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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34 Orstrrreichifchr Wochenschrift. Seite 623 Den zwei wackeren Arrangeuren, die sich um die Sache bemühten, den Herren Carl Kraus und Siegfried Rosenbaum sei hiermit im Namen der unglücklichen Auswanderer der beste Dank ausgesprochen; mögen sie andern als leuchtendes Beispiel dienen. Breslan. Von einem Ausflug nach dem schlesischen Städtchen Dyhernfurth berichtet der „Breslauer General- Anzeiger" Folgendes: Eine ganz eigcnthümliche Rolle spielt Dyhernfurth in der Geschichte des schlesischen Judenthums, es war lange Zeit sein geistiger Brennpunkt. Uralt, älter wie die Stadt als solche, ist der jüdische Friedhof inmitten des Parkes mit seinen bemoosten Gedenksteinen, von denen einige noch aus dem 15. Jahrhundert stammen. Um ihre Entzifferung und die Geschichte der Juden Dyhernfurths hat sich der Rabbiner Dr. Braun in Pleß verdient gemacht. Nachdem den Breslauer Juden der Friedhof genommen worden war (die Steine hatte der Kaiser großmüthig der Sadt geschenkt und noch heute findet man deshalb im Hofe des Rathhanses eine Platte mit hebräischer Inschrift zur Pflasterung verwendet), begrub man die Todten in Dyhernfurth. Erst 1760 wurde in Breslau den Juden wieder das Recht gegeben, einen Friedhof einzurichten- So sind denn während mehrerer Jahrhunderte hier die jüschen Todten aus einem großen Theil des Landes begraben worden. Noch heute dient der Begräbnißplatz für die Juden von Dyhernfurth. Wohlau, Auras, Leubus, (2*/2 Meilen entfernt). Das in die Augen fallende Denkmal ist das Massengrab der 1749 bei der Explosion des Pulverthurmes in der Wallstraße in Breslau umgekommenen Juden. Der Friedhof, wie gesagt, mitten im Park, macht einen merkwürdig fremdartigen, fast wehmürhigen Eindruck. Ich kenne nur etwas Aehnliches in Paris, wo inmitten des berühmten Pöre-Lachaise durch eine Hecke den Unkundigen versteckt, um eine kleine Moschee ein türkischer Friedhof mit den nach Mekka orientirten Gräbern liegt, auf dem unter Andern die Königin von Oude (Indien) und ihr Sohn schlummern. Außerdem war Tyhernfurth lange der geistige Mittelpunkt der schlesischen Juden. Unter den hiesigen Rabbinern und Lehrern waren viele weltberühmte jüdische Gelehrte. Auch existirte am Orte eine großhebräische Druckerei, deren Drucke noch heute geschätzt werden, es spielte in dieser Beziehung eine ähnliche Rolle, wie in Süddeutschland Schwabach. In der Synagoge sind noch eine ganze Zahl alter Druckplatten aufbewahrt. Die heutige Synagoge stammt ans dem Jahre 1847 und hat fast die Form eine, christlichen Kirche, namentlich wegen ihres Thurmes. Merkwürdiger Weise ist die jüdische Gemeinde hier fast ausgestorben, sie zählt nur noch wenig Personen und besitzt keinen eigenen Cultusbeamten mehr, nur von Zeit zu Zeit kommt einer hierher, wohl mehr, um die alten Traditionen nicht aussterben zu lassen. Bunzlau. In derkürzlich hier abgehaltenen Versammlung der schlesischen Thierärzte hieltHen'Sanitätsthierarzt Dr. Bohlen, eine Autorität auf dem Gebiete des Veterinärwesens, einen Vortrag über die Tödtungsarten des Schlachtviehes, der sich zu einem glänzenden Plaidoyer für das Schächten als der besten unter allen vorgeschlagenen Methoden gestaltete. Die betreffenden Ausführungen lauteten, wie „Kantor" berichtet, folgendermaßen: „Ich erlaube mir noch ein sehr altes Verfahren beim Tödten der Thiere anzugeben, das ist die Schlachtweise bei den Israeliten. Die Vorbereitungen zum Schächten, j,as Niederlegen des Schlachtviehes können, wenn sie ordentlich ausgeführt werden, nicht als „Thierquälerei" angesehen werden: denn das mosaische Gesetz verlangt durchaus sorgsame und humane Behandlung des zu schächtenden Thieres. Die Vorbereitungen zum Niederlegen desselben bauern 2—3 Minuten; das Niederlegen.sieht, selbst, wenn es korrekt ausgesührt wird, chlimmer aus, als es ist, aber es liegt vollständig in der Gewalt des „Schlachtenden", somit kann auch die Tödtung mit größter Sicherheit vollzogen werden und wird niemals ein Befielen des Schlachtthieres und dadurch herbeigesührte Unglücksälle — wie es wohl leider oft geschieht — Vorkommen. Wenn das Thier rasch und sanft in die Rücklage gebracht wird, was wohl kaum länger vorschriftsmäßig als 2 Minuten in Anspruch nimmt, so ist gegen diese Procedur kaum etwas einzuwenden, in keinem Falle kann dabei von einer Thierquälerei die Rede sein, umsoweniger, da die Tödtung mit einem haarscharfen ea. 14 cm. langen und 2 cm. breiten Schlachtmefser mit großer Fertigkeit in 2 resp. 3 unmittelbar rasch aufeinander folgenden Zügen am Halse durch sämmtliche gespannten Weichgeb'ilde bis auf die Halswirbel ausgeführt wird. Die Blutung dauert im Ganzen gegen 2 Minuten, anfänglich sehr stark, später schwächer, während dieser Zeit liegt das Thier ziemlich ruhig, nach 3 Minuten hört, das Athmen auf, es stellen sich heilige Convulfionen über den ganzen Körper ein und mit Ende der vierten Minute ist das Thier vollständig todt. In Folge des Halsschnittes strömt sofort das Blut in bedeutenden Massen aus den vier großen Kopf- und Halsgefäßen hervor, und da die Blutftrömung;um Gehirn unterbrochen ist, der Abfluß desselben naturgemäß schnell erfolgt, so tritt nach wenigen Sekunden vollständige Blutleere (anaemia) des Gehirn > ein, welche Ohnmacht. Bewußtlosigkeit und Empfindungslosigkeit herbeiführt. 'Rach dem Schächten nimmt man gewöhnlich ein gurgelndes Geräusch wahr, welches veranlaßt zu glauben, daß es ^chmerzenslaute seien; dieses ist aber durchaus nicht der Fall, sondern sie entstehen durch Eindringen von Blut und Luft in die durchgeschnittene Lufttöhre. Bergleichen wir jetzt die Tödtungsarten hinsichtlich der Schnelligkeit, mit welchen der wirkliche Tod eintritt. so geht aus dem Gesagten hinlänglich hervor, daß das auf den Kopf geschlagene Thier kein todtes, sondern einfach nur ein gelähmtes Thier ist. erst die Verblutung bereitet dem Thiere genau denselben Tod, wie es bei dem „Schächten" der Fall ist. Die Ansicht über die Vorgänge der verschiedenen Schlachtverfahren gehen in Wirklichkeit noch so weit auseinander, daß an die Einführung einer einheitlichen Tödtungsart gar nicht gedacht werden kann. Es wird aber das „Schächten" unstreitig — wegen des raschen Verblutens des Thieres und der damit in Verbindung stehenden „sehr guten" Fleisch-Oualität — eine bevorzugte Stelle unter den sämmtlichen Schlachtmethoden einnehmen." Basel. Lebensdauer bei Christen und Juden. In seiner Schrift „Makrobiotik und Alkohol" weist Professor Kollmann in Basel aus das größere Durchschnittsalter der Juden als der Christen hin. Er sagt: Das Durchschnittsalter der besseren Stünde ließe sich zweifellos beträchtlich steigern wenn die Nüchternheit bei der christlichen Beoölkerung aus derselben Höhe stünde, wie bei den Juden. Auf Grund statistischer Ermittelungen ist das Durchschnittsalter der Ge-- storbenen in Frankfurt a. M. bei der christlichen Bevölkerung auf 36 Jahre 11 Monate, bei der jüdischen hingegen auf 48 Jahre 9 Monate berechnet worden, also nahezu um 13 Jahre mehr. Daß an diesem bedeuteten Unterschiede die größere Wohlhabenheit der Juden allein schuld sei, darf nicht angenommen werden. Ich glaube auch nicht, daß die Rassenunterschiede hierfür von Bedeutung sind; eine solche vermehrte Widerstandsfähigkeit ist aus Rasseneigenschaften nicht ableitbar es ist weder eine anatomische noch physiologische Thatsache dafür aufzubringen. Die einfache und naheliegende Erklärung kür diese auffallende Erscheinung liegt in der Thatsache der

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