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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 600 Oesterreichifrtzr eine fertige Villa im Werthe 'von 5000 fl. (dieser Betrag war auf fedem Lose namhaft gemacht) oder eine Urkunde über eine solche Villa, eventuell den Baarbetrag von 5000 fl. sammt Zinsen vom Klagetage au auszufolgen. Der Vertreter des geklagten Kirchenbau-Komites Dr. Porzer, bestritt die Rechtmäßigkeit dieses Begehrens, worauf das Urtheil des Landesgerichtes erfloß, es werde dem Klagebcgehrcn stattgegeben, das geklagte Konnte sei schuldig, der Frau Zinkl die begehrte Urkunde über eine Villa im Werthe von 5000 fl. eventuell 5000 fl. in Baarem auszufolgen, doch werde eine Zinsenvergütung nicht zuerkaunt, weil es sich in erster Linie um eine Villa und nicht um einen Baarbetrag gehandelt habe. Dagegen appellirten beide Theile an das Oberlandesgericht, und zwar das Kirchenbau-Komiis wider die Stattgebung des Klagebegchrens in der Hauptsache, die Klägerin wegen nicht Zuspruches der Zinsen. Das Oberlandesgericht erkannte, das geklagte Konnte hcche der Frau Zinkl nicht nur eine wirkliche Villa, respective den Betrag von 5000 fl., sondern auch die gesetzlichen Zinsen für diesen Betrag bei sonstiger Execution zukommen zu lassen. Gegen diese Entscheidung wurde die Beschwerde an den Obersten Gerichtshof cingebracht, welcher nunmehr — wie die „Deutsche Zeitung" berichtet — das Urtheil des Oberlandesgerichtes bestätigt hat. Alle drei Instanzen haben demnach anerkannt, daß das Kircheubau-Komite dem Haupttreffer-Gewinner etwas Anderes ausfolgen wollte, als was es aus den vielen Plakaten und auf jedem Lose zugesichert hatte. Frau Zinkl gelangt nun nach so langer Zeit doch in den Besitz des wirklich versprochenen Haupttreffers und das Komite hat auch die nicht unbedeutenden Kosten dreier Gerichtsinstanzen zu bcs treiten. Wie würde das „Vaterland" von sittlicher Entrüstung triefen, wenn es sich hier nicht um einen frommen Kirchenbau- Verein, sondern um — Juden handeln würde! Wien. (Der Beufcheldoctor und die Tramwaybediensteten.) Das „Deutsche Volksblatt" brachte jüngst eine Notiz, die zu den bekannten erlogenen Geschichten gehört, welche, wenn auch nicht wahr, nicht einmal schön erzählt sind. Dieser Noüz. zufolge soll ein jüdischer Fahrgast einem arischen Tramway- Conducteur das früher obligat gewesene Trinkgeld mit dem Bemerken verabreicht haben, dasselbe als Obulus für den Beuschelanwalt zu verwenden, worauf der Tramway-Conducteur dem jüdischen Passagier ein Viertelguldenstück gegeben haben soll, dasselbe dem „Verein zur Abwehr des Anttsemitismus" zu widmen. Allem Anscheine nach, spiegelt sich in dieser Notiz der Galgenhumor der Conducteure wieder. Richtig ist, daß letztere gegenwärtig sich in einer sehr gedrückten Stimmung befinden. Der Strom der Tttnkgelder, der ja nahezu ausschließlich aus jüdischen Taschen geflossen, versiegt. Von 100 jüdischen Passagieren geben erfahrungsgemäß mindestens 90 Trinkgeld, von 100 arischen Passagieren dagegen 90 kein Trinkgeld. Seitdem die prononcirt antisemitische Gesinnung bei den Tramwaybediensteten in der Bestellung des Herrgottpfänders und Beuschel- Doci ors zum Ausdrucke gelangt ist, stockt der Trinkgeldeistrom. Ein Eonducteur auf der frequenten Sttecke Pratersttaße-Mariahilf beklagte sich bitter darüber, daß während er früher durchschnittlich an Wochentagen 2 bis 3, an Sonntagen 5 bis 6 Gulden Trinkgelder einheimste, derzeit die Spottet aus diesem Titel höchstens 30 bis 50 ft. per Tag beftägt. Für die Conducteure bedeutet daher die Bestellung des Beuscheldoctors einen Entgang von mindestens Tausend bis Fünfzehnhundert Gulden täglich. Die wetten Bevölkerungsschichten gelangen derart immer mehr zur Einsicht, welch schädliche Wirkungen der Anüsemittsmus füralle Berufszweige im Gefolge hat. Beft-übend ist nur, daß stet '' die Aermften der Armen als Opfer der Verführimgskünste der Wochenschrift. Nr. 33 Antisemiten fallen rnrd Tausende ihre Verirrungen mit der eigenen Eristenz, mit der Vernichtung ihrer Lebensstellung und mit dem Ruine ihrer Familie, die dem Hunger und Elende preisgegeben ist, bezahlen müssen. Wien. (Antisemitismus und Volkswirthschaft.) Die Oberflächlichkeit der antisemitischen Publicistik in politicis ist manniglich bekannt. Noch größer ist die Ignoranz in volkswirthschaftlichen Fragen. Bilden letztere Gegenstand publicistischer Behandlung, so kann hundert gegen eins gewettet werden, daß es nur deshalb geschieht, um über die Inden, die Judenliberalen und die jüdischen Industriellen loszuziehen, denn der Jude ist einmal immer das „Karnikel", das Schaf, das dem Wolf das Wasser ftübt. So benützte das antisemitische Hetzjournal„Deutsches Volrsblatt" jüngst die Besprechung über die österreichisch-rumänischen Handelsbeziehungen zum Anlaß, sich an dem Juden Fränkl zu reiben, weil derselbe angeblich mit seinen Schuherzeugnissen die österreichische Schuhindusttie in Rumänien in Mißcrcdit brachte. Nun besitzen aber gerade österreichische Schuhwaaren in Rumänien ein gutes Renomce, u. zw. derart, daß trotz der exorbitant hohen Einfuhrzölle nach wie vor heimisches Fabrikat in Rumänien ausschließlich gangbar ist. Wenn das „Deutsche Volksblatt" irgend welchen Einfluß besäße, würde dasselbe mit seinen verlogenen Verdächtigungen der heimischen Industrie schon namhaften Nachtheil zugefügt haben. Allein den. Antisemiten liegt daran wenig, sie setzen ihre herostratische Wühlarbeit fort, gilt es ja doch nur, sich an dem Juden den Schnabel zu wetzen. Wien. Das Vaterland vom 18. Aug. 1891, bringt einen Artikel unter der Ueberschrift: „Ein Werk des echt christlichen und praftischen Antisemitismus". Es handelt sich um die Vollendung einer Kirche am Vorabend eines für uns sehrwichtigen Datums, den fünfzigsten Jahrestage der wunderbaren Bekehrung „des französischen Juden Alfons Ratisbonne, eines Bruders des seeleneisrigen Missionärs, P. Theodor Ratisbonn e". In dem Artikel lesen wir den lapidaren Satz: „Es gibt auf Erden prophetische Denkmäler, wie es auch prophetische Völker gibt. Die Einen wie die Anderen versinnbildeil die P l ä n e Gottes". Wie lange ist es her, daß das Vaterland über die „inveriore semitische Racc" leitartikelte und Sonnenfels einen „abgehausten Nicolsburger Juden" geschmäht hat? So werden die Juden zugleich gelästert und angebetet. Dagegen schreibt man uns in einem Briefe aus New- I)ork: Es würde dem Christenthum und der Religion im Allgemeinen sehr zum Heile gereichen, wenn die ganze christliche Welt den Sinn der folgenden Worte aus einem Leitarttkel der hier erscheinenden geschätzten Zeitschrift „tlie Christian Advocate“ zu fassen und zu beherzigen verstände: „Die Juden nützen dem Christenthum dadurch schon sehr, daß sie als ewiges Zeugniß für das Fundament des Evangeliums „das alte Testament" demselben auch eine unerschütterliche Anhänglichkeit bewahren." Prag, 15. August. Aus der verttaulichen Sitzung des Prager Stadftathes, in welcher über das Ansuchen eines sogenannten „Empfangs-Conntes" beschlossen werden sollte, daß die corporativ hier eintteffenden Wiener Antisemiten osficiell begrüßt und auf Gemeindekosten bewirthet werden mögen, wird nachftäglich folgende hochinteressante Thatsache bekannt: Der-

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