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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 33 Oesterreichische Wochenschrift. Seite 665 Wien. Herr Moriz Klein, Spcnglcrmeister, II. Negerlegasse theilt uns mit, daß er behufs Errichtung einer Filiale in der Ottakringerstraße in Nummer 52 ein Local habe miethen wollen und zur Antwort erhielt, daß man keinen Juden ausnehme. Er versuchte in der Ecke der Hubergasse ein Local zu miethen, die Hauseigenthümerin war gerne bereit ihm ein solches zu überlassen, sie erklärte gegen die Juden habe sie nichts, nur die Jüdinnen wären ihr zuwider, die angeblich den ganzen Tag saulenzen und Staat treiben, und die Männer arbeiten lassen. Er versuchte es zum drit en Mal bei dem Eigenthümer eines noch nicht fertigen Hauses, da wurde er rundweg als Jude abgewiesen. Dagegen wären sie gerne bereit, die Familie Schneider oder ähnliche arische Handwerksgenossen auszunehmen. Gegen derlei Leute hätten sie wohl nichts einzuwcnden. Kula. Unser ehrwürdiger Herr Rabbiner Dr. Salomon Spira ist mit Stimmeneinhelligkeit zum Dber-Rabbiirer von Losoncz gewühlt worden. Wir können der Gemeinde Losoncz zrr dieser Wahl herzlichst gratulirerr. Zwittau. In Ihrem geschätzen Journale vom 31. Juli d. I. 9er. 30, ergeht sich Ihr Brünner „0"-Eonespondent in eine Kritik der Verordnung des h. k. k. Cultusministerium, über die Abgrenzung der israelitischen Cultnsgemeinde-Sprengel in Mähren. Hauptsächlich macht er dieser Verordnnng die Ereirung neuer Gemeinden und speziell, daß „nun gar Zwittau" zrr einer solchen erhoben wurde, zum Vorwurfe. Zwar rvill er einigen dieser Orte das Recht Eultusgemeinde zu rverden, rvie z. B. Olnlütz, zugestehen, auch den „Eultusvereinen" Ung.-Hradisch und Ncutitschein concedirt er diese Entscheidung, rveil dieselbe angeblich schon seit langer Zeit Rabbiner angestellt haben. Dem entgegen soll hier constatirl rverden, daß der Eultusverein Ung.-Hradi^ch erst jetzt auf Grund der Verordurmg des Cultusministeriums vom 15. Juni d. I., Z. 8132 die Rabbinerstelle besetzen will, und zu diesem Zwecke einen Eoncurs, siehe „Oesterreichische Wochenschrift" vorn 7. August Nr. 31 und 14. August Nr. 32 ausschreibt. Sobieslau. Die Wiener Antisemitenbande hat bei ihrer Durchfahrt zur Prager Ausstellung an sämmtlichen Bahnhöfen Exemplare schmutziger antisemitischer Pamphlete vertheilt und ausgestreut. Mähr. Schönberg, am 17. August. Gestern fand hier die Trauung des Advocaten Dr. H. Steiner aus Przibram mit Fräulein Camilla W e i ß b a r t, Tochter des Herrn I. H. Weißbart, in Anwesenheit zahlreicher jüdischer und christlicher Honorationen statt. Die Trauung vollzog Herr Rabbiner Gelbhaus aus Prag. Der Brautvater hat bei dieser Gelegenheit für die Armen der Stadt und für den Synagogenverein namhafte Summen gespendet. Vor einigen Wochen fand in der Familie unseres Cultuspräses Herrn Jacob Stewn ein Vermählungsfest statt — die Tochter des Herrn Stern heiratete Herrn Josef Strauß aus Szered in Ungarn, die Trauung vollzog Herr Rabbiner Dr. Hoff. Bei dieser Gelegenheit spendete Herr Stern und das junge Ehepaar für die unglücklichen russischen Flüchtlinge einen namhaften Betrag. Prag. Am 17. d. M. haben zwischen 3 und 4 Uhr 4 Herren von den Antisemiten den alten berühmten jüdischen Friedhof besucht, da gegen Zahlung von 20 kr. der Eintritt erlaubt ist. — Der zum Behufe der Erklärung der ältesten Grabsteine Angestellte der Chewra Kadische begleitete die Herren. Bei dem Grabstein der Sarah Katz erlaubte sich ein Antisemit folgende Bemerkung: Die Juden wollen sich immer nur groß machen, in das historisch Merkwürdige sich begeben. T er Angestellte der Chewra antwortete dem Antisemiten: Wenn Sie etwa) von der jüdischen Geschichte wissen würden, so möchten Sie nicht so dumm reden. (Ich bemerke noch, daß der Grabstein mit 606 Jahren nach Christi bezeichnet ist. Der seel. Gelehrte Rappaport hat die Zeit mit 1600 angegeben.) Ein Grabstein, der höchst merkwürdig ist, nämlich von Bas Löw) von Franc nbcrg, eine Adelige aus der Zeit von Ferdinand II.; sie hatte zu jener Zeit die Münze gepachtet. Bei dieser Erklärung sagte der Antisemit: Die Juden gehen immer ans (Gewinn los, es war gewiß schlechtes Geld. Da nntrvortete der Angestellte der Brüderschaft schlagfertig: Der Fürst Liechtenstein war damals mit in Comp. — Ich bemerkte mir noch, daß Angabe des Angestellten der Bruderschaft, alle 4 Antisemiten vollkommen betrunken waren. Beneschau. Der jungtschechische Handelsverein in Bene schau bei Prag beschloß, Herrn Schneider und dessen Sippschaft am Bahnhose cor-porativ zu begrüßen. Dank der energisch, n Haltung des Bürgermeisters wurde besagtem Vereine über Jnternention des Disponenten der Firma Samson Jank & Söhne, Herrn Baumgartl, diese Demonstration strengstens verboten. Als sich dennoch mehrere jungtschechische Handwerker, sorvie einige Persönlichkeiten, rnrter Anderen auch der Abgeordnete Dr. Engel am Bahnhose einfanden, bestieg obgenannter Herr Baumgartl das Trittbrett des Waggons, in welcher sich Mechaniker Schneider befand, und rief denselben an. Schneider, offenbar in der Meinung, es handle sich um eine ihm zugedachte Ovation, steckte seinen Kopf zum Eoupefenster hinaus, welchen Moment Herr Baumgartl dazu benutzte, Her vn Schneider zuzurufen: „Herr S ch neide r, ich könnte ein paar falsche Stampiglien brauchen, Rabbi Bloch läßt Sie grüßen". — Tableau. Lugos. Es dürfte die verehrt. Redaction gewiß interessiren, wenn ich Ihnen mittheile, daß der Held Ihres letzten Feuilletons „Modche Tapolisän“ seine letzten Jahre in Altofen, erhalten voll der Mildthätigkeit mehrerer Gemeillde-Mitgtieder, stets tvortlos und in sich gekehrt, verbrachte; ich selbst, geboren in Altofen, damals noch ein Bürschchen von 10—12 Jahren erinnere mich an ihn, der vor circa 20 Jahren starb, ganz genau. Berlin. Der „Reichsanzeiger" vom 13 Juli enthält folgende Mitheilung: „Die orientalischer» Sammlungen der königlichen Museen habeil der Hingebung eines hiesigen Privatmannes, des Herrn Rudolf M o s s e, eine werthvolle Bereicherung zu verdanken, die um so wichtiger ist, als der betreffende Zweig der morgenländischen Alterthumskunde bisher sowohl bei uns, als ^n anderen europäischen Museen nur schwach vertreten war. Tie Geschichte Arabiens vor dem Auftreten des Islam lag bis vor Kurzem noch ganz im Dunkeln und erst seit in neuerer Zeit, vor Allem durch Herrn Dr. Glaser's ebenso kühne als erfolgreiche Reiseil, aus der Südhälfte des Landes zahlreiche Inschriften bekannt geworden sind, beginnt sich allmälig das Dunkel zu lichten uild es ergibt sich, daß auch hier einst im Alterthum eine vergleichsweise hohe Eultur geblüht hat. Es ist Herrn Dr. Glaser gelungen, 33 dieser Jnschristenstcine und dl ei Köpfe aus Alabaster, die von Grabsteinen stammen, nach Europa zu schaffen und sie sind es, die Herr Rudolf Masse erworben und den Königlichen Museen als Geschenk übergeben hat, mit der ausgesprochenen Absicht, durch diese Gabe die orientalischen Studien in Deutschland auch nach der Seite der Alterthumskunde Arabiens hin zu fördern. Die Inschriften sind in der eigenthümlkchen südarabischen Schrift geschrieben (die der abessynischen ähnlich ist) und gehören nach Herrn Dr. Glaser zumeist in das erste Jahrtausend v. Ehr., während andere auch aus nachchristlicher Zeit stammen. Sie sind meist religiösen Inhalts, doch fehlt es auch nicht an solchen, die geschichtliche Ereignisse berichten; unter den letzteren befindet sich das Hauptstück der Sammlung, eine Inschrift von 23 Zeilen,

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