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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 570 Orstrrreichifchr Wochenschrift. Nr. 31 Wie». Eine Zeitung, die wegen des Purimfestes nicht erscheint!) Man schreibt uns: Hermann Raster, der kürzlich verstorbene Redakteur der Illinois Staatszeitung, war die Verkörperung dcs amerikanischen Zeitungsstyls. Und mit dieser verband er eine Toleranz, eine Pietät, wie sie wohl einzig in ihrer Art genannt werden muß. Hievon ein Beispiel. Raster's Frau war eine geborne Oppenheim. Gelegentlich schrieb Mr. Raster nichts, als:Des Purimfestes wegen kann die Illinois Staatszeitung morgen nicht erscheinen." A. K. Pest. Herr Adolph Lazarus, wurde einstimmig zum Obercantor der israel. Cultusgemeinde in Budapest gewählt und wird sein Amt bereits am 15. September antreten. Brün». (Stiftungen und Legate). Der jüngst dahingeschiedene Herr Abraham Türkl, langjähriges verdienstliches Mitglied des hiesigen israelitischen Cultusvorstandes und mehrerer Hilfsvereine, hat in seiner letztwilligen Anordnung für wohlthätige und fromine Stiftungen in Neu-Raußnitz und Brünn, sowie für Legate 35.000 fl. bestimmt; u. A. 5000 fl. zu einer Heirats - Ausstattungs- Stiftung und 5000 fl. zu einer Stiftung für hilfsbedürftige Geschäftsleute. Ueberdies gelangten am Begräbnißtage 150 fl. für israelitische und 125 fl. für christliche Arme in B.ünn und Neu-Raußmtz zur Vertheilung. Ferner spendeten die Gattin und die beiden Kinder dcs Verblichenen anstatt Kränzen 100 fl. Notenrente dem hiesigen israelitischen Frauenverein. Prag, 30. Juli. Nach dem „Deutschen Abendblatte" erklärte Bürgermeister 8olc im Privatgesprache, daß weder er, noch ein Mitglied des Stadtraths sich an der Begrüßung der Antisemiten betheiligen werden. Die Antisemiten werden in einer Ausstellung erscheinen, die ihre Entstehung der Anregung eines Juden verdankt. Ueber Antrag des Kammer-Präsidenten Bondy wurde bekanntlich die Veranstaltung der Ausstellung beschlossen. Derselbe ist Hauptfunctionär der Ausstellung und Kasseverwalter derselben. Älageufurt, 31 Juli 1891. Soeben lese ich in Ihrer geschätzten Zeitschrift, daß Herr Ludwig von Bernuth, Gemeinderath in Graz von dem dortigen Berichterstatter der „Oesterr. Wochenschrift" als Antisemtt bezeichnet wird. Seit mehreren Jahren habe ich die Ehre mit Herrn von B. und seiner liebenswürdigen Frau Gemalin, so oft diese hieher kommen, zu verkehren und ich kann Sie versichern, daß diese oft schon gegenüber Antisemiten für die Juden eingetreten sind. Ich könnte Ihnen sogar viele Beweise liefern, daß Herr L. v. B. und seine Gemalin ein warmes Herz für bedrängte Juden haben. Ich sehe nicht ein, warum wir hochanständige, liebe Leute gewaüsam zu Antisemiten machen sollen? Ueber die Ansicht des Herrn v. V. bezüglich des Baustyles lässt sich streiten, aber keinesfalls hat Herr v. B. aus Haß gegen die Juden diese Aeußerung gemacht. Kardaß-Recie. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Unser verehrter Rabbiner Herr LazarBenesch, der durch 56 Jahren in dieser Gemeinde als Seelsorger wirkte, ist in ein besseres Jenseits berufen worden. Als der Verstorbene am 1. Mai 1885 sein 50jähriges Amtsjubiläum feierte, hat die „Oesterr.-Wochenschrist" sein Wirken ausführlich gewürdigt. In der Gemeinde wird sein Andenken stets gesegnet bleiben. Neuhaus, 27. Juli. Anläßlich meines Aufenthaltes m der hiesigen Stadt hatte ich Gelegenheit, die guten, freundschaftlichen Beziehungen zu beobachten zwischen Juden und Christ en daselbst. Hier geht kein Antisemitenzug zur Ausstellung nach Prag und mit den: Gefühle der Beschämung denkt man an die rückschrittliche Bewegung eines Bevölkerungstheiles der Metropole des Reiches. Der von dem hiesigen Cantor Herrn Julius Fürnberg geleitete Sabbath- und Festgottesdienst wird nicht selten von angesehenen, christlichen Mitbürgern, wie Professoren, Kaufleuten rc. besucht und das diesbezügliche Urtheil geht allgemein dahin, daß Herr Fürnberg, ein genialer, musikalisch gebildeter junger Mann (vorzügliche. Pianist und Violinspieler) cs verstanden hat, trotz kleinstädtischer Verhältnisse hierorts einen modernen, den Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Gottesdienst 51t begründen. Erwähnenswertst ist auch die Thatsache, daß unser Glaubensgenosse Herr Prabetz jun., ein achtbarer, hochgebildeter Kaufmann in Neuhaus im Vereine mit dem Cantor und zwei christlichen Lehrern allwöchentlich zu seinem Privatvergnügen ein Hansconcert mit elastischer Musik veranstaltet. Der Antisemitismus gehört demnach nicht zu den Attributen eines Lehrers. Nikolsburg, 1. August 1891. Der hier allgemein sehrgeschätzte k. k. Professor Josef Frank erhielt wie die amtliche „Brunner Zeitung" vonr 30. Juli mittheilt die 8. Rangclasse und ist der erste jüdische Professor, dem dieser Rang (eines Bezirks-Richters) zu Theil wurde. Sniatyn, 31. Juli. Die gelegentlich der letzten Reichsrathswahlen ausgebrochenen Unruhen dürsten nun endlich auch in unserer Stadt zur gerichtlichen Verhandlung gelangen. Die Rädelsführer, welche die Bauern gegen die jüdischen Wähler zu Raub und Plünderung aufreizten und Anführer bei jenen Wahlexcessen waren, bei welchen zahlreiche jüdische Wähler Hab und Gut verloren haben, sind nunmehr in Anklagezustand versetzt worden. Wegen Einbruch und öffentlicher Gewaltthätigkeit hat die k. k. Staatsanwaltschaft gegen nachstehende Personen die Anklage erhoben, u. zw. gegen: Petro und Nikolaj Laßkiewicz, Marcyn Varglak, Kost Roßman, Gregor Burazynlei, Denytro und Petro Kostinuck, Hrehor Dinkiewicz, Ilias, Petro und Alexander Gryboivski, Jan Sydlaczuk, Nikolaj Zynkowski und Bazyl Gorulz. Berlin. Frau Baronin von Korfs, eine Tochter Meyerbeer's, hat dem hiesigen Jnstrumentalmuseum verschiedene Werthgegenstände ihres Vaters geschenkt, darunter ein Piano,welches Meyerbeer aus der Reise mitführte und das Oelbild desselben, den Eomponisten im 7. Jahre am Clavier sitzend, darstellend. Der 100 jährige Geburtstag Meyerbeer's wird am 5. September d. I. gefeiert. Thorn, 29. Juli. Der Zuzug von jüdischen Auswanderern aus Rußland dauert ungeschwächt fort. Gegenwärtig lagern hier im Landes-Polizeigesängniß siebzehn arme Auswanderer, die pro Kopf täglich achzig Pfennige Unterstützung erhalten und so lange hier bleiben müssen, bis die Rückförderung nach Rußland erfolgt, was aber erst nach Wochen geschehen kann. Die Mittel der Hilfscomites sind gänzlich erschöpft. Paris. Gelegentlich des Nationalfestes wurden viele Israeliten in allen Graden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Surinam. Durch königliches Decret ist der- Gouverneur, Herr de Savornin Loh mann aus eigenen Wunsch von seinem Posten entlassen und Jonkheer Van Asch Van Wijck, Mitglied der zweiten Kammer und Bürgermeister von Amsterdam an seine Stelle berufen worden. Man wird sich erinnern, daß unter dem Regime des Erstem der Antisemitismus in Surinam seine Pflege fand. Dieses Spielen mit Feuer hat aber zu Gehässigkeiten und Feindseligkeiten zwischen den Reichen und Armen Veranlassung gegeben und eine allgemeine Panik heroorgerusen

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