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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 596 Oestrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 33 und kein Jude könnte ihm etwas anhabcn, wenn er etwas Ordentliches geschafft und seinem Gesinde auf die Finger gesehen hätte, anstatt im Wirthshaus zu sitzen und auf die Jagd zu gehen und den großen Herrn zu spielen. Nun läuft er herum und schimpft über die Juden." Eine hagadische Dichtung. Lomnitz, den 16. August 1891 Der neunte Ab hat uns wiederum das namenlose Elend in wehmüthige Nückerinnerung gerufen, das die Zerstörung Jerusalems über uns gebracht. Man könnte aber fragen: wie oft schon hat unsere religiöse Gemeinschaft die Klagelieder, die das schaurige Gemälde vom Elende eines ganzen Volkes entrollen, wiederholt, im Geiste auf den Trümmern Zions geweint; sind dadurch unsere Hoffnungen und Wünsche in Erfüllung gegangen? Heißt es nicht die Heilung hindern, wenn wir immer und immer in den Wunden wühlen, die eine längst entschwundene Zeit uns geschlagen? Haben wir nicht an den Leiden der Gegenwart schwer genug zu tragen? Auf eine solche Frage würde ich antworten: Gerade weil jetzt rührige Feinde uns rechtlos, die Heimat uns zur Fremde machen wollen, sind die Klagelieder aus jener Zeit in mancher Beziehung bedeutsam für uns. Nichts thut uns jetzt mehr Noth als Selbstachtung. Diese gewinnen wir, wenn wir im Stande ffnd, der überlegenen Zahl unserer Feinde unsere sittliche Ueberlcgenheit entgegen zu halten. Dies ermöglichen unsere hagadischen Dichtungen. Bolksdichtungeu sind a'.s solche völlig unabhängig von wirklichen Begebenheiten. Aber wenngleich sie mit faßbaren Thatsachcn und der Wirklichkeit nichts gemein zu haben brauchen, so spiegeln sie nichts destowcniger rein und klar das Seelenleben des Volkes wider, dessen Brust sie entquollen. Von welch' sitllicher Kraft wird unser Bewußtsein gehoben und getragen, wenn wir nachsrchrnde Agade von diesem Gesichtspunkte aus oeurtheilcn.Es ist ries jene Agade, wclctie G:äler erschl oßt, d.c Patriarchen, Propye en und Volksführer ihren Grüften entsteigen und als Sachwalter für uns das Wort vor dem Welrenr.chter führen läßt. Doch vergebens. Die Himmelspforten sind verschlossen. Ihr Gebet dringt nicht durch. Aber auch die Erzmütter werden von Israels Drangsalen ans ihrer Ruhe aufaeschrcckt. In den Himmelshöhen wird eine Stimme gehört, bitterliches Weinen. Rahel ist's, die um ihre Kinder weint; sie ist keinem Tröste zugänglich, denn ihre Kinder sind weg. Und ihr antwortet Gott sofort: „Halte ab deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Thiänen; Dein Mühen soll nicht vergeblich sein; Deine Kinder werden vom Feindesland zurückkehren. Cs gibt eine.Hoffnung für deine Zukunft und deine Nachkommen werden in ihr Land zurückkehren." So weit die Dichtung. Achten wir auf die Einzelnheiten der Darstellung. Rahel wird nicht auf den Schwingen der Dichtung zu den Himmelspforten emporgetragen. Sie weint in ihrer Abgeschiedenheit. Ihre Klagen tönen auch nicht im Gebete aus. Sie sind nichts Anderes als die Alußerung des Schmerzes einer Mutter über das Unglück ihrer Kinder. Und diese verhallt nicht unerhört. Wer erkennt nicht in dieser Dichtung das reine, lautere Gold jüdischen Herzens wieder? Was das Gebet der Frömmsten der Frommen, was die Fürsprache Gottbegnadeter nicht vermocht, das bewirkte das Schluchzen einer schmerzreichen Mutter. Den Thräiten einer Mutter kann, nach jüdischer Vorstellung, Niemand widerstehen. So dachte und so denkt noch heute der Jude. Können wir von dieser sittlichen Höhe herab nicht mit- - leidsvoll auf die Judenfeinde in Rußland herabblicken, die ungerührt bleiben beim Jammergeschrei klagender Mütter, deren Tausende und aber Tausend wehklagen ob ihrer ihnen entrissenen Kinder, die keine andere Schuld trifft, als das sie das Licht der Welt in einem Lande erblickt haben, das von Barbarei umnachtet ist? Nicht Haß, nicht Verachtung, sondern Mitleid, tiefes Mitleid verdient ein Volk, dessen Herz so verthiert ist. Verthiert? O nein! Auch das Thier der Wildniß fühlt Achtung vor Mutterschmerz. Wer kennt nicht die Geschichte rom losgelassenen Löwen von Florenz? Dieser streckte schon seine Tatze gierig nach einem verirrten Kinde aus, ließ aber von seiner sichern Beute ab, als er den Angstschrei „mein Kind!" vernommen, der sich der gepreßlen Brust einer verzweifelten Mutter entrungen. Der König der Thiere weiß wohl den Schmerz einer Mutter zu würdigen, nicht also der Mensch!! Dr. Simon Wolffsohn Rabbiner. Verordnung des Ministers für Cultus und Unterricht vom 30. Juni 1691, Zahl 21.707 ex 1890, betreffend das für das Amt eines Nabbiners in Mähren erforderliche Maß allgemeiner Bildung. Auf Grundlage des 11, alinea 4 des Gesetzes vom 21.Mär; 1890, R.-G.-Bl. 9ir. 57, finde ich;u verordnen, wie folgt: 1. Tie Candibatcn für das Amt eines Rabbiners in Mähren haben in Begehung auf ihre allgemeine Bildung nachznweiscn, daß sie zum mindeßen das Obcrgyiiinasium vollständig mit gutem Crso.'ge zurückgelegt haben. 2. Ten gegenwärtig in Mähren fuugirenden Rabbinern, welche als solche bereits vor dem rage der Kundmachung des cuulcu Gesetzes, das ist. vor dem 15. Avril 1890, beßeilt waren, und deren Bestellung irr rer Gigenscha-t als Rabbiner der staatlichen Cultusbchörde zur Anzeige gebracht und von dieser Behörde ohne Cinsprache zur Kcnntniß genommen wurde, wird in Anwendung des vorletzien alinea des §. 11 des citirten Gesetzes die im Absätze 1 dieser Verordnung erwähnte R> Abweisung erlassen. 3. dagegen haben alle übrigen, gegenwärtig angcstetltcn Cultus' snnctionäre, welche sei es unter dem Titel von Rabbiner, sei cs unter anderen Titel (als Neligionslchrer und dgl.) selbstständig Rabbiuatssunctionen ansüben, — im Falle sic als Rabbiner weiter fungieren wollen, binnen sechs Monaten rom Tage der Kundmachung der vorliegenden Verordnung im lz'andcsgesetzblalt für Ai ähren, — die oberwähnte Nachweisnng über die erlangte allgemeine Bildung beiznbnngen, es sei denn, daß ihnen über ihr diesbezügliches Einschreiten diese Nach Weisung vom Cultusminister erlassen wird. _ Gautsch m. p. Wie«. Unter dem Schlagwort „Warum Palästina das „gelobte Land" nicht ist", schreibt uns eine geistreiche Dame: Asien ist die Wiege des Menschengeschlechtes, Arier und Semiten stammen von dort, aber ist es je den Ariern eingefallen, in ihre ursprünglichen Sitze zurückzukehren? Würden Verhältnisse und Sitten auch nur annähernd den Bedürfnissen der

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