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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34 Orstrrrrirhischr Woltzenschrist. Rußlands in Schrecken und von dieser Zeit an sind die Juden immer auf ihrer Hut gewesen und wissen nur zu gut, daß alle Mißhandlungen von einer O.uelle herrühren, und daß "diese der Czar selber ist. Was das fernere Schicksal Liantostansky's betrifft, so wurde er, so viel ich mich erinnere, auf 3 Jahre nach einer weitentl'egenen Provinz verbannt. Dieser Vorfall genügt, wie Leicht bewiesen werden kann, den Eifer derjenigen abzukühlen, welche den Charakter des Czaren auf Kosten der russischen Massen, die in ihrem halbbarbarischen Zustande doch von Natur gutherzig sind, vertheidigen zu ,vollen. R.—r. Bukarest, den 16. August 1891. Seit längerer Zeit sind die Moldauer-Distrikte der traurige Schauplatz der inhumansten und rohesten Judenverfolgungen seitens der administrativen Behörde geworden, ohne daß an leitender Stelle etwas geschieht, um diesem schändlichen Treiben Einhalt zu thun. Durch das passive Verhalten der Negierung sind die Judenpeiniger in den Moldauer-Distrikten, welche nebenbei bemerkt, zur Hefe des Beamtenthums gehören, derart ermuthigt, daß für sie Verfassung und Gesetz blos noch als rodter Buchstabe gilt und der Unfug mit den ungesetzlichen Judenaustreibungen im ausgedehntestem Maße betrieben wird. Vor einigen Tagen spielte sich im Dorohoie-Distrikte folgender bezeichnende Vorfall ab: Mehrere Juden, welche im Dorfe Vorniceni geboren und dorrselbst seßhaft sind, wurden auf Befehl der Administration von dem Dorfprimare Toador Fasola aus ihren Domizilen verjagt, mißhandelt und ihr ganzes Hab und Gut der Plünderung der Dorfstrolche preisgegeben. Die armen Juden beschwerten sich darüber beim Minister des Innern, und dieser ordnete an Ort und Stelle eine Untersuchung" an, welche vom Subpräfecten A. E o c a t a geführt werden sollte. Die armen Opfer begaben sich nun nach ihrem Heimatsort Vorniceni, in der Hoffnung, daß ihnen vielleicht Gerechtigkeit iviederfahren iverde. Allein ihre Hoffnung sollte zu Wasser werden. Als sie in die Nähe des Dorfes kamen, erwartete sie schon der Dorfprim.tr Fasola mit einer Rotte besoffener Dorfbewohner, tvelche die vertriebenen, nun heimathloscn Juden barbarisch zu schlagen und auf die roheste Weise zu mißhandeln begannen. Man vernahm die commnndirende Stimme Fasolas, welcher mit dem Rufe „zur Revolution ihr Rumänen!" die rohen Kerle zum Weiterschlagen aneiferte. Die Unglücklichen, welche auf solch' einen Empfang zur bevorsteherrden Untersuchung nicht vorbereitet waren, versuchteir zu entfliehen, tvurden jedoch voir denr Primär rurd seiner rohen Bande verfolgt, damit ihnen, wie das biedere Kommunaloberhaupt sich ausdrückte, noch ein Denkzettel mit auf die Reise gegeben werde und dem „elenden Judenaas" die Lust zum Petitionieren und zum Klageführen in den Judenblättern (Oesterreich macht Schule! —) vergehe. Am ärgsten kamen bei dieser Untersuchungsaffaire C h a i nt E o jocarin und Zalic Pomerlea m weg. Ersterer wurde durch Knüttelhiebe auf eine jämmerliche Weise zugerichtet tlnd befindet sich noch gegenwärtig in Dorohoie unter ärztlicher Pflege. Letzterer wurde ebenfalls unmenschlich maltraitiert tmd seiner ganzen Barschaft beraubt. Die auf diese Weise von der Behörde in die Falle gelockten Juden brachten den Vorfall dem Ministerium und der Staatsanwaltschaft zur Anzeige, was zur Folge hatte, daß der Primär Fasola für die Dauer eines Monates seines Amtes enthoben wurde, und diese Maßregel ist auch nur ergriffen Seite 626 worden, um der indignirten Welt ein tvenig Sand in die Augen zu streuen. Mehrere Bukarester den Juden freundlich gesinnte Journale machen die Regierung darauf aufmerksam, daß es endlich an der Zeit wäre, energische Maßregeln zu ergreifen, um die in den Moldauer-Distrikten platzgegriffene Anarchie zu beseitigen, damit unter diesen unerquicklichen Verhältnissen keine ernstlichen Ausschreitungen, wie in Rußland, vorkümen. Dieser Tage traf ein jüdischer Kaufmann, welcher im Besitze eines türkischen Passes war, von Bulgarien im Hafen von Ga» atz ein, wurde aber von der Hafenpolizei am Aussteigen verhindert. Trotz der Intervention des türkischen Eonsuls wurde der jüdische Kaufmann nach Bulgarien, woher er gekommen war, zurückgeschickt. San Francisco. (Einweihung eines neuen I T e nt p e l s.) Schon seit langer Zeit macht sich in unserer S Stadt das Bedürfnis; nach einem neuen würdigen Gotteshause | geltend. Dem eifrigen, ausdauernden Bemühen des hicfigen ß Vereins „Beth Israel" ist cs zu danken, daß dieser Wunsch | Vieler in glänzender Weise befriedigt wurde. Gestern Nachk mittag wurde nämlich in der Geary-streei ein neuer Tempel f nach altjüdischem Zeremoniell mit großem Pompe eingeweiht. I Leider war eines der ältesten, würoigsten und opferfreudigsten I Mitglieder des Vereines, Herr Dr. Messing durch Krankheit jj seiner Mutter verhindert, an der Feier Theil zu nehmen. | Lange vor der anberaunten Zeit strömte eine große 1 Menge Juden und 'Nichtjuden in die Gcarli-strect, um dem I Akt der Einweihung beiwohnen zu können. Die Rabbiner von f Chicago, Litcle-Rock, alle hervorragenden Vereine Ealiforniens, j Delegationen aller Synagogen der Stadt und der benachbarten .1 Ortschaften, nahmen an der erhebenden Feier Theil. Der f neue schöne Bau, der in Hunderten von Flammen erstrahlte. \ bot einen prachtvollen Anblick dar. Aller Augen waren be-! sonders gegen die Kanzel und ans den schweren, saltenreichcn, I mit kostbarem Zierrath geschmückten Vorhang der Bundes- I lade gerichtet. Als die Feier ihren Anfang nahm, verhielt sich 1 die große Menge, welche alle Räume des Tempels dicht erj füllte, in andächtiger, lautloser Stille. Sanfte Tone eines j Orgel-Präludiums durchflnthcte das Gebäude. Die Helle klang- 1 volle Stimme des Kantors, der um Einlaß in das Innere 1 bat, verschmolz mit der süßen Musik des Chors, langsam j thaten sich die Pforten auf und die Prozession begann. Drei- I mal umkreiste die kleine Schaar den vorderen Gang, wobei der 1 Cantor seine Gebete immer wiederholte. Ehrerbieng betrachtete - die Menge die Vorüberschreitenden, den jungen Cantor in I schwarzseidcner Gewandung und Talleth, die Vorsteher und f Funktionäre vieler Vereine, welche die Thorarollen trugen, die 1 in Decken aus weißem Sammk mit reicher Goldverzicrung J gehüllt waren. Der Zug hielt vor der Kanzel und der Chor i stimmte einen Hymnus an. Als die letzten Töne desselben j verklungen waren, trat der Vorsteher des Vereines Beth; Israel, die kostbarste der sieben Rollen im Arme vor die offene Bundesladc, die Funekionäre der Vereine, die Würdenträger gruppirten sich um die Kanzel, worauf Dr. . Falk Vidaver die Einwcihungsrcde hielt, die großen Eindruck i machte. „Möge dieses Gotteshaus tverden", sagte er, „ein Bet- Haus für Jedermann. Jude oder Nichtjude trete ein zur Anbetung und zum Preise Gottes. Mögen alle Gebeugten, alle j Betrübten in diesem Hause Trost und Aufmunterung finden; j möge es eine Stätte der Eintracht tverden, an welcher Sein 1 Name verherrlicht wird." j Nachdem das Schema gesungen tvar, trug Rev. M. S. jj Levy das Gebet Salomon's höchst wirkungsvoll vor. Als die letzten Worte dieses Gebetes gesprochen, die letzten Töne ver- \ klungen tvareu, begaben sich die Träger der heil. Rollen zur j Brudertade, in welche sie ihre heil. Last aufstellren. j

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