Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 30 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Brünn, 15. Juli. Zm Mai dieses Jahres, wurde der Reserve-Lieutenant des 8. Infanterie-Regiment Eugen Frey dadurch provozirt, daß ihm ein aktiver Lieutenant desselben Regiments im eigenen und im Raulen von drei Kollegen erklärte, mit ihm (Frey) nur dienstlich verkehren zu wollen. Lieutenant Frey ist Jude und im 8. Infanterie-Regiment befindet sich kein aktiver Offizier jüdischer Religion außer ihm. Infolge dieser Erklärung fanden schon Anfangs Mai zwei Duelle Frcy's und zwar mit Lieutenant Victor H e i n z und Lieutenant Heinrich v. Silber statt. Elfterer wurde am Gesicht verivundet. Mitwoch wurden, nachdem die Angelegenheit alis verschiedenen Gründeil verschoben worden ivar, die Duelle wieder aufgenonlinell, und zlvar mit Lieutenant Johann Ritter v. Weiß, der mehrere Willlden davvlltrug, und am Donnerstag mit Lieutenant Victor Zaczck, der seinen Gegner Frey am Kopfe leicht verwundete. Hiermit dürfte diese Angelegenheit, welche in verschiedenen Richtungen viel besprochen wurde, wohl erledigt sein. Marienbad. Ein überaus interessantes Concert, dessen Ertrag dem H e r n a l s e r O. f f i; i e r s t ö ch t e r i n ft i t n t zufällt, fand am 23. d. M. im hiesigen Eursaale statt. Die erste Anregung hiezu war von der Gemalindes Kriegsministers Baron Bauer ausgegangen, deren Idee denn auch von der Elite der hier weilenden Damenwelt mit wahrem Feuereifer aufgegrifsen und von einer Reihe glänzender Künstlernamen wirksam unterstützt, einer in jeder Beziehung erfolgreichen Verwirklichung zugesührt wurde. Schou einen Tag nach Eonstiluirung des Eomitßs war ein ausverkanfter Saal gesichert. Freilich war auch das Programm des Concerls anziehend genug. Alfred und H einrich G r ün fel d eröffneten dasselbe mit einer stylvoll inlerpretirten biummer von Saint-Saens. Die Opernsängerin Frau Elser aus Frankfurt am Main sang eine Arie der Elisabeth aus „Tannhäuser" sehr verdienstlich, worauf Heinrich Grün scld die erste Serie der musikalischen Vorträge durch drei brillant execntirte ViolonceUstücke schloß. Ruu erschien Fräulein Jenny Groß und hatte mit einigen Declamarionsstücken besonderen Erfolg. Ter Hosopern- und Kammersänger Georg Müller, sang eine Arie aus Glncl's Iphigenie und entzückte durch seine Leistung. Als Diee« äe r68i3tnn66 brachte unser Kammervirtuose Alfred Grün seid Lißt - Wagner's „Isoldens Liebcstod" und seine eigene Phantasie über Gounods Faust- Wie stets, entfesselte der Künstler auch diesmal einen schier endlosen Beifallssturm. Dem wohlthätigen Zwecke hat der schöne Abend die stattliche Summe von nahezu 6000 fl. zugeführt. München. Der Magistrat der Stadt Nürnberg hat laut „Gen.-Anz." den Stadtrath Kohn zum Standesbeamten gewählt. Dieser nahm die StelllUlg ilicht an. — Der Privatdocent Dr. Felix Skusch ist zum außerordentlichen Professor für Gynäkologie in der medicinischen Facultät der Universität Jena ernannt worden. Mannheim. (E i n A n t i s e m i t w e g e n W u ch e r s angeklagt.) Vor einiger Zeit berichtete ein Mannheimer Blatt, daß gegen den Antisemitenapostel Professor Dr. S e v i n, früher in Ladenburg, jetzt in Ueberlingen am Bodensee, gerichtliche Untersuchung wegen qualifizirten Wuchers eingeleitet sei. Die Korrespondenz ging auch in andere Blätter über und Dr. S e v i n hat sich in einer öffentlichen Erklärung reinzuwaschen gesucht. Dies ist ihn: nicht gelungen, vielmehr dargethan, daß er nicht nur der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter, sondern auch einem Richtercollegium „hinreichend verdächtig" erscheint. Es wurde nämlich gegen den Angeschllldigten mittlerweilc das Hauptverfahren eröffnet ilnd es findet die Verhandlung am 30. d. M. statt. Paris. Baronesse Nathaniel de Rothschild hat dem Nu 866 äe Cluuy eine silberne Gewürzbüchse aus dem 16. Jahr¬ Seite 549 hundert zum Geschenke gemacht, welche die dem Museum gehörige Sammlung jüdischer Alterthümer (Collection Strauß) bereichert hat. Belfort. Die hiesige „Croix" schreibt: „Wir haben hier einen jüdischen General-Schatzzahlmeister, einen jüdischen Steuereinnehmer, einen jüdischen Ober- und einen jüdischen Unterarzt im Militärspital, einen jüdischen Artillerie-Oberft, einen jüdischeu Obmann des Velocipedisten-Ctubs, einen jüdischen emeritirtcn Schatzmeister, einen jüdischen Lehrer. Nebenbei bemerkt, gehört Herr A r d i s s o n, unser früherer Prüftet, gleichfalls der Judenschaft an. Zum Nachfolger des Gouverneurs von Belfort ist der Jude L e v y bereits ernannt, nicht zu vergessen, daß der neue Polizeicommissär Gerschall auch Jude ist. Amsterdam. Professor Dr. P. I. S t o ck v i s wurde zum Rector Magnificus der Universität Amsterdam für das nächste akademische Studienjahr ernannt. Das Decanat bekleiden mehrere Israeli en. Rom. Aus Einladung B o n g h i's versammelten sich gestern hervorragende Persönlichkeiten der Stadt, um ein Eomite zur Unterstützung der russischen Juden zu bilden. B o n g h i eröftnete die Versmnmlung mit der kurzen Erklärung, daß Italien, wo die Juden niemals auch nur den entferntesten Vorwand zu Klagen und Gehässigkeiten gaben, eine Eulturpflicht erfülle, indem es sich der Armen annehme, welche den Vorurlheilen blinder Leidenschaften nationaler Fanatikec zum Opfer gefallen sind. l?as Eomitü constituirte sich unmittelbar darauf unter dem Präsidium B o n g h i's, des Herzogs von S e r o n e t a und des S enators Allievi. Rom. Unser Glaubensgenosse Herr L u z; a t i ist seit kurzer Zeit Finanzminister in Italien und hat bereits wesentliche Ersparnisse für den italienischen Staatsschatz aufzuweisen. In der letzten Ministerrathsitzung sind die Ersparnisse auf 28 Millionen beziffert worden und es dürfte ihm gelingen, das Gleichgewicht im italienischen Staatshaushalte herzustellen. Florenz. Der Abbe Edgard M o r t a r a, der bekannte 1878 getaufte Iudenknabe, mußte vor Gericht erscheinen, um sich wegen des Vergehens, seiner Militär-pflicht nicht genügt zu haben, zu vertheidigen. Derselbe berief sich auf die Amnestie und auf seine im Auslande ausgeführten Reisen. London, 13. Juli. Die Ernennung unseres Glaubensgenossen Herrn Ne.) Elias zum englischen Generalconsul in Persien für die Provinzen Khorasson und Seistan beweist auf's Neue, daß man hier zu Lande das Bekenntniß zum Judenthum nicht als Hinderniß zur Bekleidung höherer Aemter betrachtet. Angesichts der Thatsache, daß unsere Brüder in Persien immernoch viel zu leiden haben, dürfte dies Ereigniß aber besonders erfreulich erscheinen und die Hoffnung auf allmälige Besserung der Lage unserer persischen Glaubensgenossen verstärken. Herr Ney Elias ist als ein berühmter Forscher und Reisender bekannt und Inhaber einer Preismedaille der „Royal Geographie Society." Rev. Dr. Gaffer wurde vom Könige von Rumänien jn Anerkennung der durch Veröffentlichung seiner „Chrestomatia Romana“ der rumänischen Literatur und Phylologie geleisteten Dienste mit dem höchsten Verdienstorden des Landes, dem Orden Benemerenti erster Elasse in Gold ausgezeichnet. Als Ergebniß der in den hiesigen Synagogen zu Gunsten der Hospitäler veranstalteten Sammlungen hat Ehief-Rabbi