Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 32 (14.8.1891)
- Date
- 1891-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 32 Orstrrrrichifche Wochrnschrifi. Seite 581 genheit zum Rauben und Plündern zu finden. Und so kommt es, daß selbst friedliche und gute Leute zur Theilnahme verführt werden und die Sache immer schlimmer wird. Wenn man aber hier' nicht mit der größten Strenge vorgeht, wie kann da das Gesetz geachtet und das Land in Ruhe gehalten werden? Wir weisen daher hiermit die Generalgouverneure der beiden Kiang und der beiden Hu, sowie die Gouverneure der Provinzen Kiangfu, Nganhui und Hupei an, unverzüglich Befehle an die betreffenden Zivil- und Militärbeamten zu erlassen, daß die Rädelsführer ergriffen, vor Gericht gestellt und hingerichtet werden, damit eine Warnung für die Zukunft gegeben werde. Was die Religion des Westens anbelangt, so ermahnt sie lediglich die Menschen zum Guten, und die Leute, die diese Religion annehmen, bleiben ebenfalls Chines en und sind den Localbehörden unterstellt. Die Bevölkerung aber und die Missionäre können in Frieden und Ruhe mit einander leben. Leider gibt es jedoch gewissenlose Subjecte, die sinnlose Geschichten erfinden und sie benutzen, um Unruhen zu en'egen, und zwar sind die Gegenden, ivo dieselben ihr Wesen treiben sehr zahlreich. Wir befehlen daher bcn Bannergeneralen, Generälgouverneuren und Gouverneuren sämmtlicher Provinzen, Proclamationen zu erlassen, und die Bevölkerung anzuweisen, daß sie nicht leichtgläubig auf herumschwirrende Gerüchte hört und Unruhen und Aufstände erregt. Wenn aber anonyme Plaeate angeschlagen unb Geschichten verbreitet werden, um die Massen aufzureizen, so sollen die Betreffenden gleich unter der Hand festgenommen und auf das Strengste bestraft werden." Hier offenbart sich in jeder Zeile die Geistesverwandtschaft zwischen den chinesischen und arischen Barbaren, zwischen Antisemiten und Chinesen. Die Verwandtschaft ist auch keine zufällige utib äußerliche, sie quillt hervor aus den innersten Tiefe des Gemüthes. Urkunden aus dem Alba'schen Archive. Ein stattliches Bündel Urkunden, die sich auf die Entdeckung Amerika's beziehen, ist uns im Hause Alba erhalten und nunmehr durch den Druck zugänglich geworden. Wilhelm Lauser bietet daraus interessante Auszüge in der Beilage der „Münchner Allgemeinen Zeitung", welche die ungetheilte Aufmerksamkeit aller literarischen Kreise feststelten. Wilhelm Lauser, der es sich von je zur Aufgabe gemacht hat, spanisches Wesen und Leben dem deutschen Lesepublikum wahrheitsgetreu zu schildern, hat sich auch durch Veröffentlichung und zweckmäßige Verarbeitung des reichen Materials aus dem Alba'schen Archive bedeutende Verdienste erworben und manche der an's Licht gezogenen Actenstücke sind auch für die Geschichte der Juden von bedeutendem Interesse. Das culturgeschichtlich vielleicht werthvollste Stück dieser Gattung ist die Denkschrift David Ebrons aus Constantine (9. Dec. 1597) an den König. Derselbe stellt sich im Eingang als Juden vor, der in früherer Jugend nach Nordafrika geflohen sei und von dort aus dem König in Indien, aber auch in den verschiedensten Theilen Afrika's stets gedient habe. Er habe für den König Ortschaften angelegt, Länder entdeckt und erobert; und was in den letzten fünf Jahren in Santamarta gegründet worden, verdanke ihm den Unterhalt; von dort sei er zu Lande nach Peru gegangen und habe dem König in Huancabelica gedient; die für den König so vortheilhafte letzte Verpachtung des Quecksilbers sei auf sein Betreiben erfolgt; er habe dem König 60 und etliche tausend Pesos für die kleinen Flotten, die jährlich von Lima und Panama kamen, und ebenso viele damit erspart, daß dort Galeeren eingeführt wurden. Durch Ränke zweier Beamten, die er nennt, sei ihm das Verdienst der letzteren Leistungen vorenthalten worden. Aber dasselbe könne durch den Handels- Präsidenten für Indien, Sevilla, Guttierrez Flores, bezeugt werden. „Ich bringe dies aber nicht in Erinnerung, um von Ew. Majestät Lohn zu empfangen, damit Ew. Majestät sehe, wie eifrig ich, ein heimlicher Hebräer, unter so großen Gefahren überallhin gegangen bin und Ihre Reiche nur verlassen habe aus Furcht, außerhalb meines Gesetzes zu sterben, welches nach meinem Glauben das wahre ist, das der Herr gab, der Himmel, Sonne und Mond, Meer und Erde und Alles darauf geschaffen, und welches auch dasjenige Ew. Majestät ist. Ich erinnere daran nicht, um mich zu beschweren, daß mir meine Dienste nicht gelohnt wurden, denn so große und so wichtige kann ich von hier aus noch, ohne drüben zu sein, Ew. Majestät leisten; nur aus alter Liebe zu Ihrem königlichen Dienste, und damit das Gedüchtniß dieses Hebräers und seiner treuen Dienste für Sie bleibe, will ich bei dem ausharren, was mir in die Hand gelegt worden. Möchte es doch Gott gefallen und es in Ihren Reichen Juden geben, wie sie vom Papst in Rom geduldet find und in Venedig, Ma land, Neapel, in ganz Apulien, Ragusa, Florenz. Pisa, Ferrara, Mantua und ganz Italien, und die hier in Conftantine, und die schon genannten und die in der Berberei, und möchten sie aus dem einen Theil Ihrer Reiche in den anderen wandern und in denselben Verhältnissen leben können wie anderwärts; dann würde auch ich nicht aus Ihrem Dienste treten, und Ihre Länder würden größeren Reichrhum an Handelswaaren haben, — ist es dochnicht zu begreifen, warum Ew. Majestät nicht dieselben Vortheile genießen soll wie Andere — und Ihre Heere und Kriegsunternehmungen gegen Lutheraner und Ketzer und andere Feinde würden erfolgreicher sein als seither." Im übrigen erklärt dieser merkwiirdige Jude, er habe nichts dagegen einzuwenden, daß die Inquisition in Spanien gegen Juden einschreite, die sich freiwillig zum Ehristenthum bekehrt haben und hinterher doch Juden bleiben wollen. Er macht sodann den König aufmerksam, daß er binnen zwei Monaten, ohne Jemandem wehe zu thun, aus Luna mehr als 200,000 Pesos baares Geld in den königlichen Schatz fließen lassen könne; ebenso könne er an einem einzigen Tage, wenn der König den betreffenden Befehl gebe, ihm aus Santa-Fs im neuen Königreiche Granada mehr als eine Million Gold verschaffen. Auch noch von anderen Schätzen ist die Rede, die David Ebron für den König heben könne. Von einer überfließenden Beredsamkeit aber ist er, wo er von den diebischen königlichen Beamten spricht. „Schade um all das Geld Ew. Majestät, das in Indien und Spanien gestohlen wird; ich könnte mich zu Tode ärgern, daß den ganzen Schatz Ew. Majästet heute Ihre Verwalter und Minister besitzen! Wenn ich, großmächtiger Herr, von den großen Diebstählen reden möchte, die an Ihnen in Sevilla verübt werden, und von dem Räubergesindel, das dorthin kommt und das sich an Ihrem Hofe be-