rede Dr. Jacob Voorsanger's war eine wirkungsvolle Bertheidigung der jüdischen Rasse, des jüdischen Glaubens und der Ideale Israels, durch welche dieses Volk Jahrhunderte lang erhalten blieb. „Das Licht und nicht die Lampe," führte er aus, „ist das Symbol, das Israel in Freud und Leid durch Jahrhunderte führte und leitete. In den herrlichsten Tagen unserer Selbständigkeit, in den schrecklichsten des Exils, in der Vergangenheit und Gegenwart, immer und überall war das Licht das poetische Symbol der Thora." „Was ist die Thora? sie ist das Buch der Bücher, die Berkörperrng eines lebendigen Glaubens. Niemals waren die Israeliten Buchstabenanbeter; mit Verehrung aber auch mit kritischen Augen lesen sie ihre Schriften. Ohne nach den heiligen Quellen zu forschen, von welchen die Botschaft kam. hatten sie stets das lebhafteste Verlangen, sich immer wieder in ihren Sinn zu vertiefen. Nur dem Geiste der Thora, welcher der Seele Israels eingepfianzt wurde und sie stärkte, kann die Erhaltung dieses Volkes zugeschrieben werden. Vergessen wir nicht, daß wir von einem Volke sprechen, das unzählige Male in Versuchung war, dem Angriffe der Schlacht und der Waffen ausgesetzt; von einem Volk, das in der Vergangenheit allen Schicksalsschlägen kühn ins Angesicht gesehen und der Barbarei in ihrer schrecklichsten Form kühn getrotzt; das Hunderten von Völkern widerstand, deren jedes einzelne mächtiger war als es selbst; von einer Nation, die von den Egyptern, von anmaßenden Aßyricrn sternkundigen Chaldäern, bösen Spaniern und vom hochmüthigen Rom geknechtet war; von einer Nation, die getreten wurde von den Horden der Seythen, von Gothen, Hunnen und Vandalen; von einer Nation, die von Kreuzfahrern decimirt, von der Jnquisiion verfolgt, an Pfosten und Pfeiler geschlagen wurde; die der Sündendock war aller Zeiten und Generationen, tragend seine eigene Last und die aller Nationen. Wozu lebt es?" „Fraget die Thora! Fraget das Buch mit dem unverwüstlichen Geist. Noch hielt Israel das Banner Adonay's und in seinen Falten waren Friede, Leben und Glück. Israels Thora verlieh jenen starren Muth, zu leiden, auszuharren und geduldig seine Last zu tragen, bis zu jener Zeit, da das Licht der Aufklärung erglänzen wird auf der ganzen Erde." Nach der Feier versammelten sich mehr als 150 Damen und Herren zu einem Bankette, bei welchem zahlreiche Toaste gesprochen wurden. Eine Dame des Vereines, d'e ungenannt bleiben will, spendete eine prachtvoll geschmückte Thorarolle im Werthe von mehreren tausend Dollars. Während des Bankettes wurde auch eine Geldsammlung veranstaltet und Einzclgaben von über lausend Dollars wurden erzielt. Dieses Geld wird zur Tilgung der Schuld des Vereines verwendet. VrnmMes. Wie», 26. August. Unsere Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Samstag Früh starb, in seiner Wohnung in Döbling Herr Daniel Kohn, Vater des Vertreters der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav Kohn, nach längerem Leiden im 76. Jahre seines thatenreichen Lebens. Montag, den 24. d. wurde der Verblichene vom Trauerhause auf den Zentralfriedhof überführt und daselbst unter zahlreicher T heilnahme beerdigt. In der trefflichen Gedächtnißrede gedachte Dr. Jellinek der Verdienste und Vorzüge des Verewigten, der sich wegen seiner innigen Religiösität und Biederkeit der größter! Verehrung erfreute. Herr Daniel Kohn, einer alten hochachtbaren Prager Familie entstammend, übersiedelte im Jahre 1866 von Prag, wo er wegen seiner Frömmigkeit, seinem Wohlthätigkeitssinn und seiner vielseitigen Bildung in hohen Ansehen stand, nach Wien. Auch hier führte er ein streng religiöses, der Wissenschaft und dem Wohlthun gewidmetes Leben. Er ließ keinen Tag verstreichen, ohne sich mit theologischen und anderen Disciplinen beschäftigt zu haben. Als Beweis seiner frommen Sinnesart mag angeführt werden, daß ihm einst eine Sensalstelle an der hiesigen Effecten-Börse angeboten wurde, die er ablehnte, weil mit dieser Stelle die Verpflichtung verbunden war, mitunter auch am Sabbat an der Börse zu erscheinen. Von Wien aus betheilte er noch die Armen der Prager Gemeinde so reichlich, als es nur seine Mittel gestatteten, — indem er die eigenen Bedürfnisse einschränkte und auf das Nothwendigste reducirte. So lange seine Gesundheit gestattete, war er ein steter Besucher des Gotteshauses. Ein ausgezeichneter witziger Gesellschafter, voller Gemüth, war er der Liebling Aller, die ihn kannten, man schätzte seine religiöse Lebensweise deshalb umsomehr. Mit Daniel Kohn ist ein treuer Gatte, ein zärtlicher Vater, ein edler Mensch und ein wahrhaft frommer Glaubensgenosse aus dem Leben geschieden. Sein Gedenken bleibt gesegnet! Wie«. Sonntag den 23. d. 10 Uhr vormittags versammelte sich unter Führung seines Präsidenten Herrn Brod der Verein zur Hebung der Gewerbe bei Betheiligung zahlreicher Damen und- Gäste im neuerbauten Waisenhanse für Mädchen «Unter-Döbling Feldgasse 21), welches die Herren Wilhelm und David Ritter von Guttm an n in hochherziger Weise aus ihre Kosten durch den Architekten Mar Fleischer erbauen und die wohnlichen hygienischen Einrichtungen von den bestrenommirten inländischen Gewerbefirmen aus das Eleganteste und Praktischeste aus führen ließ, um dasselbe eingehend zu besichtigen. Der prachtvoll gelegene Garten bot einen imposanten Anblick, als der Präsident Herr Brod den Anwesenden die humane Bedeutung des zu besichtigenden Gebäudes in kurzen Worten auseinandersetzle. Er gedachte der hochherzigen Stifter und schloß unter großem Beisall mit dem Hinweise, daß die erste Ercursion des Vereines in der Woche des hohen Geburtstagfestes Sr. Majestät unseres allcrgnädigsten Kaisers stattfindet, jenes höchsten Förderers alles Guten und Schönen in unserer Reichs- und Residenzstadt und in unserem theureu Vaterlandc, jenes Monarchen, der sich väterlich und inniglich mit jedem humanen Werke freut, welches in seinen Landen gestiftet wird, ohne Rücksicht, welcher Nationalität, welcher Sprache, welcher Eonfefsion der Stifter angehört, mit einem Zmaligcn Hoch ans Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef I. Die Versammlung, welche diese Ansprache entblößten Hauptes anhörte, brach in stürmischen Beisall aus. Sodann bewillkommte der Präsident Brod den zusällig anwesenden, von der Versammlung stürmisch begrüßten Architekten Fl eischer mit einer längeren Ansprache, wobei er dessen Verdienste a!s Meister und Künstler hervorhob, was von den Anwesenden mit Hochrufen begleitet wurde. Diese spontane Ovation veranlaßtc den Herrn Cultus-Vorfteher, Architekten Fleischer, mit einigen Worten zu erwiedern, worin er in Kürze die Geschichte der Entstehung, die Entwicklung des Baues, die technische Eintl eilung der Räume rc. anseinandersetzte. Schließlich hob der Vereinspräsident die Verdienste des Herrn Stadtbaumeisters Daceat Zifferer hervor und anerkannte die außerordentlichen Leistungen bei dem Baue der Mitarbeiter aus der Architekten kanzlei, der Herren Medel und Holzapfel. Sodann erfolgte der Rundgang durch das Gebäude selbst, welches ein wahres Muster- Waisenhaus genannt werden darf. Durch 3 Stunden wurden alle die geräumigen, bestens eingerichteten Lehr-, Turn-, Schlaf-, Speiscsäle. eingehends besichtiget. Sämmtliche Schlosser-, Spängler-, Tischler-, Anstreicher-, Glaser-, Telegrafenarbeiten K. wurden lobend hervorgehoben; besonders überraschend wirkten die ganz neuen und eleganten Wannen- und Vollbad-sowie Waschtischeinrichtungen aus die Beschauer. In einem Lehrsale waren unter Leitung der Pädagogin rühmlich bekannten Waisenhausmutter, Frau Bruck, sämmtliche Hauszöglingeversammelt welche mit Gesängen und Deklamationen die Besucher zu Thränen rührten. Hier dankte der Vereinspräsident Herr Brod dem Lehrpersonale und insbesonders der Frau Bruck und lud die Versammlung ein, den Herren Brüder Guttm.'ann anläßlich des Augenscheins dieser großartigen Wohlthätigkeitsinstitution telegrafisch zu beglückwünschen. Schließlich richtete der als Gast anwesende Herr Bezirksausschuß Waldstein an die Versammlung und an die Hauszöglinge einige kernige, aufmunternde Worte, und schloß mit Worten des Dankes für den Veranstalter der ersten außerordentlich geglückten Ercursion des Vereines durchein Hoch ans den Präsidenten.

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