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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Oesterreichifche Wochenschrift. Seite 567 Lazarus Knapp diente 24 Jahre dem Kaiser als Soldat und hat die Feldzüge von 1859 und 1866 mitgemacht, worauf er mit Uebersetzung zur Landwehr dem 3. Bataillone als Lieutenant zugetheilt wurde. Seit dem Jahre 1870 dem Beamtenkör'per der Cultusgemeinde angehörend, hat es Herr Knapp verstanden, in Hinsicht seiner Thätigkeit sowohl die Sympathie des Vorstandes, als auch der Gemeindemitglieder zu erlangen. Strenge, militärische Disciplin beobachtend, war er seinen Untergebenen gegenüber ein gerechter, warmer und nachsichtiger Chef. Deshalb verliert die hiesige Cultusgemeinde an ihm einen ihrer tüchtigsten und bewährtesten Beamten, seine College» einen treuen Freund. Seine, den Verhältnissen entsprechenden Ersparnisse, hat derselbe seinem bereits lange ausgesprochenen Wunsche entsprechend dem Fonde der frommen Bruderschaft „Chewra Kadischa" testirt. Viele Arme und Waisen verlieren in ihm ihren Gönner und Beschützer, denn er war ein edler Menschenfeund. Herr Knapp hat ein Alter von 62 Jahren erreicht und war ledigen Standes. Prag, 2. August. Zur Reise der Wiener Antis e in i t e n n a ch Prag. Der Reichsrathsabgcordnete Schneider nannte sich einen guten Agitator. Er hat auch die Zeit zur Prager Reise richtig gewählt. Am 15. und 16. August a. c. findet in Prag eine Reihe von Versammlungen, so die Fahnenweihe einer Fleischergenossenschaft, der Feuerwehrtng aller böhmischen Gauverbände, ein Schuster- und Schneidercongreß, eine Lehrerversammlung u. s. w. statt. Zu allen diesen Versammlungen werden von Wien Theilnehmer nach Prag fahren, die so wie jene, welche ohnedieß die zwei Feiertage zum Besuche der Ausstellung benützen wollen, werden sich die Hetz' mit ansehen wollen, und werden mit dem billigem Ertrazuge fahren. Aber der von Schneider und Lueger hier erwartete Erfolg dürfte ausblciben. Freilich wird man auch den Wiener Besuchern gegenüber die in Prag allen zur Ausstellung Anlangenden zu Theil gewordene Gastfreundschaft üben, aber für die antisemitische Partei wird weder Prag noch viel weniger Böhmen gewonnen werden. Durch diese Deinastirung des eigentlichen Reisezwcckes hat Mechaniker Schneider alle jene stutzig gemacht, die sonst eine Freude gehabt hätten, dem Ausstellungswerkc freundliche Deutsche zu empfangen. Durch dieses Reiseprojekt haben sich die antisemitischen Zeitschriften „Rumburger Zeitung" und die in Neichenberg erscheinende „Volks-Zeitung" die in Nordböhmen dominiren, von Schneider und Lueger losgesagt. Wenn es auch die hiesigen Czechen freuen wird, daß nicht alle Deutsche Gegner der Ausstellung sind, so werden sie deßwegen den Antisemiten doch nicht auf den Leim gehen. Die Schüler der Wiener Komensky-Schule, welche vorige Woche hier zum Besuche der Ausstellung weilten, waren ein beredtes Zeugniß dessen, wie weit die Freundschaft Dr. Lueger's und seiner Genossen geht, den trotzdem die Wiener Antisemiten vor den Wahlen durch Versprechungen die böhmischen Stimmen gewannen, sind sie bekanntlich doch nicht für die Komensky-Schule eingetreten. Auch jene Wünsche die Schneider und Consorten an die hier stattfindenden Gewerbetage knüpfen, werden sich nicht realisiren, denn die Gewerbetreibenden werden dessen wohl eingedenk sein, daß die mit czechischen Einladungen zum Besuche des vorjährigen Gewerbetages veranlagten Gewerbetreibenden bei den Berathungen nicht in ihrer Muttersprache verhandeln durften. Bei dieser Gelegenheit sei auf einen Umstand hingewiesen, der seinerzeit nicht die genügende Beachtung gefunden hat. Der vor kurzem aufgelöste unter Leitung des Mechanikers Schneider gestandene Wiener Genossenschaststag ist bekanntlich dafür eingetreten, daß an Seine Majestät den Kaiser eine Massenpetition in Gewerbeangelegenheiten überreicht werde. In dieser Petition wird mit großer Befriedigung auf die Vorzüge der Gewerbenovelle hingewiesen, und nur gebeten, Seine Majestät möge durch sein mächtiges kaiserliches Wort anordnen, daß endlich eine authentische Erklärung des Gewerbegesetzes gegeben werden soll, durch welche dem Gewerbestande eine werkthätige Hilfe geboten wäre. In dem zur Unterschrift dieser Petition auffordernden Begleitschreiben wird bezüglich derselben gesagt: Wir wollen bitten, daß jene Paragrase die uns günstig sind, durchgeführt werden, daß aber Vorkehrungen getroffen werden, daß jene Paragrafe die uns schaden, geändert werden. Run werden die Gewerbetreibenden sich dieser Doppelzüngigkeit erinnern, sie werden dessen eingedenk sein, daß die Massenpetition Seiner Majestät nicht überreicht und daß die dießbezügliche Deputation (darunter auch Mechaniker Schneider) zur Audienz nicht zugelassen wurden. Wir können daher mit Ruhe die unter Leitung des Mechaniker Schneider anlangenden Herrschaften erwarten. Sie werden sich in der Ausstellung überzeugen, daß viele unserer Glaubensgenossen nicht nur in der Industrie, sondern auch im Kleingewerbe Hervorragendes leisten, und werden vielleicht von ihrem Jrrthum über unsere Glaubensgenossen Massen. sZ ur E rri ch tn n g e in es Rab b in e rse min ars.) Der Hm Reichsrathsabgeordncte Kaftan, welcher die vom Josefstädter Bürgerclub in Prag wegen Errichtung eines Rabbinerseminars überreichte Petition dem Reichsrathe vorlegte, hat vor seiner Abreise von Wien, Sr. Ercellenz dem Herrn Unterrichtsminister aus den von der Petitionscommission in dieser Angelegenheit erstatteten Bericht aufmerksam gemacht, und auch die Dringlichkeit dieser Angelegenheit hingewiesen. Sr. Ercellenz hörte die von den Abgeordneten angeführten Argumente mit großer Aufmerksamkeit an und sagte am Schluffe der Unterredung: „Ich danke Ihnen und verspreche Ihnen, daß ich mich für die Angelegenheit interessiren werde." In die in letzter Nummer veröffentlichte Prager Correspondenz hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. In der ersten Spalte der Seite 543 sollte der Satz von „um" in der 1. Zeile bis „veröffentlichte" in der 4. Zeile nicht an dieser Stelle abgedruckt werden. In der veröffentlichten Form scheint es, als ob die Jungczechen den hervorragenden Abgeordneten Herrn Franz Schwarz nicht wählen wollten, den bei Beginn der antisemitischen Bewegung in der „Osveta“ eine philosemitische Artikelserie veröffentlichte, während selbe gerade ihn an Stelle des Herrn Leopold Pollak gewählt hätten, wenn es zu einem Eompromiß gekommen wäre. I. S. Kraus. Budapest. Der hiesige Kaufmann Herr Sigmuud L ö v i t stellt uns ein Schreiben zur Verfügung, welches er vom reformirten Bischof Gabriel Pap in Erwiderung einer Dankadresse anläßlich dessen Aufrufes im Interesse der verfolgten russischen Juden, erhielt. W r entnehmen diesem Schreiben die folgenden interessanten Aeußerungen des menschenfreundlichen Bischofs: . . . „Ich habe nur meine Pflicht erfüllt und folgte blos dem Zuge meines Herzens, als ich den Aufruf erließ und eben deshalb verdiene ich keine Anerkennung, geschweige denn einen Dank. Das Vertrauen meiner Glaubensbrüder hat mich im Dienste meiner Kirche auf einen Platz gestellt, von wo aus mein Wort in weite Ferne erschallt und ich will auch, daß mein Wort in weiter Ferne vernommen werde, denn so wie Ihre Religion, gebietet auch die unferige als Fundamentalgesetz die Liebe zu Gott und zu den Menschen, denn wenn die russischen Verfolger auch Christen sind, ist doch die Verfolgung selbst keine christliche, dieselbe bildet kein Gebot der Christenheit und treten das Gebot der Nächstenliebe mit Füßen, die Andersgläubige in unmenschlicher Weise verfolgen. Durch meinen Aufruf proteftirt die Christenhett gegen die Solidarttät mit den Verfolgern. Indem ich die Jeder mcutn

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