Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 32 (14.8.1891)
- Date
- 1891-08-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 Orsterreichischr Wochenschrift. Seite 585 die fast unerträgliche Steuerlast des Volkes erleichtern soll, ohne zugleich die Leistungsfähigkeit des Staats, insbesondere was seine Ausgaben für die Wehrmacht anbelangt, zu beeinträchtigen. Seine Ernennung mag deswegen in Anbetracht und in Anerkennung der ausgezeichneten Fähigkeiten erfolgt sein, die der neue Finanzminister für die glückliche Verwaltung seines schwierigen Amtes besitzt, und es ist im Hinblicke auf die Verfolgungen der Juden in Rußland bezeichnend, daß der König von Italien vor Kurzem gelegentlich eines Besuches, den er einem englischen Kriegsschiffe abstattete, außer dem Marinemiaister nur noch von Signor Luzzatti begleitet war. Auch ist es interessant, daß unter den Mitgliedern der italienischen Gesandtschaft, die den Prinzen von Neapel vergangene Woche an der englischen Küste bei Charing Croß begrüßten, sich der Graf izMHierschel von Minerbi befand, der, wie wir vor einigen Mo- -Dnaten gelegentlich berichteten, auch ein Jude ist. London. Als ein Beispiel russischer Grausamkeit tbeilt? „Darkest Russin" Folgendes mit: ..Rabbiner Jakob Feldbau 'aus einer Stadt in der Nähe von Kamenitz-Pooolsk, Verfasser mehrerer theologischen Schriften, erhielt den Befehl, binnen 48 Stunden Rußland zu verlassen. Aber noch in derselben Nicht, also vor Ablauf der bewilligten Frist forderte ihn die Behörde auf, seine Heimat zu verlassen. Seine zwei Schwiegersöhne, sehr angesehene Kaufleute, erhielten zu gleicher .Jeit den Ausweisungsbefehl für sich und ihre Familie. Eine Abtheilung Kosacken erschien nun und trieb mit Gewalt die 16 unglücklichen Mitglieder der Familie Feldbau aus ihrem Heini, schlug und stieß sie mit Stöcken um ihre Schritte zu be- -schleunigen gerade so, wie man Vieh antrcibt. Als die Ver- : stoßenen die rumänische Grenze erreicht hatten, entfernten sich .die Soldaten und überließen die Unglück!? chen ihrem Schicksal. Diese befanden sich nun ohne Obdach und 'Nahrung. Im Dunkel . der Rächt irrten sie nun in einem Walde umher, während der ' Regen sich in Strömen vom Hinunel ergoß. Als der Dag anbrach, erkannten sie erst recht ihre verzweislungsvolle Lage, schritten jedoch vorwärts in der Hoffnung, eine menschliche Wohnung zu finden. So schleppten sie sich 3 Tage und 3 Ltächte durch den endlos scheinenden Wald ohne 'Nahrung und Obdach, bis sie endlich, halbtodt vor Anstrengung und Hunger ein Dorf erreichten, wo sich mitleidige Bauern ihrer erbarmten und ihnen die nöthige Erquickung reichten. Rabbi Feldbau war in Bessarabien geboren, ehe diese Provinz noch zu Rußland gehörte, er ist also im eigentlichen Sinne Rumäne. Wegen dieses Verbrechens, wozu noch das kam, daß er Jude war, wurde er mit seiner Familie aus seiner Heiinat und letztere noch dazu ans ihrem Geburtslande vertrieben. Berlin. A n t i s e m i t i s ch e s. Dr. Stock e r veröffentlicht in den ..Akademischen Blättern", dem Berbandsorgan des antisemitischen Vereins deutscher Studenten, einen Festartikel zu dem heute stattgchabten Kqsfhä'.lsersest. Dr. Stöcke r fordert in diesem Artikel die Studenten ans, die semitischen Stricke zu durchreisten. „Es wäre besser, unter den Säulen des ehrlichen Dentschthnms zerschmettert und begraben zu werden, als zur orientalischen Schutztrnppc zu gehören und das Lob einer undeutschen, widcrchristlichen Presse zu empfangen." — DerThüringcr Antiseinitenbund hat am Sonntag in Eisenach eine Versammlung von Vertranensmänueru des westlichen Thüringens veranstaltet. Zuerst wurde über die Entwickelung des Vereins berichtet und behauptet, daß der Bund sich guter Erfolge erfreue. Alsdann wurde über die zukünftige Wirksamkeit des Bundes rcferirt. Der Referent Herr L a u g h a n s (Gotha) feierte Herrn Böckel als antisemitischen Musterknaben. Die Thätigkeit des gefeierten Führers müsse das leuchtende Vorbild der Thätigkeit des Thüringer Antisemitenbundes sein. Der Reformv.'rein Eisenach ließ erklären, daß er sich der antisemitischen Volkspartei anschließe. Darob natürlich großer Jubel. Zum. Schluß wurde ein Begrüßungstelegrainm an Herrn Böckel abgcsandt. Die Leser erinnern sich vielleicht noch der kurzen Inhaltsangabe, die die Zeitungen von dem genannten Werke des Herrn Paasch veröffentlicht haben. Sie erinnern sich, daß der' Verfasser die schwersten Beschuldigungen gegen den deutschen Gcsrndtcn in China, Herrn von Brandt, gegen die Vortragenden Räthe im Auswärtigen Amt, gegen den Präsidenten des Reichsgerichts und andere in Amt und Würden, zum.Theil in den höchsten Stellungen sich befindende hohe-Reichsbeamte geschleudert hat. Er beschuldigt sie vieler Verbrechen, und Vergehen, er erhebt wider sie die haarsträubendsten Anklagen, und alles dies nur von c'n.'in einzigen merkwürdigen Gesichtspunkte aus: er wittert überall jüdischen Einfluß. Das auswärtige Amt hat sich also veranlaßt gesehen, einen Strafantrag zu stellen. Darauf hat Herr P a a sch eine zweite Schrift veröffentlicht, einen offenen Brief au den Reichskanzler v. Caprivi, der natürlich auch verjudet ist, ebenso wie Herr v. Goßler und viele Andere. Die Veriudnng Deutschlands geht bis in die Regionen, m welche wir Herrn Karl P a a s ch gar nicht folgen dürfen. Es bleibt nur noch der Beweis übrig, daß auch Stöcker und B ö ck e l jüdischer Abstammung seien oder in jüdischen Diensten stehen. Berlin, 5. August. An: Montag habilitirte sich an der hiesigen Universität Herr Tr. Georg Huth für Tibetisch, Mongolisch unb Geschichte des Buddhismus. Das Studium des Sanskrit itnb der remralasiatischen Sprachen betrieb derselbe hier von 1883—1889. Seine erste wissenschaftliche Arbeit „De Kadidasae aetate et scriptis“ wurde von der hiesigen philosophischen Fakultät preisg'krönt: eine daranfsotgende märchenvergleichende Studie „Die Steifen der drei Söhne des Königs von Sercndippo" trug dem Verfasser das Stipendium der Mendelssohn-Stiftung ein. Seine Tortor-Dissertation behandelte „Die Zeit des Kalidasa." Seine weiteren Arbeiten sind Untersuchungen auf dem Gebiete der tibetischen Literatur in ihrer Beziehung zum Sanskrit und zum Buddhismus, so „The Chendoratnäkara of Ratnäkaraciiuti. Sanskrit text with a Tibetau translation“, sowie ferner „ Tie tibetische Version der Nachsargika-prägaQtdttika-dharmäs. Buddhistische Sühnregeln aus den Rratimoksha-sntramB Wie seiner Zeit berichtet würbe, erhielt Dr. H u t h von der hiesigen Akademie der Wissenschaf en zur Förderung seiner tibetisch-sanskritischen Studien eine Beihilfe aus der Bopp-Stiftung. Auch seine Habilitationsarbeiten betreffen die Bedeutung der tibetischen Sprache unb Literatur für die Sanskritforschung und die Geschichte des Buddhisnnrs, während seine Antrittsvorlesung „Die Literatur der mongolischen Stämme und ihren Werth für die Geschieht Forschung und Volkskunde" behandelte. Dr. Huth ist 1867 geboren und entstammt einer hiesigen jüdischen Lehrerfamilie. Dpenc. Bukarest, 9. August. Ich muß weiter von Herr A ß l a n (nicht Aßlau, wie Sie irrthümlich druckten) sprechen, denn es kommen immer mehr „Stückchen" zum Vorschein, welche den Beweggrund zu seinem Vorgehen und Drängen ans Einsetzung der Judcn-Verfolgungs-„Eommission" grell beleuchten. Derselbe „Patriot", welcher uns in den häßlichsten Farben vor versammelten Kriegsvolk verleumdete und namentlich in der von allen Antisemiten beliebten Art uns die Sucht nach „Geschäftchen" vorwars, hat erst vor Kurzem in der Kammer di- Ermäßigung des Zolles aus Eigarettenpapier von 259 aus 9o Frcs. durchgesetzt. Dafür hat er, wie „Rrsboine W." jetzt erführt, von einer Firma in Paris, welche bei 'Richtherabsetzung des Zolles entschlossen war, in Rumänien selbst eine Fabrik zu eröffnen, also dem Lande durch Einführung eines großen Industriezweiges einen Dienst zu erweisen) das Honorar von 5090 F r a n c s erhalten. Dieses „patriotische" Geschäftchen des Herrn A ß l a n, scheint aber, so ansehnlich der Gewinn ist, für seine Schulden nicht gereicht zu haben; denn, wie dem „Eonstitutionalul" aus Jassy gemeldet wird, haben jetzt seine israelitischen Gläubiger auf sein gesammtes bewegliches Vermögen Arrest gelegt. Des Pudels Kern ist nun wohl gänzlich klar. Freilich läßt er durch die Zeitung „Uni.inea liberalä/, sein Leib- und Wochenblatt in Jassy, verkünden, daß seine „Motion" im Herbst doch Gesetz werden soll und das Organ des Ministers Cat arg i, der „Racionalul" bestätigt