Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 30 daß eine Fortsetzung der Züchtigung gefährlich wäre, er könnte nicht für das Leben des Knaben einstehen. Auch Herr Olschewsky war zu Tode erschrocken, als er die Wirkung der Schläge sah; er warf die Peitsche weg und erklärte^ die Polizei möge ihn nur wirthschastlich zugrunde richten, er werde das Kind nicht weiter schlagen. Die Polizei telegraphirte nun an den General-Gouverneur Gurko und erhielt die unglaubliche Rückantwort: „Die Züchtigung ist fortzusetzen". Da der Vormund sich dessen weigerte, mußten die Polizei-Organe das Werk vollenden. Besinnungslos, mit Blut übcrströmt, in Krämpfen, wmde der Knabe, dem Hetzen von Fleisch vom Leibe hingen, zu seiner Mutter gebracht, die man vorher von dem Vorfälle nicht unterrichtet hatte. Drene. Bukarest, Wie ich Ihnen s. Z. geschrieben, haben sie auch in Rumänien trotz des eigenen israelitischen Nothstandes uitd der gesetzmäßigen Maßnahmen, die in Folge der russischen Gräuel von den rumänischen Regierungsorgancit gegen uns getroffen werden, Gomites gebildet, uni für die russischen Israeliten Geldsammlungen zu veranstalten. Ich bin nunmehr in der erfreulichen Lage Ihnen mitzutheilen, daß allein das vereinigte (iomite der Tempel-Gemeinde und des „Zion".(Bnei-B'rith)-Ordens Hierselbst (welches auch Zentrale sein soll — Präsident Herr David Gabriel) sogleich den Betrag von 10.000 Fres an Baar sammelte, darunter einzelne Spenden von 400, öoO, 600 und 1000 Frcs, so daß das Gomittz hofft das Doppelte der erstnngegebcnen Suminc ausbringen zu können. Der Verein „Des volt ureü. InleleelukOu/) ebenfalls in B u k a r e st, hatte sofort 200 Fres beisammen. Herr A d o l f e tz l e r in P i t e s ch t i sammelte 300 Fres. In M o i n e s ch t i, dem Städtchen, aus welchem die ersten zwei jüdischen Kolonien in Palästina sich gebildet haben, wurden 700 Frcs von den Herren S. W e ch s l e r und R o s e n b e r g gesamnielt, welche sie auf 1000 zu bringen hassen. Ferner sind zusammengekommen in Crajo w a drnch Bemühung der Herren Ph. Lazar, I. Benwenisti l spaniolifeher Israelit) und S ch a r ge l Fres 1081.50, durch Herrn B ö m ch e s 411 Fres. In B o t o s ch a n i müssen leider Gcldsammlungen zu Gunsten der russischen Israelin für die aus den Dörfern der Bezirke Botoschani und Dorohoj rertricbencn rumänischen Israeliten verwendet werden. Ucber die Beweggründe des bei uns gegen uns entfesselten gesetzgebenden Sturmes verlautet einerseits, daß der Interpellant Aß lau, Armenier von Geburt, der mit seinen Glaubensgenossen bis zum Nachtragsprotocoll zum Pariser- Frieden von 1858 ganz ebenso rechtlos behandelt wurden, wi^ bis dahin die Zigeuner und noch jetzt die Juden, die Stelle als Bürgermeister in Jassy anstrebte und diescrhalb den Staub um sich aufwirbelte. Natürlich will der durch die auswärtigen Mächte in Folge seiner christlichen Religion zur Gleichberechtigung gelangte Armenier die rumänische „Judensrage" (?) „nicht vom religiösen Standpunkt" behandeln; seine Kammerrede aber strotzt von Wendungen, welche gerade die Religion der Juden berühren. Z. B. sagte er u. v. A.: ihr (der Juden) Glaube? Gr ist ihnen eigenthümlich und f ü r n i ch.ts i n d e r W e l t w ü r d e n sie ihn g e g e n einen anderen tauschen..." Und da soll die rumänische Iudenfrage leine (?) religiöse sein; der Satz ist doch wohl ein deutlicher Wink, sich taufen zu lassen, um den — Verfolgungen zu entgehen! Ein anderer, sehr glaubwürdiger Beweggrund zum Seite 547 neusten Rummel soll sein, daß der rumänische Staat ewig und auch jetzt in Geldnöthen ist und die Regierung sich fürchtet, neue Steuern vorzuschlagen, so habe sie die Motion A ß l a u darum mit Freuden angenommen, weil darin auch die Forderung des S t a a t s m o n o p o l s auf Spirituosen enthalten ist und die Regierung davon einige Millionen jährlich haben kann, ohne neue Steuern und mit der Gloriole des „Patriotismus"! Inzwischen ist A ß l a u als Bürgermeister - Eandidat gegen den Obersten Lange durchge—fallen, so daß er sich hoffentlich ernüchtert haben wird von seinen Herrtichkeitsträumen. Auch der aufgewirbelte S-aub und der patriotische Dunst hat sich ein Bischen verzogen, und während bis jetzt die allermeisten Zeitungen mit Blindheit geschlagen waren, haben nun einzelne angefangen, sehend zu werden. Bei der Berathung der Resolution Aßlau in den K n m m e r s e c t i v n e n wurden alle von ihm verlangten neuen Ausschlußgesetze, Spirituosenmonopol, Verkaufsbazare für bäuerliche Bedarfsartikeln.) gestrichen. Rur die Einsetzung der geforderten „Special-Gvnunission" wurde beibehalten und deren Bestand von 7 auf 15 erhöht. Als cs aber zur Wahl kam, stellte sich vollends heraus, was hinter dem ganzen Rummel ist. Denn alle Deputirten drängten sich, gewählt zu werden und da es nur 15 sein konnten, so brachte der Brodneid eine Dppotion gegen das ganze Prcject zu Stande. Die Regierung benützte den Hader, um die noch nicht vorhandene Beute, um durch den Deputirten I a r c a ( Bufeu) einen Antrag auf Vertagung der Gommisfionswahl bis zum Herbst zu stellen. Diese wurde mit 71 gegen 26 Stimmen angenommen und, wie Iarca vorher sagte, bedeutet die Annahme der Vertagung zugleich, daß die Kammer die ganze Gomnnssionscinsetzung fallen läßt. Denkt man ein bischen nach, so wird man finden, daß der in Schulden und Brodmangel steckende Aßlau mit Urgirung der Gommission nur bezweckt hat, als voraussichtliches Mitglied derselben einerseits Diäten, andererseits mittels Drohung und Erpreßung bei Israeliten reichen Gelderwerb sich zu schaffen. Darum stimmten zuerst die meisten Deputirten für seine Resolution und d a r u m drängten sich alle zur Gommission; sie tvollten an der Beute theilnehmen. Ich werde wohl noch Gelegenheit haben, über Niederträchtigkeiten unserer Beamtenschaft als Folge der „Motion Aßlau" zu berichten, allein diese selbst ist für mich abgethan: sie war nur zur Plünderung erdacht, die Regierung aber ist ehrlich und klug gewesen, sic ztl durchkreuzen. Wien. (Todesfall.) Herr Börserath und Cultusvorsteher Calo Cohn hat einen schweren Verlust erlitten: sein vierzehnjähriger Sohn Dtto ist am 26. d. um halb 11 Uhr Nachts nach sechswöchentlicher- Krankheit in Altmünster verschieden. Das Leichenbegängniß fand Mittwoch Nachmittag 4 Uhrunter zahlreicher Bclheiligung aller Gesellschaftskreise der Resi-. denz auf der ißael. Abtheilung des Gentralfriedhofes statt Den schwer geprüften Eltern sind aus Nah und Ferm zahlreiche Zeichen aufrichtiger Theilnahme zugckommcn. Wien. (Schul st a t i st i k.) Im abgelaufenen Schuljahre 1890/1 wurden in 23 Volksschulen für Knaben, Orstrrreichifchr Wochenschrift.