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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Seite 615 Fleisch- und Blutgenuß im Abendmahl buch st üblich ausgesührt" (2, 510). Von Napoleon dem Großen erzählt der schwarze Diener bei Thackeray: „Er verzehrt jeden Tag drei Schafe und alle kleinen Kinder, die er in seine Gewalt bekommen kann." lThackeray, die vier George, deutsch, II. Eap. I.) Das Alles ist bloß erklärlich, wenn man weiß, daß der Glaube an den Blutzauber durch das ganze Mittelalter ging und sich noch heute in den niederen Volksschichten erhalten hat. Im voiigen Jahrhundert verursachte der Glaube daran in Paris unruhige Scenen. Es ging nämlich ein Gerücht, daß Ludwig XV., um sein Leben wieder aufzufrischen, Bäder von Menschenblut veranstaltet habe. Es führte dies zu wilden Auftritten. So sammelten sich leise die Anfänge der Revolution. (Vergl. Louis Blanc, Geschichte der franz. Revolution 1,319). Ludwig Fuld berichtet („Neue Freie Presse" 5. Mai 1888) aus eigener beruflicher Thätigkeit nachstehendes Vorkommniß: Ein nicht unbegüterter Bauer in einem kleinen süddeutschen, abseits der Verkehrsstraße gelegenen Dorfe erhob gegen seine Frau die Ehescheidungsklage. Eine jener klugen Frauen, an denen es nirgends fehlt, gab dem Weib den Rath, sich in den linken Oberarm, zunächst des Herzens zu stechen, zwölf Tropfen des aus der Wunde rinnenden Blutes aufzufangen und dasselbe dem Manne in seinen Kaffee zu gießen; dies werde bewirken, daß die alte Liebe wieder aufwache. Der Rath wurde befolgt, der Trank hatte aber nur eine starke Erkrankung des Mannes zur Folge, welche den Verdacht eines Mordversuches nahelegte, der aber ohne Mühe alsbald beseitigt werden konnte. Aber nicht alle Fälle dieser Art nehmen einen solch unschuldigen Ausgang, häufig ist der Liebestrank überaus nachtheilig, nicht selten verursacht er tödtliche Erkrankung, mitunter selbst den Tod und ist so die Ursache schwerster Verbrechen. Allerdings wird auf diesem Gebiete nicht mehr so viel gesündigt wie noch vor einem Säculum, wo, insbesondere in Frankreich, das Unwesen der Liebestränke in üppigster Blüthe stand. Der alte Pitaval berichtet über eine Reihe interessanter hieher gehöriger Untersuchungen, bei welchen es sich nicht etwa nur um die unteren Schichten, sondern auch, und zwar nicht selten, um Angehörige des vornehmsten Adels handelte. Die Mittel, welche man an dem gottverlassenen Hofe des Regenten anwendete, um ein sprödes Herz zu gewinnen, waren nicht so unschuldiger Art, wie die Liebeswurzel, welche der Rattenfänger unter d.m Stuhle der Bürgermeisterstochter vergrub. Das Interessanteste hiebei ist, daß dieselbe Gesellschaft, welche dem sclavischen Aberglauben unbedingt huldigte, mit Galiani und Diderot, mit La Mettrie und d'Alembert den positiven Glauben für antiquirt erklärte! In dem erwähnten Aufsatze haben wir weitere Exempel des heute noch fortdauernden und fortwirkenden Glaubens an den Blutzauber. Um so interessanter war es uns in einem Feuilleton der „Deutschen Ztg." vom 30. Juli: „Die schwarze Maria" von Guido List, Ausführungen zu lesen, welche geeignet sind, unsere Ueberzeugung durch weitere Momente zu bekräftigen. In diesem Feuilleton heißt es : „Es war eine bei allen Völkern, bei allen Religionen, auch den sogenannten monotheistischen im Altheithum allgemein verbreitete Anschauung, daß der freiwillige Tod eines jugendkräftigen Menschen, besonders wenn er tugendhaft und keusch gelebt hatte, als stellvertretendes Sühnopfer ganz besondere magische Wirksamkett und Heilskraft besitze, daß das vom Geopferten (Märtyrer) vergossene Blut auch Anderer: zugute komme, daß deren Sünden stellvertretend von dem Schuldlosen gesühnt, daß bevorstehende Unglücksfälle (Seuchen, Hungersnoth, Krieg rc.) abgewendet, sowie bereits eingetretene Noch wieder aufgehoben werden könne. „Diese religiöse Anschauung, welche alle Geister ihrer Zeit gleichmäßig theilten, fand auch im Christenthum ihre Stätte, da ja eben das Christenthum aus den stellvertretenden Opferlod des Gottessohnes für die Sünden der Welt begründet ist und der Lehre huldigte, daß das Blut der Märtyrer den Heilsschatz der' Kirche um ein Wesentliches vermehre. „Er-st im vorgerückten Mittelalter', als die humanistischen Studien ein regeres Geistesleben anregten, wich diese düstere Lehre humaneren Anschauungen, die Menschenopfer winden seltener und hörten endlich gänzlich auf, hie und da freilich mit Gewalt unterdrückt. „In den ersten christlichen Jahrhunderten jedoch, in welchen sich so viele Schwärmer zum Martertode drängten und die römischen Gerichte zu Todesurtheilen förmlich aufforderten, wurde dieser Glaube von der Kirche genährt und erzeugte eben jenen todtverachtenden Fanatismus, der später, als das Christenthum geduldet ivo.den war, in den ausgesuchtesten Selbstzuälereien, in frommen Selbsttnorden und freiwilligen — stellvertretenden Opfertoden sich Luft machte, da man die Behörden zu Verurtheilungen nicht mehr zwingen konnte. „Die vielen Reliquien von „heiligen Leibern", die oft mehrfach Vorkommen, wie die sechs Köpfe des heiligen Johannes, die zwei Leiber, vier Köpfe und fünf Hände des heiligen Dionysius, die zahlreichen Kreuzigungswerkzeuge und das viele „heilige Blut" sind, von diesem Gesichtspunkte aus bettachtet, nicht Fälschungen, sonderm wirkliche und echte Reliquien, denn sie rühren von wirklichen Menschenopfern her, welche zu Ehren der Heiligen an deren Festtagen, deren Opfertod nachahmend, freiwillig starben; sie rühren von Solchen her, welche an Charfreitagen in furchtbaren Passionsspielen wirklich und wahrhaft gekreuziget wurden. „Oder nicht?! „Man lese Johannes Scherr's furchtbare Novelle „Die Gekreuzigte von Wildisbuch", welche, nach Gerichtsacten erzählt sich zu Wildisbuch in der Schweiz in den Dreißiger-Jahren dieses Jahrhunderts wirklich ereignete. „Man lese die rührende Dichtung des Mittelalters „Der arme Heinrich", wo sich, um die ewige Seligkeit zu gewinnen, eine „reine Jungfrau" freiwillig erbot, für den am Aussatz leidenden „arnren Heinrich" zu sterben. Die Begründung des freiwilligen Opfertodes, welche der Dichter in den Mund der sich zum Opfer Er'bietenden selber legt, entspricht Wort für Wort der religiösen Ansicht jener Zeit vom Opfertode. „Die Eltern des „eben mannbar gewordenen Mädchens" wollen dessen Opferung nicht zugeben, da vertheidigt das Kind seine Absicht beharrlich mü Gründen, aus welchen die hieher zielenden Stellen ausgehoben sein sollen. „Es sagt unter Anderem, daß es wohl wisse, daß der Tod etwas Herbes sei; aber wer sein Leben mtt mühsamer Arbeit fortbringt, dem ist auch nicht allzuwohl. Endlich ereilt chn doch der Tod, vielleicht aber ist dann seine Seele dahin, und besser

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