Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020879--00584-3024581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 564 Vestrrreichische Wochenschrift. Nr. 31 Philipop cl (Bulgarien.) 209 Knaben und 300 Mädchen. Diese Schule hat nach dem Ausspruch des Directors des öffentlichen Unterrichtes zwei Lehrer der bulgarischen Sprache, die in ihrem Fach Capaziläten sind. In den höheren Elasten wird ausschließlich in der bulgarischen Sprache unterrichtet Erfreulich ist es, daß die hiesige Gemeinde die Hälfte der Kosten dieser Schule Francs 19.075 trägt. Rustschuck (Bulgarien.) 131 Mädchen. Diese Schule ist bei der Eomune so beliebt geworden, daß heuer die Subvention der Anglo-Iewish-Association nicht mehr in Anspruch genommen wurde, obwohl jetzt wie früher kein Schulgeld gezahlt wird. Von der Directrice gewünschte Anzahl Nähmaschinen wurden der Schule von hier zugeschickt. Salonique (Türkei.) 302 Knaben, 245 Mädchen. Die Schule liegt im Cenirum der Stadt, leider können nicht mehr Schüler und Schülerinnen Aufnahme finden, was bei einer Population von 60.000 jüdischen Einwohnern nicht möglich ist. Die Kosten der Reparatur des Gebäudes der Mädchenschule waren Lire 500. Smyrna. 284 Knaben, 218 Mädchen. Diese Schule ist sehr beliebt bei den Einwohnern. Die Prüfungen wurden vom General-Gouverneur im Beisein des franz. Eonsuls und anderen Notabilitäten abgehalten. Türkisch und Neugriechisch wird vorgetragen, der Elementar-Unterricht wird in der Allianz- Schule ertheilt; viele der ausgetretenen Zöglinge sind in der türkischen Tabak-Regie anzeftellt. Sofia (Bulgarien.) 641 Knaben, 289 Mädchen. Diese Schule wird nur mit Lire 75 subventionirt, da bei der Gleichstellung aller Confesfionen in Bulgarien der Staat Francs 8000 die Commune Francs 2000 zur Erhaltung dieser Schule jährlich beiträgt. Tetuar (Marocco.) 218 Knaben. Diese Schule war zum Schluß des Jahres 1890 in der glücklichen Lage, einen kleinen Ueberschuß zu haben. Hier besteht die Einrichtung, daß in einem der Schulzimmer eine Sammelbüchse ausgestellt ist, in welche die reichen Schüler täglich eine kleine Münze werfen, wovon die armen Schüler genügend bekleide: werden können. Publication der Israel. Cultusgemeinde in Wien. Josef und Cecilie Adler Stiftung für Arme. Am 26. October 1891 gelangen bei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde die halbjährigen Zinsen der obigen Stiftung ir Beträgen von 20—30 Gulden an arme Personen israelitischer Religion behufs Bezahlung der Wohnungsmiethe zu Vertlieilung. Die Bewerber haben die mit dem Nachw eis iher Aimut versehenen Gesuche bis 30. August 1891 im Secretariate der israelitischen Cultusgemeinde (I. Bez., Seitenstettengasse 4, II. Stock) von 9—12 Uhr Vormittag zu überreichen. Auf später einlangende Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Arme Verwandte der Stifterin, Frau Cecilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Kindern, ältere hilflose Frauen oder Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache ungehörigen Personen werden in erster Linie berücksichtigt. Gesuchsblanquette sind im Secretariat I. Bez., Seitenstettengasse Nr. 4, H. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Wien, am 1. August 1891. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde. Adam Herzfeld'sohe Ausstattungs- Stiftung. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bringt hiemit zur Kenntniss, dass die Zinsen der von dem Herrn Adam Herzfeld begründeten Ausstattungsstiftung im Betrage von heuer fl. 300 ö. Währ, an ein mit dem Stifter verwandtes Mädchen israelitischer Confession zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre, mit einem Armuts- und Sittenzeugnisse und dem authentischen Nachweise ihrer Verwandtschaft mit dem Stifter und dass sie sich im Brautstände befinden, versehenen Gesuche bis 30. August d. J. in der Kanzlei der hiesigen Cultusgemeinde (Stadt, Seitenstettengasse 4, II. Stock) zu überreichen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amstunden von 9—12 Uhr zu beheben sind. Wien, am 1. August 1891. Der Vorstand der israelit. Cultusgemeinde. dfürmpittem Wien. In Kronstadt und in St. Petersburg feiern Franzosen und Russen rauschende Feste, bei welcher die Hymne der Republik vor dem Czaren gesungen worden. Es gibt französische Blätter, die entzückt sind, daß die Ohren Seiner Majestät des Kaisers aller Reußen mit den erinnerunasvollen Klängen des Marseiller Marsches erschüttert werden durften. Man kann zugeben, daß der Fall ein eigenthümlicher ist, und Rougct de Liste hat gewiß nie geträumt, daß sein brausendes Sturmlied der Freiheit gnädig von dem letzten übrig gebliebenen Autokraten Europas angehört werden würde. Es ist wahr, die Ironie des Schicksals ist nicht klein. In jenem Rußland, wo jeder, der das Wort Freiheit ausspricht, zu einem nachdenklichen Mann in Sibirien gemacht wird, tönten jene Worte, die Tausende von französischen Freiheitskämpfern begeisterten: „Erbebt Tyrannen und ihr Wichte, Erkauft, bezahlt mit fremdem Gold; Erbebt dem nahen Strafgerichte, Mit Blut verzinst sich Sündensold! Ein ganzes Volk, auf Tod und Leben, Zieht kühn gegen Euch in den Krieg, Und fällt ein Held für unfern Sieg, Seht tausend neue sich erheben!" Sehen wir von dem unmittelbaren Anlaß ab, so müssen wir gestehen, daß uns der Einzug der Marseillaise in Rußland keineswegs mißfällt; es ist das immerhin ein Moment von historischer Bedeutung, da auch der zurückgebliebenste europäische Großstaat, durch die Verhältnisse gezwungen, in seinen Grenzen die Revolutionshymne der modernen Zeit gütig als — vorhanden anerkennt. Der Vorgang ist an sich von kleiner Bedeutung; aber auch solch kleine Vorgänge können Marksteine der Entwicklung sein, und von den gebildeten Russen, die Rouget de Lisle's sangen, stieg manchem gewiß die Erinnerung an 1789 und nicht das Bild eines kommenden europäischen Cabinets-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.