Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 31 (7.8.1891)
- Date
- 1891-08-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 31 Oesterreichischr Wochenschrift Seite 569 Zahlreiche Personen wurden schwer verletzt, andere trugen nur leichte Verwundungen davon. Drei Juden blieben sofort unter den Händen der Plünderer todt. Mehrere Stunden lang dauerte das Wüthen der Menge. Unbeschreibliche Scenen von Brutalität und Rohheit spielten sich während dieses Zeitraumes ab, allein die Behörden schienen kein Auge für diese Vorfälle zu haben. Sie ließen den Pöbel ruhig schalten und walten. Moskau. Die „Moskowskija Wyedomosti" bringen einen Aufsehen erregender; Ar t ike l z u G un st en der russischen I u d e n. Es existu c das Gesetz, daß die Juden aus dein Westgebiet nur einmal im Jahre auf zwei Monate nach Moskau reisen dürfen. Dieses Gesetz wäre zur Zei t, da cs noch keine Eisenbahnen gab, zweckentsprechend gewesen; damals wären die Händler ihre tausend Werst allerdings nur einmal im Jahre gereist und hätten sich für das ganze Jahr mit Maaren versehen, jetzt aber müßte der Händler bei dem häufigen Schwanken der Preise, bei dem Wechsel der Mode u. s. w. solche Reisen wenigstens drei- bis viermal im Jahre machen. Würden den Juden des Westgebiets solche Reisen nach Moskau unmöglich gemacht, so würden die jüdischen Händler zum Schaden des Moskauer Industrie-Rayons gezwungen, sich nach Lodz, Sosnmvice u. s. w. zu wenden. Es wäre daher zweckentsprechend, das Gesetz dahin zu ändern, daß den Juden des Westgebiets erlaubt würde, viermal iin Jah.e nach M oskau zu kommen, insgesammt auf die Zeit von zwei Monaten. Weiter macht das Blatt darauf aufmerksam, daß die hastigen Judenansweisnngen ans Moskau es sehr vielen Moskowitern unmöglich gemacht hätten, Schnldforderungen von den ausgewiesenen Juden bezahlt zu erhalten. So hätte jetzt Moskau für die frühere Konnivenz, mit der man nicht zum Aufenthalt berechtigten Inden das Wohnen in Moskau gestattet, unschuldigcrweise bluten müssen. Diene. Bukarest, 31. Juli. Als praktische Folge der „Motion Aßlau" gegen die Einwanderung russischer Israeliten haben wir täglich Verationen rumänischer Israeliten seitens unserer Beamten zu registriren und dazu private Agitationen gegen uns. So wurde in einer Versammlung in Fokschani beschlossen, bei der Regierung zu verlangen, daß sie Maßnahmen treffen soll, damit Handel und Industrie nur in den Händen von Rrunäniern sei, die Juden davon mit allen „möglichen" Mitteln ausgeschlossen und sie gänzlich vertrieben werden sollen, wie in Rußland geschieht. In B o t o s ch a n i forderte der Polizeiminister TitzL HLntzescu mittelst Straßenanschlages sämmtliche „Fremden" auf, binnen 24 Stunden mit ihren Legitimationspapieren bei ihm zu erscheinen — es handelte sich um „Bakschisch" Dergleichen verlangt auch der Unterpräsekt Jon Ciolei in Botschanier Bezirk, um die nicht gerechtfertigten Ausweisungen nicht aussühren zu lassen; ein paar werthvolle Pferde haben ihn vorläufig beruhigt, doch haben die christlich en Großgrund- Besitzer Calimach, Stroici rc. erklärt, daß sie für die Folge sich den willkürlichen Allsweisungen aus ihren Besitzungen widersetzen werden. In Bukarest schleppte der Unterviertelmeister des 37. Polizeikommissariats einen armen Juden, der ein kleines Bündel eigener Sachen trug und ihm als „Hausirer-Waare" dünkte, in den Arrest, schlug ihn mehrere Straßenlang mörderisch und zerfetzte ihm die ganze Bekleidung.— Aus den Vorstädten um Jassy, die wie Copou, Galatu, Sokola, rc. kaum von der Stadt getrennt, aber jetzt als „Dörfer" angesehen sind, werden auch solche Juden ausgewiesen, die sich als Dorobanzen und Calaraschen im aktiven Militärdienst besinden, so, daß deren Kommandeure sich beschwerten, daß ihre Regimenter um 30°/,, vermindert wurden. In BacLu werden täglich zu Fuß, all Pferden von Kavalleristen wie gemeine Verbrecher angebunden aus den Dörfern angesehene Israeliten hereingebracht und in die Al-reste geivorfell; z. B. die Gutspächter David S ch o s und Moses Getzels, der Gutspächter und Reserve-Uuterofflcier Baruch Edelstein. Derlei Fälle könnte ich noch sehr viele melden. — Dafür sind auch von Rumänien Allswanderungen nach Amerika zu verzeichneil; neuestens eine Anzahl Familien aus Berlad, während noch mehrere jetzt Vorbereitungen dazu treffen. — Die Regierung beabsichtigt wieder einmal eine „ernste" Volkszähllmg zu machen. Eine solche hat aber erst voriges Jahr stattgeftmden; wahrscheinlich war sie nicht „ernst" oder sie will dem Aßlau die Sorge dafür abnehmen, der sie für seine famose „Spezialkommission" in Anspruch genommen. VmniMes. Wien. Im neuen israelitischen Tempel des Bethausvereines im IX. Bezirk hielt am letzten Freitag Abend Herr Dr. Isidor Hirsch, der Sohn des Hamburger Öberrabbiners, eine Gastpredigt, welche eine freundliche Aufnahme fand. Der Bereinsvorstand hat, nachdem die mit dem Herrn Dr. Pollak, dem Sohne des Wiener Rabbinats-Assessors wegen Uebernahme des Prediger-Postens gepflogenen Unterhandlungen daran scheiterten, daß Herr Dr. Pollak auf die vom Vereinsvorstand ihm gestellte Bedingung den Gottesdienst mit Orgelbegleitung in Zlikunft eventuell auch am Sabbath zu gestatten, aus religiösen Bedenken ablehnen zu müssen glaubte, sich nunmehr entschloffen, den Posten anderweitig zu besetzen und den Concurs auszuschreiben. Bis nun sprachen der Rabbinatscandidat Dr. Taglicht aus dem Breslauer Rabbiner-Seminar und Herr Dr. Isidor Hirsch aus Hamburg. Weitere Probepredigten stehen in Aussicht. Es wäre zu wünschen, daß dieser Bethausverein, welcher einen herrlichen Tempel, eine Sehenswürdigkeit der Residenz aufgeführt hat, auch einen gediegenen Prediger erhält, wie er bereits einen sehr tüchtigen Cantor mit einem gut geschulten Chore besitzt. Wien (Das „Deutsche Volksblatt und der ärztliche Nachtdienst). Wiederholt hat das antisemitische Hetzorgan „Deutsches Volksblatt" gegen jüdische Aerzte die Beschuldigung erhoben, daß sich dieselben weigern in der Nacht Krankenbesuche zu machen. Nun bringt dieses Antisemiten-Blatt in der letzten Samstag-Nummer ein Verzcichniß jener Aerzte, welche, einer Aufforderung der freiwilligen Rettungsgesellschaft Folge leistend, ihre Bereitwilligkeit, den ärztlichen Nachtdienst bei Erforderniß unentgeltlich zu leisten, bekanntgegeben haben. Von dem in diesem vom Deutschen Volksblatt veröffentlichten Verzeichnisse namhaft gemachten 23 Aerzten sind aber nicht weniger als 18 I u d e n. Was sagt hiezu das verlogene, ehrabL schneiderische, judenfresserische „Deutsche Bolksblatt"? E.B,