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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Oesterreichischc Wochenschrift. Seite 6 t 9 Blatt geschriebenen Artikel über seine Kolonisationspläne sechzehnhundert -Francs Honorar erhalten habe In einem Artikel „Methoden und Stätten der Zuflucht" in dem August-Heft der amerikanischen Zeitschrift „ssvrmn" behandelt Herr Baron Hirsch an „erster Stelle" die jüdischen Armen, woran er die Bemerkung knüpft, daß „dieselben rm wirklichen Leben ja doch nie dazu kommen, an erster Stelle zu stehen." Er schildert die großen Massen dieser armen Juden als „das ewige Prototyp des Märtyrerthums, der Leiden und der Verfolgung." „Gesetz- und schutzlos", so führt Herr v. Hirsch aus, „wanderlen sie aus ihrem dornigen Pfad Jahrhunderte lang als Parias der menschlichen Gesellschaft, gebeugt unter dem doppelten Gewicht ihrer schweren Last und der ihnen überall entgegengebrachten Verachtung. Man spricht den Vorwurf gegen sie aus, daß sie leine produtliven Kräfte der Gesellschaft seien ulio sich nur dem Handel widmen. Zugegeben, daß dem so ist — tonnte es denn aber auch anders sein, wenn man ihnen Jahrhunderte lang jede Beschäftigung eines ehrlichen Bürgers versagte, besonders die Bearbeitung des Bodens? Ausgeschlossen von ehrenhafter Beschäftiguiig waren sie — wollten sie nicht dem ^>ungerlode verfallen — gezwungen, irgend einen Weg zu suchen, um für sich unb die Ihrigen Brod zu verdienen." Uebrrgens seien nicht alle Juden Kaufteute gewesen. Sobald sie von den beengenden Fesseln frei waren, haben sich ihre besten Kräfte der Kunst und Wissenschaft re. zngewandt. Diese Behauptung kann durch eine große Anzahl von •)iamen großer Männer jüdischer Abstammung lllustriri werden. Es ist eine allgemein veeannle uiid erwiesene Thalsache, daß der medizinische Berus seine besten Vertreter aus den Leihen der Juden empfangen yal, und dag die bedeutendsten Aerzte Europa's zu dieser 'Jiaa gehören. Wo sie die Inhaber von Professoren- Stühlen aus Umversiläten sind, lehren sie vornehmlich die abstrakten Zweige der Wissenschaft und vor Allem gehört der wissenschaftliche Geist der ltntersuchung ihnen. Daß Juden als Lanodebauer sich nicht hervorgethan haben, ist nicht ihr Fehler denn man Hai ihnen ja meistens die Möglichkeit hiezu genouuiien. Zn den Ländern,, wo es den Juden erlaubt war, Bodenbesitz zu erwerben, haben sie Gelegenheit genommen, sich der Agricuttur zu widmen, und sich als vorzügliche Farmer beioahrl. Jii Ungarn z. B. bilden sie einen sehr großen Theil der Bodenarbeiter, und diese Thatsache ist so allgemein anerkannt, dag die katholische Geistlichkeit auf den Gütern unveräußerlichen Besitzes fast ausschließlich Juden als Pächter nimmt; außerdem geben alle bedeutenden Gutsbesitzer den Juden wegen ihres Fleißes, ihrer Gradheit und Gewandcheit den Vorzug vor anderen Pächtern und Arbeitern. Das sind Thatsachen, die nicht verborgen bleiben können und so mächtig sind, daß die antisemitische Beweguttg, welche in Ungarn lange blühte, aufhören muß. Sie wird aufyören, weil Jedermann einsieht, daß ein so bedeutender Faktor in der produktiven Thätigkeit des Landes nicht entbehrt werden kann. Auch meine eigene Erfahrung hat mich erkennen lassen, daß die Juden für Agrikultur sehr befähigt sind. Ich habe dies persönlich in den jüdischen Arbeiterkolonien der Türkei gesunden, und die Berichte der von mir nach Argentinien gesandten Expedition bezeugen deutlich dieselbe Thatsache. Diese Wahrnehmungen sind es denn auch, die für mich maßgebend waren und mir die Absicht nahe legten, für diese armen, niedergetretenen Juden in solchen Ländern eine neue Heimath zu eröffnen, wo sie als freie Farmer auf eigenem Boden sich dem Lande nützlich erweisen können." Herr v. Hirsch schließt mit folgender allgemeinen Betrachtung der Juden, welche heute doppelt an der Zeit ist: „Wir können das jüdische Volk in drei Gruppen theiien. in die Armen, die Mittelklasse und die Reichen. Tie Armen werden gewöhnlich nur verspottet und können daher kein Zielobjekt für den Neid abgeben. Auch die der Mittelklasse angehörenden Juden haben es in ihrer gesellschaftlichen Stellung noch nicht so weit gebracht, daß sie die Ammert samkeit der über ihnen Stehenden erwecken oder Eifersucht erregen. Die noch übrig bleibende dritte Gruppe, nämlich die reichen Fuden, welche sich in der letzten Halste dieses Jahrhunderts große Vermögen geschaffen, haben besonders aus dem Grunde der Neidsucht Nahrung gegeben, weil zugleich mit ihrem materiellen Aufschwung Andere, welche früher die ausschließlichen Leiter der feudalen Xlassen waren, anstatt zu steigen, zuräckgingen, und ohne an ihre eigenen Fehler zu denken, die reichen Juden als Urheber ihres Falles ansahen. Außerdem har der Lurus, der nothwendigerweise mit dem Reichthum verbunden ist, und der damit verknüpfte Kostenaufwand allgemeine Aufmerksamkeit am sich gezogen und den Neid erregt. Gerade ihr Reichthum wird ihnen vorgeworfen, ohne das man in Betracht zieht, daß sie durch ihren Unternehmungsgeist und durch ihre bewundernswerlhe Geschäftskenmniß die Länder, in welchen sie leben, bereichern und die Nakionalwohlfahrt vergrößern. Sic sind es. denen man vornehmlich die Gründung von Eisenbahnen, die Errichtung großer, industrieller Institutionen :c. verdankt, welche den beirenenden Staaten zur Erreichung größeren 'Wohlstandes verhalfen. Reichlhnm har seine Pflichten, ebenso wie seine Privilegien. Keine Menschenklasse war je mehr bereit, diese Verpflichtungen anzuerrennen und denselben nachzukommen, als die Juden, welche in allen Ländern, wo sie genügend Vermögen erworben haben, um sich von Abhängigkeit frei zu machen, in Werfen der Philantropie ohne Rücksicht auf Glauben und Narionalirär an der Spitze stehen. Wenn dieser Unternehmungsgeist, diese Energie und diese Fähigkeit, welche ihnen in hohem Grade eigen sind, Grund zu Vorurtheilen sind, dann liegt die Schuld mehr an unserer Civilisalion, als an der jüdischen Race. Der sorgfältige Beobachter unserer Eivilisation wird anerkennen, daß die materielle (Entwickelung, welche das 19. Jahrhundert charakterisirt, in bedeutendem Maßstabe zum Wohle der niederen Klassen geführt hat und dieselben in allen culnvirren Ländern in den Besil? vieler Lebensbequemlichkeiten gesetzt har. welche in vergangenen Zeiten das Monopol der begünstigteren Minorität waren". Aus der arischen Gesellschaft. Die Regierung zu Stettin schreibt einem kranken christlichen Lehrer, der v i e r z i g I a h r e im Amte ist und um U n r e r st ü tz u n g für eine Badecur in Reiner; gebeten hatte: „Aus die Eingabe vom 6. d. M. erwidern wir Ihnen, daß bei Ihrem vorgerückten Leben alter nicht erwartet werden kann, daß Sie noch längere Zeit im Schuldienste bleiben werden, auch wenn die beabsichtigte Eur in Reinerz von bestem Erfolge begleitet sein sollte. Wir sind daher weder in der Lage, Ihnen eine Badereise-Unterstützung zu gewähren, noch ailch sie höheren Ortes zu beantragen." — Die „Pädagogische Zeitung" bemerkt dazu: „Steht in Preußen ein Menschenleben, das vierzig Jahre lang im Dienste des Vaterlandes gestanden, so niedrig im Curs, daß es nicht mehr eine Unterstützung werth ist?" Für uns ist es interessant zu beobachten, wie das neudeutsche gegen die Juden ausgegebene Schlagwort vom „praktischen Christenthum" sich Christen gegenüber bewährt. Es zeigt sich, daß man das „praktische Ehrislenlhum" nur — den Juden predigt! Auch sonst lassen die Enthüllungen aus der arischen Gesellschaft an Erbaulichkeit nichts zu wünschen übrig. Es scheint, als solle eine wahre Fluch von Scandalprocessen die heutige Gesellschaft an ihre Sünden und Fehler mahnen. In England der Proceß Cumming, in Deutschland der Bochumer Proceß, in Frankreich der Proceß Lesseps und

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