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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I Sette 613 Nr. 34 Oefierrrichischr Wochenschrift. der Auszug der fünfzigtauscnd jüdischer Seelen aus dem Gouvernement Moskau als ein Triumphzug bezeichnet werden? Der Gouverneur von Moskau, der sie unbarmherzig am Sederabend austrieb, ist unwillkürlich ihr Schutzgeist gewesen. Bei ihrem Elend wären sie sicher Opfer der Pest geworden. Und so wartet vielleicht, die Langmuth Gottes mit der Katastrophe übir ganz Rußland bis der letzte Jude dieses Reich verlassen hat. Die vereinigten Stampiglien von Oesterreich. (Bon unserem Special-Berichterstatter.) DifficLle est satyram non scribere. Auch wir haben Schneider interviewt! — Und um allen unliebsamen Verwechslungen aus dem Wege zu gehen, fügen wir gleich hinzu, daß wir das Glück genoffeit haben, von „unserm" Schneider, vom „MZ-Schneider", vom Herrn Ober- Stampiglienrath Schneider in geheimer Privat-Audienz empfangen zu werden, von genau demselben, der jüngst in Prag dem Correspondenten der „Kreuz-Zeitung" so schätzenswerthe Andeutungen über die Umgestaltung unseres lieben Vaterlandes Oesterreich gegeben. Seine hundstäglichen Ausführungen haben nicht nur die weitesten politischen, sondern auch alle psychiatrischen Kreise lebhaft zu interessiren verrnocht. Namentlich schon aus dem Grunde, weil doch dieser Sommer nicht gar so besonders heiß war, und nur vereinzelte Fälle von sensuellen Störungen zur allgemeinen Kenntniß gelangten. Da kam diese Prager Excursion der Wiener Antisemiten dazwischen und warf das wunderschöne statistische Ergebniß über den Haufen. Alle Theilnehmer ohne Ausnahme erkrankten in bedenklichem Grade an der Wasserscheu und ihr Führer begann Zu deliriren und zu phantasiren, daß es eine Art — besser gesagt, — eine „Unart" hatte. Die gute „Kreuzzeitung" druckte natürlich Wort für Wort ab und so gelangte dieser Absud voll tolldreistem Unsinn zur allgemeinsten Kenntniß. Da machten auch wir uns aus den Weg zur neuesten Pythia, denn die Lorbeeren des Berliner Journals ließen uns nicht schlafen. Der Mann des Tages und der Nacht empfing uns natürlich sofort und sein Antlitz strahlte von aufrichtigem Vergnügen, als er vernahm, dem Stabe welchen Blattes wir anzugehören die Ehre hatten. Schneider sieht — zur Beruhigung der Leser sei dies vorausgeschickt — gottlob recht gut aus. Seine Erscheinung istzwarnicht ganz so „zaubergewaltig", wie die seines Collegen Vergani, hat aber^doch viel Verlockendes — zu unwahren Aussagen und dergleichen. Sein Studirzimmer ist mit den Büsten von Montefiore und Dr. Bloch geschmückt. „Ich war gerade mit der Fälschung meiner Morgen- Stampiglie beschäftigt," begann er in liebenswürdiger Weise das Gespräch. Sein Benehmen ist das eines gewandten Weltmannes, was durch seinen fortwährenden Umgang mit Fürsten, Grafen und — Lithografen begreiflich erscheint. „Welche Erfahrungen haben Sie mit dem jungczechischen Lager gemacht?" fragte ich. der auf das Meritorische zu kommen trachtete. „Ich war befriedigt, aber das altczechische Pilsner ist auch nicht übel," gab er sinnvoll zurück. „Wollen Sie mir vielleicht gütigst einige nähere Andeutungen geben, wie Sie sich die Decomposition unseres Vaterlandes denken? Welche gesetzlichen Schritte wollen Sie zu diesem Zwecke einschlagen, welche Paragraphe, die jetzt rechtskräftig sind, umstoßen und durch welche andere sollen fie ersetzt werden?" „Gerne will ich Ihnen sagen, was ich weiß und auch Einiges darüber. Vor Allem müßten die Staatsgrundgesetze eine ganz leichte Ueberarbeitung sich gefallen lassen. Fragen Sie nur zu, lieber Freund, geniren Sie sich gar nicht im Mindesten, thun Sie, als ob Sie im Zuchthause wären." „Wie denken Sie sich in „Ihrem" Staate die Gleichberechtigung der Confessionen?" „Sehr einfach. Alle Confessionen sind gleichberechtigt, die Juden todtzuschlagen. Die Stampiglie und ihre Verfälschung ist frei." „Schön." „Mit dem § 19 können auch Schulden berichtigt werden. Alle Reden und Thaten der Antisemiten sind unverantwortlich „Prachtvoll"! „Das Reich wird mit Hilfe der Slaven, die ja bekanntlich groß tut Demoliren sind, in seine historischen Bestandcheile zerlegt. Sogar die sogenannten „Zwiefel-Krowoten" bekommen ihr eigenes Staatsrecht. Abgeordneter kann nur werden, wer den Befähigungsnachweis zum „Oho" Rufen, „Wacker" Brüllen, „Hört, hör;" Schreien erbringt. Auch ist natürlich vorher mindestens eine Verleitung zur falschen Aussage vor Gericht nachzuweisen, eventu ll 3 Stampiglien. Verleitungen zu wahrheitsgetreuen Zeugenaussagen werden streng geahndet. Was ein Jude sagt, gilt nicht, wenn es auch wahr und bewiesen ist. Oberstes Moralgesetz im neuen Antisemitenstaate ist: „Fürchte Schönerer und scheue den Gerichtssaal!" „Sie haben also ernstlich die Absicht, das bischen Oesterreich so ganz zum Spaße, zu Ihrer Privat-Zerstreuung, gewissermaßen als nettes politisches Experiment in die Bestandtheile, aus denen die Geschichte von Jahrhunderten es zusammengefügt und mit Blut und Schweiß gekittet hat, wieder zu zerlegen?" „Gewiß, es war da jüdisches Blut und semitischer Schweiß auch dabei und das gilt nicht, gilt so wenig, wie eine Ohrfeige gilt, die ein Antisemit von einem Juden bekommt." „Das Letztere ist mir nicht ganz klar, doch thut das nichts. Ich glaube Sie so zu verstehen: Oesterreich soll vorläufig ein wenig zerschmettert und ein großer Scherbenberg werden. Ich bitte Sie um Himmelswillen, was bleibt dann übrig?" Schneider wurde unruhig, als ob Ostern nahe wäre. „Was übrig bleibt? Die herrliche Idee bleibt übrig, der antisemitische Gedanke! Das ist doch was, he?" „Und ist Herr Schamberg damit einverstanden? Von anderen, noch maßgebenderen Factoren nicht zu reden." „Seien Sie vollkommen beruhigt. Freund Schamberg ist vollkommen meiner Ansicht und die Sache bleibt demnach abgemacht. Dieser Schamberg, sehen Sie — ich habe immer das dunkle Gefühl gehabt, als fehle unserer Partei noch irgend was, und konnte nicht ergründen, was. Bei Nacht sann ich darüber nach; Sie werden bemerkt haben, daß ich stets verwirrt

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