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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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S-it° 6»4 Oeperrrichische »ochenschrist. Nr. 35 diesen bald durch nichts mehr. Da kam der Stamm, der ihn ausgenommen hatte, einmal in die Nahe von Damaskus und wurde hier von einem Israeliten besucht. Abends erzählte man sich am Lagerfeuer nach morgenländischcm Brauch Wahrheit und Dichtung. Als jener jüdische Beduine aufgefordert wurde, seine Lebensgeschichte mitzuihe len, bekannte er: „Ich weiß nur, daß ich einst nicht bei diesem Stamme gewesen bin." Der jüdische Besucher wurde aufmerksam. Schließlich stellte sich heraus, daß beide Stammesgenosten waren. Die Sache kam zu den DH reu des Beiruter Rabbiners, und so erhielten auch die Eltern die beglückende Kunde, daß ihr tobt geglaubter Sohn noch lebe. Nun machte sich die Mutter auf den Weg n. ch Damaskus, um ihr Kind wiederzusehen und zurückzubriugen. Ehe es zur Begegnung zwischen beiden kam, führte man dem jungen Beduinen mehrere andere Frauen vor. Aber in keiner wollte er seine Mutter erkennen. Endlich erschien die Israelitin aus Beirut. Jetzt rief er: „Ja, das ist sie!" Eine innere Stimme sagte es ihm, daß er nunmehr die rechte erblicke, obwohl achtzehn Fahre vergangen waren, seitdem er diese Gestalt zuletzt gesehen hatte. Die Mutter überzeugte sich an einem Muttermal des Jünglings davon, daß dieser wirklich ihr Sohn war. Trotz der beiderseitigen Freude wollte er zunächst recht mit ihr gehen. Das Leben, welches er bis dahin geführt hatte, schien ihm köstlicher zu sein als jedes andere. Aber seine bisherigen Freunde, die Beduinen, wollten ihn, den Juden, jetzt nicht mehr in Ihrer Mitte dulden. Es brach eine schwere Zeit für ihn an. Endlich sah er sich geuöthigt, seine Wohlthäter zu verlassen. Besonders schmerzte ihn auch der Abschied von seinem Lieblingspferd. Jerusalem, im Juli. In der Kolonie Rösch Pili ah baut man ein größeres Haus für den zweiten Verwalter des Ortes und eine Herberge. Unlängst wurde ein r-0 Hektar umfassender Weingarten angelegt, welcher 20.000 Reben enthält. Ebenso wurden Oelbämne u. s. w. gepflanzt. Gegenwärtig ivird hinter den Häusern der Kolonie ein großer Lustgarten im europäischen Sinne angelegt. Die Ansiedler der Kolonie Jesod hamalah versorgte Baron Rothschild mit Häusern; in nächster Zeit wird er ihnen ein Badehaus nnb ein großes Haus für die Arbeiter errichten lassen und ivird für eine Apotheke und einen Apotheker, für Lehrer, Schächter u. s. w. sorgen. Abgesehen aber davon, beziehen die Kolonisten keine Unterstützung und leben von dem Erttagc ihres Bodens und dem Lohne für die in dem großen durch deir Baron errichteten Garten geleisteten Arbeiten. Der Baron hat letzthin zwei große Strecken Landes gekauft. Die eine, bei Rösch Pinah umfaßt 4000 Dunam, die andere bei Jesod hamalah 1000 Dunam. Herr Schub in Rosch Pinah hat eine Gesellschaft unter dem Rainen „Die Galiläer" gegründet. Mitglieder finb Arbeiter aus den Kolonien, Einwohner von Safcd, und einige Ausländer. Jedes Mitglied zahlt durch eine Reihe von Jahren fünf Francs monatlich und erhält dadurch die Anwartschaft auf zehn oder mehr Dunam mit Wein oder Fruchtbäumcn bepflanzten Bodens. Bekanntlich nimmt die Zahl von Vereinen dieser Art, namentlich auch in Hinsicht von Häuserbau in der Stadt hierzulande bedeutend zu. Vor zwei Jahren schon machte Herr Manassc Meirowitz in der Kolonie Ri schon Tzion die ersten Versuche mit Seidenzucht. Dieselben glückten, und der Baron ließ irr allen unter feinem Protektorate stehenden Kolonien die Bäume zur Nahrung für die Seidenwürmer pflanzen. Im verflossenen Jahre wurde, nun ein wenig Seide nach Paris geschickt und erwies sich als ausgezeichnet. Demgemäß gab jüngsthin Baron Rothschild den Auftrag, die Seidengewinnung den Kolonistentindern zu lehrerr, und rvrrrde Herr Meirowitz mit diesem Unterrichte wird der Leitung der Seiderrzucht betraut. Von dem genialen Gedanken des Herrn Meirowitz ist viel Segen für das heilige Larrd zrr erwarten. Wien. (Die Eolouisationspläne des Baron Hirsch.) Aus.Karlsbad wurde am 12. d. gemeldet: „Heute hat der hier weilende Baron H irsch dem Doktor Löweuthal und drei Bürgern dev argentinischen Republik die notariell beglaubigte Vollmacht gegeben, für seine Rechnung bis zum Betrage von zehn Millionen Pesos Ländereien in Argentinien für jüdische Ansiedlungen zu erwerben." Aus derselben Stadt, 10. August, n ird gemeldet: Der Bevollmächtigte des Baron Hirsch, Herr A. Whithe, ist in Begleitung des Dr. Bloch, Rabbiners in Farotschin, R.-B. Posen, von hier nach Petersburg abgereist, um der russischen Regierung den Plan zur Errichtung eines Eentral-Auswandeiungsromites in Petersburg und von Loealeomitös in der Provinz vorzulegen, nach deren Bildung die Auswanderung der Juden aus Rußland eine feste Organisation erhalten wird Wien. Ein Telegramm auö Koustantinvpel vom 13. d. bringt allerlei Gerüchte über angebliche Verhandlungen des Baron Hirsch mit der Pforte wegen Pachtung ausgedehnter Ländereien in Kleinasien zur Besiedelung durch jüdische Auswanderer aus Rußland. Wir sind von eompeleuter Seite ermächtigt, zu erklären, daß alle diese Gerüchle vollständig aus der Luft gegriffen sind. Dieses Dementi hat ten Zweck, diejenigen russischen Juden, welche die Konslantinepeler Depesche ernst nehmen sollten, eindringlichst vor einer überstürzten Auswanderung in die Türkei zu warnen, da keinerlei Vorbereitungen zu ihrer Aufnahme, getroffen sind. Wien. Herr Dr. Jacob Rabbinowicz, Rabbiner in Nakonitz, Böhmen, hat sich mit Fräulein Sarah Friedmann, Tochter des Herrn Lcctor Ad. Friedmann in Wien, verlobt. Wien. Eine interessante Mittheilung wird von der in London erscheinenden Zeitschrift „D ark est Nu ssia" vcrössen licht: Als vor einiger Zeit der Ezar und die Ezarin eine Parade über die Moskauer Garnison nbnahmcn, ward der ausdrückliche Befehl gegeben, daß die jüdischen Soldaten nicht an der Parade the i ln ch m en, vielmehr in den Kasernen bleiben sollen. Dieser Befehl ward angiblich auf besonderen W u n s ch d e r E z a r i n ertheilt. Wien. (I ü d i s ch c Gelehrte i m A u s l a n d e.) In der Juli-Sitzung der philosophisch-historischen Elasse der kaiserlichen Aeademie der Wissenschaften in Wien legte der Seeretär zwei zur Theorie der bignadratischen Reste verfaßte Abhandlungen von unserem Land manne Dr Mar Mandl vor. Dr. Ae an dl ist einer der größt lebenden Speeialisten aus mathemathischem Gebiete und konnte es leider als Jude trotz seiner hohen wissenschaftlichen Begabung, von welcher er in vielen Fachwcrken rühmliches Zeugnis; ablcgte, zu keiner Stellung bttngen und weilt gegenwärtig in Berlin, wo dessen großes Talent allgemeine Anerkennung findet, lind so bewährt sich wieder das Sprichwort: nemo pioplieta in patria. Wien. (Kleine Nordbahnge s ch i ch t e n.) Das antisemititische „Deutsche Volksblatt" liebt es, sich an die „judenreine" Nordbahn zu reiben. Von Zeit zu Zeit weiß dieses Blatt allerhand Geschichten von Defraudationen Maßregelungen, i!. s. w. zu erzählen, offenbar in der ZÜchicht, gegen die Nordbahngesellschast zu schüren und zu Hetzen. Was das antisemitische Blatt mit diesen fortgesetzten Nergeleien bezweckt, ist eigentlich nicht recht klar. Derzeit ist, wie schon erwähnt, die 'Verwaltung der Nordbahn ganz „judenrcin." Als sie dies noch nicht war, hat es allerdings an Veranlassungen zu derartigen Aue fällen gemangelt und das antisemitische Organ dürfte cs noch dazu bringen, die Aufmerksamkeit der maßgebenden Faetorcn rege zu machen und denselben die Frage nahe zu legen, ob nicht eine Rückkehr zum Status quo aute im Interesse der Gesellschaft, der Actionäre und der Ocsfentlichk it liegt.

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