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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 606 Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 33 die den Bündnißvertrag dreier Könige, des Königs Alban von Saba, des Königs Gedarot von Habaschat und des Königs Ghailan von Hadramaut, enthält. Das Geschenk hat die Allerhöchste Genehmigung erhalten und wird zur Zeit in den vorderasiatischen Sälen im Erdgcschoße des neuen Museums ausgestellt." Berti». Der jetzt zum Director der Druckschriften- Abcheilung der Kgl. Bibliothek zu Berlin ernannte Dr. O. v. Gebhard, führte sich in die Wissenschaft durch seine Ausgabe des Graecus Benetus ein, der 1875 herauskam. Unter dem Namen Graecus Benetus geht eine nur in einem Exemplare vorhandene griechische Uebersetzung des alten Testamen: es (dasselbe ist Ergenthum tnr Sanct Bcarcus-Bibliothek in Beimdig) um, die nach Franz Delitzsch's Annahme im 14. Jahrhundert von einem gelehrten Juden, Elisa mit Namen, der am Hofe des Sultans Murad I. zu Adrianopel lebte, gefertigt ist Bon diesem Codex gab es bisher nur eine und zwar nur sehr fehlerhafte Ausgabe von Billoison und Ammon. Gebhard nun besorgte eine neue, wobei er alle die Sorgfalt aufwandte, diesonst Philologen gemeinhin nur für Reliquien des classischen Altcrthums hegen. Wichtig waren auch die neuen Erkenntnisse, die Gebhard zur Geschichte der Handschrift bcibrachte, vor Allem der eine Nachweis, daß der Codex zu einem Thcile von dem Verfasser der Ueberlragung selbst geschrieben ist. Berlin, 8. August. An der hiesigen Kgl. Friedrich- Wilhelms-Univexsität hat sich Hc.r Dr. med. Julius Pagel als Priratdozent in der medicinischen Facultät habilitirt. Der Genannte, der seit vielen Jahren, auf Anregung August Hirsch's, die Geschichte der Medicin zu seinem Forschungsgebiete wählte, gedenkt auch über diese Discipliu Vorlesungen zu halten. — Bei der Stiftungsfeier der Universität wurde die Ertheilung des einen, von der med-cinischen Fakultät cwsgesetztcn Preises an die Arbeit des cand. med. Herwarth K o r n b l u m in Berlin verkündet. Berlin. Die bekannte Berliner Buchhandlung von I. A. Stargardt ist seitens der Familie der Frau v. Stein mit dem Verkaufe der Sammlung von Göthe's Briefen an diese seine berühmte Freundin beauftragt. Die Sammlung umfaßt 1748 Stücke und enthält neben längereil Briefen eine große Zahl aphorismenartiger Schreiben. Eins derselbcil, aus dem Jahre 1781 lautet folgendermaßen: „Die Juden haben Schnüre, mit denen sie die Arme beim Gebet umwickeln. So wickle ich dein holdes Baud um den Arm, wenn ich an dich mein Gebet richte und deiner Güte, Weisheit, Mäßigkeit unb Geduld theilhastig zu werden wünsche. Ich bitte dich fußfällig, vollende dein Werk, mache mich gut." Königfteiu i. S. 3U. Juli. Bei der Rettung eines Kindes des Oberstabsarztes B e ch, rvelches, in einem Zimmer der in Brand gerathenen Kaserne B eingeschlossen, dem Erstickungstode nahe war, trug der Gefreite Israel von dem hier garnisonirendcn Jnsallteric-Regimeirt Nr. 102 sehr schivere Verwundungen davon, die ihn für voraussichtlich lange Zeit an das Schmerzenslager fesseln werden. Israel hatte unter Verachtung jeder eigenen Lebensgefahr b-n kleinen Sohn des Stabsarztes aus der Wohnung geholt und wollte auf einer Leiter aus der ersten Etage Hel untersteigen, als dieselbe unter chm zusammen brach. Indem er den Knaben mit beiden Armen emporhielt, beivahrte er denselben wohl vor jedem Unheil; er selbst aber muß seinen Opfermuth mit längerer schiverer Krankheit büßen. Fricdberg, 3. August. Vor einer zahlreich besuchten Versammlung im „Saalbau" sprach gestern Nachmittag Neichstagsabgeordneter Ulrich aus Offcnbach über „Sozialdemokratie und Antifcmitusmus". Die Führer der Antisemiten Hattert Einladung zu der Versammlung erhalteit, waren aber rticht erschienen. Trier. Der erste Pilger zum heiligen Rocke in Trier ist bereits daselbst eingetroffen. Der Mann heißt Kohn, stammt aus Schelklingen bei Ulm und hat bereits zahlreiche Pilgerfahrten hinter sich. Nach der „Köln. Volksztg." wird Kohn der „württembergische Jerusalem-Pilger" genannt. Was nrag den Kohn nur bewogen haben, volle drei Wochen zu früh nach Trier zu pilgern? fragt das „Volk". Münster, 10. Augtlst. Ein antisemitischer Schwindel, der in der „Allg. Deutschen Lehvcr-Ztg." versucht wurde, wird durch die folgende in Nr. 28 desselben Blattes veröffentlichte Erklärung entlarvt: „Münster. Die „Allg. Deutsche Lehrer-Ztg." brachte in Sir. 25?ine angeblich den „Deutsch-sozialen Blättern" entnommene Notiz, nach welcher die preußische Regierung zu Münster die Verfügung erlassen habe, daß es jüdischen Lehrern untersagt sei, Unterbichl m Deutschen und in der Geschieht, zu ertheilen. Diese Mitlheilung muß als eine der thatsächlichen Unterlage entbehrende lczc'chnet werden, und es ist den jüdischen Lehrerkreisen und der betreffenden Regierungsbehörde selbst von einer solchen Verfügung auch nichts bekannt. Zudem liegen die Schulverhältnissc in dem Regierungsbezirk Münster so, daß nicht einmal eine Veranlassung zu einem solchen Erlaß vorlicgen kann. Dr. Steinberg, Seminard rigent." Paris. In einem Artikel des „Tempo" vom 25. Juni mit der Ueberschrift ,,-T. J. Rousseau, le duc d’ Albe et les medecins“ wird erwähnt, daß die Herzogin von Alba unter den Documentcn des 16. Jahrhunderts eine Mittheilung eines jüdischen Arztes und eines häretischen (?) Franzosen gefunden habe, rvelche die Möglichkeit und Nützlichkeit eines Eannlbaues durch die Landenge von Suez beweisen, um dem Handel einen directen Weg nach Jndieir zu erschließen. Amsterdam. Herr A. Duparc, Vorsitzender der Ober- Schulbchörtc in Lecnwarden, wurde zum Mitglied der Municipial-Vertrctung getvähll. Er ist der einzige Jude in den beiden genann en Körperschaften und erhielt bei den Gemeindewahlen die größte Anzahl Stimmen, obwohl sich unter den Eandidaten Vertreter aris den ersten Kreisen der christlichen Gesellschaft befanden. Diese blieben, was die auf sie vereinigten Stimmen betrifft, weit hinter Herrn Duparc zurück. Helingfors. Mair schreibt: Jur Monate April d. I. hatte das geheimnißvolle Verschwinden eines hiesigen jüdischen Mädchens, Namens Ehawa Slavatitzki, ans ihrem Elternhause allgemeines Aufsehen erregt. Die Bemühungen der Behörden zur Eruin.ng des Mädchens blieberr erfolglos, dasselbe blieb bisher verschollen. Run ist cs aber in der jüngsten Zeit doch gelungen, das Räthsel zrr lösen, inbem in Erfahrung gebracht wurde, daß weibliche Mitglieder der Heilsarmee das Mädchen nach Stockholm entführt haben. Seitens der Behörden wunden sofort Schritte eingelcitet, um die Auslieferung des unmündigen Mädchens zu erlangen. Copenhagen, 6. August. Herr Oberrabbiner Piof. Dr. A. A. Wolfs hat heute zu seinem 70jährigen Doctorjubiläum von der phylosophischcn Facultät in Gießen folgende den Jubilar hochehrende Zuschrift erhalten: „Sehr geehrter Herr! 0 s ist mir eine besondere Ohre und Freude, tut Namen und Anstrage unserer Facultät Ihnen zu Ihrem (Ehrentage, zu dem so außerordentlich seltenen Feste, das sie in den nächsten Lagen begehen, die wärmsten Glückwünsche darzilbringen. Möge die jtrast nnd die Frische des Geistes und wörpcrs, die Tie im Dienste Ihrer Atitmenschen und zur (One der Wissenschaft solange nnd so ersprießlich hat wirten lassen, Ihnen noch so manches Jahr von einer gnädigen Fügung erhalten bleiben. Gießen, den 4. August 1891. -Oiit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ganz ergebener Proste, or Tr. O. Behagy, Tckan." Warschau. Wie das arutliche Organ der russischen Negierung in Warschau mitlheilt, hat das Unterrichtsministerium die Zahl der jüdischen Hörer an der Warschauer Universität für das nächste Studienjahr mit zehn Perzent der Gesammtzahl der Hörer festgesetzt. Bei der Ausnahme haben in erster Linie die bisherigen Hörer den Vorzug; von Neuen dürfen nur solche Abiturienten Aufnahme finden, welche die Mittelschule mit Auszeichnung absolvirt und namentlich eine vorzügliche Sittcnnote haben. Dasselbe Blatt publicirt neuerdings eine Liste von 250 österreichischen nnd deutschen Unterthanen, welche aus Warschau ausgewiesen wurden.

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