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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 614 Oestrrrrichifchr Wvchrnfchrrfk. Nr. 34 sprach; wenn ich tagsüber schlief, beunruhigte ein dunkles, ängstigendes Gefühl mein Traumleben. Ich wußte, daß meiner Partei was fehle, und doch nicht was. Nun ist mir leichter und wohler. Seit wir Schamberg haben, fehlt uns gar nichts mehr! Wir sind complet! Zwar sagen boshafte Stimmen, daß in Prag lauter gute Komödianten beisammen waren, und nur ein schlechter — Schamberg — doch das touchirt mich so wenig, wie ein Ordnungsruf. Ich habe Ihnen zu sagen vcr> geffen, daß in dem Parlamente der Zukunft der „Ordnungsrufs gänzlich ab geschafft und der „Ruf zur Unordnung" dafür eingesührt werden soll. Wie ein Abgeordneter sich ruhig und gesittet benimmt, (einen Skandal und Randal macht, wird er vom Präsidenten „zur Unordnung" gerufen. — Das ist das Neueste!" Ich konnte dem Fluge seiner Gedanken kaum mit dem notirenden Bleistift folgen und athmete auf, als er eine kleine Pause machte. Er kramte indessen in den Papieren, die auf seinem Schreibüsch herum lagen, Lithographien von geschlachteten braven Christcnkindern, wie die dösen Juden sie gerade „abmurtsen", dann der große, nie stattgefundene Rabbinertag in Krakau unter dem Vorsitz Montefiores nach der Natur ausgenommen — endlich fand Schneider was er suchte: zwei Blätter. „Sehen sie hier das verbesserte Staatswappen im ersten Ent- »vm-f: Eine goldene Stampigtie im grauen, vergitterten Felde mit der Umschrift: „Die vereinigten Stampiglien von Oesterreich." Ist das nicht reizend? Hier haben Sie den Speisezettel vom großen Prager Festessen." Ich las: Leun. (leibe k'Ieekerl-Lnppe Bein-Braten Lnten a la Deutsches Yolbsblatt, Jung-Tschechemes, Beuschel ä la Lueger mit Sauce Barbare. Gulyäs ä la Istoczy, Attenberger-Käse, Schwarzer Kaffee ä la Lichtenstein. „Es war alles ausgezeichnet", bemerkte Schneider, „die Gesellschaft absolut judenrcin, sogar der Wein — getauft. Von den Trinksprüchen haben Sie ja gehört und gelesen. Die ganze Welt war ja voll von unserer Siegesfahrt. So viel Staub haben sie aufgewirbelt, so viel von mir reden gemacht — ich sah meine kühnsten Erwartungen übei troffen. Leider, leider kam mir mein Namensgenossc dazwischen und absorbirte einen Theil des öffentlichen Interesses. Schade, daß es just um dieselbe Zeit war. Hätte diese ungeduldige Polizei nicht wenigstens vierzehn Tage warten können, bis wir fertig waren". „„ Genirt Sie die fatale Namcnsgleichheit nicht, Herr Schneider?"" „Mich gar nicht. Wenn es ihm nicht unangenehm ist, mir ist es vollständig gleichgültig. Uebrigens heißt ja jene Canaille „Franz" und ich „Ernst". Da ich merkte, daß er mir nichts weiter mitzutheilen beabsichtigte, erhob ich mich und dankte dem Herrn Ober- Stampiglienrath in warmen Worten für die großartigen, poliüschen Belehrungen, die ich genossen. „„Ich muß nur noch rasch zum Tischlenneister Jedliczka hinüber, um seine Ansichten über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde zu vernehmen. Ich habe die Ehre Herr Schneider."" „Ich verbiete mir alle persöhnlichen Ansp iegeluugen!" rief er mir nach. Schelmuffsky. Zum Ursprung des Aberglaubens vom rituellen Morde. i. In Nr. 45 der „Oesterreichischen Wochenschrift" von: Jahre 1888 publicirten wir an erster Stelle einen größeren Essay „Ueber den Zauber mit Menschenblut und anderen Theilen des menschlichen Körpers", welcher in sranzösische und englische Blätter überging. Der Grundgedanke des Aufsatzes gipfelte in dem Satze: „Die Beständigkeit des Borwurfes beweist die Zähigkeit des Glaubens an den Blutzauber und die unausgesetzte Uebuug desselben unter den Christen: das ist die einzig wahre psychologische Lösung des sonst räthselhaften Fortbestandes der Blutlüge. Es ist wirklicher, d. h. heidnischer Bolksglaube, der dieses Gespenst galvanisirt." So richtig ist diese Bemerkung, daß man sie sogar bei den Kirchenvätern trifft. Auf die gegen die alten Christen häufig erhobene Anklage des Kindermordes antwortete Tertullian, daß die Heiden nur aus dem Grunde von den Christen Aehnliches glauben, weil sie selber dergleichen noch heutzutage üben: „Hier zu Lande dient jetzt noch aus der geritzten Hüfte mit der hohlen Hand aufgefangenes und zum Genüsse gerichtetes Blut zur Besiegelung der der Bellona Geheiligten. Ebenso sind diejenigen, welche gegen ein Stück Geld das frische Blut der in der Arena umgebrachten Verbrecher, wenn es aus der Kehle fließt, aufgefangen, gierig heruntertrinken, um die fallende Sucht zu heilen." In derselben Weise, mit denselben Gründen antwortet Minucius Felix, ((fapl 12) Justin in seiner zweiten Apologie ruft aus: „Wenn ihr behauptet, daß wir einen Menschen tödten und sein Blut trinken, was thäten wir anders, wenn es wahr wäre, als dir Mysterien Eures Kronos üben und dem Jupiter und Anderen n a chz u a h m e n." Merkwürdigerweise hat cs auch bei den „Blutprocessen" gegen die Christen an Kronzeugen nicht gefehlt, die alles „eingestanden" haben, so daß Justin Martyr. (Ap. Cap. 12) den heidnischen Verfolgern zuruft: „Wenn ihr durch Martern von unseren Frauen, Kindern nnd Sklaven einzelne Geständnisse erpreßt, so sind das keine Beweise gegen uns." Eusebius (hist. 5, 2) erzählt, daß Sklaven aussagten: „daß bei den Christen thyesteische Mahle und oedipodeische Unzucht und Anderes vorkämen, was uns weder zu sagen noch zu denken erlaubt, ja nicht einmal zu glauben ist, daß es jemals bei Menschen vorgekommen sei. Indem dies bekannt war, wurden Alle gegen uns so wüthend, daß auch die, welche etwa ciu§ Verwandtschaft milde waren, in Unwillen entbrannten und gegen uns feindlich wurden." Später aber sehen wir Epiphanius sogar gegen einzelne christliche Secten die Anklage erheben: „daß sie an einem Feste ein Kind mit eisernen Nadeln am ganzen Leibe zerstachen und das Blut aussingen zum Zwecke ihres Opfers." (Naer. 26.) Einer französischen Seele des Mittelalters (um das Jahr 1017) wurde nachgesagt, daß bei ihren Mahlen üble Dinge getrieben wurden, indem ein vor acht Tagen geborenes Kind in das Feuer gelegt und verbrannt wurde. (Meusel, Gedicht von Frankreich 1. 480). Bekannt ist, daß diese Anklagen gegen die alten Christen bis in die allerneueste Zeit sich erstrecken. Ghillany, Da um er und Andere haben sich erneuert. Erst im Jahre 1863 erschienen die theologischen Briefe Pichard's von der Ulm, der deutlich wiederholte, daß es Christen gegeben, „welche den

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