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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Oesterrerchifche Wochenschrift. Seite 597 Gegenwart entsprechen? Sicher nicht, und so wenig es dem germanischen Arier einfallen würde, die Länder, welche er vorder Völker Wander ung bewohnte, als seine eigentliche Heimat anzusehen, oder den Magyaren die Steppen Eentralasiens, den Amerikanern irgend eine englische Grafschaft, woher vielleicht sein Urgroßvater eivwanderte, ebenst wenig kann der Jude heute Palästina mehr als seine Heimat betrachten, weil vor einer mehr als 2000 jährigen Vergangenheit dort seine Wiege stand. Hier kann nur die Frage aufgeworfen werden: Ist Palästina überhaupt das geeignete Land, um den Strom der russischen Einwanderer hinzulenken; das Palästina, welches ja heute nur ein türtisches Paschalik ist, von den Launen der jeweiligen Machthaber abhäilgig, heute von einem humanen Snltan regiert, morgen vielleicht einem fanatischen Moslemin unterthänig, und was in Rußland zur unglaublichen Thatsache werden konnte, verbürgt auch nicht die Zukunft des muselmännischen Palästina. Auch die Türkei kennt Glaubensvcrstlgungen, auch hier gilt der Wille eines unumschränkten Machthabers- und der Easarenwahnsinn ist für die Unterlhancn jüdischer Konfession eine furchtbarere Gefahr, als für die Rechtgläubigen. Hat die Jahrtausend alte Leidensgeschichte des jüdischen Volkes cs nicht gelehrt, daß man sich nur in fre'en Staateir ein menschenwürdiges Dasein gründen kann? In der Sclweiz, in Holland, Italien, später in Frankreich, England, Oesterreich-Ungarn, selbst in Deutschland kann sich der Jude als Landcskind fühlen; bei allen Parteizwistigkeiten bleibt er imlncr Engländer, Franzose w. Palästina bietet in dieser Beziehung gar keine Garantien, anders Südamerika. Die südamcrikanischen Republiken l Argentinien) mit ihren riesigen schwachbevölkerten Länderstrccken bieten im Gegentheil zu dem beschränkten Flnchenrarmr Palästinas einer fleißigen uitd aufstrebenden Bevölkerung hinreichend Ellbogenraum zu ihrer Entfaltung. Die Republik, die alle ihre Kinder mit gleicher Liebe umfaßt, sichert den Einwanderern die bürgerlichen .liechte, und in zwanzig Jahr.n kann eine jüdische Bevölkerung hcrangcwachsen sein, welche gewiß ebenso gut wie jede andere ihren Platz auszusüllcn verstehen wird. Aber über Eines muß sich der russische Jude klar sein, die Gegenwart ist ihm verloren, nur die Zukunft kann er erringen; denn cs dauert immerhin Jahre bis die Blüthe Früchte treibt und der Mann wird darob zum Greise, aber die answachscnde Generation wird die Früchte ernten, und der Jude liebt seine Kinder über Alles, ihnen ein besseres Schiclsal zu bereiten, als er selbst es gehabt, wird ihrr befried gen Schwer und mühevoll war das Leben der ersten Ansiedler der Verein gten Staaten. Arbeit und wieder Arbeit! Aber die Arbeit war auch fri chtbringcnd. Aehnliche Ideen mögen wohl auch dem Baron Hirsch vorschweben, da er die Argentinische Republik, und n cht das neucstens so sehr beliebte Pclästina für seine Ansiedlvugspläne gcrvählt hat. Denn Palästina ist ja khatsächlich doch nichts anderes, als eine von Paschas regierte Provinz des lürlischen Reiches, während Argentinien eine Republik ist; und mit von unumschränktcn Herrschern regierten Staaten hätten die Juden nun Erfahrung genug, um nicht an das Sprichwort erinnert zu werden „Das gebrannte Kind scheut das Feuer". Palästina ist die Wiege des jüdischen Volkes, aber eben die Wiege; man träumt wehl von der Kindheit, aber sie ist entschwunden. Argentinien ist die Gegenwart mit ihren Bedürfnissen und ihren Kämpfen, aber auch den schlicßlichen Erfolg. Wien. Unter dem Cchlngwort: „Soll cs möglich sein?" bringt die dicswöchcntliche Rümmer des „Dcsterr. Volksfreund" nachstehende furchtbare „Enthüllung:" „O'S ist joetdi in Bert in (ine Birchürc erd;! eiten, ui'nt lief) der Mv eile Th eil des ,, Verzwei flu n cskc mp s t s der mischen Völker mit dem Zndenthvin" von Rektor H. Ä hl warbt; in derselben findet sich eine Rouz hinschtlich des Rotiling'schen Attentats, Xvoraus hervormgeten scheint, daß der Gelcime Sanitmsrmh Tr. Vevin von Zeit und Bit des Attentates ans Kaiser Will'elm I. rorher unterrichtet gewesen ist, d. h. mit anderen Worten, daß die Znbenschme Berlins, beziehnngsxvcise die Allianz israelite miiverselle, darum gewußt hat, — ja, daß dieses Attentat nicglichcrxveiser von denselben insrenirt xvar. 0s ist ganz natürlich, daß nicht jeder Jude in Berlin von diesen Dingen unterrichtet war, sondern nnr die geheimen S bereu, welche vielleicht in Amt und Würden sitzen. Um diese von Herrn Rektor 311) f marin vorgebrachce Verdächtigung sesiznsiellen, sollen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden." Wir rathen dein Herrn Dr. Psenner sich an den verflossenen Hosderxvisch Stöcker zu xvenden, welcher über die Vorgänge ganz genau informirt sein muß. Die beiden Kaisermörder Hödel und Robiling waren, wie gerichtlich festgestellt worden, Weitglieder der christlich-socictlen Partei, Handlangcr Stöcker's, xvelche für die Verbreitulig seiner Ideen wirkten. Herr Mechaniker Schneider war ein Intimus des Herrn P euckert und rühmte sich brieflich, xvas wir zu beweisen in der Lage sind, daß er „auf die rothe Soeialdemokratie Hoch's auegebracht, darin die Veisammlnug begeistert einstimmte". Es ist somit llar. daß zwischen Antisemiten und Anarchisten ganz intime Beziehungen herrschen und beide Parteien sich gegenseitig in die Hände arbeiten und demselben Ziele zusteuern. Herr Psenncr bemerkt ferner: „Dcch tie Zuden bei einer ganzen Anzahl von ankeren 3ltteutaten auf lohe Personen tirett ober indirekt ihre Hand im Spiele hatten, bat Karl Paasch in seinem Buche zur Genüge dargcthan und er hat, wie er anctilt, genügendes Material in der Hand, um den Rcchweis zu liefern, daß tie Juden, i nd zwar Juden, xrekche in Deutschland in 3lmt and Würde sitzen, im Zusammenhänge stehen mit einem andern furchtbaren Traira, und desfelle wahrscheinlich ebenfalls von der Alliance isuaelite universelle vet anlaßi war. Warum sollte also nicht auch diese merkwürdige , Wohlthätigkeiisgesellschasi" cs für ihre Zwecke für nützlich gehalten haben, Kaiser Wilhelm I. zu beseitigen? Tie fanatische jüdische Gesetzgebung vciordnet den Fürf'enmord sogar, wenn es ungestraft geschehen kann. Diese Sache muß klargestellt werden." Wir wissen, daß der Fürstenmord zu den vornehmsten Lehren dcr Jesuiten zählt, wir wissen ferner aus der Geschichte, daß cs Zeiten gegeben hat, wo der Fürstenmord von den katholischen Kanzeln Frankreichs herab gepredigt wurde. Der Wlö.der Heinrich's IV. war ein katholischer Geistlicher und kein Jude. Er rvurde von den Jesuiterr nach seinem Tode als Märtyrer verherrlicht. Herr Karl Paasch, der Gewährsmann des Dr. P scnnc r, hat aber die wichtige „Entdeckung" gemacht, daß dcr Fürst Dtto Bismarck und sein Sohn Graf Herbert B i s m n rrf geheime Juden sind, welche als Agenten der Alliance isvaelite miiverselle in Deutschland wirthschafteten. Da Herr Stöcker im Einvexständnisse mit diesen beiden seine Agitation unternahm und die christlich-sociale Partei bildete, so ist es nicht unmöglich, daß die beiden christlich-socialen Kaisermörder Hödel und Robiling ihren verruchten Plan durch Vermittlung des Herrn Stöcker und der verjndeten Familie Bismarck zur Kenntniß der Alliance israelite universelle gelangen ließen. Quod erat demonstrandum. Wien. W ir lesen in der Arbeiter-ZeitunK: Tie Segnungen des Antisemitismus ostenbaren sich manchmal einem Proletarier in recht fataler Weise. Kommt da kürzlich ein Friscurgehilse, der bei der Wahl seiner Eltern das Malheur hatte, Juden zu erwische», in das Genossenschaftslokal der verchilichen Friscm-Zunft ui d bittet um Zuwendung einer Stelle. Scheu ist er mit einem zufällig anwesenden Meister haxrdeleins gervorde», da tritt der Genossenschaftsbeamte G r o e b l dazwischen und verlangt von dem Gehilfen das Arbeitsbuch. Er bekommt's, schlägt cs auf und zeigt dem Arbeitgeber das Nationale mit den Worten: „D a s ist ja ei n I u de!" Der Prinzipal erwidert, daß ihm das nichts mache, er sei mit einem jüdischen Gehilfen jahrelang ganz gut ausgekcmmen uxrd sei nicht abgcncigt, cs rvider mit einem Juden zu versuchen. Nun stellt der Beamte dcr Genossenschaft dem Prinzipal vor, daß er durch den jüdischen Gehilfen alle Kundschaften verlieren werde u. s. f. so daß der Meister den Gehilfen zwar dennoch akzeptirle, aber nach 2 Tagen — jedenfalls in Folge der gröb liehen Beeinflußung — wieder entließ. Aehnlich passirte es dem jüdischen Arbeiter noch öfter. Man muß gestehen, daß das eine merkwürdige Jllustrirung zu den Lueger'schen Wort ist: „Der Antiscmitkmus richte sich nur gegen die reichen Juden!" Wir möchten den Herrn Beamten der Friseur-Genostenschaft ersuchen, die Arbeits-Vermittlung etwas unparteiischer zu besorgen, sonst müßten wir mit dem Herrn Groebl grob werden.

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