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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 560 Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 31 Es ist aber auch höchst betrübend, daß eine erhebliche Zahl braver, tapferer Soldaten, die des Kaisers Rock in Ehren tragen, Schimpfund Schande über sich ergehen lassen müssen, einfach deshalb, weil sie Juden sind. Der in seiner Ehre angegriffene Ossicier kann, resp. muß sich Genugthuung schaffen — bei Sujet mauvais, wie sie in der Redaction des „Deutschen Volksblatt" Hausen, muß man auf eine ritterliche Satisfaction, die sir zu leisten ja nicht im Stande und befähigt sind, verzichten. — Nicht in der gleichen Lage ist der Unterofficier, dem das Kriegsgesetz und die Disciplin jede Herausforderung strenge verbieten. Es sollte deshalb Sache der maßgebenden Factoren sein, die in ihrer Ehre verletzten kaiserlichen Sildaten in Schutz z l nehmen und ihnen Genugthuung zu verschaffen, schon aus Rücksicht auf dm allerhöchsten Dienst, der darunter leiden muß, wenn in die Truppe verhetzende Einflüsse hineingetragen werdm und auf die Subordination, die eine Lockerung erfahren kann, wenn die Achtung der Mannschaft vor den ihnen vorgesetztm Unterofficieren, denen im Krieg wie im Frieden ein für die Armee höchst wichtiger Dienst zugewiesen ist, in sträflicher Weise untergraben wird. Bisher haben die Antisemiten aus gutm Gründen nicht gewagt, ihre Verhetzungen auch in die kaiserliche Armee hineiuzutragen und es muß als ein bedenkliches Symptom angesehen werden, daß sie derzeit sich schon herausnehmen, die früher unüberschreitbare Schranke zu beseitigen und mit Unverfrorenheit, die die Aufmerksamkeit der interessirten Kreise zu erregen verdient, Angriffe auf eine jedem Patrioten thmre Institution, wie es die Armee ist, frank, frei und ungeahndet zu machen. In letzter Consequenz ist es freilich den clerical-feudalen Antisemiten mit ihrer Forderung auf Ausschließung der Juden vom Staatsdienste nur darum zu thun, den Juden das Studiren zu verleiden. Unwissend und verdummt möchten sie gerne uns sehen. Ein blödes und verthiertes Judenthum wäre ihr höchster Triumph. Diesen Triumph sollen sie aber niemals haben. Der Jude wird immer gerüstet sein, seine Rechte zurückzuerorbern, wenn sie chm je genommen werden sollten, und damit auch in weiterer Linie das Volk zu befreien. e. b. Literatur des Vlutmärchens. Die Blutbefchuldigmrg von Korfu. Die Vorgänge von Korfu find noch in Aller Gedächtniß. Die aufgefnndene Leiche eines kleinen Mädchens, das ein Jude als sein Kind bezeichnete, gab die Veranlassung zu der Beschuldigung eines rituellen Mordes, indem man vorgab, das Kind sei gar keine Jüdin, sondern eine Christin. Man weiß, welche traurigen Folgen diese Lüge hatte. Es wurde angegeben, das gefundene Mädchen sei nicht die Tochter, sondern die Pflegetochter des jüdischen Schneiders Sarda und heiße Maria Dessyla; dasselbe sei von dem Pflegevater in Gemeinschaft mit dem Synagogendiener Naron und dem Todtengräber Ephraim geschlachtet worden. Als Belastungszeugen wurden römisch-katholische Ordensschwestern, Leiterinnen einer konfessionellen Schule auf Korfu, genannt, denen das Mädchen wiederholt gesagt habe, daß es Maria Dessyla heiße; ferner der Schutzmann Charolampis, welcher bei seinem nächtlichen Rundgang mehrere Leute auf dem jüdischen Begräbnißplatz gesehen haben will, die einen Leichnam heimlich vergraben wollten, unter denen er auch den Synagogendiener Naxon erkannt habe; dann der Polizeibeamte Sorkopulos, welcher Sarda Morgens in gebückter Stellung neben dem Sack bemerkt habe, der die Leiche des Mädchens enthielt. Alle diese Angaben, die die antisemitischen Blätter brachten und weidlich ausbeuteten, stellen sich nun durch die vom Rabbiner Dr. Horowitz als Anhang zu einem Vortrage über die Blutbeschuldigung mitgelheilten, jetzt zum erstemnile veröffentlichten Aktenstücke als bodenlose Lüge heraus. 1. Eine Uebersetzung der im Original französisch geschriebenen Bescheinigung der unterrichtenden Nonne des Ordens „Notre Barne de la Compassion“, Schwester Maria Laetitia, welche aussagt, daß zu Anfang des Monats Juli die kleine Rubina Sarda mit Erlaubniß des römischen Erzbischofs von Korfu, Herrn Boni, in die Freiabtheitung, die sie leitete, ausgenommen wurde, die Schule im Oktober wieder verließ, um eine um diese Zeit von der italienischen Regieruug in Korfu gegründete Schute zu besuchen. Ferner bescheinigt dieselbe, daß das Kind sich zur jüdischen Eonfession seiner Eltern bekannte, in der Schule nie anders als Rubina Sarda genannt wurde, und sie niemals von einem Kinde, daß Maria Dessyla hieß, habe sprechen hören. Die dem Herausgeber vorliegende Copie ist von dem französischen Konsul in Korfu, A. Danlour, unterm 22. Juni 1891 verisizirt. 2. Ein vom Polizci-Jnspector S. Mariza auf Korfu gezeichnetes Aktenstück vom 8./20. Juni 1891, in dem ausgesagt wird, daß „seit vielen Jahren keine Person mit Namen Charalampis oder Sorkopulos als Polizeibeamter" in Korfu gedient habe. Die Unterschrift ist vom Präsekten auf Korfu, G. Buklakos, unterm 11./23. Juni bestätigt. Original griechisch. 3. Erklärung des Oberrabbiners Da Fano, daß es in den dortigen Synagogen keinen Diener mit Namen Naron gebe, „und daß der Name Ephraim ebensowohl als Vorwie als Nachname einer in der israelitischen Gemeinde zu Korfu lebenden Person vollständig unbekannt ist." Original französisch. Diese bis jetzt noch nicht veröffentlichten Urkunden zeigen, welch ein Lügennetz gewoben worden ist, um unschuldige Menschen um Leben, Hab und Gilt zu bringen. Zwei im „Ergates" erschienene Bekanntmachungen seitens des Obberrabbiners und des Präfecten weisen aus den offiziellen Listen nach, daß das gemordete Kind die eheliche Tochter des Schneiders Sarda war und den Namen Rubina führte. * * „Der Blutaberglaube bei Christen und Juden" von Hermann L. Strack Dr. theol. et pliil. ». o. Professor der Theologie an der Universität zu Berlin. München, C. H. Beck'sche Verlagsbuch: Handlung (Oskar Beck) 1691. Der Herr Professor der Theologie an der Berliner Universität Dr. H. L. Strack, welcher schon 1832 wegen der Tisza-Eszlar-Geschichte sich über das „Märchen" von der Verwcitdung von Ehristenblut zu rituellen jüdischen Zwecken ausgesprochen hat, hat soeben, veranlaßt durch die Vorkommnise in Korfu, von neuem seine Stimme erhoben, in einer Schrift: „Der Blutaberglanbc bei Christen und Juden." Das Mahnwort, welches er der christlichen Geistlichkeit und dem ganzen christlichen Volke zuruft, lautet: „Auf zum Kampfe, nicht nur wider den Unglauben, sondern auch wider den Aberglauben." Die Schrift wendet sich nicht nur gegen jenes Märchen, sondern, gestützt auf die Ergebnisse eingehender Studien, gegen den in vielen Formen auftretenden Blutabcrglauben überhaupt, sie wird daher auch von Manchem mit Interesse gelesen werden, der eine abermalige Widerlegung des Märchens vom Kindermorde zu rituellen Zwecken vielleicht für überflüssig hält. Mehr als Gründe wird auf Viele wirken, das vom Autor citirte interessante Zeugnis; des durch seinen Streit mit Rcuchlin bekannt gewordenen Talmnd- und Judenfeindes Johannes Pfeffer" körn. Dieser schreibt in Lpeenlum ^.ddorkatiouis Jadaicae ad Christum (Köln 1507 4to): „Hier möchte ich ein weit verbreitetes, aber nichtiges Gerede gegen die Juden widerlegen, damit wir Christen nicht deshalb lächerlich werden. Man sagt gemeinhin irnter den Christen, daß die Juden Christenblut als Heilmittel zu brauchen nöthig hätten und deswegen kleine Chriftenkinder tödteten. Theure Christen! Glaubt das nicht! Es widerspricht der heiligen Schrift und dem Gesetze der Natur und Vernunft. Daher muß ich in dieser Angelegenheit die Juden vertheidigen, nur mit einer Einschränkung. Es ist glaublich, daß Juden gefunden sind und vielleicht noch gefunden werden können, welche Christenkinder heimlich bis auf den Tod verfolgen, ja doch nicht wegen einer Nothwendigkeit ihr Blut zu haben, sondern aus Haß und um sich an den Christen zu rächen, wie sie einst, da sie mehr Macht als jetzt hatten, Christum, die Apostel und seine Schüler und Gläubigen öffentlich verfolgt haben. Seid daher darüber nicht in Unruhe! . . . Fliehet und vermeidet also diese lächerliche, falsche und, wenn ihr es genau betrachten wollt, uns Christen nicht wenig zur Verachtung gereichende Rede. Bleibt bei der Wahrheit, indem ihr solchen Wahn fallen laßt, o Christen! Wir wollen nicht etwas erdichten, was falsch ist und uns keine Ehre macht!" (Ueber Pfefferkorn vgl. Wolf, Bibliotheca Hebraea I, Nr. 1845.)

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