Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 31 (7.8.1891)
- Date
- 1891-08-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Orsterreichifchr Wochenschrift. Nr. 31 Säte 562 bas Werk patronisiren, dann bietet dies sicherlich ausreichende Gewähr für seine Verwirklichung. Die praktische Durchführung soll einem Comitä übertragen werden, mit dem ich gegemvärtig in Behandlung trete. Um meinem ganzen Emigrationswerke, welches sich nicht nur auf Argentinien beschranken, sondern auch andere Länder umfassen soll, streng geschäftsmäßige Leitung und straffe Organisation zu sichern, plane ich, demselben den Charakter einer Actien-Gesellschaft zu geben, deren hervorragendster Aktionär ich zu werden gewillt bin. ... Das Ergebniß meiner Angehenden Studien ist, daß die argentinische Republik das geeigneteste Colonssationsfeld ist. Fast zehnmal so groß als Frmckreich, zählt sie eine Bevölkerung von nur vier Millionen Seelen, bietet also Raum für alle gegenwärtig in Rußland ansässigen Juden, und die klimatischen wie die agriculturellen Verhältnisse verheißen dem Ackersieiß sicheren Erfolg. Weniger geeignet erscheint mir Kanada, welches mit seinem sechsmonatlichen Winter, die Ansiedler sechs Monate des Jahres zur Unthätgkeit verurtheilt und somit in ihrem Fortkommen behindert. Auch Brasilien dürste sich als Colonssationsfeld vielleicht weniger eignen, weil die klimatischen Verhältnisse nicht in allen Theilen günstig sind. Dagegen könnte Venezuela eher in Betracht kommen, das nicht nur Raum für eine starke Einwandererzahl sondern auch vortreffliches Klima und fruchtbaren Ackerboden hat.". Das „Wiener Tagblatt" meldete aus Karlsbad vom 30. Juli: Heute fand eine Conferenz zwischen Baron Hirsch, dem Vorstand des deusschen Centralcomitös für die russischen Juden, Bankier Goldberger und dem Schriftführer dieses Vereins Justizrach Breslauer statt. In dieser Berathung, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Daß, um der Action des Baron Hirsch den gehörigen Nachdruck zu geben, die israelitischen Hauptgemeinden Europas und Amerikas dem Emigrationswerke ihre Patronage sichern. Die einleitenden Schritte hierzu sind bereits erfolgt. 2. Daß die außerhalb Rußlands bereits bestehenden Executionscomitäs durch geeignete Elemente verstärkt werden, damit dieselben ihrer schwierigen Aufgabe Herr werden können. 3. Daß Baron Hirsch unter Mitwirkung der obgenannten Elemente Herrn Arnold White eventuell mit einem zweiten Delegirten nach Rußland enssendet, um daselbst unter Genehmigung der russischen Regierung die Constituirung eines Localcomitös in St. Petersburg und von mehreren Localcomites in der Provinz vorzunehmen. Es wird bekanntgegeben werden, daß diejenigen Emigranten, welche ohne Genehmigung ihres Localcomites und des Centralcomitss in Petersburg ihre Heimat verlassen und sich den von diesen festgestellten Maßnahmen entziehen, dies auf eigenes Risiko thun und auf den Schutz des Emigrantencomitäs nicht zu rechnen haben. Man hofft, daß auf diese Wesse die vielen Klagen und Leiden, welche der gegenwärtige Zustand zur Folge hat, vermieden werden, besonders wenn die russische Regiemng, den Ernst des Werkes sehend, die vielen Unglücklichen, welche durch die bekannten behördlichen Maßnahmen dem Elende preisgegeben werden, vorderhand in Ruhe läßt. E pur 8i mouve. Ich schwöre ab, verfluche und verabscheue als Jrrthum und Ketzerei die verdammte Lehre, daß die Sonne unbeweglich sei und die Erde sich bewege. Ich verspreche, nie zu reden, oder zu schreiben über die Bewegung der Erde, welches das heilige Gericht verdammt als eine falsche, ungereimte, ketzerische und schriftwidrige Meinung. Mit diesen Worten, hat der hochverdiente Astronom Galileo Galilei am 22. Juni 1663, durch die Jnquisi ion gezwungen, das Kopernikanssche System, im Kloster Minerva zu Rom, auf den Knien liegend abgeschworen. — . Beim Aufstehen, soll der Gepeinigte zähneknirschend und mit den Füßen stampfend, gemurmelt zu haben: „E pur 8i mouvo“ „und sie bewegt sich doch". So wie die Gesetze des Stemenhimmels über uns, wird auch das moralische Gesetz in uns, allen Gewalten zunr Trotz sich erhalten. Man mag die Ideen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit mit Füßen treten, mag sie leugnen, mag sie abschwören, die große Wahrheit vom Ewig-Menschlichen im Menschen, kann tausendfach verdammt und verspottet werden, „und sie bewegt sich doch!" Die finstern Mächte haben wie schon oft, auch in neuester Zeit, der Humanität den Krieg erklärt. Von Weihrauchwolken und Sophismen umdüsterte Gemüther, wenden sich mit grimmer Wuth, gegen die Nachkommen Israels, um ihnen Freiheit, Ehre und Menschenrechte zu rauben. Werden die Nachtgedanken dieser bösartigen Reaction den Sieg erringen? O nein! Aus den in Deutschland und Oester-reich, von hochherzigen Männern gegründeten Vereinen zur Abwehr des Antisemitismus murmelt das tröstende „Und sie bewegt sich doch".— Und sie wird sich immer bewegen, fortbestehen und einst herrschend werden, die tiefwurzelnde Wahrheit, von den unveräußerlichen Rechten aller vernünftigen — Lebens-, — Leidens¬ und Sterbensgenossen; mag auch Herr Stöcker das Gegentheil beeiden, und Herr Schneider es mit allen seinen Stampiglien besiegeln. Das Recht ist auf unserer Seite, und die Menschlichkeit spricht für uns; aber eben deßwegen sind wir doppelt und dreifach verpflichtet, in diesem Kampfe um die edelsten Güter der Menscheit, bei dem es sich um die Fortexistenz unseres Stammes handelt, die „Vorhut" zu bilden. Wenn wir die Abwehr des Antisemitismus nur andern überlassend, die Hände müßig im Schoße behalten, wird die Wahrheit erst über unfern Gräbern siegen.— Diese Einsicht sollte in allen Schichten unseres Volkes platzgreifen; denn der Einzelne vermag hier auch im besten Falle nur sehr wenig, das ganze Volk Alles. Was ist 'eigentlich Antisemitismus? Es ist Lug und Trug, Arroganz und Gemeinheit, Heuchelei und Schwindel, Bosheit und Zelotismus, Raublust und Mißgunst, kurz, der blinde thierische Geiz, in seiner üppigsten Blüthe. Wenn wir von den Personen, die diesen Wechselbalg hegen und pflegen, absehend, uns gegen die Elemente, aus denen er zusammengesetzt, selbst kehren, haben wir das Richtige getroffen und dürfen auf Erfolg rechnen, dann aber gibt es sehr viel, vor den eigenen Thüren zu schaffen. Ob der Lüge und Gemeinheit, die uns draußen so heftig entgegentritt, von Abscheu und Ekel erfüllt, sollten wir Alles was ihm ähnlich oder verwandt, aus unserem Lager bannen. Eine tief ethische Erziehung für unsere Söhne und Töchter, und ein streng rechtliches, sittsames