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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-14 · 32 (14.8.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
32 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 586 Orstrrrrichifchr Wochenfchrifk. Nr. 32 dies. Vielleicht aber will der Erstere sein jetziges Abgeblitztsein verdecken, sowie durch die versteckte Drohung, seine Gläubiger gefügig machen, während der Minister die Raublustigcn durch ein Trugbild zu beruhigen sucht. — In Bukarest erschoß llch israel. Soldat I. Safir, der im Arsenal zu Galatz als Schlosser arbeitete. Die unmittelbare Veranlassung war allerdings eine andere, doch ist die eigentliche Ursache die, daß er von seinem Vorgesetzten in ganz unmenschlicher Weise immersort maltraitirt wurde, was er nicht mehr aushalten konnte. — Die vom Handelsminister eingesetzte Commission zur Reform des Firmen-Gesetzes schlägt vor, daß die Gerichte keine Eintragungen mehr vornehmen sollen, bis der Nachsuchende die vorgängige Erlaubnis der Handelskammer seines Bezirkes zur Errichtung eines Geschäftes beigebracht hat. Ferner verlangt die „Bursa de Galatzi," daß Handels-Agenten und Reisende je 1000 Francs als Cautivn zur Ausübung ihrer Thät gkeit deponiren sollen — das sind Klötze, die inan dem Handel der Israeliten und des Auslandes in den Weg legt. New-Nork. Die vereinigten jüdischen Unterstützungsgesellschasten Nordamerikas hatten an den Staatssekretär der Vereinigten Staaten, Charles F oft er, ein Schreiben gerichtet, in welchem sie baten, die einwandernden russischen Juden nicht mit den „armen und unterstützten Einwanderern", denen das nordamerikanische Gesetz den Eintritt untersagt, auf eine und dieselbe Stufe zu setzen, da sich ihnen in Amerika hilsbereite Hände entgegenstreckten. In seiner Antwort betont Foster, eine plötzliche Masseneinwandcrung von arnien Fremden sei für jedes Land ein Unglück, und fährt fort: „Während die bestehenden Einwanderungsgesetze durchgeführt werden müssen, stimme ich jedoch völlig mit Ihnen überein, daß es niemals die Absicht des Gesetzgebers war, die einfachsten Rücksichten der Menschlichkeit außer Acht zu setzen. Kein würdiger Einwanderer, welcher den Bestimmungen der amerikanischen Gesetze Genüge leistet, soll ausgeschlossen werden, weil er infolge der Handlungsweise anderer einstweilen kein Heim und keine Habe besitzt. Ich verlasse mich auf Ihre Versicherung, daß Sie chren Glaubensgenossen in Europa den Stand unserer Gesetze über „unterstützte" Einwanderung mittheilen. Auch muß ich Sir daran erinnern, daß jeder Versuch, den Strom mittelloser Flüchtlinge nach den Vereinigten Staaten zu lenken und die Einwanderung dahin anzuregen, entschieden dem Geiste Ihres Schreibens und nicht minder dem Geiste, in welchem die Regierung diese heikle und schwierige Frage zu behandeln wünscht, zuwiderlaufen würde." Wien, 7. August. Die „Chem. Zeitung" Herausgeber Dr. G. Krause in Cöthen, vom 5. d. M, Nr. 62, Jahrgang XV, Seite 1088, bringt im Artikel „Die Pharmacie" im 2. Quartale: „Für Rußland ist die interessante Thatsache zu verzeichnen, daß sich unter den dortigen Apothekenlcitern nur ll'?"/^ rechtgläubige Rußen, gegenüber 390/0 Polen, 2214% Juden, 19-7% Deutschen rc. befinden. Raab. Wie ich Ihnen bereits berichtet habe, wurde der hiesige Oberrabiner Dr. Julius Fischer zum Rabbiner in Pilsen gewählt. Dr. F i scher, welcher sich hier einer großen Beliebtheit erfreut, wird nun von der hiesigen Jsraelitengemeinde zurückbehalten und hat sich dieselbe bereits schriftlich an die Pilsener Gemeinde mit der Bitte gewendet, sie möge ihr den Oberrabbiner auch noch weiter lassen und von der getroffenen Wahl abstchen. Pilse«. Hier ist Hr. Dr. Posnanski (Reichenberg in Böhmen) zum Rabbiner gewählt. Der zuerst Gewählte, Dr. Fischer in Raab, hat die Wahl nicht angenonunen. Nachod. (Sammlung für die russischen Vertriebenen.) Die durch den hiesigen Ortsrabbiner Herrn Dr. H. Goitein eingeleitete Sammlung für die jüdischen russichen Auswanderer ergab in Nachod, Skalitz, Kosteletz, Eipel, Pölitz und Josefstadt den Betrag von 900 fl., welcher an das Central-Comite in Prag eingesendet wurde. Prag. (Fünfundzwanzig Jahre Cantor.) Der Ober-Cantor der Meier-Synagoge auf dem Dreibrunnenplatze, Herr W a n t 0 ch feierte Samstag den 8. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlasse fand um 9 Uhr Vormittags in dem genannten Gotteshause ein Festgottesdienst statt. Prag, 11. August. In der heutigen Stadtrathsitzung gab es eine lebhafte Antisemitendebatte. Gegenüber dem Antrag der Empfangscomission, die Wiener Antisemiten seitens der Stadtvertretung feierlich zu empfangen, beschloß der Stadtrath, von jedem festlichen Empfange der Wiener Antisemiten abzusehen. Teplitz. Hier verstarb Frau Anna Pick, die Gattin des Stadtverordneten und langjährigen Vorstehers der israel. Eultusgemeinde Herrn Angelus Pick, eine durch regen Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnete Dame, im 75. Lebensjahre; die Verblichene wurde unter großer Theilnahme zu Grabe getragen. Gr. Kikinda. Am 16. August begehen Herr Salomon und Frau Helene Kohn das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Anläßlich desselben findet am Abend des genannten Tages im Hotel Kasch eine Familienfeier statt. Wir wünschen dem würdigen Jubelpaar noch viele Jahrzehnte ehelichen Glückes. Tüll». Bei dem am 4. d. M. im hiesigen Bürgerspitale der Stadtgemeinde Tulln ausgebrochenen Brande haben sich besonders zwei hiesige israelitische Kaufleute dadurch hervorgethan, daß sie die Ersten am Brandplatze waren, mit eigener Lebensgefahr die Thore der Wagenremise aufsprengten, aus dem brennenden Objecte den jüdischen Leichenwagen, den wir uns niit vielen Opfern erst kürzlich anschafften, nebst 2 Wasserwägen und eine Handspritze in Sicherheit brachten; für diese wackere That der beiden Herren Josef Kohn und Hermann Schiller wollen wir ihnen öffentlich unseren Dank uussprechen. Gleichzeitig sprechen wir auch dem Hotelier Herrn Brenner unseren Dank dafür aus, daß er bereitwilligst für den unterstandslosen Wagen in seiner Wagenremise einen Platz zur Verfügung stellte. Teplitz. (Goldene Hochzeit.) Herr Hieronymus P e r u tz, Banquier, Sparcassadirector rc. feierte mit seiner Gemahlin Rosette geborenen Landes mann am verflossenen Dienstag das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Die Trauung des Jubelpaares hat am 11. August 1841 im hiesigen israel. Tempel stattgefunden, welcher Feier, was erwähnt zu werden verdient, der damalige Prinz Wilhelm von Preußen, nachmaliger Kaiser Wilhelm I., beiwohnte. Berlin. Ein Fantilienereigniß aus der literarischen Welt Berlins, welches seit einigen Tagen lebhaft besprochen wird, wird nicht verfehlen, das Interesse weiterer Kreise zu erivecken. Fri ulein Julia S t e t t e n h e i m, die älteste Tochter des Altmeisters der Berliner Humoristen, eine anmuthige und begabte junge Dame, hat sich mit dem Assessor Dr. L. Leipziger, einem in künstlerischen und literarischen Kreisen vielfach beliebten, jungen Juristen verlobt. — Diese Verbindung dürfte eine neue literarische Species schaffen, denn an der Stelle eines Hochzeits-Kladderadatsch werden doch gewiß „Hochzeits- Wespen" erscheinen. Berlin. Am 7. d. verstarb einer derjenigen Männer, rvelche sich um die Entwickelung der Berliner Industrie besonders verdient gemacht haben. Herr Max W 0 l f f von der Firma Wolff u. Glaserfeld hier, war einer der Mitbegründer der für den hiesigen Platz so bedeutsam geivordenen Wäsche- Industrie, durch welche gegenwärtig Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen ihre Existenz finden. Nicht zum geringsten ist es ihm zu verdanken, wenn die hiesige Wäsche-Industrie sich auf einer so erfreulichen Höhe befindet. Mit ihm ist einer derjenigen Männer dahingegangen, denen in den Annalen der industriellen Geschichte ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben wird. Die Beerdigung fand Montag, den 10 d., Vormittags 9% Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes in Weißensee statt.

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