Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020878--00569-3024565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
©eite LsO Orsterrrichifchr Wochenschrist. Nr. 30 Dr. Adler dem Lordmayer ca. 760 Pf. (15.000 M.) zugehen lassen. Diese Sammlungen finden in allen Synagogen und Kirchen zweimal jährlich statt. London. Am Dienstag, den 7. d. M. wurde Herr Marcus Saniuel zum Alderman für den Bezirk Portsoken gcwähll. Bei seiner Einführung durch den Deputirlen H o r a k entwarf dieser eine Skizze der commerciellen Carriere des Herrn Samuel und bemerkte hiebei, daß durch dessen Vermittlung der Handel zwischen England und Japan einen so hohen Aufschwung erfahren hatte. Hierauf leistete Aldermann Samuel den vorgcschriebenen Eid und empfing die Glückwünsche des Lordmajors und des Collegiums. Der Chief Rabbi ist bei der Rathsversammlung des Herrenhauses über die Volkswohnungen in die Reihe der Vicepräsidenten gewählt worden; die übrigen Vicepräsidenten sind: der Erzbischof von Canterbury, Cardinal Maning und Lord Salisbury. London, 2 7. Juli. Wie die„Times" von unterrichteter Seite erfahren, erlangte Baron Hirsch durch seinen Agenten White zwei wichttge Zugeständnisse, nämlich die Abschaffung der kostspieligen Päffe für Auswanderer und die Genehmigung zur Bildung von Auswanderungs-Comitäs in ganz Rußland für Förderung seiner Auswauderungs-Pläne in Verbindung mit dem Berliner Centtal-Ausschuß, was bislang nur im Geheimen möglich war. In maßgebenden Kreisen wird geglaubt, daß, wenn erst der fünfte Theil der russischen Juden ausgewandert sein werde, die Wirkung auf Rußland vom commerciellen und financiellen Standpunkte so nachtheilig sein werde, daß die russische Regierung im Interesse des Reiches s e l b st die Juden-Verfolgung schleunig st einstellen werde. Belgrad, 12. Juli. Unser Glaubensgenosse H. S. Davitcho, bisher serbischer Consul in Budapest, ist zum Staatssekretär im Ministerium des Aeußeren ernannt worden und hat seine Stellung in diesen Tagen angetteten. Athen, 9. Juli. Auf Veranlassung des Vorstehers der hiesigen jüdischen Gemeinde, welcher den Staatsanwalt auf das Erscheinen eines Pamphlets, betitelt „Die Menschenopfer der Juden" aufmerksam gemacht hatte, wurden die noch im Besitze des Verlegers Vorgefundenen Exemplare confiszirt. Alexandrien, 6. Juli. Der Khedive hat unseren Glaubensgenossen P. T o w r e st, Inspektor beim hiesigen Zollamt, den Titel eines „Bey" verliehen. Herr Tow rest, der bei dem Bombardement von Alexandrien als egyptischer Offizier sehr viel zur Unterdrückung des Aufstandes beigettagen hat und dem seiner Zett hierfür seitens der englischen Admiralität besonderer Dank ausgesprochen wurde, hat sich als Sprachforscher und Bibelkenner einen großen Namen gemacht. Alexandrien, 8. Juni. Heute fand im hiesigen Zizinia- Theater eine Galavorstellung zum Besten des jüdischen Hospitales statt. Fast alle Honoratiorm der Stadt hatten die Vorstellung mit ihrem Besuche beehrt und war die Nachfrage nach Eintrittskarten so stark, daß außer den vorhandenen noch eine besondere Anzahl reservirter Plätze hergerichtet werden mußte. Das finanzielle Ergebniß war ein Nettoüberschuß von circa 3500 Dollars, welcher Bettag dem Hospital fond zu gute kam. Tripolis. Unweit Tripolis existirt ein Dorf, Namens Amruz, das seinesgleichen auf dem Erdenrunde nicht mehr finden dürste: dasselbe ist nämlich ausschließlich von Juden bewohnt, die wieder insgesammt vom Synagogendiener an bis zum Vorsteher und Rabbiner hinauf das höchst schwere, aber auch höchst ehrsame Schmiedehandwerk betteiben. Gearbeitet wird von Früh bis Abends, worauf sich Alles in die Synagoge begibt, um dort das Nachtgebet zu venichten. Auch die Alten nehmen an der Arbeit theil; da sie aber den Hammer nicht mehr schwingen können, so setzen sie dafür den Blasebalg in Bewegung Die meisten sind Waffenschmiede, welche für die Araber, zumal für Stämme in der Sahara, die unentbehrlichen Waffen: Iatagans, Schwerter, Schlachtkolben rc., zu deren Erzeugung sich der träge Wüftensohn nicht hergeben mag, fabriciren. Diese von den Juden erzeugten Waffen gelangen sogar bis an den Nigger- und Benuestrom, wo sie sehr gesucht sind. Die in Amruz wohnenden Juden sollen bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels, als noch die Römer in Nordafrika herrschten, eingewandert sein, und so sahen sie dort nach einander drei Religionen herrschen: das Heidenthum, das Christenthum und den Islam. New-Aork. Auf Kosten des Baron Hirsch-Fondes wurde unter Leitung von Mr. B. B. Hoffmann eine Handelsschule in New-2)ork eröffnet. — Dr. Henry M. Leipziger wurde zum Unterinspector der öffentlichen Schulen in New-Aork ernannt. Derselbe war bisher Direktor der israelit. technischen Schule in New-Nork. Australien. Aus den letzten australischen Postnachrichten ist zu ersehen, daß Herr M. A. Rapken, der Schatzmeister der Ost-Melbourner hebräischen Gemeinde, mit Baron Hirsch wegen der Ansiedlung von 2000 russisch-jüdischen Familien in dem sogenannten Mallee-Lande im Nvrdwesten Victoria's in Unterhandlungen steht. Herrn Rapken sind in jenem Distrikt und in nächster Nähe einer Eisenbahn 168 Ouadratmeilen fruchtbaren und wohlbewässerten Landes angeboren worden. Um seinen Vorschlag auszuführen, möchte Herr Rapken ein Syndikat gründen, welches den 2000 russisch-jüdischen Familien das Ankaufsgcld vorstrecken soll. Sollte der Plan mit Erfolg durchgeführt werden, so würde jede der betteffenden Familien nach zwanzig Jahren Eigenthümerin einer freien Farm von 300 Morgen Landes sein. Lesefrüchke. (Die Schicksale des Paters Mortara.) Cs war am Nachmittag des 27. Juni 1857, als aus einem Hause in der Via Lami in Bologna Cchmerzensruse ertönten. Es waren die israelitischen Eheleute Mortara, denen die Gendarmen Papst Pius H mit Gewalt ihr Söhnlein Wegnahmen. Die Magd des Hauses hatte nämlich ohne Vorwissen der Eltern und auf den Rath des die Arzeneien liesernden Apotheke, s das seit einigen Tagen schwer erkrankte sechsjährige Kind Edgardo Mortara taufen lassen, in der Hofsnung, daß es genesen würde. Es genas wirklich und Pius IX., welcher erfuhr, daß der Knabe Katholik sei, befahl seinen Gendarmen, das Kind den israelitischen Eltern wegzunehmen, und ließ es in das Kloster San Pietro in Vincoli bringen, wo er bei ihm Pathenstelle versah. Der Papst trug besondere Sorge für den Knaben. Nachdem Pio Edgardo Mortara zehn Jahre in dem Kloster zugebracht hatte, wurde er auf Mission ins Ausland geschickt und durchzog Oesterreich, Frankreich und Spanien. Es ist bekannt, daß er, da er sich nicht der Hebungs-Commission im Jahre 1870 vorstellte, als renitent erklärt, aber vom Tribunal in Florenz losgesprochen wurde. Nach zwanzigjähriger Abwesenheit kehrte Pater Mortara nach Italien zurück und begab sich nach Rom zu seiner Mutter und seinem Bruder, welcher Secretär des Ministers Luzzatti war, und für die er, wie für alle anderen Mitglieder seiner Familie und seine Verwandten, eine große Liebe nährt. Am 16. Juli dieses Jahres hielt Pater Mortara in der Kirche San Carlo in Modena eine Predigt vor einem ungemein zahl» reichen Publicum, das aus Damen, Geistlichen, Gläubigen und sehr