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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 602 Oesterreichrschr Wochenschrift. Nr. 33 Interessen ausnütze. Jetzt zeigt sich, worin der Fehler gelegen war, in der mangelnden Fähigkeit, so vielseitigen und umsassenden Pftichten zu genügen. Zahlreiche humanitäre Institute geben Zeugniß, daß das Haus Mopurgo seinen Reichthum und seine Stellung stets in edelster Art verwerthete. Das Haus Morpurgo und Parente war für jeden Triestiner das Muster einer soliden, gut fundüten Geschäftsfirma. Rücksichtsnahme und Coulance — das waren maßgebende Factoren rm Geschäflsverkehre des Hauses, was wohl nicht am wenigsten aus die persönlichen Eigenschaften der Firma-Inhaber zurückzusuhren ist, Giuseppe und Marco von Morpurgo und Philanthropen im vollsten Sinne des Wortes; ihre Güte und Menschenfreundlichkeit ist fast sprichwörtlich geworden und in Triest gibt es wohl kein humanitäres Institut, das die Freiherren von Morpurgo nicht zu seinen Gönnern zählen würde. In der Buchhaltung des Hauses gab cs sogar eine besondere Ablheilung, die nur die wohlthätigen Werke der Ehefs in Evidenz zu halten hatte. Für das gute Herz der Firma-Inhaber zeugt wohl auch der Umstand, daß gegen den Beamten, welcher den Niedergang des Hauses durch seine tollen Speculationen verursacht haben soll, keine Schritte irgend welcher Art eingeleitet wurden; er wurde vielmehr nur veranlaßt, eine Erklärung zu unterfertigen, daß er die Speculation auf eigene Faust unternommen habe. Berlin. Der polnische Dichter Josef v. Koseielski, dem deutschen Publicum mehr bekannt als deutscher Reichstagsabgeordnetcr und Mitglied des preußischen Herrenhauses, hat anläßlich der Kronstädter Flottenseste in die Harfe gegriffen -und die Thalsache, daß der Zar die Marseillaise gestattete, in stammenden Worten besungen. Rach einer Uebersetzung der clcricalen „Germ." heißt es in dem Gedicht: „Jas ried, es rufet zu den Waffen," Und zu den Waffen, klingt es frei: Tas d'ied, es wird nicht mehr erschlaffen '»n seiner grausen Melodei, t's deckel auf die alten Sünden, Perbrechen bringt es hcnt zur Geltung, Hem wird f ch alles wicdersinden, Heut schlägt die Stunde der Pergcltung. Auf, ->u den Waffen! Hörst Tu's, Kaiser, Wie es so mächtig, mächtig braust? Eö singt das Volk: Heur lein Erbarmen Nii! dem, der über reichen thronte, Mi! dem, der selbst in uns'rcn Armen Uns Söhne würgend nicht verschonie. raß den Würgengel von uns bannen, Irisch auf zur Thal, bald ins gethan: Tas Blut, das schmutzige des Tyrannen <^s reinigt nns'rc frci'e Bahn! Es schlägt he.it der Vergeltung Stunde, Ten Tcg des Ruhms wohl Niemand mied; Ter Zar bcsahl's selbst: in die Runde Stimmt an, stimm! an das hohe kied! Ter Zar bcsahl's selbst; und es klingi Mit grauser Wonne, Höllenlust, Veit einem Ton heraus es dringt Aus der Millionen-Riesenbrust Und jeder Saite Schlußakkord „Ruft aus zur Rache, auf zum Mord!" Sattbott. Man erinnert sich des Schreibens, welches Mr. Gladstone am 27. Mai in betreff der Lage der russischen Juden an den jüdischen Bankier und Abgeordneten Samuel Montagu gerichtet hat. Der greise Staatsmann führte darin aus, daß sich leicht in Ausdrücken des Bedauerns und der Entrüstung über das Vorgehen gegen die Juden schreiben ließe; doch hätten solche Auslassungen, wenn sie sich nicht auf sorgfältige Untersuchung und wirkliche Kenntniß stützten, wenig Werth und könnten sogar Schaden anrichten. Er entpsehle die Waffe der Preffe, um das Gewissen der civilisirten Welt zu rühren. Auf diese Anregung hin ist nunmehr, wie aus London gemeldet wird, dort unter dem Titel „Darkest Ruffia" eine Zeitschrift zum Zweck der Zusammentragung aller Thatsachen im Zusammenhang mit der Verfolgung der russischen Juden gegründet worden. Ein Exemplar wurde Gladstone zugesendet, der hierauf antwortete: „Ich hoffe ernstlich, daß eine volle und billige Darlegung der Thatsachen mit Bezug auf die Juden in Rußland, so beklagenswerth sind, allmälig eine der Humanität und Gerechtigkeit günstige öffentliche Meinung bilden und durch diese Meinung eine Wirkung auf die Stimmung Rußlands selber und seiner Regierung erzielen werde. Hoffentlich wird die Zeitschrift sich auf dem Eoutinente Bahn brechen, denn auf dem Eontinen>e bedarf diese Meinung größeren Vorschubes als in England." London. (Für die „Ausgetriebenen".) Das Londoner „Echo" schreibt: „Es ist hohe Zeit, daß man einmal dem schädlichen Unsinn, welcher jetzt so häufig über die „ausländische Armeneinwanderung" vernommen wird, entschieden entgegentritt. Geht man ans den Grund der Thatsachen, so stellt sich heraus, daß eine „ausländische Armeneinwandcrung" gar nicht existirt, da selbst die ärmsten Auswanderer, welche hier Zuflucht suchen, mit dem festen Vorsatz nach England kommen, ihr eigenes Brod zu verdienen und ihren Vorsatz in den meisten Fällen auch aussührcn. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß arme Ausländer wesentlich zur Gründung neuer Industriezweige beigctragen und durch billige Production englischen Erzeugnissen im Auslande neue Absatzgebiete erschlossen haben. Wie ein zeitgenössisches Journal sehr richtig ausführt, hat der ausländische Jude in Ostend in fertigen Kleidungsstücken einen eigenen Handel geschaffen, dessen jährliche Ausfuhr im Betrage von beinahe fünf Millionen Pfund Sterling für sich selbst redet. Diejenigen, welche-die Einwanderung beschränken wollen, sollten bedenken, daß andere Nationen das Gleiche thun könnten und daß, wenn diese Politik überall verfolgt würde, wir weit mehr verlieren als gewinueu würden. Wir 'sollten uns schämen, den verfolgten russischen Juden unsere Thüre zu verschließen, so lange Engländer durch Thcepflanznngen in Ceylon, durch Ausbeutung der Guauoselder in Chile, durch Baumwollenpflanzungen in Egypten, durch Seehundfang in Alaska und durch den Handel mit Eentral-Asrika ihr Geld gewinnen." London. Herr Isaac Samuel theilt dem „Jew. Ehron." Folgendes mit: Rev. Henry Cohen aus Galveston in Teras erklärte in einem Vortrage, gehalten bei der jüngsten Sitzung der „Anglo Jewisli Association“, daß die mexikanische Regierung 5000 jüdische Familien aufzunehmen bereit fein würde, daß er aber einer Auswanderung nach Mexico, dessen Regierung den Juden nicht ganz freundlich gesinnt sei, nicht empfehlen könne. Ferner schreibt derselbe: „Meine Söhne, welche seit Jahren in Merico etablirt find und zu der Regierung in dienstlicher Beziehung stehen, haben schon vor längerer Zeit voit derselben eine Zusage erhalten, in welcher dieselbe einer größeren Anzahl jüdisch-russischer Einwanderer Grundstücke und andere Einrichtungen garantirt. In einem Schreiben an Baron von Hirsch, von welchem eine Abschrift im Besitze der Anglo Jewish Association sich befindet, behauptet mein Sohn S yd neu I. Samuel, daß die mexikanische Regiemng einer Eolonie ausgetriebener russischer Juden jedwede Erleichterung behufs Anfiedlung gewähren will, daß von Seiten der dortigen Bevölkerung nicht im mindesten irgendwelche religiöse Intoleranz zu befürchten sei und daß er selbst, so wie auch meine anderen Söhne bereitwilligst ihre Dienste zur Verfügung stellen wollen, wo es gilt, jüdischen Colonisten, die nach dem Plane des Baron von Hirsch sich in Mexico ansiedeln wollen, zur Förderung ihres Unternehmens behilflich zu sein.

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