Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 33 (21.8.1891)
- Date
- 1891-08-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 608 Orsterretchifche Wochenschrift. Nr. 33 umerbrachtc, wo ich ihr zuweilen in Stille uitd (Einsamkeit za geben len pflege. Du brauchst aber nicht eifersüchtig auf sie zu Pin, denn sie h at dich nur erwählt. Hier kannst du selbst lesen. Damit trat er zu eine:» Wandschrank, öffnete ihn und entnahm ihm ein Heft, das er anfgeschlagen Mathilden überreichte. „Es ist der Verstorbenen Tagebuch", sagte er erläuternd, „bas sic fast bis zu ihrem Tode iwch geführt hat". In der Thal waren die Schriftzüge, welche sic jetzt erblickte, schon mit zitternder Hand niedergeschrieben. Unter Thränen las Mathilde: „. . . . Und nun noch eins, mein lieber We l t n e r, was ich dir zu sagen habe. Trauere nicht zu lange un mich. wenn ich nicht mehr bin, denn du bist noch zu jung, um dein ganzes Leben laug allein zu bleiben, auch brauchen unsere Kleinen, die ich dir hinterlasse, eine Mutter. Du wirst eines Tages dich wieder verheiraten, hörst du wohl? Ich will es. ich bitte dich darum! Nur wähle eine deiner Gla lbcnsgenossinnen. Ich will dich deiner Religion wieder ganz zurückgeben, von der du mir zuliebe die Hälfte geopfert hast; ich will es, weil ich meine Kinder am liebsten der Qbhui einer Jüdin anvertraue, denn nur bri deinen Glau-'rc.sgenossen habe ich Herz gefunden, noch mehr aber Ztrtgesühl gegen Andersreligiösc, und sie wird mich nicht aus dem Andenken meiner Kinder verdrängen, aus Zartgefühl gegen die christliche Mutter . . . ." Da trat Mathi.de ror des Bilkniß der Verstorbenen und rief die Hände zu ihr emporsircckcnd: „Nein, es soll niema's geschehen — ich schwöre es dir!" Frau Mathilde Weltnc r ist eine glückliche ((heg min geworden; außer den beiden Knaben, die cs noch nie empfunden haben, daß sie ihre Stiefkinder sind, hat sie jetzt noch eilt allerliebstes Mädchen, dem sic den Namen Elisabeth gab, wie die erste, die christliche Gattin ihres Mannes hieß. Die Möbel der Verstorbenen aber sind nicht mehr unter einem fremden Dache, sondern haben in der eigenen Wohnung einen Platz erhalten. An gewissen Gedenktagen führt Mathilde regelmäßig ihre beiden Stiefsöhne in jenks Gemach und erzählt ihnen von ihrer lieben Mama, die im Himmel unter allen Frommen ist. Literatur. Wohin mit deu russischen Zudcn? von Dr. j„r. M I. Boden Heime r. Verlag des Deutsch-Israelitischen Familienblattes „Die Menorah" zu Hamburg. Der Verfasser zieht in der Einleitung seines Schriftchens eine analogische Paralelle zwischen Erodus aus Egypten im Alterthume und der Auswanderung der russischen Juden im 19. Jahrhunderte nach Palästina wo ein Änsiedlungsversuch in der Neuzeit wirk.ich seine Lebens sähigkeit bewährt hat und geht dann zu dem eigentlichen T lema — einem Colonisationsplane von Syrien, eine n Zufluchtsorte der russischen Juden über. Nach einem kurzen Eulturbilde des Landes, der Schilderung seines natürlichen Reichthumes, günstiger Bevölkerung ec als vortbcilhasler Grundlage einer Eolonisation, bespricht Verfasser jene Ein richtungen, welche zur Entwicklung der zu gründenden Eo.onien geschasien werden sollen, d. h. die Legung eines Eisenbahnnetzes, durch dessen Bau die unbemittelten Einwaudcrerfaniilicn — vorerst als Arbeiter colonien angesiedelt — Beschäftigung finden, und die Gründung einer Bailk für Landwirthschaft und Industrie, welche zur Hebung von Acker bau, Gewerbe uud Handel beitragen könnte. Der nächste Abschnitt handelt von der praktischen Durchführung dieses Planes, für welche vorerst die Eonstiutilion eines Gr.ii.duiigcomlles und Abschluß eiues Vertrages mit der türkischen Negierung vorgeschlagen wird, dann folgen die Statuten der Eolonialgcsellschast und der Arbeiter und Ackerbaucolonien. Die Triebfeder des ganzen bildet eine freiwillige Vereinigung von Glaubensgenossen zur Ausbringung der Mittel, deren Organisation und der Statutenentwurf für die Hilfsconmes weiter entwickelt wird und zuni Schlüsse ist dem Werkchcn eine Karte von Syrien beigegeben. Wir wollen uns bezüglich der physischen Kraft und Ausdauer des jüdischen Volkes für eine Eolonisation in jenen Ländern, welche erst durch Ackerbau der Eultur zugänglich gemacht werden müssen, wo jeder Fußbreit jungfräulichen Ackerbodens in unbewohnten Gebieten, durch Ausrodung von Wäldern und bei Mangel jeglicher Verkehrsmittel im steten Kampfe mit der wilden Natur errungen wird, wie dies z. B. im amerikanischen Farm erleben der Fall ist, keinen Illusionen hingeben; daß aber der Jude ein vorzüglicher Landwirth sein kann, wo ihm die Bedingungen zum Erzeugen, zum Schassen gegeben sind, daß er die Fähigkeit besitzt gewonnene Produkte zu verwerthen und für die Berechnung der einzelnen Vorkommnisse im Wirthschastsbetriebe, die sogenannte Ealculation, ein offenes Auge hat, beweisen uns die (Erfolge im eigenen Vaterlande, wo große Domänen in fruchtbaren Gegenden, durch die Mißwirthschast der Besitzer vernachläßigt, zumeist durch den rationellen ltnd ökono nischen Betrieb jüdischer Pächter zu neuem Aufblühen gebracht werden, und deshalb hat der Versuch einer Eolonisation an und für sich mehr Er,o!g in einem Lande» wo Ackerbau schon seit langem betrieben wird, aber auch Industrie in der Entwicklung begriffen ist. Ans diesem Grunde scheint uns nach den Ausführungen des Verfassers eben Syrien als Eolonisationsgebiet geeignet; die genaue Prüfung des Durchsuhrungsprogrammes und der Statuten würde den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten, wir überlassen sie berufeneren Persönlichkeiten. Zweck vorliegender Zeilen war nur die Aufmerksamkeit aller jener Kreise vckn Lesern auf das empfehlens.verthe Schriftchen zu lenken, welche diesem hochwichtigen Gegenstände ein Interesse entgegen bringen. Mosko Wiener. Elischa den Abuja-Acher, quellenmäßig dargestellt von Dr. Samuel Back, Bezirksrabbiner und P ediger der israel. Cultusgemeinde SmichlUv. Herausgegeben als Jubelschrift zun siebzigsten Geburtstage des Herrn Dr. Adolf Jcllinek, Prediger der israel. Cnlknsgeneinde Wien, vom Vorstande der israel. Eultusgemeinde Smichow. Frankfurt a. M. 1891. I. K a u f m a n n. Der Verfasser hat sich an eine heikle Aufgabe gemacht — Acher zu re ha bi li ien.Bekanntlich ist dies dessen Schülern und Freunden, den damals anerkanntesten Größen, Rabbi Ai ä i r und Rabbi Jochanan ben S a k k a i , nicht gelungen, denn das Volk, das sich seinen Heroencultus selbst schasst, läßt sich auch nicht ein Opfer entwinden, das es zu feinem Sündcnbocke auserschen. Seit den darüber hingegangenen achtzehnhundert Jahren aber ist das Andenken an den unglücklichen Sohn Abuja's noch schwärzer, ist er von Vcrdammniß zu Verdammnist bis in die siebente Hölle versetzt wo den, daß gar nich: daran zu deuten ist, ihn erlösen zu tonnen. Die Weltgeschichte ist das Weltgerich', und wenn die Geschichte auch Justizmorde ans ihrem Gewissen hat, so ist ihr Urlheil doch inappellabel. So sehr jedoch tic Verso lgungssncht an und für sich zu bedauern ist, so hat dieser Eifer doch das Judenlhum rein e halten. Denn von Korah angefangen, gab es in jeder Generation Männer, die cs aus seiner Scpara ion, durch die es der Träger einer Wellidee ist, herausreißen und in die übrige Welt aufgehen la'sen wollten, indem sie den Gedanken p opagirten: Wer schon ein entwickeltes religiöses Bewußtsein hat, braucht sich nicht an Eeremonien zu binden, oder in dem Bilde Korah's gesprochen: <rin ganz himmelfarbiger Talith sei frei von Zffzith. Wo wä-.'e heule mehr ein Jndenthnin, wenn dieser Gedanke zur allgemeinen Geltung gekommen sein würde! Diese Bemerkung kann aber nicht die Anerkennung schmälern, welche der vorliegenden Arbeit des Dr. Back gebührt. Der Versaffcr hat mit Zuhilfenahme aller Quellen aus den beiden Talmuden und den Midraschim ein Bild seines Helden geschaffen, das wirklich Sympathie erweckt. Der Werth der Arbeit liegt ferner in dem schönen Style derselben, so daß sie bei all ihrer Wissenschaftlich eit eine anziehende Lccture bildet. Und nachdem der Acher auch schon in die jüdisch.' Lilemtur Eingang gefunden, ist dieses Büchlein lescnswe th für jeden Gebildeten. Briefkasten. Für die unglücklichen aus Rußland vertriebenen Glanbensbrüder sind uns zugekommen: von Heinrich Lustig in Freistadt fl. 6.— Möbel-Fabrik von Ignatz Krön kön. serb. nnd herzogl. oldenburg’scher Hoflieferant Wien, Stadt, Bäekerstrasse Nr. 1 reiclisortirtes Lager solider und stylgerechter Tischler- und Tapezierer-Möbel für Hotels, Wohnuud Landhäuser unter schriftlicher Garantie. Grossses Sortiment von Speise-, Schlaf- und Herrenzimmern. Damenboudoirs und Salons stets vorräthig. Illustrirte Preiscourante gratis und franco. Gründlichen Unterricht im Hebräischen, Deutschen und Polnischen ertheilt gegen massiges Honorar ein älterer Herr aus Galizien. Nähere Auskunft in der Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift“ unter Chiffre „G“ 16. Ein städtischer Lehrer, zugleich Religionslehre^ wünscht einen Knaben oder ein Mädchen in Pension zu nehmen. Briefe erbeten' An die Redaction d Bl. unter „F“