Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 34 (28.8.1891)
- Date
- 1891-08-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seüe 622 Oeyerrrichifchr Wochenschrift. Nr. 34 für die Abschaffung der Ktaffengegensätze ausgesprochen. Alls uns Juden aber will man mit aller Gewalt eine besondere Klaffe rnachen. In Amerika hat man aus einigen Gewerkschaften die Neger, ausgestoßen. Beständen Gewerkschaften in Rußland, so würden die aufgehetzten russischen Arbeiter die Juden wahrscheinlich auch nicht aufnehmen wollen, blos weil sie Juden sind. Alle russischen Zeitungen sind den Juden feindlich. Dieselben versichern unaufhörlich, daß auch Sie Gegner der Juden seien. Ich bitte also: Erklären Sie feierlich, daß das nicht wahr ist, und daß Sie Krieg nur gegen die Ausbeuter führen, ohne darauf zu achten, ob es Christen sind oder Juden. (Lauter Beifall.) Drücken Sie es aus, daß Sie für die jüdischen Proletarier ebensoviel Sympathien haben, wie für die Proletarier anderer Art. Geben Sie es kund — allen Berläumdungen der russischen Presse zum Trotz — daß Sie den Juden einen Platz zuerkennen in dem ruhmreichen Kampfe zur Befreiung der Proletarieraller Länder und Racen!" (Lauter- Beifall.) Berichterstatter Volders hält es für überflüssig, dem Eongreß den Ausdruck seiner Sympathien für die Juden vorzuschlagen, „denn wir sind immer für die Verfolgten und gegen die Verfolger. Die Judenfrage ist erfunden worden, unr den Socialismus zu hemmen, wie sie auch von christlichen Eapitaüften, die nicht so geschickt wie die Juden sind, her-vorgerufen worden ist." (Frenetischer Applaus.) Diejenigen, die in Europa den Antisemitismus geschaffen haben, der nun auch bereits in Amerika seine Kreise zieht, sind die christlichen, die klerikalen Grundbesitzer gewesen, welche, nachdem sie sich in Schulden hineingewirthschaftet, von jüdischen Wucherern ruinirt wurden. Kurzum, wir wissen zur Genüge, was wir vom Antisemitismus zu halten haben und wie wir über ihn denken. Für die Juden aber gibt es nur ein Mittel gegen den Antisemitismus, und das ist der Beitritt zur internationalen Sozialfftenpartei. Das ist die Zufluchtsstätte, wo man sie vor chren Verfolgern schützen wird. (Lebhafter Beifall.) Der Berichterstatter überreicht den Beschluß, die jüdische Arbeiterbevölkenmg einzuladen, sich mit der socialistischen Arbeiterpartei zu vereinigen, und daß es nicht nöthig sei, die Judenfrage zu discutiren. (fyumtymkmm. Wien. Je frecher und schamloser der Antisemit lügt, ein desto größerer Held ist er in den Augen seiner Partei — so dachte Herr Dr. Psenner und schrieb dämm „über den Ausflug der Antisemiten nach Prag" in folgender Art: „Die Juden sind außer sich und hätte dieser Ausflug nicht geradezu historische Bedeutung, fast fühlte man sich versucht, zu lachen über die unglaublichen Purzelbäume, welche die Judenpresse ob dieses Ereignisses schlägt." „Schon so tnanche Ereignisse haben sich abgespielt, aus welchen der internationale Charakter der Judenschaft und ihrer Presse hervorgegangen ist, aber kaum ein Ereigniß dürfte sich sobald abgespielt haben, welches die Judenschaft derartig in Aufregung versetzt hätte, wie die Fahrt der Antisemiten nach Prag." „Nicht nur in Wien, nicht nur in Oesterreich, in der ganzen Welt, soweit die jüdische Meute zu bellen in der Lage ist, hörte man das Geheul Israels; worüber?" „Nun darüber, daß Christen deutscher Zunge zu Christen böhmischer Zunge gefahren sind." „Ledmall Israel! Dein Gott hat dich verlassen, die Gojim einigen sich, deine Stunde schlägt. Schwere Kämpfe stehen dir bevor!" „Das ist der eigentliche Ausruf, der aus den Jeremiaden der Judenblätter deutscher, englischer, französischer, italienischer, spanischer, portugiesischer u. s. w. Sprache hcrvorklingt." Dementgegen lvollen lvir das Organ des Herrn Dr. Steinwender, der „Deutschen allg. Ztg." aus Villach vom 13. August nachstehende Stellen des Leitartikels citiren: „Und doch! Der Mann, der sich mit Siegelsälschnng beschäftigte, der sich um eine falsche Zeugensch.rft bewarb, der darf von uns verlangen, daß wir seine Thaten nicht nach dem Maßstabe beurtheilen, den man an die Handlungsweise anständiger Menschen legt, sondern daß wir bei seiner sittlichen Verworfenheit voraussetzen mußten, daß er gerade das Gegentheil von dem lhun werde, wozu Ehre und Anstand verpflichten." „In demselben Maße als wir mir aller Berechtigung stolz darauf sind, Deutsche, Angehörige des höchststehenden Volkes der Welt zu sein, müßten wir uns unserer Absta nmung schämen, wenn es viele Deutsche von den verwerflichen (Eigenschaften eines Schneiders gäbe." „Es gibt keinen Tschechen — abgesehen von den Zuchthäuslern in Pilsen rc. — welcher einen sochen Schandfleck für die slavische Nation bilden würde, wie dieser Schneider den deutschen Namen durch Veranstaltung des „antisemitischen Ausstellungszuges" zu schänden unternilnmt." „Und dieser Mann hat im ersten Parlamente des Reiches einen Sitz als Vertreter eines deutschen Wahlbezirkes!!" „Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" fühlt mit einem deutschen Bezirke, der in seiner Mitte keinen besseren Mann hat, dem er die hohe Ehre seiner Interessenvertretung anvertraut, als diesen Schneider, aufrichtiges Mitleid; für diesen, das Volk täuschenden, antisemitischen Tschcchenknccht aber haben wir Nlir ein der Tiefe unseres Herzens entquellendes „Pfui!" Die. Villacher „Deutsche allg. Ztg." ist bekanntlich ein Organ des „judenreinen" Deutschthums, welches in der Beurtheilung des Schneider und Psenner mit den Juden Eines Sinnes ist. Baden. Heute haben wir Gelegenheit über einen Fall zu berichten, welcher im angenehmen Contraste zu der häufig zu Tage tretenden Rohheiten der Jugend steht, das kindliche Gemürh in bestem Lichte zeigt und jedes fühlende Herz erwärmen muß. Zwei junge Herren, welche, wahrscheinlich im Elternhause öfters das Elend der ausgewiesenen russischen Juden besprechen hören, sind hievon derart gerührt, daß Sie gerne auch ihr Schärflein zur Linderung desselben beitragen möchten, zu welchem Behuse sie den Entschluß fassen, ein Theater pure, etnen Dilettantcn-Abend zu veranstalten, und das Reinerträgniß dem oben angedeutetem Zwecke zuzuwenden; welches Vorhaben sie denn auch am 22. d. im Saale des Hotels zur „Stadt Wien" in Baden in gelungenster, glänzender Weise zur Ausführung brachten, und wurde das edle Bemühen äuch vom Erfolge gekrönt, indem trotz der relativ großen Kosten, dem Wohlthätigkeitscomite fl. 50.— zugewiesen werden konnten. Der Raum gestattet uns hier nicht detaillirt auf die Einzelnheiten des Abends einzugebcn, wir fügen nur hinzu, daß die Darstellung, sowohl als die Jnscenirung von Seite des anwesenden, distiuguirten Curpublikums Badens die beifälligste Aufnahme fand, und wurde jedem der Vortragenden ob der tadellosen, exquisiten Auffiihrung reichlicher Applaus gespendet.