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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ar. 3 3 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Seite 595 Muthet cs seinen Lesern zu, daß dieselben bereits die großen brennrothen Plakate vergessen habe, welche öffentlich und vor jedem Sonntage das Volk auf neue Brandartikel, die namentlich gegen die Juden gerichtet waren, aufmerksam machten? Und man hat damals wenig von einem Einschreiten der Regierung gehört, ebensowenig als gegen die Hetzversammlungen Schönerer's insolange vorgegangen wurde, als nicht die Hetzreden auch die Krone und den staatsrechtlichen Bestand des Reiches an griffen. Allerdings waren das nur Juden und das Bauer ist was anderes. Und sollte nicht den Abschreibern jenes Artikels die Schamröthe ins Angesicht steigen müssen, wenn dieselben sich an die spaltenlangen „wahrheitsgetreuen" Berichte über die Judcnhetze in Neulerchenfeld und Korfu erinnern, welch' letztere der unverfälscht frommen Kreuzzeitung entnommen waren, nochmehr aber an die Glossen, welche vom „Vaterland" im Vereine mit dem „Deutschen Hetzblatt" an die authentischen Widerlegungen, welche den Lügenberichten der „Kreuzzeitung" gegenüber die freisinnigen deutschen und österreichischen Blätter brachten, geknüpft wurden? Der Kehrreim aller dieser Randbemerkungen zu denr glücklich rvieder aufgefrischten Blutmärchcn, ein Refrain, der auch von rurgebildetcn und sehr vielen halbgebildeten Menschen nachgebetet wurde, rvar immer: Und etwas rnuß doch daran wahr sein, jawohl, der Spruch ist alt und bewährt sich immer wieder: Calumuiare auclacter, semper aliqiiicl haeret. (Schimpf' nur wacker d'rauf los, etwas bleibt doch immer hängen.) Was sagt nun das den Jesuiten so nahestehende Blatt zu der von ihm selbst gekrachten Nachricht? Die Katholiken also werden des rituellen Mordes beschuldigt, begangen unter entsetzlichen Cercmonien zu einem Cultus, welcher dem Hexenglauben des Mittelalters alle Ehre machen würde. Die Einbildungskraft chinesischer Fanatillr zaubert ebenso eine Macbeth'sche Hexenscene hervor, wie sich katholischer, protestantischer und griechisch-orthodoxer Zclotismus rmd Glarrbenswahn ein jüdisches Blutmärchen ersinnt. Wie rrürdcn die beiden Herolde des Judenhasses die Hände über den Kopf zusammenschlagcn über die Bosheit und Bornirtheit chinesischen Blätter, wenn zunr Beispiel ein Pekinger „Vaterland" oder eine Zeitung von Fu-tscheu-fu etwa eonform mit islamitischen, arabischen Zeitungen Nordafrika's auf die Gleichzeitigkeit der Aufstände gegen „christliche Unterdrückung", gegen die „Frankenherrschaft" Hinweisen würde, rvelche darauf schließen lasse, daß doch etwas daran wahr sein müsse, daß diese Beschuldigungen schon vor 1800 Jahren erhoben wurden, daß die Christen dessen überführt rmd im römischen Circus darob zunr Tode durch rvilde Thiere sack bestias) rerurthcilt worden seien. Wie rvürden dieselberr schäumeir, rvenir die Chinesen darauf hinrvcisen rvürden, daß vor 40 Jahren kein Frenrder eine chinesische Stadt betreten durfte rurd daß sich heute irr den bederrtendsten Häfen ja auch einigen Binnenstädten stolze Paläste der „Fremden", der „Barbarerr" erheben, die im Luxus ersticken, während die eirrheimischen Bewohner ganzer Landstriche verhurrgern. Wahrlich diese hätten entschieden mehr Recht, wenn sie gegen die Art und Weise protestireir, mit rvelcher eine verschwindende Minderheit (einige Hundert gegen y3 sämmtlicher Erdbewohner) die Ausbeutung und Beherrschung d.s ihnen Gastrecht gewährenden Landes airstrebt, als die antisernitischen Stänkerer, welche das Bestreben der Juden in ihrer Heimat, die ihnen gewährte Gleichberechtigung auch thatsächlich durchgeführt zu wissen, in wahrhaft grauenhafter Weise für ihre Zwecke ausbeuten. So lange rricht die Menscheil in jedem anbeven Jndividum das genus homo ihr eigenes Selbst erblicken und es zu erbeben und zu bilden suchen, so lange nur jeder für seine Sippe sorgt und sich über die Bezirksberger-Politik nicht zu erbeben vermag, so lange wird immer die Mehrheit Mirtel und Wege finden, die Minderheit zu verg, wattigen, für sich Rechte lmd Vorrechte für die Minorität aber das Uilrecht zu schaffen, ivie es der Wolf mit dem Lamme that, das ihm das Wasser getrübt haben sollte. O möchte doch die Zeit nicht ferne sein, daß die Menschen endlich einzusehen lernten, welche verkehrte Werke nationale und religiöse lleberhebung schaffen und daß es nur einen Kitt der Welt gebe, welchen die Natur mit hunderttausend Zungen predigt — die Liebe. Aeber den Antisemitismus schreibt das „Hess. Ev. Sonntagsblatt" in Dauns!adl: „An einem schönen Sommersonntagnwrgen sitzt der Kirchcnbauer von Schöndorf in seiner Wohnstube auf der Bank hinter dem Tisch. Er hat sich gehörig ausgeschlafen, hat soeben Kaffee getrunken und sieht nun, die Arme auf dem Tisch verschränkt, seiner Frau zu, welche ab und zugeht, die minder kämmt und sonntäglich anzieht. Dabei macht er ein Gesicht, als habe er etwas auf dem Herzen, getraue sich aber nicht recht, es seiner Frau zu sagen. Endlich nimmt die Bäuerin das Wort. Bäuerin: Gehst Du heute in die Kirche, Hannes? Bauer: N—n—nein, ich habe keine Zeit. Aber was ich sagen wollte: bring' mir warmes Wasser zum Rasircn und lege mir meine Sonntagskleider zurecht. Und mit dem Mittagessen brauchst Du Dich auch nicht auf mich zu richten. Ich gehe über Feld. Bäuer>n (höchst erstaunt): Du gehst über Feld? jetzt, den Sonntag - Vormittag? und wohin denn, wenn man fragen darf? Bauer: Nun, wenn Du's denn durchaus wissen mußt, nach Hutzclbach in die antisemitische Volksversammlung, die um ein Uhr anfängt. Bäuerin (immer erstaunter): Anti . . . anti . . . was ist das für ein Wort? und was sind das für neumodische Geschichten? Du in die Volksversammlung? Bauer: Eigentlich brauche ich Dir gar nichts davon zu sagen, denn ihr Weibslcute versteht ja davon doch nichts. Aber damit Du Dich beruhigst: antisemitisch, das bedeutet, was gegen die Juden geht. D'.e sollen nämlich jetzt abgeschastr werden. 1 Es kommt ein fremder Herr nach Hutzelbach, ein gelehrter Doctor, der hält die schönsten Reden und beweist es den Leuten haarklein, daß von den Juden alles Unglück kommt. Der Nachbar Schmiedpeter hat mir davon gesagt und mit dem zusammen gehe ich auch hin. Der kann da auch ein Wörtlein mitreden; das ist auch einer, den die miserablen Juden unl Haus und Hos gebracht haben. Bäuerin: Dacht' ich mir's doch, daß der Schmiedpeter dahintersteckte. Was von dem Schnapsbruder kommt, ist allemal nichts Gutes. Der könnte noch lange in guter Ruhe auf dem schönen Hof sitzen, den ihm sein Vater hinterlassen hcq

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