Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 31 (7.8.1891)
- Date
- 1891-08-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 31 Oesterreichifche Professor Strack unterläßt nicht darauf hinzuweisen, daß die alten Christen einst denselben Anklagen ausgesetzt waren, daß der arische Pöbel des alten Römerrciches gegen die Christen in derselben Manier hetzte, wie heute die Antisemiten gegen die Inden. Leider hat er eines unterlassen was nicht unwichäg ist. Es hat der Abgeordnete Dr. Bloch in seiner Rede vom 11. Februar 1890 an die Christen-Metzekeieu in China vom Jahre 1370 erinnert, deren äußerliche Ursache die war, daß China gegen die Christen die Anklage erhoben worden, daß sie Chinesenkinder zu religiösen Zwecken heimlich abschlachten. Tausende und Tausende von Christen sind damals den bethörten chinesischen Behörden zum Opfer gefallen. Unter den Opfern befand sich der französische Consul Fontanier (der einzige Consul in Tien-Tsin) mit dem größten Theile seines Personales, die Mitglieder der Laz.uisien-Mission und sämmtliche Schwestern vom Orden des heiligen Vinc.nz de Paula. Kirche und Kloster wurden zerstört. Bö er sich darüber unterrichten will, lese das Buch „Spaziergänge um die Welt" von Baron Hübner, Band III, S. 176. Der Bericht des Freiherrn von Hübner, welcher auf authentischen Urkunden (Blue Book» und Aussagen der wenigen überlebenden Thatzengen beruht, liest sich wie ein Plagiat, wie eine Hetze nach berühmten Mustern. Jenes stärkste Agitasionsinittel, welches den rohen Jnstinct der Massen am leichtesten zu erregen vermag — die Blutbeschuldigung — ward gegenüber den Christen gebraucht, systematisch ausgebeutct zur Verführung des Pöbels, gerade so, wie es jetzt von gewisser Seite gegen die Juden geschieht. Es ist in diesem Berichte nicht alles so chinesisch, wie es den Anschein hat. Der Abgeordnete Dr. Bloch hat darum auch iu der erwähnten Rede den Clcricalen zugerufen, vorsichtiger zu sein mit Anklagen, die ein zweischneidiges Messer sind, ilnd wenn derlei Märchen ausgestreut werden, so könnten sie in fremden Welttheilen ganz andere Effecte erzielen, als die Urheber vermuthen und beabsichtigen. Uns diese Prophezeihung ist schnell zur Wahrheit geworden. Erst vor wenigen Wochen brachte die „North China Daily News" neuerdings Berichte über die C iristeu-Versolgungcn in China, welche zeigen, daß die rcligiösett Versolguugen unter allen Zonen eigen lich mit denselben Mitteln arbeiten. Der Fanatismus des chinesischen Mobs gegen die C)'.isten wurde wiederum erregt und ausgestachelt durch die Erfindling des Märchens, daß die jesuitischen Priester in den unter ihrer Obhut stehenden Waisenasylen zahlreiche chinesische Kiitdcr lödtcn. um aus den Augen derselben eine heilbringende Medizin zu bereiten. Thalsache ist, daß die Geschichte von der unwissenden, von rohen Jnstincten geleiteten Bevölkerung blind geglaubt wird. Und aus diesem Irrwahn, welcher — von einzelnen fanatischen Bonzen — mir teuflischer Tücke dem chinesischen Pöbel eingeimpst wurde, sind Verfolgungen nab gräßliche Mordbrcnnereieu entsprungen, denen die katholischen Missionäre ausgcsetzt sind. "Nach einer Meldung des Londoner „Standart" aus Shanghai vom 27. Jlili sei an der Aufreizung der Chinesen zu Gräuelthateu gegen die Christen, der Sohn eines in einer hohen Stellirng in Europa befindlichen chinesischen Diplomaten hervorragend betheiligt. Derselbe hat auch Ausrufe an die Bevölkerung ve saßt, in welchen dieselbe zur Erhebung wider die Fremden ausgesordert wird. Also China ist ganz europäisch, und selbst seine „nationalen" Hetzer arbeiten, als wären sie Studenten der Grazer oder Wiener Universität. Tie Wiener Antiseinilenblätter thun zwar als ob sie an diese Berichte nicht glaubten, die „Politischen Fragmente" in der jüngsten Nummer ineinen, „so dumm ist der Chinese nicht," inde'scn schätzen wir die Intelligenz der Chinesen jedenfalls nicht höher, als die der Wiener Antisenliten. stricht die Dummheit, sondern die striedertracht der Volkshetzer ist in China wie bei den europäischen Chinesen die Trägerin derlei erlogenen Anklagen. Tiefe Niedertracht war cs auch, welche die Blutinär im alten Rom gegen die Christen ersonnen. Wer die christliche Martyrologie kennt, der weiß auch, daß dir vierte Christenverfolguugiin fünszehnten Regierungsjahre des Imperators Antonii Pii aus Grund dieser infamen Berläumdung entstanscn. <*3 ist eine gesch'ch lich beu'kündete Thalsache, daß die Auserftehungs Ceremonie, mit der die Christen ihre ersten Ostern einleiteten, den arischen Haruspices in Rom ein.' erwünschte Handhabe geboten haben, die Christen zu verlänmven, daß sie ein mit Mehl bestreutes Kind nach vielen ihm bcigebrachten Wunden töoten und das Blut trinken. Und wie ein rother Fasen zieht sich diese von der boshaften Niedertracht ersonnene Blutschuld durch die noch später folgenden neun Christenversolgungen. Ebenso ist es geschichtlich feststehend, daß sämmtliche Kirchenväter — bis ins vierte Jahrhnnsert hinein —des religiösen Schrift- Wochenschrkst.Seite 561 thums der Juden, in welchem, wie sie betheuerten, auch ihre Religion beurkundet sei, als Vertheidigungswasfe sich bedienten. Wie E i n Mann riesen sämmtliche Kirchenväter in Zeiten ihrer Drangsal ihren Widersachern zu: Leset doch die jüdischen Schriften! Ihr werdet dort eine Lehre finden, die nicht blos älter, sondern auch erhabener ist als die eu ige. Und diese Lehre ist auch die maserige. Denn der einzige Unterschied zwischen uns und ihnen (den Juden» besteht in ihrer Erwartung des Me'sias. (Errarant ergo Jalaei de prima D »mini aiveutu et inter nos atque ipsos eet solo dissidium.) So mußten si h die Kirchenväter gegen die heidnischen Arier vertheidigen, die sonst ganz gescheidte Leute waren. Das Elnrgrakivnswerk des Herrn Baron Hirsch. Gegenüber Herrn Dr. H. Hildesheimer hat sich Herr Baron Hirsch folgendermaßen ausgesprochen: Es ist ihm gelungen von der russischen Regierung eine Reihe von Zugeständnissen zn erlangen, deren wichtigste die folgenden sind: 1. Es wird ein Centralcomll6 in St. Petersburg errichtet, welches das gesammte Emigrationswerk zu überwachen und zu leiten hat. In diesem Eomite, dessen Mitglieder Juden sind, lvird die Negierung durch einen höheren Beamten vertreten sein. 2. Es werden in den größeren jüdischen Centren Localcomites errichtet, welche die zur Auswanderung tauglichen auszuwählen und dem Centralcomitä zu nennen haben, ryelches dann die Beförderung der Auswanderer leitet. Die Mitglieder des Localcomites sind ausnahmslos Juden. 3 Die seitens des Comitäs zur Auswanderung Bestimmten und mit entsprechenden Attesten versehenen werden, falls sie dem Militärdienst noch nicht genügt haben, aus den Aushebungslisten gestrichen, d. h. vom Militärdienst bestell. 4. Die Regiemng erklärt sich bereit, die von den Comlles zur Auswanderung bestimmten aus Staatskosten bis an die Grenze des russischen Reiches zu befördern, resp. einen Beitrag 311 diesen Kosten zu leisten. Die Jnstallirung dieser Comitäs wird, wie ich hoffe, glatt erfolgen und in kürzester Frist vollzogen sein. Mr. Arnold White wird sich vonvirgend zu diesem Zwecke züm zweiten Male nach Rußland begeben. Nun kann aber auch diese Errichtung der Comites nicht ausreichen, um das Emigrationswerk in den richtigen Grenzen zu erhalten, vielmehr ist zu befürchten, daß die Allswanderung ebenso plan- und ordnungslos, wie dies leider gegenwärtig der Fall ist, sich vollziehen wird, so lange der Druck der Verhältnisse in Rußland fortdauert und zur Auswanderung zwingt oder verleitet; aber ich habe begründeten Anlaß zu der Annahme, daß die Regienlng, angesichts des von mir geplanten Unternehmens eine Milderung des Druckes, keinesfalls eine Verschärfung wird eintreten lassen, so daß die Auswanderung sich allmälig, in den von den Verhältnissen gebotenen Grenzen wird vollziehen können. Soll dies erreicht werden, so erscheint es nöthig, das Vertrauen der russischen Regierung zu verstärken, daß das von mir unternommene Werk auch thatsächlich zur Ausführung gelangen wird. Ich bin ein einzelner Mensch; ich weiß nicht, ob ein Einzelner der russischen Regierung ausreichende Garantie bietet. Deshalb bin ich entschlossen, mein Unternehmen zu einem Unternehmen der gesammten Judenhell zu gestalten, und ich wende mich soeben an die hervorragendsten jüdischen Rotabilitäten Europas und Amerikas mll der Aufforderung, meinem Werke ihre Patronage zuzusichern. Wird die Crßme, der repräsentative Ausdruck der Judenhell der genannten Länder