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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Ärstrrreichischr Wochenschrift. Seite 6Ö3 Drenc. Bukarest, 16. August. „§. 11: Cs wird in der „Vagabunden"-Iagd fortgefahrcn" so tonnte man den bekannten studentischen,,Covlment-"P^ragraph aus uns umändern. Die Hetze sieht derjenigen aus ten Jahren 1866 und 1667/8, wie ich vorher gesagt, ganz ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß Privatpersonen der damals nicht sehr starken Polizeirlüd Militärmacht Handlangerdienste leisteten, was ja um ein Haar auch jetzt gewesen wäre, nenn man die berüchtigte Commission eingesetzt hätte. Ich habe wieder eine L-sie, diesmal aus dem Bezirk Bocau. Im Kreise Trvtusch suchte der Unter-Präfekt alle Landgemeinden (zu welchen auch kleine Städte gehören) heim, verhörte die daseilst wohnenden Israeliten und l eß sich von ihnen die rumänischen Lcgitimationspapicre rorweisen, die sie zum Aufenthalt daselbst berechtigen. Trotzdem aber schickte er 15 Leute aus dem Städchcn Cajutz mit Eseorte zum Staatsanwalt (als ob sie Verbrecher wären) nach Baeau (Bezirksstadt), wo sie freilich aus Verwendung des Generals Catargi, in dessen Waldungen sie arbeiten, endlich freigelassen wurden — unterdcß ak er mit Verlust an Zeit und Lohn, ausgestandcne Angst und Strapazen, die ihnen der untersuchende Unterpräfekt (aber nur gegen „Backschisch'?') ersparen kannte Leute — wiederum theils Grundeigemhümer, sogar durch Erbschaft — die des Samstags wegen nicht fahren wollten, 60jähr ge mußten unter Schimpfen, Stoßen und Backenstreichen die vier Meilen vom Dorf Oneschti zu Fuß gehen. Fast alle wurden dann, da ihre Papiere in Ordnung und sie friedfertige Arbeiter waren, freigelassen, nur wenige nach ihren Geburtsorten, in Rumänien geschickt. Warum Letzteres ist nicht verstäubt ch, da es bei uns keinen „Ansiedelungs-Rayon" und keine gesetzliche Bestimmung gibt, welche Israeliten an die Scholle bindet. Man darf als Israelit im Dorfe nur nicht Spirituosen-Schänkcr sein, sonst aber in jeder Eigenschaft daselbst wohnen. Natürlich müssen solche außergesetzlich Zurückgeschickte ruinirt sein, da sie ihre Arbeit oder sonstigen Erwerb verlieren und in ihrer „Heimat" nicht gleich anderen vorfinden. — In Bukarest wird wieder gegen die Zulass ung r u m ä n i s ch e r israel. Apotheker agitirt, dafür aber der Jmportirung christlicher Apotheker aus dem Auslande das Wort geredet, wie schon früher einmal die vorhandenen christlichen Apothekenbesitzer (meist Deutsche, Ungarn) beim Minister petitionirten, um den gesetzlichen Chikanen zu entgehen. — Wie ich erfahre, sollen die österr.-ungar. Kolonien in Bukarest, Braila, Galatz und Jassy dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus^ in Wien beigetreten sc in. Die Kaution der Handelsagenten und Reisenden soll 10 000 (nicht 1000 Francs, ein Druckfehler) betragen. Sofia, 10. August. Vor mehreren Tagen fand ein Ministerrath unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Herrn Stamb u l o w statt, welcher über die Frage der Aufnahme der flüchtigen russischen Juden in Bulgarien berieth, und wurde beschlossen, 5000 Familtzen aufzunehmen. Doch geschah das Merkwürdige, richtiger das Merkunwürdige, daß dieser Beschluß Tags darauf rückgängig gemacht wurde. Ueber den so jäh eingetretenen Gesinnungswechsel circutiren zwei Versionen; nach der einen wäre ein Veto von jüdischer, nach der anderen von diplomatischer Seite schuld an dieser inhumanen und für Bulgarien ungünstigen Wendung. Interessant bleibt immerhin, daß man sich mit dem Schicksale der Unglücklichen beschäftigte und es in menschenfreundlichem Sinne erledigte, wer aber seine verhängnisvolle Hand im Spiele hat, ein hochmögender Antisemit oder aber, was viel verdammenswerther, eine jüdische Stimme: Beide werden vor dem Richterstuhle der Geschichte und des eigenen Gewissens eine schwere Verantwortung zu tragen haben. Objectiv betrachtet, scheint die hiesige Diplomatie keinen Grund zu einer derartigen inhumanen Invasion zu haben, zumal cs sich ja nicht darum handelt, die Colonisation in einer der vertretenen Staaten zu lenken. Dasselbe ist daher eine rein interne Angelegenheit, in welche sich kein fremder Staat mischen darf. Die einzige Großmacht, welche zuvorderst ihr Veto einlegen könnte, ist die Türkei; allein, wem von uns bleibt ihr Wohlwollen gegen die Juden seit Jahrhunderten unbekannt, und wer schätzt nicht hoch ihr Entgegenkommen in der Eolonisations-Angelegenheit des heiligen Landes. Bei der strengen Diskretion, mit welcher die Beschlüsse des Ministerrathes gefaßt werden, müssen wir die Hoffnung fahren lassen, jenen unheimlichen Geist zu entdecken, welcher so vielen traurigen Muth besitzt, ein so humanes und entschieden staatskluges Vorgehen der bulgarischen Regierung unmöglich zu machen. Auf wessen Initiative der Antrag der Einwanderung in den Ministen ach gelangte, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Rur so viel sei mitgetheilt, daß ihr Berichterstatter noch vor sechs Monaten ein Memorandum an Minister Stambulow richtete, in welchem derselbe um Aufnahme einer größeren jüdisch-russischen Immigration bat und die Ersprießlichkeit für Bulgarien nachwie. Wohl hörte man nichts von einer Disposition, irgendwie den niedergelegten Wünschen Rechnung zu tragen, allein man merkte, daß ab und zu das Regierungsblatt „Swoboda“ (Freiheit) warm gehaltene Artikel für die bedauernswerthen russischen Stammesbrüder und gegen die russische Barbarei brachte, was ich wohl als eine Art Vorbereitung zu den geheimen Plänen Stambulow's betrachtete. Wie man sieht, blitzte wohl ein Hoffnungsstrahl, doch zur Höhe eines Lichtnnd Wärmestrahles der Humanität durste er sich nicht condensiren. Es wäre zu schön gewesen, doch sollte es nicht sein — Bei der völligen Demolirung der so wechselvollen Stadt Sofia wurden auch alle jüdischen Synagogen und Midraschen niede'gerissen. Unter den Synagogen befand sich auch die älteste asclikan ansche, die nach der Tradition von den ersten Ankömmlingen oder Flüchtlingen aus Deutschland und Ungarn erbaut wurde. Die Fahrlässigkeit der hiesigen spangolischen Gemeindevorsteher hat es verschuldet, daß jene vor Jahrhunderten geweihten jüdischen Orte expropriirt wurden. Ebenso verfielen zwei jüdische Friedhöfe der Vernichtung, welche von den Türken während der langen Reihe ihrer Herrschaft pietätvoll geschont blieben. Indessen ist man bereits daran gegangen, an deren Stelle neumodische Gottes- und Schulhäuser zu erbauen. Verwichene Woche wurde nun im Beisein des Stadtpräsidenten und des Verrreters der Regierung der Grundstein zu einem großen Gotteshause, wie auch zu einer Talmud-Thora gelegt; ein anderes wurde eben beendet in dem neuen Stadttheile Sofias, in Ht86ddrunar, unter stetem Wohlwollen der Stadt- und Landcsbehörde. Rustschuk, 15. August 1891. Dem Tirector der hiesigen Alliance- Schule. Htrrn Zsaac Astruc, wurde neuerdings eine ehrende Aus Zeichnung zutheil, indem ihn die Pariser Akademie zum OM ei er <V Academie ernannte. Herr A st r u c, der vor einigen Mvnaten auch zum sranzösischen Consularagenten bestellt wurde, hat erst vor zwei Jahren die Leitung unserer Schule übernommen und in dieser kurzen Frist ein? solche Reibe von Gefolgen auszuweisen, daß unsere Gemeinde sich nicht genug beglückwünschen kann, die Erziehung ihrer Kinder ihm anvertraut zit haben. Seinem tactvollen und liebenswürdigen Auftreten haben wir es zu verdanken, daß die Zwistigkeiten unter unseren Glaubensgenossen ein (vjtbc genommen und daß die Alliance israclite universelle unseren Schulen wieder ihr Wohlwollen zugewendet hat. Ihm steht seine würdige Gattin treu zur Seite, welche die Mädchenschule leitet. Geliebt von ihren Schülern, geschätzt von ihren Glaubensgenossen und geachtet von der gesainmten Bevölkerung, zeigen Herr und Frau A st r u c nur das Bestreben, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtsertigen und die ihnen zutheil gewordenen Auszeichnungen als Kidusch haschem zu betrachten. Beirut. Ein jüdischer Beduine. Es sind jetzt ungefähr zwei Jahrzehnte her, seitdem einer Jüdin aus Beirut außerhalb dieser Sladt bei einem surchtbareu Sturm ein Sohn, der erst wenige Jahre alt war, abhanden kam. Der Knabe wurde von Beduinen aufgefunden und erzogen. Er unterschied sich von

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